Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 25 (25.6.1937)
- Date
- 1937-06-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE_WAHRHE1T_ Nr. 25 — 25. Juni 1937 rMi lüüllüllüllülllllllülllilllllllllllllüllllllUllllillll! JUGEND-UNION. Aus dem Rechtsschutzbüro der Union. Die „Union österreichischer Juden" hatte sich kürzlich an die Landesführung Wien der „Vaterländischen Front" mit einer Beschwerde wegen antisemitischer Aeußerungen im Anschlagkasten der Perchtoldsdorier Ortsgruppe der V. F. gewandt. Darauf erhielt die „Union" folgendes Schreiben: Vaterländische Front Landesiiihrung Niederösterreich. Union österreichischer Juden, Wien 1. Sie hatten mit einer Eingabe vom 25. Mai. 1. J. die Landesführung der V. F. Wien darauf aufmerksam gemacht, daß im Anschlagkasten der V. F. in Perchtoldsdorf verletzende Plakate gegen das Judentum affichiert sind. Wir dürfen Sie auf Wunsch der Landesführung Wien davon in Kenntnis setzen, daß wir damals sofort die Entfernung dieses Plakates veranlaßt haben. Front — Heil Der geschäftsführende Landessekretär. Mitteilungen der Union. Gartenfest der Bezirksorganisation Leopoldstadt. Wie bereits in unserer letzten Nummer kurz berichtet, war das am 12. d. M. abends in der Liliputstadt im Prater veranstaltete Gartenfest ein überaus großer gesellschaftlicher und finanzieller Erfolg. Dieses erfreuliche Ergebnis belohnte wirksam die Bemühungen des Festkomitees, das seit Wochen eifrig tätig war, um ein Gelingen der Veranstaltung zu sichern, das nun tatsächlich zu konstatieren ist. Das Festkomitee stand unter der ausgezeichneten Leitung des Herrn Nathan Donath, neben ihm betätigten sich eifrigst die Herren Markus Heublum, Karl Pick, Hugo Lenk, Michael Dukes, Robert Kollmann, Markus Pick und Sekretär Hirschfeld. Sehr rege beteiligte sich auch die Bezirksgruppe 1I/XX der Jugend-Union an den Vorbereitungen für das Fest und sind in dieser Hinsicht lobend die Bemühungen der Herren Felix Lenk und Kurt Wilheim zu erwähnen. Die Veranstaltung war überaus gut besucht, insbesondere hat sie auf die Jugend eine starke Zugkraft ausgeübt, die durch ihr zahlreiches Erscheinen den Beweis dafür erbrachte, daß die Bestrebungen der „Union" in erfreulicher Weise auch bei der Jugend Verständnis finden. Diesem Gedanken verlieh auch der Obmann der Bezirksorganisation Leopoldstadt, Herr Dr. Gustav K o 1 m i n, in seiner schönen Begrüßungsansprache Ausdruck, in der er den Dank der Bezirksorganisation für das zahlreiche Erscheinen der Festgäste verdolmetschte. Unter diesen befanden sich promüiente Persönlichkeiten des Wiener Judentums, der Zentral- und Kultusvorstand der „Union" war unter Führung des Präsidenten Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim fast vollzählig erschienen. Bis in die späten Nachtstunden amüsierte sich jung und alt bei den gediegenen Darbietungen, unter denen namentlich erwähnt seien eine sehr amüsante Zirkusvorstellung der Liliputaner, eine Jux-Tombola, die von ersten Wiener Firmen in dankenswerter Weise sehr reichhaltig mit Spenden bedacht worden war, und eine Schönheitskonkurrenz, aus der als Preisträgerinnen hervorgingen die Fräuleins Anny B e r g e r, Lisi Donath und Lily G r u b i n g e r. Dem Veranstaltungszweck „Kinder aufs Land" wurde ein namhafter Betrag zugeführt. Jüdische Jugend und Rudersport. Die körperliche Ausbildung der Jugend und insbesondere die Weiterbildung der bereits schulentwachsenen jungen Leute bilden im allgemeinen schon eine immer mehr die Allsemeinheit interessierende Angelegenheit. Sie ist von um so größerer Bedeutung, als speziell in der Großstadt die nicht immer hygienischen Einrichtungen des Berufslebens dem wachsenden Organismus oft direkt schädigende Einwirkunsen nicht ersparen. Zu diesen allgemein gültigen Schwierigkeiten geseilt sich beim jüdischen Teil der heranwachsenden Jugend als weitere Schwierigkeit das mehr minder deutlich ausgesprochene Hindernis des Eintrittes in die betreuenden