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Die Wahrheit · 1937-07-16 · Heft 28 (16.7.1937) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 28 (16.7.1937)
Date
1937-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp&Ue par l'&fitear" Jüdische üöodicnsclirift Die tÜahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 53. Jahrgang Wien, 16. Juli 1937 Nummer 28 Jiierosolyma est pewdita? RasfereDifflgDtnndMlliil Zum 9. M 5Ö97 Morgen jährt sich zum 1867. Male der Tag, an dem die römischen Legionen das jüdische Heiligtum erstürmten und den Besiegten zum ersten Male der Hohn ins Ohr klang, der alsbald unter ihren schon damals in der ganzen Welt zerstreut lebenden Glaubensgenossen als Schreckenskunde von Mund zü Mund ging: „Hierosolyma est perdita!" „Jerusalem ist verloren!" Unendliche Klage knüpfte der jüdische Schmerz an diesen Ruf, Trauerlieder, die noch immer, nach so vielen Jahrhunderten, am Unglückstage oder, wenn dieser wie heuer auf einen Sabbath fällt, am darauffolgenden Tage, ungekürzt zum Zeichen unverminderten Gedenkens über die symbolisch umgestürzten Synagogenbänke tönen. Aber dem Triumph der Judenfeinde, ihrer Ungeduld, uns mit grausamem. Spotte ins Herz zü treffen, war auch schon der einfache Satz zu lang, und so wie die heutigen Hakenkreuzler ihre Kampfparole „Blut und Boden!" zu dem schönen „Bhibo!" verkürzten, so bewährte sich das ästhetische Talent der Judenfresser in der Prägung sinniger Lautköntraktionen schon vor 18 Jahrhunderten durch die Zusammenziehung der Anfangsbuchstaben von „Hierosolyma est perdita!" zu dem antisemitischen Schlachtruf: „Hep!" Und obwohl sicherlich weniger reich an lyrischer Schönheit und Tiefe des Gemütsausdrucks als die jüdischen Bußpsahnen und Klagelieder, hat auch diese knappste und konzentrierteste Sprachschöpfung gemeiner und boshafter Schadenfreude die Jahrhunderte überdauert. Längst hatten die Massen den ursprünglichen Sinn des Wortes vergessen, aber noch immer berauschten sie sich an seiner gefühlsmäßig erfaßten Bedeutung als grausamer Judenverspottung.. Und diese Bedeutung blieb an dem Worte haften, auch als sie von den weltgeschichtlichen Ereignissen fängst überholt war. Schon hatten auch die christlichen Kreuzfahrer ihr mühselig und blutig errichtetes Königreich Jerusalem längst wieder verloren und noch immer richtete das „Hierosolyma est perdita!" seine verletzende Spitze ausschließlich gegen die Juden, behielt das „Hep!" seine Beliebtheit als antisemitisches Schiimpf wort. Als solches gellte es noch dem jungen Theodor Herzl in die Ohren: zuerst als er, der deutsche Burschenschafter, dem Arierparagraphen der Wiener Studentenverbindungen weichen mußte, und dann als er, Pariser Korrespondent der „Neuen Freien Presse", die zur Ehrenrettung christlicher Vaterlandsverräter von den französischen Antisemiten entfachten Stürme der. Dreyfus-Affäre erbebend miterlebte. Damals glaubte Herzl das Ei des Kolumbus gefunden zu haben, als er den Hohn des „Hierosolyma est perdita!" dadurch endgültig zum Schweigen zu bringen hoffte, daß er den Juden die Wiedergewinnung Jerusalems als politisches Ziel empfahl. In dieser Ueberzeugung schrieb er: „Der Judenstaatist ein Weltbedürfnis". Nun ist der Judenstaat überraschend Wirklichkeit geworden, aber außerhalb der Königlichen Kommission in London, die ihn geschaffen hat, wird man wohl auf der ganzen Welt vergebens jemanden suchen, dessen Bedürfnissen, sie seien seelischer oder materieller Natur, dieses Machwerk irgendwie Rechnung tragen könnte. Sogar das Judenstaatsparteiorgan Wiens, die „Neue Welt", witzelt, daß im neuen Judenstaat nicht einmal zur Verrichtung des Schemone-essre- Gebets Platz sei, weil man bei den drei Schritten rückwärts unfehlbar ins arabische Gebiet gerate. Trotz dieser spaßhaften Uebertreibung wird niemand dem Stricker-Blatt unterstellen, daß es sich über die Paradierung seines politischen Ideals durch die Königliche Kommission — freut. Uns aber mutet die „Stimme" — in einem nach dem Streicher-Diktionär mit „Mauschel freut sich" überschriebenen Artikel, ebenso schön hätte sie auch Hep, Hep sagen können — solch perverse Freude zu, weil wir dasselbe, was die „Neue Welt" durch den zitierten Scherz .sa_gen wollte, durch das Horaz-Zitat von den kreißenden Bergen, die eine