Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 28 (16.7.1937)
- Date
- 1937-07-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 28 — 16. Juli 1937 DIE WAHRHEIT Kalender-, Sidra-, Perek-, Omer- und Haftorah-Tafel Ort«flmtd«n Aw 6687 Juli 1837 früh tbis. 7.0Ö Aw 8. 7.30 i Deworim (5. B. H.) \ 1 Scbabos Cbuaon 1 8.00 „ 9.{ Haftora, Chasaun >8.40 1 jetchajolo 1 8. Perek 7.00 „ 10. Tischobeaw (Fasten) 8.10 7.00 „ 11. bis 14. 7.00 abds. Freitar, 16. Juli 750 S am nag, 17.Jnli 8.40 Sonntag, 18. Jnli Tiacbobeaw 8.10 Montag 19. bis Donnerstag 22. Juli 7.00 chenschrift" eine Festnummer heraus. In einem der Aufsätze hebt Dozent Dr. Libesny den seinerzeitigen Ausspruch des berühmten Nobelpreisträgers Prof. N e r n s t aus 'Berlin hervor, der erklärte, daß ohne die Erfindung der Kurzwellenröhre durch den jüdischen Gelehrten Robert Lieben, deren sich Hindenb u r g im Wege der drahtlosen Telegraphie bei der Schlacht von Tannenberg bedient hatte, die Deutschen diese Schlacht nie gewonnen hätten. Nationalismus — Vertierung der menschlichen Gesellschaft In dem in Luzern erschienenen Buche des bedeutenden russischen Denkers Nikolei Berdiaj'ew „Das Schicksaldes Menschen in unserer Zeit" heißt es: „Die nationalen Leidenschaften zerreißen die Menschheit und bedrohen die europäische Kultur mit dem Untergang. Der moderne Nationalismus ist eine Entmenschlichung und eine Bestialisierung, eine Vertierung der menschlichen Gesellschaft. Er bedeutet eine Rückkehr von den kulturhistorischen Kategorien zu den zoologischen. Die christlichen Völker werden paganisiert und der nationalistischen Besessenheit ausgeliefert. Die geistigpersonaBstische Auffassung des Menschen wird durch die natürlich-zoologische ersetzt" Überwältigende Mehrheit (Ter Arbeiterpartei bei den zionistischen Kongreßwahlen in Palästina. Die Ergebnisse der Wahlen zum XX. Zionistenkongreß für Palästina lauten: Die Palästinensische Arbeiterpartei (Mapaj) hat 85 Mandate errangen und damit d'üe überwältigende Mehrheit der auf Palästina entfallenden Kongreßsätze erlangt Auf die Poale MisracM (Arbeiterflügel der orthodox-zionistischen Partei Misrachi) entfielen 15, auf die Allgemeinen Zionisten Gruppe B 8, auf die Allgemeinen Zionisten Gruppe A 4, auf den Misracbi 5, auf die Gruppe „Kidmah" (BlumenfeW-Gruppe) 5 Mandate; auf die Yemeniten entfiel je ein Mandat. Antisemitisches Vorurteil treibt Christen zum Selbstmord. iEin sehr bekannter Ingenieur, Anton Moor, hat in Bukarest Selbstmord verübt In einem Abschäedsbrief erklärt er, er scheide aus dem Leben, weil er, obwohl Christ allgemein für einen Juden gehalten wurde und infolge dieses Irrtums schweren Demütigungen ausgesetzt gewesen sei. Er ziehe den Tod einem Leben in einer von Vorurteilen erfüllten Welt vor. GEMEINDECHRONIK. Dollfuß-Trauergedenkfeier der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemehtde Wien veranstaltet anläßlich der dritten Wiederkehr des Todestages des verewigten Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dolifuß am Freitag, den 23. Juli d. J., um 7 Uhr abends, im Stadttempel, I., Seitenstettengasse 4, einen Trauergottesdienst Zum Zeichen der Trauer werden alle Gebäude der Kultusgemeinde mit Trauerfahnen beflaggt In sämtlichen Synagogen wird beim Abendgottesdienste am Freitag, den 23. d. M. für den ■■■■■«■■■■■■■■i Leopoldst&dfer Tempelfcrein Aescüel Awrobora n., Pazmanttengasse 6, Tel. tt 4l-g-i3 Anmeldungen t. Aufgeboten, Trauungen (ou(h nnt. freiem nimmeOD.Birrinizwcias Partol*nw*rk«hr an Weiktagta ron 2 bli >/t4 übt nachmittags, in SmDtBgcn von 10 bni 12 Übt vannittaga Oabatetruidsn früh Aw5697 abdt 6.30 Aw 8. 7.30 IDeworim (5.B.M.) Scbabos Cbasaan j Haftora, Cbasaan I 8.40 jetcbajobu i 3. Perek j o.ou „ iu. Tischibeaw (Fasten) 8.00 6.30 „ 11. bis U. 7.30 verewigten Bundeskanzler das vorgeschriebene Gebet für das Seelenheil des Verstorbenen verrichtet werden. Bund jüdischer Frontsoldaten. Anläßlich der Wiederkehr des Todestages weil. Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß veranstaltet der „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" in dem vom Präsidium der türk.-israel. Gemeinde zur Verfügung gestellten Tempel (IL, Zirkusgasse 22), Samstag, den 24. d. M. präzise 20 Uhr 40 einen Gedenkgottesdienst. Basis der Reichsvertretung der Juden in Deutschland erweitert. Die Verhandlungen zwischen Reichsvertretung und Jüdischer Gemeinde zu Berlin über eine Aenderung der Struktur und des Aufgabenkreises der Reichsvertretung haben zu einer vollen E i n i g u n g geführt. Die Ergebnisse dieser Verhandlungen kommen-in den Beschlüssen zum Ausdruck, die von dem Fjat der Reichsvertretung, Doktor Leo B a e c k, abgehaltenen Sitzung einstimmig gefaßt worden sind. Gleichzeitig wird die Basis der Reichsvertretung dadurch erweitert, daß die Zahl der Vertreter der Organisationen im Rat durch einen Vertreter der Staatszionistischen Organisation und der Unabhängigen Orthodoxie vermehrt wird. Somit gehören der Reichsvertretung jetzt sämtliche jüdischen Organisationen in Deutschland an. In der Resolution des Rates der Reichsvertretung heißt es u. a.: Die Reichsvertretung ist die Vertretung der Juden in Deutschland gegenüber den deutschen Behörden und den jüdischen Hilfsorganisationen des Auslandes. Sie hat über die Verteilung aller ihr zufließenden Gelder zu bestimmen. Sie ist die Planungsstelle für die jüdische Gesamtarbeit in Deutschland. Ihr obliegen die reichswichtigen Wohlfahrtsaufgaberi. , . Rom. In Anwesenheit von 150 Delegierten fand in Rom die Generalversammlung des „Verbandes der jüdischen Frauen in Italien" (Associazioine Donne Ebree in Italia) statt. Die Vorsitzende des Verbandes, Frau Vittoria Cantoni-Pisa, erstattete den Tätigkeitsbericht und erwähnte eingangs, daß der Verband während der zehn Jahre seines Bestandes eine rege Tätigkeit auf sozialem, kulturellem und philanthropischem Gebiete entfaltet hat. Im Jahre 1927 bestanden nur vier Sektionen mit 117 Mitgliedern; heute gibt es 117 Sektionen mit 1331 Mitgliedern. Nach dem Bericht der Vorsitzenden erstatteten Vertreterinnen der einzelnen Sektionen ihre Berichte. Triest Bei den in Triest stattgefundenen Wahlen in den Vorstandder Jüdischen Gemeinde, dessen Agenden während der vergangenen Monate von einem Regierungskommissar geführt worden •waren, ist Oberst Achille Levi Bianchini zum Vorsitzenden der Gemeinde gewählt worden. Oberst Levi Bianchini ist ein Bruder des Kommandanten Levi Bianchini, der 1918 in Palästina als Vertreter Italiens von Arabern ermordet wurde. Todesfall. Herr Heinrich Fischl hat durch den kürzlich erfolgten Tod seiner Gattin Elsa Fischl, geb. Eäsen berger, welche nach schwerem LeJden im 52. Lebensjahre verschieden ist, einen schiweren Verlust erlitten. Dieselbe wurde unter sehr zahlreicher Beteiligung am Zenrrajfriedhof, IV. Tor, zu Grabe getragen. Nach den Tngiergebeten rezitierte Oberkantor Funk« am offenen, Grabe der heimgegangenen, würdigen Frau in ergreifender Weise das El-mole-rachamim. Herrn Fischl und seiner einzigen Tochter wendet srch die allgemeine Teilnahme zu. In den „Jüdischen Künstlerspielen", Wien II., Praterstraße 34, beginnt Samstag, den 24. Juli das bekannte Theater der Komiker ein 'kurzes . Gastspiel. Amtliche. VextatMwtuugeH den. JstaetitischeK JCuitu&qemeiude. Wien Ausbildung von Krankenpflegerinnen. Der Vorstand der israelitischen Kultitsgemeinde; Wien hat beschlossen, zwei jüdische, die österreichische Staatsbürgerschaft besitzende Mädchen zu diplo-, mierten Krankenpflegerinnen ausbilden zu lassen.. Die Ausbildung wird an der staatlichen Krankenpflegeschule des Allgemeinen Krankenhauses erfolgen. Der Lehrgang beträgt drei Jahre und bezweckt die planmäßige, praktische und theoretische Schulung in allen Zweigen der Krankenpflege auf wissenschaftlicher Grundlage, sowie die berufliche