Sportvereine aus konfessionellen oder politischen Gründen. Nun ist in dem geradezu ideal gelegenen K1 u bheim des Wiener Ruderklubs Austria in der Kuchelau ein leicht erreichbarer, ideal gelegener und ausgestatteter Sportplatz für die jüdische J u send gegeben, der jeder parteilichen Marke entbehrt. Junge Leute, welche halbwegs körperlich ausgebildet sind, werden dort unentgeltlich zu Ruderern ausgebildet und haben dabei schon als Schüler des Vereines die Möglichkeit, alle Annehmlichkeiten voll und ganz für sich auszunützen. Das Klubheim bietet ein jederzeit von frühesten Morgenstunden bis zum tiefsten Abend offenes, ohne Entgelt zu benutzendes Luft- und Wasserbad. Es besitzt ausgezeichnete Verbindung mit der Stadt durch die Franz Joseis-Bahn (Tour-, Retourkarte Wien-Kahlenbergerdorf, drei Tage gültig, 60 Groschen) sowie durch die Straßenbahn, von deren Endstation Nußdorf eine Viertelstunde Weg längs der Donau zum Klubheim führt, welcher auch durch Autobusverbindung gekürzt werden kann. Die Preise für jeden einzelnen Eintretenden, Studierenden oder halberwachsenen Geschäitstrcibenden sind ohnehin gewaltig ermäßigt und gehen die Reduktionen bei Leuten mit halbwegs guter körperlicher Kondition entsprechend dem Wunsche des Klubs, Rennruderer zu bekommen, im persönlichen Gesuch um Preisermäßigung bis aui Null hinunter. Bei Kandidaten für ein Rennrudern geht der Verein so weit, ihnen während der Trainingszeit entsprechend dem gesteigerten Verbrauch an Kräften auf Kosten des Vereines Nachtmahl und Früstück zur Verfügung zu stellen. Für alle Mitglieder des Vereines, insbesondere für in Training befindliche, stehen im Klubheim ohne Entgelt Betten zur Nächtigung zur Verfügung. Die Ausbildung erfolgt ebenfalls kostenlos. Anfragen sind an die Rudersektion der „Jugend-Union", I., Schottenring 25, zu richten. Festschrift zu Ehren des Rabbiner Dr. Ä. Kaminka. Die im vorigen Jahre anläßlich der Feier des siebzigsten Geburtstages des Rabbiners Dr. Armand K am i n k a vom Festkomitee unter Mitwirkung von zahlreichen Verehrern und gelehrten Freunden des Jubilars in Angriff genommene Festschrift ist soeben im Drucke erschienen und stellt sich als stattlicher Band dar, der durch zahlreiche Beiträge von Gelehrten in Wien, Berlin, Warschau, Budapest, Rom, Triest, London, Jerusalem. New York die Wissenschaft des Judentums auf vielen Gebieten bereichert. Voran geht eine Bibliographie der vom Jubilar während voller 50 Jahre seiner literarischen Tätigkeit, 1886 bis 1936, in Druck erschienenen wissenschaftlichen Werke, Dichtungen und Aufsätze in deutschen, französischen, englischen, italienischen und hebräischen Zeitschriften, zusammen 351 Nummern umfassend. Bei der Aufsuchung von Beiträgen Kaminkas in alten, in unseren Bibliotheken nicht vorhandenen hebräischen Zeitschriften hat die Leitung der Straschun-Bibliothek in Wilna mitgewirkt. Dem Ehrenkomitee gehörten die Herren Oberrabbiner Dr. F e u c h t w a n g s. A., Oberrabbiner Dr. Taglicht, Rektor Prof. Dr. S. Krauss und Rabbiner Dr. M. Bauer an. Die beiden letztgenannten, sowie d;e beiden jungen Gelehrten Dr. Salorao Rappaport und Rabbiner M. Z i k i e r, die für die Redaktion der Festschrift zeichnen und die als Vortragende am Maimonides-Institut bereits in weiteren Kreisen bekannt sind, sind auch mit eigenen wissenschaftlichen Aufsätzen beteiligt, außerdem aus Wien Dr. Samuel Rappaport, Dozent Dr. Isidor Fischer, Dr. M. G. Mehrer und M. Ungerfeld (eine Biographie des Jubilars in hebr. Sprache), aus Budapest, Prof. Dr. Mich. Gutmann, aus Deutschland Prof. Dr. Ismar E1 b o g e n, Prof. Martin B u b e r und Doktor S. A. H o r o d e t z k y, aus Triest Oberrabbiner Prof. I. Z o 11 i und Prof. Salvatore S a b b a d i n i, aus Rom Prof Umberto C a s s u t o, aus Jerusalem Prof. Dr. Jos. Klausner, aus New York Prof. Isr. Davidsohn, aus London Dozent Dr. S. R a w i d o w i c z. — Um das Zustandekommen der Festschrift, an deren Herausgabe sich die Israelitische Kultusgemeinde und die Israelitische Allianz beteiligt haben, und dadurch zugleich um die jüdische Wissenschaft, erwarb sich Herr Hirsch I n t r ator, der sich auch sonst der Verwaltung des Maimonik 4 SclHnQchung von GrQiten fiW* and Gräbern Iii ^opoWQgufeirJiBnXl. ^zM.