Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 29 (23.7.1937)
- Date
- 1937-07-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Jonmal expedle par 1'editeur4* Jüdische IDodicnsdirift Die UJanrkftif mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden44 Erscheint jeden Creitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration; Wien IL, Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 Nummer 29 53. Jahrgang Wien, 23. Juli 1937 .Palästina muß geteilt werden!" Erklärung des Kolonienministers im Unterhaus. Rasiere Dtdignf and billig Im englischen Unterhaus fand am Mittwoch die angekündigte Debatte über den Plan der Teilung Palästinas statt, nachdem sich am Dienstag das Oberbaus mit dem Bericht der königlichen Kommission beschäftigt hatte, wobei Lord Snell und Lord M e 1 c h e 11 die Regierung schar! angriffen und Viscount Samuel praktische Gegenvorschläge entwickelte. Lord Peel verteidigte seinen Bericht. Kolonienminister Ormsby-Gore gab im Namen der Regierung eine Erklärung ab. Der Minister führte aus, es sei sein Wunsch, es möge endgültig vernommen werden, daß die britische Regierung niemals einwilligen könne oder zugeben werde, daß Palästina westlich des Jordans in das dem Sheriff von Mekka gegebene Versprechen einbezogen werde. Hinsichtlich der Zukunft der Regierung des Heiligen Landes müßten besondere Erwägungen maßgebend sein. Der einheitliche Charakter Palästinas sei von den arabischen Delegierten auf der Friedenskonferenz anerkannt worden; er werde auch von der ganzen Welt anerkannt. Alle drei großen Weltreligionen nähmen an Palästina Interesse und keine Regelung dieser Frage werde möglich sein, wenn nicht die mohammedanischen, jüdischen und christlichen Interessen anerkannt werden. Kolonienminister Ormsby-Gore führte weiter aus, daß das Versprechen Großbritanniens und der anderen verbündeten Regierungen nicht gewesen sei: Palästina als Heimstatt für die Juden, sondern: ein jüdisches Nationalheim in Palästina. Die Worte und die Absicht seien klar gewesen. Da die Balfour-Erklärung die Präambel des Mandates bildet, glaubte man, diese sei das Mandat. Aber das Mandat sei eine geschriebene Verfassung, die die Aktion der britischen Regierung leite. Wenn es je Fälle gegeben habe, in denen die zeitliche Entwicklung bewiesen hat, daß ein Dokument eine Revision verlangt, so sei dies für das Mandat von 1921, das der Völkerbund im Jahre 1922 gebilligt hat, der Fall. Die Furcht vor der jüdischen Herrschaft über die Araber und der arabischen Herrschaft über die Juden sei die Grundlage des Problems; sie könne nur vermieden werden, wenn das Land geteilt wird. (Eine ähnliche Erklärung wurde vom Kolonien-Unterstaatssekretär im Oberhaus abgegeben.) Ormsby-Gore meint, daß das Fortbestehen von Palästina gegenüber Großbritannien wesentlich für eine freundschaftliche Regelung zwischen den Juden und den Arabern sei. Der Minister erklärte sodann, daß der M i n isterpräsidentdes Irak nach den britischen Vorstellungen erklärt habe, er werde aufhören, sich der Teilung Palästinas zu widersetzen. (Wir werden auf die Debatte im Ober- und Unterhaus und auf die sensationelle Erklärung des Kolonienministers in unserer nächsten Nummer zurückkommen. D. Red.) Die Lage der Juden in Italien. Wir veröffentlichen im folgenden einen Artikel über die Lage der Juden in Italien, den das „A1 g emeen Handelsbla d", Amsterdam, in seiner Abendausgabe vom 23. Juni 1937 veröffentlicht hat. Der römische Korrespondent dieses großen liberalen holländischen Blattes zeigt sich im allgemeinen immer besonders gut unterrichtet. D. Red. Seit einiger Zeit veröffentlicht die Weltpresse regelmäßige Nachrichten über eine Verfolgung der Juden, die in Italiem bevorsteht oder nach anderer Ansicht gerade begonnen hat. Gerade in den ersten Tagen dieses Monats machten wieder solche Gerüchte sensationeller Art die Runde und es war vor allen Dingen