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Die Wahrheit · 1937-08-27 · Heft 34 (27.8.1937) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 34 (27.8.1937)
Date
1937-08-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 34 — 27. August J1937 Seite 7 Wien l.i Seitenstetiengasse 2 XI.| Zentralfriedhof aeben dem L Tor ^— der als den Tag der Zerstörung dös Zweiten Tempels. Scharfe Angriffe richtete Rosenheim gegen die Zionistische Organisation. Wir dürfen nicht vergessen, sagte er, daß wir es nur dem Druck nichtjüdischer Faktoren, der englischen Regierung und des High Commissioner, zu verdanken haben, daß uns wenigstens sechs Prozent der Zertifikate zugebilligt werden. Auf den Peel-Bericht und die TeBungsfrage übergehend, sagte Rosenheim, er glaube, daß der Teilungsplan von zionistischer Seite ausgegangen sei, da er zionistischer Denkungsart entspreche; dieselbe psychologische Einstellung herrsche auch im Colonial Office. Es sei ein Glück, daß weder die Zionistische Organisation noch das Colonial;Office das jüdische,;bzw. das englische Volk repräsentieren. Die englische öffentliche Meinung werde sich ein Diktat des britischen Colonial Office nicht aufzwingen lassen. Die Frage sei nicht, ob die Zionistische Oganisation oder das Kolonialamt die Teilung wollen, sondern ob das jüdische und das -arabische Volk sie wollen. Wir protestieren, sagte der Redner unter dem Beifall des Saales, gegen die Vergewaltigung eines Volkes durch eine Partei; wir werden das Weltgewissen gegen diese Vergewaltigung mobilisieren. Bei meinen Verhandlungen mit den Mitgliedern der Mandatskommission habe ich volles Verständnis für diesen Standpunkt gefunden. Vorläufig hat nur eine Partei, nämlich der Zionistische Kongreß, gesprochen; die Aguda wird-eine Einheitsfront aller nichtzionistischen Juden schaffen, um das Monopol der Zionisten zu brechen, die die Schwierigkeiten in Palästina als geeignete Gelegenheit ansahen, ihre Staatspläne, zu verwirklichen. Zum •, Schluß- ■ toefaßte sich Rosenheim mit den Fragen der Alija nach *Erez Israel und der Auswanderung nach anderen Ländern; er erhob gegen die großen jüdischen Organisationen den Vorwurf, daß diese es trotz wiederhorter Aufforderungen seitens der Aguda bisher abgelehnt haben, ein zentrales Wanderungsamt einzurichten. ,i Schluß der Kenessio Gedaulo. Am 'Dienstag, den 24. August, gegen Mitternacht Ist die III. Kenessio Gedaulo der Weltorganisation der Agudas Jisroel zu Ende gegangen. Den Vorsitz in der feierlichen Schlußsitzung führte der Präsident der Warschauer Jüdischen Gemeinde M a z u r. Es wurde eine "Reihe Resolutionen über Chinuch (Erziehung), Keren Hajischuw (Paläsiina-Siedlungsionds), Schmito (landwirtschaftliches Brachjahr in Palästina), Schmiros Schabbos (Beobachtung des Sabbat) usw. einmütig angenommen. Hernach wurde ein Zentral rat gewählt, dessen Vorsitz der frühere, polnische Senator und Oberrahbiner von Rzeszow, L e w i n, übernahm, sowie ein W a a d Hapoel (Aktions-Ausschuß), dem 8 führende Persönlichkeiten der Aguda angehören. Von der Wahl einer neuen Exekutive wurde abgesehen und eine solche Wahl dem Waad Hapoel überlassen. Nach Schlußansprachen vom Oberrabbiner L e w i n, dem PIniewer Raw Hanneman, dem Jaworzner Raw Zwi Hirschhorn, I. M. L e w i n-Warschau, Doktor Breuer, Raw Z e m b a-Warschau und Präsident Rosenheim, der der Stadt Marienbad für die Gastfreundschaft und der Presse für die Unterstützung dankte, ging die feierliche Sitzung zu Ende. An die Sitzung schloß sich Gesang imd Tanz der Jugend. Einheitsfront Misrachi —Aguda 1 Wie der JTA-Vertreter erfährt, hat die Leitung der Kenessio Gedaulo in Marierrbad ein vertraulich