lächerliche Maus gebären, zum Ausdruck brachten. Die „Stimme" belehrt uns, daß die lächerliche Maus 400.000 palästinensische Juden sind, die auch für uns kämpfen. Schon wollten wir uns darüber freuen, da lasen wir weiter, daß die „Stimme" ihren Anhängern in bezug auf uns zuruft: ,J3enkt an Amalek!" Jetzt wissen wir nicht: Will das Organ des Zionistischen Landesverbands auch für — Amalek kämpfen oder will es unterdieser unerhörten Spitzmarke die nichtnationalen Juden, die doch auch m der Jewish Agency Sitz und Stimme haben, aus der jüdischen Einheitsfront eliminieren, deren Bildung in diesem historischen Moment zur Abwehr der Palästina-Teilung auch von vielen zionistischen Blättern betont wird, während der „Stimme" auch in einem so ernsten Moment der Kampf gegen die „Union" das Wichtigste zu sein scheint Diese Engstirnigkeit wirkt um so erstaunlicher, wenn man sieht, um wie viel besser sogar ein Organ des Dritten Reiches die Erfordernisse des Augenblicks erkennt. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" stellt fest: „Die Araber kämpften nicht gegen die Juden, sondern gegen die Gefahr eines jüdischen Staates." Das beweist die Richtigkeit unseres Standpunkts, daß dasjüdische Immiigrationsbedürfnis im Heiligen Land hauptsächlich durch die politischen Aspirationen der Nationalzionisten nach einem' Judenstaat gehemmt worden ist und daß die jüdischnationale Einstellung die Angst der Araber hervorgerufen und die Schaffung einer einheitlichen Staatsnation in Palästina verhindert hat. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" konstatiert weiter, daß die jüdische Forderung nach strafferer Handhabung des Mandats, um die Araber einzuschüchtern, von der Kommission abgelehnt wurde, weil die Araber sich nie mit allmählicher Verdrängung durch jüdische Einwanderer abfinden würden. Ehe ein Zwang ausgeübt würde, müsse man die öffentliche Meinung Britanniens überzeugen, daß es keinen besseren Weg gebe. Hierin erblickt die „Deutsche Allgemeine Zeitung" die Andeutung einer Alternativpolitik, wenn der Teilungsplan sich undurchführbarerweise. Daraus ergibt sich für die Juden klar und deutlich die Notwendigkeit, den Teilungsplan ad absurdum zu führen. Das müßte um so leichter ge- Oesfcrrelchisclics QBallfffis-rabilfcaf Ueberau erhältlich lingen, als sich die Anzeichen mehren, daß England im Völkerbundrate, der sich mit der Angelegenheit zu befassen haben wird, auf Widerstände stoßen und auch Amerika nicht so leicht für die Sache zu haben sein wird. Die wohl sehr, auffallende Sorge Polens, wohin sich die aus seinem Lande entwurzelten Juden wenden solle», kann durch einen Judenstaat, dessen Aufnahmefähigkeit minimal bleiben muß, nicht befriedigt werden. Aber auch Italien gehört zu den Mächten, die den Judenstaat nicht als Weltbedürfnis empfinden, weil es gerade in schärfster Konkurrenz mit England um die Gunst des Islams buhlt. Für die Araber nimmt in der englischen Presse H. St. Philby, derzeit Englands bester Araberkenner, das Wort: „Der Vorschlag der Königlichen Kommission enthält wesentliche Konzessionen an die Araber und diese sollten nicht zögern, die Vorschläge generell unverweilt anzunehmen". Mr. Philby freut sich, daß die Balfour-Deklaration über Bord geworfen wurde, übersieht aber, daß das arabische Interesse an Palästina erst in dem Moment erwachte und in dem Maße zunahm, in dem die Juden dorthin Wohlstand und Arbeitsmöglichkeiten — und die jüdischnationalen politischen Aspirationen brachten. Mögen de Führer des Islams noch sc viel gegen die jüdische Einwanderung toben, die arabischen Massen fürchten die* Trennung von der jüdischen Wirtschaft. Die Royal Commission hat auch diese psychische Henv mung vorausgesehen und vorsorglich empfohlen, daß d e r J u den s t aa t de» arabischen Staat — subventionieren solle. Diese Zumutung ist wohl die schmählichste an den „souveränen" Judenstaat, als dessen Auf- PamenkonfehtionsfflodeHhaus ,JZuc feschen Wie*etm" aicjius Sa 15er. & Co. Wien M/2., Wfflartagersfr. 63 Telephon A 83-249 Gründungsjahr 1897 Dornebmes ITTodeUhaus für Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider, Kostüme, Blusen ITlafrHtelier im fiaufe Trauerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Stunden

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