Enziehung. Ueber die endgültige Aufnahme entscheidet ausschließlich eine kurz vor Schulbeginn tagende staatliche Aumahmskommisstfon. Die Schülerinnen aller drei Jahrgänge erhalten im Schülerinnen-Internat der Krankenpflegeschule die unentgeltliche Verköstigung, die Beistellung der Berufskleidung und kostenlose Reinigung derselben. Die Bewerberinnen halben sich schrifüich zu verpflichten, nach Vollendung ihrer Ausbildung über Verlangen des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien für die' Dauer von drei Jahren in den Dienst des Spitales oder des Altersheimes der israelirischen Kultusgemeinöe zu treten. Ein Anspruch auf eine solche Anstellung wird jedoch durch Absolvierung der Krankenpflegeschule nicht erwerben. Die eigenhändig geschriebenen Aufnahmsgesuche sind bis spätestens 1. August 1937 in der AmtsdSrektion der israelitischen Kultusgemeinde. Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, abzugeben. Die Gesuche sind zu belegen mit: a) Geburtsschein, b) Heimätschein, c) behördlichem Zeugnis über unbescholtenen Lebenswandel, d) bei außerhalb Wiens wohnenden Bewerberinnen vom Amtsarzte der zuständigen .Bezjrkshauptmannscha.it ausgestelltem Zeugnis über die volle physische Eignung für -den Krankenpflegeberuf, e) Bestätigung: über die Impfung innerhalb der letzten 2 Jahre, f) letztem Schulzeugnis, g) Zeugnissen über allfällige bisherige berufliche Tätigkeit. h) selbstverfaßter und eigenhändig geschriebener Schilderung des Lebenslaufes. Beerdigungen. 7. Juli 1937: Isidor Mandl, 27 Jahre, 10. Bez.. (IV. Tor). — Herman Gründünger, 62 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Ernestine Weiss, 51 Jahre, 6. Bez.. (IV. Tor). — Kamilla Handler. 74 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). — Regine Kafowi, 69JahreJL 10. Bez. (IV. Tor). — Med.-Rat Dr. Rudolf Neumann, 66 Jahre. 3. Bez. (IV. Tor). — Adolf Deutsch, 65 Jahre, 47. Bez. (I. Tor). 8. Juli: Eugenie Bachrach, 1. Bez. Dötol. Friedhof. — Marie Rudich, 46 Jahre, Czernowitz, (IV. Tor). — Anna Nadel. 47 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). — Moritz Stützker, 78 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — David Scheuer,. 77 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Josef Wodak, 59 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Dr. Rudolf Feldmaim, 82 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Emanuel Heller, 45 Jahre, 7. Bez. (IV. Tor). 9. Juli: Leo Adler, 65 Jahre. 9. Bez. (I. Tor). — Nathan Libkowitz, 68 Jahre, 6. Bez. (1. Tor). — Kathar rine Körner, 77 Jahre. 20. Bez. (I. Tor). — Anny Schächter, 5 Jahre, 3. Bez. (IV. Tor). — Hann! Gerber, 53 Jahre, 14. Bez. (IV. Tor). — Amalie Stern, 59 Jahre, 20. Bez. (IV. Tor). — Jenny Bornstein, 64 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Samuel Epstein, 63 Jahre, 17. Bez. (IV. Tor). — Erna Markovisc, 40 Jahre, 4. Bez. (IV. Tor). 11. Juli: Rudolfine Handler, 63 Jahre. 12. Bez.: (I., Tor). — Adele Schmelz, 59 Jahre. 14. Bez. (I. Tor). — Heinrich Schwarz, 69 Jahre, 13. Bez. OY. Tor). — Herrmann Engel, 79 Jahre. 7. Bez. (IV. Tor). — Sprinzl. Steinbrecher, 54 Jahre, 6. Bez. (IV. Tor). — Isidor Riss,. 71 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Emma Schornstein,. 39 Jahre, 4. Bez. (IV. Tor). — Jakob Neurath, 72 Jahre '16. Bez. (IV. Tor). 12. Juli: Mathilde Koritschoner, 3. Bez. (I. Tor). : — Therese Kohn, 83 Jahre. 13. Bez. (I. Tor). — Jacques Weiss, 74 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Ida Dux.. 67 Jahre, 3. Bez. (IV. Tor). — Adolf Waldstein,. 75 Jahre. 19. Bez. (IV. Tor). 13. Juli: Daniel Albacnary, 86 Jahre. 13. Bez.. (IV. Tor). — Ida Goldschmied. 54 Jahre, 9. Bez.. (IV. Tor). — Dr. David Saul Lewinter, 50 Jahre. 20. Bez. (IV. Tor). Eigentümer, Herausgeber, Verleger und verantwortlicher Schriftleiter: Oskar Hirschfeld, Wien II... Praterstraße 29. — Druck: Ignaz Spitz & Söhnen Wien IL Robertgasse 2.