gehaltenes Schreiben von der Misrachi- Leitung, die nach dem Zionistenkongreß in Zürich eine Beratung abgehalten hat, erhalten; in diesem Schreiben gibt der Misrachi seine Bereitschaft kund, mit der Leitung der Weltorganisation Agudas Jisroel m Verhandlungen über Schaffung einer Einheitsfront zur Wahrung der 'religiösen Belange in Palästina, insbesondere im Hinblick, auf den Plan der Schaffung ^mes' Jüdenstaatesii zu^b-eten. Aguda und Neu-Zionistische Organisation. Der Präsident der Aguda, Jacob Rosenheim, hat der JTA folgende Erklärung über die Verhandlungen der Revisionisten mit der Aguda abgegeben: Wir haben mit aller Klarheit Herrn Jabotinsky erklärt, daß es sich bei diesen Verhandlungen nur tun ein taktisches Bündnis mit den Parteien handelt, die an der Lösung der Palästina-Frage interessiert sind und die dagegen protestieren, daß die Zionistische Organisation als Repräsentantin des jüdischen Volkes angesehen wird. Wir lehnen es ab, uns irgendwie mit der Neu- Zionistischen Organisation zu identifizieren. Unsere Motive und die der N. Z. O. sind verschieden. Die Aguda hat den Radikalismus der N. Z. O. nie gebilligt und hat nie den Judenstaat zu beiden Seiten des Jordans gefordert Wir haben mit der Politik der N. Z. 0. ebensowenig zu tun wie mit der Politik der Jewish Agency. Müllncrfempel IX., Grünenforgasse Nr. 13 Tempelsitze für die hohen Feiertage in der Tempelkanzlei (Eingang IX., Müllnerg. 21) wochentags 6— 8 Uhr abends erhältlich. Telephon Nr. A13-8-91 (tagsüber A13-6-91) Der in Marienbad anwesende Vertreter der Neu- Zionistischen Organisation Dr. Oscar Rabinowicz äußerte sich dem JTA-Vertreter gegenüber wie folgt: Unsere Beziehungen zur Agudas Jisroel sind rein taktischer Natur. Unsere ideologischen, weltanschaulichen und anderen Unterschiede bleiben nach wie vor unverändert bestehen. Aber uns beiden ist — wenn auch bei jedem Partner aus anderen Motiven heraus — gemeinsam die absolut negathrr EtasteUnng zu Jeder Teilung von Erez Israel, sowie der Kampf um die Schaffung der vom Volke autorisierten Repräsentanz des Judentums, welche bis heute, noch nicht besteht Ii : „Palästina nicht die einzige Losung". Die dem englisdjh'en Kolonialministerium nahestehende Zeitschrift „Great Britain arid' the East" befaßt sich in einem ' ausführlichen Artikel mit der Teilungsfrage. Palästina, schreibt das Blatt, sei eine Rettung;'aber fe dem "Wunsche, einer leidenden Gemeinschaft zu helfen, habe man die Ansprüche der Araber übersehen. Unbarmherzig zwinge die Logik der Tatsachen die Juden dazu, die Teilung anzunehmen. Der von der Kgl. Kommission versprochene Staat-sei «ine winzige Sache» und bei aller Beredsamkeit Dr. Weizmanns sei es schwierigzu glauben, daß er vergrößertwerden könnte. „Aber selbst wenn FRAU mit eigener Weinen Wohnung im XX. Bez. sucht jud. Partnerin ÖO—60 Jahre unter„Oefeflte Rechnung" an die Adm. d. Wahrheit, iL, Heinesrr. 13 die Teilung vollzogen sein wird", so schließt der Artikel, „wird das jüdische Problem bleiben, und das ist eine Frage, gegenüber welcher Engländer, als die Haupturheber des Gedankens der Errichtung eines Nationalheims für die Juden, nicht gleichgültig bleiben sollten. Das jüdische Volk kann nicht vernichtet werden und sterben. Wo soll es siedeln und wo soll eine Ansiedlung vollendet werden? Muß der jüdische Staat in Palästina der einzige jüdische Staat sein? Gibt es kein Gebiet in dieser Weh werter Räume, das jüdischer Fleiß und Opfermut fruchbar machen könnten? Die westlichen Demokratien werden sich diesem Problem gegenübersehen, jetzt, da man die Grenzen erkennt, die Geographie und Geschichte dem Natiönalheirn in Palästina setzen." Die