Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 30 (30.7.1937)
- Date
- 1937-07-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3062972-3064663-3064692--21237-3086571- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedle par l'edJteur" Jüdische liUensclinft Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.9 53. Jahrgang Wien, 30. Juli 1937 Nummer 30 Itellungnahme der „Union" zum Plan der Teilung Palästinas. Rasiere Didi gut and billig Im Zentralvorstande der „Union österreichischer Juden" wurde der Bericht der Königlichen Kommission und ihr Vorschlag auf Dreiteilung des Landes in einen jüdischen, arabischen Staat und in ein neues britisches Mandatsgebiet, der von der englischen Regierung angenommen wurde, zur Diskussion gestellt, deren Ergebnis in folgender Resolution zum Ausdruck kommt: Die „Union österreichischer Juden" kann den von der Königlichen Kommission vorgeschlagenen lind von der englischen Regierung akzeptierten Plan einer Dreiteilung Palästinas mit dem Großbritannien vom Völkerbund erteilten Mandat nicht in Einklang bringen. Die Beschränkung der jüdischen Einwanderung auf ein Territorium von nur ca. 3000 nf, also auf weniger als ein Siebentel der Gesamtfläche von Palästina, stellt beinahe die gänzliche Aufhebung der heute ohnedies schon beschränkten Möglichkeit dar, jene unserer Glaubensgenossen, die heimatlos geworden sind — und es werden ihrer leider immer mehr — und in Palästina eine neue Heimat finden wollen, im heiligen Lande anzusiedeln. Insbesondere bedeutet aber die Absicht, Jerusalem aus dem jüdischen Territorium auszuscheiden, die Mißachtung der religiösen Sehnsucht des Judentums seit 2000 Jahren. Die „Union österreichischer Juden" hat seit jeher die Bestrebungen, in Palästina, dem Lande unserer Väter, für Juden, die in ihren Heimatländern nicht bleiben wollen oder können, eine rechtlich gesicherte Heimstätte, auf religiöser Grundlage, frei von jeder national-politischen Aspiration, zu errichten, gefördert. Sie lehnt jedoch die Schaffung eines jüdischnationalen, scheinbar souveränen Zwergstaates, der überdies den palästinensischen Glaubensgenossen keine Expansionsmöglichkeit bieten kann, als dem Frieden der Glaubensgenossen im heiligen Lande und den politischen Stechten der Juden in ihren Heimatländern gefährlich, mit Entschlossenheit ab. und sieht auch darin eine Verletzung des von der Balfour-Deklaration aufgestellten Grundsatzes, daß „wohlverstanden sei, daß nichts geschehen dürfe, was den Rechten der Juden und ihrer politischen Situation in irgendeinem Lande der Welt abträglich sei." Die „Union österreichischer Juden" sieht nur die Möglichkeit der Lösung des Problems in der Aufrechterhaltung des englischen Mandates und in der Herstellung freundschaftlicher Beziehungen auf der Grundlage der gemeinsamen Heimat zu den Arabern des Landes, die im Vereine mit den Juden seine Wohlfahrt zu fördern bestrebt sein müsseh. Sowohl im Falle der Teilung als auch bei Aufrechterhaltung des Mandates droht laut Bericht der Königlichen Kommission eine weitere Einschränkung der jüdischen Einwanderung. Da sich aus dem Bericht der Königlichen Kommission und seiner Annahme durch die englische Regierung ergibt, daß England außerstande ist, die Verpflichtungen aus der Balfour-Deklaration und aus dem Mandate in vollem Umfange zu erfüllen, andererseits die Zahl der heimatlosen Juden durch die antisemitische Bewegung in Deutschland, Polen ansteigt, halten wir die englische Regierung tind den Völkerbund für moralisch verpflichtet, den heimatlosen oder von der Gefahr der Heimatlosigkeit bedrohten Glaubensgenossen auch andere rechtlich gesicherte Heimstätten außerhalb Palästinas zur Siedlung zur Verfügung zu stellen. Der Völkerbund, der die Entrechtung der Juden in Deutschland nicht verhindert hat, müßte wenigstens die Einhaltung der Verpflichtung des Mandates, unseren heimatlosen Glaubensgenossen in Palästina nach seiner Aufnahmsfähigkeit, eine rechtlich gesicherte Heimstätte zu geben, erwirken und dürfte schon deshalb die Teilung des Landes nicht Oesterrelclilsclies Qnalltöts Fabrikat Ueberau erhältlich Seife und fierrsefie? 