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Die Wahrheit · 1937-09-05 · Heft 35-36 (5.9.1937) · page 15

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 35-36 (5.9.1937)
Date
1937-09-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 35/36 — 5. September 1937 Seite 15 Wien I.) Seitenslettengasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem L Tor _Samstag gcichlogsen!_ Wohl gelingt es nach einigen Jahren dem „Verein der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels", durch Aufbringung von Geldbeträgen die Inneneinrichtung dieses Gotteshauses notdürftig wieder in Stand zu setzen und den Tempel seiner Bestimmung wieder zuzuführen. Der Eindruck, den man beim Betreten d:eses altehrwürdigen Gotteshauses hinsichtlich der Innenausstattung empfängt, ist ein sehr trauriger, und es ist einer "Wiener Kultusgemeinde unwürdig, ein derart primitiv ausgestattetes Gotteshaus den vielen Fremde^ welche sehr oft dieses Gotteshaus besichtigen, zeigen zu müssen, ganz abgesehen von den vielen langjährigen Bethausbesuchern, die es einfach unbegreiflich finden, das Gotteshaus verfallen sehen zu müssen. Kahle Wände umrahmen das Innere des Gotteshauses, die Betpulte sind teilweise vermorscht, ein Teil der Sitze nur notdürftig in Stand gesetzt, d e Lichtleitung nur provisorisch installiert. Dieses Provisorium besteht nunmehr 20 Jahre. Ein Gotteshaus, in welchem Größen wie Mannheimer, Güdemann, Schmiedel, Grunwald, T a g 1 i c h t wirken, resp. gewirkt haben, wo die berühmtesten Kantoren fungierten, hätte wahrlich schon seiner Tradition wegen eine andere Inneneinrichtung verdient. Aus Anlaß der bevorstehenden hohen Feiertage glaubt der Gefertigte, eine Veranlassung gefunden zu haben, die Judenschaft auf die erwähnten Zustände dieses altehrwürdigen Gotteshauses aufmerksam machen zu dürfen. Infolge der Wirtschaftskrise und der damit verbundenen Verarmung der Bevölkerung im allgemeinen, ganz besonders aber der jüdischen Bevölkerung, scheint die Kultusgemeinde außerstande, Geldbeträge zur Restaurierung dieses alten Gotteshauses zur Verfügung zu stellen. Es muß daher meines Erachtens nach private Initiative einsetzen, um endlich nach 20 Jahren dieses Gotteshaus einer seiner Tradition würdigen inneren Ausstattung zuzuführen. Es wäre für das Judentum beschämend, wenn sich unter den 80.000 Steuerträgern nicht eine Anzahl von Gönnern finden würde, dieses kostbare Kleinod vor dem Verfalle zu retten, die sich verschließen würden, ihr Scherflein zur Instandsetzung des Gotteshauses beizutragen. Der Schreiber dieses Artikels ist überzeugt, daß seine Anregung auch bei den Glaubensgenossen des Auslandes Widerhall finden wird. Friedrich Seidl. GEMEINDECHRONIK. Heldengedenkfeier des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs". Am 12. September, 10 Uhr vormittags, findet am Heldenfriedhof (Zentralfriedhof, I. Tor) die große Heldengedenkfeier des „Bundes judischer Frontsoldaten Oesterreichs" statt. Frontsoldaten-Friedenskongreß. An der feierlichen Eröffnung des Frontsoldaten-Friedenskongresses beim Heldendenkmal nahm auch eine Ehrenkompagnie des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs teil, die von den ausländischen Gästen lebhaft akklamiert wurde. , Trauung. Donnerstag, den 2. September fand im Seitenstettentempel die Trauung des Fräuleins Lilly S a 1 z e r, Tochter des Herrn und Frau Kom.- Rat Alexius S a 1 z e r, mit Herrn Maximilian Birnbaum statt. Das Gotteshaus füllte eine stattliche Zahl von F&stgästen, insbesondere war die „Union österreichischer Juden" durch eine sehr große Abordnung unter Führung des Vizepräsidenten Dr. J. T i c h o vertreten. Sie ehrte auch auf diese Weise den Brautvater, der bekanntlich seit vielen Jahren in den vordersten Reihen der „Union" steht und sich um diese Organisation, insbesondere als Obmann des Organisationskomitees und Leiter der Wirtschaftlichen Beratungsstelle große Verdienste erworben hat. Die Trauungsrede hielt in herzlicher Weise Rabbiner Dr. J. M. Bach, der darauf verwies, daß die Brauteltern im kaufmännischen und gesellschaftlichen Leben eine geachtete Stellung namentlich in jüdischen Kreisen einnehmen und daß der Bräutigam einem gut jüdischen Hause entstamme und sicherlich bestrebt sein werde, in seinem Heime die Traditionen seiner Eltern fortzusetzen. Brauteltern und Bräutigam waren Gegenstand wärmster Glückwünsche, denen wir uns herzlich anschließen. 