Gottiosen-Ptfcpaganda unter den Juden in Sowjet-Rußland gescheitert. Die in jüdischer Sprache erscheinende Moskauer Tageszeitung „Emes" führt bewegliche Klage über das Wiedererwachen desreligiöseh Gefühls unter den Jaden in Sowjet-Rußland. In elftem langen LerrarriscnmOchoBü ton tiranen and Grauem LBopoldflBUtschJiBnXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhoi I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhot IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene holturen kel heißt es u. a.: Es ist eine beschämende Tatsache, daß das anti-religiöse Erziehungswerk unter den jüdischen arbeitenden Massen, besonders aber in den jüdischen Schulen, nahezu völlig eingeschlummert ist. Viele Lehrer haben die antireligiöse Erziehung der Kinder seit langem eingestellt Diese Apathie, meint das Blatt, sei eine Folge der „falschen und schädlichen Auffassung, daß die anti-religiöse Kampagne in der Sowjet-Union nicht mehr notwendig sei, weil das religiöse Empfinden, besonders bei der jüngeren Generation, bereits im Schwinden begriffen sei. „Das Ergebnis dieser Auffassung sei, daß die jüdischen „Klerikalen" eine energische Propaganda zur Verbreitung der religiösen Ideen unter den Juden eingeleitet hätten. „Wir müssen," schreibt „Emes", „klar und offen zugeben, daß diese dunklen Elemente ihr Werk nicht ohne Erfolg führen. So haben z.B. in den kleineren Städten der Provinz Mohilev-Podolskz zahlreiche Kinder während derPassah-Feiert a g e die Schule nicht besucht, sondern am Qottiesdienst 'teilgenommen. In vSeren Fällen werden- Kinder, außer ihrem regulären Schulunterricht, daheim von Hebräisch-Lehrern unterrichtet". „Judenbänke" in Berliner Garten. Das Gartenbauamt des Berliner Verwaltungsbezirks Prenzlauer Berg hat von den in den Anlagen befindlichen 100 Sitzbänken 92 mit der Aufschrift „Für Juden verboten" versehen Tassen. Die übrigen achtBänke sind nulr für Juden bestimmt. GEMEENDECHRONIK. Gedenktafelenthülhmg. Am 5. September a. c. wird Im Gemeindetempel, IL, Tempelgasse $-5 die .vom «Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs", Gruppe Leopoldsläat für die im Wertkriege gefallenen jüdischen Frontsoldaten errichtete Gedenktafel Im Rahmen einer Gedenkfeier durch den Bundesführer des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs", Hauptmann a. D. Edlen von F r r e d m a n n enthüllt Der Eintritt zu dieser Gedenkfeier erfolgt nur gegen Eintrittskarten, welche bis zum 31. August zwischen 20—22 Uhr In der Gruppe Leopoldstadt des BJF, IL, Praterstraße 66 unentgeltlich erhältlich sind. Trauung. Donnerstag, den 2. September, hafb 12 Uhr vormittags, findet im Seitenstettentempel die Trauung-' des Fräuleins Lilly Salzer mit Herrn Maximilian Birnbaum statt. Die Braut ist die Töchter des Herrn und Frau Komm.-Rat Alexius Salzer, des in weitesten Kreisen überaus geschätzten Vorstandsmitgliedes, Obmannes des Organisationskomitees und Leiters der Wirtschaftlichen Beratungsstelle der „Union österreichischer Juden", die. wie sicherlich die vielen Freunde des Herrn Komm.-Rat A. S a I z e r an der Freude seines hochgeschätzten Hauses innigen Anteil nimmt. Die „Weibliche Föfsorge*, Verband von Wohifahrtsvereinen, veranstaltet am Mittwoch, den 1. September, präzise 11 Uhr vormittags, im Hause der Kaufmannschaft, IV., Schwarzenbergplatz 16, anläßlich des 90. Geburtstages der hochverdienten Präsidentin Regine Ulmann eine Feier. Wir verweisen unsere Leser auf das Inserat der Maturaschule „Universum"» Wien IX., Garnisongasse 3, in unserer heutigen Nummer und empfehlen dieses bestbekannte Institut unseren Lesern aufs wärmste.

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