5)ie. 9atästina-$pebatte im m&tisdkm &mtament. Die Palästina-Politik der britischen Regierung hat im Unterhaus eine schwere Schlappe erlitten. Eine offene Niederlage wurde nur dadurch verhindert, daß Churchill, Lloyd George, Attlee und Kolonialminister Ormsby-Gore sich in letzter Minute auf eine Formel einigten, durch die eine Abstimmung über den Plan vermieden werden konnte. Statt die Regierung, wie sie dies ursprünglich gefordert hatte, zu ermächtigen, den Plan als britischen Vorschlag dem Völkerbund zu unterbreiten, beschloß das Parlament lediglich, „daß die Vorschläge der Königlichen Kommission dem Völkerbund vorgelegt werden mögen, damit die britische Regierung in die Lage versetzt wird, nach entsprechender Prüfung dem Parlament einen Plan zu unterbreiten, der alle Empfehlungen der Kommission vollkommen in Betracht zieht". Wie man aus dieser Fassung ersieht, ist der Teilungsplan der Königlichen Kommission keineswegs aufgegeben worden. Er hat zwar nicht allgemein gefallen, er ist aber nicht gefallen. Darüber sollten, sich auch die Jüdischnationalen keiner Täuschung . hingeben. Was der britischen Psyche wider den Strich geht, ist das im Kommissionsbericht enthaltene Einbekenntnis der Unfähigkeit, das Mandat über Palästina im ursprünglichen Sinne, der übrigens, wie die jetzigen Auslegungsversuche des Koloniahninisters zeigen, keineswegs eindeutig feststand, durchzuführen. Was tut die englische Regierung zur Beruhigung dieser peinlichen Empfindungen? Sie läßt sich, um ihre Absichten ohne Prestigeverlust verwirklichen zu können, das, was sie selber plant, vom Völkerbund als Aufgabe zuweisen. Nur naive Gemüter, die aus dem Weltgeschehen der letzten Jahre nichts gelernt haben, sind imstande, von Genf her einschneidende Aenderungen dessen, was man in London will, zu erwarten. Sollten die Jüdischnationalen wirklich so leichtgläubig sein, wie sie sich jetzt stellen, dann werden sie dieselbe Enttäuschung erleben, wie die Saar-Juden und zuletzt noch die Danziger Juden, die am eigenen Leib erfahren mußten, was, so bedauerlich dies auch sei, der Schutz des Völkerbundes für die Schwächen wert ist . . . Die Rolle, die der Völkerbund in dieser Angelegenheit zu spielen hat, umriß der Kolonialminister im Unterhaus ziemlich klar: gemeinsam mit der britischen Regierung eine Lösung auszuarbeiten. Das Genfer Völkerparlament wird sich aber mit dieser Ausarbeitung keineswegs überanstrengen müssen. Denn Ormsby-Gore fügte gleich, hinzu: „Wir sind der Ansicht, daß der Bericht der Kgl. Kommission eine solche Lösung darstellt und sowohl durchführbar als auch gerecht ist." Die britische Regierung sei der Ansicht, daß der Teilungsplan die beste Möglichkeit für die Erfüllung der Ideale der beiden Volksgruppen und Herstellung des Friedens sowie der Sicherung der friedlichen Entwicklung der Juden und Araber biete. Auf einen Zwischenruf Churchils, welche Verteidigungsmaßnahmen der jüdische und der arabische Staat treffen werden und welche Verpflichtung England wird übernehmen müssen, um bewaffnete Zusammenstöße zwischen den beiden Staaten zu verhindern, erwiderte Ormsby-Gore: „Es ist selbstverständlich, daß der Völkerbund niemals zwei unabhängige Staaten ins Leben treten lassen kann, wenn er nicht überzeugt ist, daß sie ihre Verpflich- Damenhonfehtions=_ modellhaus | „Zuc feschen Wieneän" aicfius Salier & Co. Wien IX/2., Währingerstr. 63 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Docnehmes TTlodeUi)aus für Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider. Kostüme, Blusen ITlafrfltelier im fiaufe