70. Geburtstag. Dieser Tage feierte Herr Dr. Arnold Ascher, Herausgeber der B'nai B'rith-Mitteilungen für Oesterreich und vieljähriges Vorstandsmitglied der Wiener israelitischen Allianz, seinen 70. Geburtstag. Dem Jubilar sind von nah und fern Glückwünsche zugekommen, in denen die allgemeine Wertschätzung zum Ausdruck kommt, die er sich auf Grund seiner hingebungsvollen jüdischen Betätigung erworben hat. Todesfälle. Ein aufrechter Mann und guter Jude ist zum tiefsten Schmerze der Seinen und zum aufrichtigen Leid der vielen, die ihn gekannt und geschätzt, ja geradezu geliebt haben, dahingegangen. Direktor Karl Ehrenzweig ist nach schwerem Leiden im 68. Lebensjahre verschieden. Man weiß nicht, wenn man die Persönlichkeit des Verblichenen würdigen will, welche seiner vielen ausgezeichneten Eigenschaften man am höchsten preisen soll, seinen Familiensinn, der ihn mit inniger Liebe an seiner ihm in 36jähriger glücklicher Ehe verbundenen Gattin, seinen drei Töchtern, seinem Enkelkinde und allen seinen Angehörigen hängen ließ, zu denen u. a. als Schwager der Obmann des Pazmanitentempels Oskar Schramek zählte; sein Gerechtigkeitsgefühl, das er insbesondere in seinem beruflichen Wirken bekundete; seine Bescheidenheit, die ihn trotz seiner gehobenen sozialen Position — er war leitender Direktor der Versicherungsgesellschaft „Domus" und Verwaltungsrat der Ersten Slavischen Versicherungsgesellschaft — auszeichnete; seinen Wohltätigkeitssinn, dessen wesentlichstes Merkmal das Geben im Stillen war; se'n jüdisches Gefühl, das ihn Anteil nehmen ließ am Pazmanitentempei, dessen Vorstand er durch mehr als 20 Jahre angehörte und der durch seine Wahl zum Ehrenmitgliede nur sich 'selbst ehrte. Nehmt alles nur in allem, er war ein ganzer Mensch, ein ganzer jude. Deshalb genoß er auch allseits so aufrichtige Sympathien und mit der schmerzgebeugten Familie betrauert ein gewaltig großer Kreis seinen Heimgang. Die große Zeremonienhalle am I. Tor konnte die unübersehbare Zahl der Trauergäste nicht fassen, die am 1. d. M. dem teuren Verblichenen das letzte Geleite gaben. Neben seiner Familie sah man: in Vertratung der Kultusgemeinde die Kultusvorsteher Dr. Landau und Dr. M a i e r sowie die Amtsleiter Engel und F r e i s t a d t, den gesamten Vorstand und viele Mitglieder des Pazmanitentempels mit Obmann Oskar Schramek an der Spitze, Vorstandsmitglieder der Chewra Kadischa und zahlreicher Wohltätigkeitsvereine. Besonders stark war die Versicherungsbranche vertreten, in der der Verewigte infolge seiner Tüchtigkeit und Geradlinigkeit besonders geachtet war. Man sah u. a. den Präsidenten der „Domus" Gemeinderat Roth und d e Herren Ing. Anton Dechant und Dr. Wilhelm Steiner dieser Gesellschaft; vom „Phönix" Baron Re'ininghaus, Dr. Schlesinger, Ing. Reinhart und Prokurist Lang; Dir. Goldhagen (1. Slavische); Dir. Broczyner; Dir. Kuffler (1. Allgemeine); Gen.-Dir. Wawra (Wechselseitige); Frau Dr. Leo Deutschländer Wien staatlich geprüfte Pädagogin, nimmt zum 1. Oktober 1937 junge Mädchen auf. Geboten wird in traditionell religiös geführtem, kultiviertem Heim, mit schönem Garten Unterricht in Fremdsprachen (einschließend Examen an Universität), in jüdischen Fächern, Kunstgeschichte, Weltliteratur, Gymnastik, Hygiene, Haushaltung und kaufmännischen Fächern mit fremdsprachiger Korrespondenz. Für an Wiener Hochschulen oder sonstigen Bildungsanstalten studierende Mädchen und für Wiener Schulen besuchende Kinder wird ein angenehmes Heim, sowie Hilfe bei den Studien und Schulaufgaben geboten. Anmeldungen und Auskunft: Frau Dr. Leo Deutschländer, Wien VII., Halbgasse 22, Tel. B-35-802. Ab 20. September: Wien XIX., Hofzeile 12. Referenz: Oberrabbiner Dr. Israel Tagh'cht, Wien 11., Ferdinandstr. 23. Schmückung foo Gruiten and Gräbern LßopoldDeutschJienXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhoi I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Dir. Maierhofer (Anglo-Danubian Lloyd); Dir. Dr. Jellinek („Kosmos"); Generalsekretär Dr. Schreiber (Fabriken des "Rückversicherungs-Verbandes) u. v. a. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. A. Z. S c h w a r z, der ein Bild der Persönlichkeit des Heimgegangenen entwarf. Präsident Mo issl, der für die Direktion und die Angestellten der „Domus" sprach, hob besonders den Gerechtigkeitssinn des 15 Jahre der Anstalt treu ergebenen Direktors hervor und überbrachte deren dankbare Grüße auf den Weg in die Erde der Heimatstadt, die der Heimgegangene so geliebt. Oberdirektor Dwofak sprach namens der Ersten Slavischen Versicherungs-Gesellschaft. Wehmütigen Abschied nahm namens des Pazmanitentempels übmannsteilvertreter Kultusvorsteher Dr. Leonhard M a i e r, der erklärte, daß das Andenken dieses, um den Tempel so hochverdienten Mannes niemals erlöschen werde. Ueberaus würdig war die kantorale Funktion des Herrn Oberkantor J. L. M ü 11 e r, unterstützt vom I. Kantor Stift. Dir. Ehrenzweig wird allen, die ihn gekannt haben, unvergeßlich bleiben O. H. — Das allverehrte Mitglied der „Union österre 'chischer Juden", Herr Generaldirektor Oswald W e i ß, wurde von einem außerordentlich schweren Schicksalsschlag betroffen. Sein erst 26jähriger Sohn Y r i t z, der sofort nach Vollendung seiner Mittelschulstudien als einfacher Mitarbeiter seine Lehrzeit in den Betrieben aufnahm, denen sein Vater vorsteht, der sich dort, wo er von der Pike auf gearbeitet hat, vor allem auch bei den Arbeitern große Sympathien zu erwerben wußte, der dann Vorstandsmitglied der Ersten Oesterreichischen Maschinenglasindustrie A. G., Geschäftsführer der Industrie- und Montangesellschaft m. b. H., Vorstandsmitglied der Ersten Böhmischen Glasindustrie A. ü., Verv.altungsrat der Verkaufsgemeinschaft böhmischer Tafelglasfabriken A. G., Prag, und Verwaltungsrat der Patronenhülsen- und Metallwarenfabrik A. G. in Rokycany geworden war, ist in der Blüte seiner Jugend gestorben. Dem Elternpaar, das den einzigen Sohn verloren hat, wendet sich die allgemeine Teilnahme unserer Mitgliedschaft zu. Ausspeisungs-Verein für den XVI. und XVII. Bezirk (zur Ausspeisung armer jüdischer Erwachsener und Kinder), XVI., Wurlitzergasse U. Der Verein, der als „Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk" seit 38 Jahren dafür gesorgt hat, daß in diesen Bezirken kein jüdisches Kind hungert, hat seinen Namen in „Ausspeisungsverein" geändert, weil er jetzt täglich auch zirka 80 arme Männer und Frauen, darunter auch deutsche Flüchtlinge, ausspeist. Dadurch sah sich der Verein veranlaßt, die früher während der Ferien unterbrochene Ausspeisung den ganzen Sommer über fortzuführen, Freitag-Abende und alle Abende der Feiertage die Armen auszuspeisen, insbesondere boten die Sederabende, welche an jedem Abend 120 arme Juden und Jüdinnen festlich vereinigten, einen wirklich herzerhebenden Anblick. Aber all dies erfordert viel Geld und unsere Kassen sind leer. Die Zeiten schwerster Sorge und größter Verantwortung stehen uns bevor. Bitte, helfen Sie uns! Durch eine Zuwendung — und sei sie auch klein. — tragen auch Sie zu diesem edlen Zwecke bei. Für die Vereinsleitung Rabbiner Prot. D. I. M. Bach, Ehrenpräsident. Chewra Kadischa Floridsdorf. Am Grabe des vor lahresfrist verstorbenen jahrzehntelangen Obmannes des Bethausvorstandes Floridsdorf und der Chewra Kadischa Floridsdorf Gabriel Dukess. A. erschienen am 29. v. M. Herr Rabbiner M. Rosenmann, der Obmann des Bethausvorstandes Floridsdorf. der Talmud Thora und der Chaunen Dali Floridsdorf Herr Dr. Max T i c h o und der Obmann der Chewra Kadischa Floridsdorf Herr Simon C z u c k a mit sämtlichen Vorstandsmitgliedern, sowie Herr Oberkantor Teig und die Familie des Herrn Gabriel Dukes. Rabb. Dr. M. R o s e n m a n n würdigte in überaus gehaltvoller Rede die großen Verdienste, die der Verstorbene während seiner mehr als 50 lahre langen Tätigkeit für jüdische Interessen in Floridsdorf sich erworben hat und wie er mit ganz besonderem Takt, selbst in der krisenhaften Zeit, den Frieden im Bezirke aufrechterhalten hat. Das Andenken an Gabriel Dukes wird in Floridsdorf immer hochgehalten werden. Herr Oberkantor Teig trug mit viel Gefühl ein El mole Rachamim vor. In der aus diesem Anlaß nachfolgenden Sitzung der Chewra Kadischa Floridsdorf wurde folgender Nachruf protokollarisch festgelegt. Gabriel Dukes, wir standen heute an deinem Grab, um dein Andenken zu ehren. In diesen Tagen wird es 60 Jahre, daß die Gemeinde Floridsdorf von beherzten Männern gegründet wurde. Vor

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