>'f :r\ einzig ji!di.--c!i,' Gärtnerei beim Z.-ntri.lf/iHkof I. Tor. Tel. U!o-:.-!ö tu-~T*"~ *k /-ul,tnll'"L::l!:!" ' ' iV:'!; ,7"""i* 3 £ i g e sa e Kalleren des-Instituts mir großem Eifer widmet, ein ganz hervorragendes Verdienst. — D::s schön gedruckte, mit einem Bilde des Jubilars versehene Buch kann von der Leitung des Maimonides-Institutes, Wien 11., Praterstraße 11, bezogen werden. Der jüdischnationale Vertragsbruch in Baden bei Wien. Unter Bezugnahme auf die in der Nr. 1 der „Stimme" vom IL Juni erschienenen Notiz „Badener Kttltusgemeinde bleibt zionistisch", erfahren wir aus Badener jüdischen Kreisen: Wenn von 4,30 Mitgliedern der Badener Gemeinde im ganzen 1-49 zur Wahlurne gehen und die anderen Wühler sich aus Abneigung gegen die von der sonderbaren Bettgemeinschart produzierten Kandidatenliste der Wahl enthalten haben, so kann wohl von einer zionistischen Eroberung der Gemeinde keine Rede sein. Diese wohlbegründete, aus einem politischen Reinlichkeitsgefühl heraus entstandene Wahlenthaltung wird nun im Artikel der „Stimme" so verdreht, als ob die „Jüdische Arbeitsgemeinschaft" wegen Aussichtslosigkeit auf einen Erfolg resigniert hätte. Es gehört wohl eine große Portion Frivolität dazu, ein bereits abgeschlossenes und unterfertigtes Kompromiß fälschlich als einen Kompromißversuch hinzustellen und aus Scham vor der Oetfentlichkeit zu behaupten, das Kompromiß sei gescheitert, während es die Jüdischnationalen in Wirklichkeit durch offizielle, schriftlich bekanntgegebene Zurückziehung ihrer Unterschriften wohlberechnet in letzter Minute gebrochen haben. Diesen den friedliebenden Parteien gegenüber begangenen Vertragsbruch bezeichnen sie als den . zionistischen" Sieg. Wohl bekommV Die „Stimme" belobt zum Schlüsse noch zwei zionistische Parteigänger für ihre Verdienste, welche sie sich wahrscheinlich dadurch erworben haben, daß sie sich die Kultussteuer für drei Jahre in letzter Stunde, um das Wahl- und Mandatsrecht zu erlangen, ungesetzlich auf einen lächerlich geringen Betrag vom Kultusvorstand reduzieren ließen. Der Kultusvorstand hat auch 27 anderen zionistischen Wählern auf ganz statutenwidrige Weise durch Nachlässe von der Steuer das Wahlrecht zugeschanzt. So sieht dieser „zionistische" Sieg aus. In dem zum gleichen Thema in unserer letzten Folge erschienenen Artikel hat sich ein sinnstörender Fehler insoferne eingeschlichen, als die mit den Allgemeinen Zionisten angeblich sympathisierende Gruppe nicht der „Jüdischen Arbeitsgemeinschaft" angehört, sondern eine lose um Herrn Max Deutsch herum vereinsmäßig nicht organisierte Handvoll Leute ist, die mit den Allgemeinen Zionisten eine „Wahlgemeinschaft" geschlossen haben. Die Allgemeinen Zionisten haben mit diesen Leuten schon in einem Zeitpunkt gepackelt, als sie durch ihre Unterschrift unter das Kompromiß mit den übrigen drei Parteien noch gebunden waren. Gememde&ronik. Toü'esiall. Am 23. d. M. wurdo unter gewaltiger Beteiligung Herr Med.-Rat Dr. Josei Königs teui, der im Alter von 72 Jahren nach längerem schweren Leiden verschieden ist, zu Grabe getragen. Die starke Anteilnahme bewies die großen Sympathien, deren sich der Verewigte als Arzt und Mensch in weitesten Kreisen erfreute. Er war in der Wiener Aerzteschait rühmlichst bekannt und die Organisation der Aerzte betrauert seinen Heimgang aufs lebhafteste, was auch in warmen Abschiedsworten eines Vertreters dieser Organisation beim Leichenbegängnisse zum Ausdruck kam. Med.-Rat Dr. Josef Königstein war ein geschätzter Kunstkenner und seine schöne Gemälde-sammlung genießt in Fachkreisen größte Anerkennung. Der Verewigte war aber auch ein guter, bewußter Jude und