die englische und auch die amerikarasche Presse, die voraussagte, daß böse Zeiten für die italienischen Juden im Anzug seien. Wir haben unter Bezugnahme auf die oberwähnten Berichte einige maßgebende römische Juden nach ihrer Meinung gefragt, wodurch unser eigener Eindruck, daß alle diese Berichte sehr stark übertrieben sind, bestärkt worden ist. Es ist wahr, daß seit einigen Jahren in gewissen italienischen Zeitungen ab und zu Artikel mit einer gewissen antisemitischen Tendenz erschienen sind, doch darf man sich hierbei nichts Uebertriebenes vorstellen. In Italien wird nichts ohne Wissen und Billigung der Regierung gedruckt. Das italienische Ministerium für Presse und Propaganda, augenblicklich „Ministerium für Volkskultur" genannt, würde nie seine Zustimmung zu Erzählungen über den „rituellen Kindermord", „Rassenschande" oder dergleichen geben. Es genügt wohl zu wissen, daß ein Blatt wie „Der Stürmer" in diesem Land verboten ist; es würde, abgesehen davon, auch keine Käufer finden. Die „antisemitischen" Artikel in Italien sind vor allem gegen den politischen Zionismus gerichtet; die Verfasser dieser Artikel meinen, daß derjenige, der aktiv füpdie Verwirklichung eines nationalen jüdischen Staates arbeitet, kein guter italienischer Patriot sein kann. Der Federkrieg ist dann auch in der Hauptsache gegen das in Rom erscheinende Wochenblatt „I s r a e 1", das Organ der Jüdischnationalen in Rom, gerichtet. Hier ist also ein grundlegender Unterschied zwischen dem Antisemitismus in Deutschland und dem m Italien festzustellen, wenn man überhaupt davon sprechen kann. Die Deutschen wollen die Juden ausschließen und sehen es am liebsten, daß sie weggehen; die einzelnen Italiener, die sich mit dieser Frage beschäftigen, bekämpfen die zionistischen, d. h. die nationalistischen Neigungen in der jüdischen Gemeinschaft, weil sie darin eine Abschwächung der eigenen national-italienischen Einheit erblicken. Oesferreichisclies Qualität* FaDrihal Ueberau erhältlich Wir weisen jedoch sofort darauf hin, daß diese zielbewußten „antisemitischen" Artikel — und zwar immer sehr sensationell aufgemacht — nur in sehr unbedeutenden Zeitungen erschienen sind z. B. in Rom nie in den beiden großen Zeitungen „Giornale d'Italia" und „Messagero". Das dritte bedeutende Blatt, die „Tribuna", bringt ab und zu antisemitische Artikel anderer Art, worauf wir noch zurückkommen. Nur das kleine Blättchen „II Tevere" unterscheidet sich durch diese Anfälle auf den politischen Zionismus und ist auch die direkte Ursache für die übertriebenen Berichte in der ausländischen Presse gewesen. Die „Tevere" ist nun im allgemeinen das italienische Presseorgan, das dazu dient, Lärm zu schlagen. Man findet hierin, meist in einem für unsere Begriffe unerhört heftigen Ton, polemische Artikel über Themen, die in der großen Presse nicht, noch, nicht oder nicht mehr behandelt werden. So setzt z. B. augenblicklich die „Tevere" als einzige Zeitung die Polemik gegen England fort. Man kann von diesen Artikeln, die in diesen und ähnlichen Blättern erscheinen, sagen, daß sie nicht die Ansicht der Regierung wiedergeben, trotzdem man andererseits nicht vergessen darf, daß ungewünschte Publikationen in Italien mit Leichtigkeit verhindert werden. Ein Blatt wie dieses verschafft den Hitzköpfen, die die gewöhnliche Presse zu zahm finden, geistige Nahrung. Die Verbreitung dieser Blätter ist gering; ein sensationeller Artikel, z. B. von antisemitischer Tendenz, ist wohl geeignet, für einen Tag die Kauflust zu erhöhen. Zeitungen werden nämlich in Italien auf der Straße verkauft; Abonnements sind Ausnahmefälle. Damenkonfefrtions= ITIodeHbaus I „Zuc /eschen Wienerin" ellejius Sa her & Co. Wien IX/2., Wahringerstr. 63 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Domebmes modellbaus für. Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider, Kostüme, Blusen mafrfitelier im f)aufe