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Die Wahrheit · 1937-06-25 · Heft 25 (25.6.1937) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 25 (25.6.1937)
Date
1937-06-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zeitung vom Verleger versendet „Journal expMe par l'etliteur" dirifl Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden4* Erscheint jeden Freitag Preis 40 Grosdien Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 53. Jahrgang Wien, 25. Juni 1937__Nummer 25 Die 200-Jahrfeier der Universität Güttingen. Rasiere Didi gof und billig Anfangs des Jahres 1937 haben die deutschen Universitätsbehörden die ausländischen Universitäten von der 200-Jahrfeier der Universität in Göttingen verständigt. Aber seit zwei Monaten ungefähr hört man nur sehr wenig von diesem damals mit großem Tamtam angekündigten Ereignis. Dies scheint absonderlich, wenn man das „Dritte Reich" und die Propagandamittel kennt, die es jedes Mal in Szene setzt, wenn es sich um Manifestationen handelt, die das Ansehen des Reiches zu steigern vermögen. Man fragt sich, was die Urslache dieser geänderten Haltung sein mag. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Grund darin gelegen, daß die Ankündigung der großen Feier des 200jährigen Jubiläums im Auslande ein Echo ausgelöst hat, das die selbstbewußten Führer des Dritten Reiches nicht erwartet hatten. Im Auslande sind Kritiken und heftige Proteste erschienen und fas.t alle berühmten Universitäten des Auslandes haben erklärt, daß sie sich der Teilnahme an der Feier enthalten würden. Insbesondere sind es die englischen, amerikanischen und niederländischen Universitäten, die die Einladungen zur Feier refüsierten. Wir erwähnen mir die berühmten Hochschulen Cambridge, Manchester, Liverpool. Leeds, Sheffield, Birmingham, mit einem Worte 18 englische Universitäten, dann Yale, Princetown, Harvard, Columbia, Pennsylvania, City Colledge, alle Universitäten von Virginia, von Montreal, die Universität von Amsterdam, Leyden und Utrecht. Auch in Frankreich besteht die Absicht der Academie Francaise, des College de France usw., die Einladung zu refüsieren. Fast alle Universitäten haben schriftlich die Gründe der Ablehnung der Einladung bekanntgegeben und sie dahin formuliert, daß erst dann die Geneigtheit bestehen wird, derartigen Einladungen Folge zu leisten, wenn die rassischen und religiösen Verfolgungen eingestellt werden. Die ausländischen wissenschaftlichen Institutionen wollen Feierlichkeiten nicht beiwohnen, die einem Geiste entspringen, der den vornehmen Traditionen der Wissenschaft entgegengesetzt ist. Bei diesem Anlasse möge erinnert sein an den so hochberühmten Physiker der Universität Göttingen, den Nobelpreisträger und jüdischen Professor James Franck. In seinem Demissionsbrief — der Rücktritt wurde ihm von den neuen Machthabern des neuen Reiches drastisch genug nahegelegt — schreibt er: „Ich werde nichtsdestoweniger fortfahren, meine wissenschaftlichen Forschungsarbeiten in Deutschland fortzusetzen. Wir Deutsche jüdischen Ursprungs werden wie die Ausländer und Feinde des Vaterlandes behandelt. Man verlangt, daß unsere Kinder in dem Bewußtsein erzogen werden, daß sie niemals Deutsche sein werden. Der Jude, der während des Krieges gedient hat, soll die Berechtigung erhalten, dem Staate weiter zu dienen. Ich für meinen Teil lehne es ab, von diesem Privilegium Gebrauch zu machen." Diesem von wahrem Patriotismus und edler Menschlichkeit erfüllten Schreiben des Dr. Franck muß man die Erklärung der 33 Professoren der Universität Göttingen entgegenhalten, die es nicht für unwürdig fanden, zu dem früher erwähnten Satze in dem Brief des Professor Franck: „Wir Deutsche jüdischen Ursprungs werden wie die Ausländer und Feinde in unserem Vaterlande behandelt" folgendermaßen Stellung zu nehmen: „Wir geben unserer Ansicht Ausdruck, daß der Rücktrittsbrief des Professor Franck als ein Akt der Sabotage bezeichnet werden muß, und wir hoffen, daß die Regierung die notwendigen Maßregeln der Reinigung beschleunigen wird." Dessen hätte es nicht bedurft. Die Regierung hat den „Reinigungsprozeß" von Grund auf in Göttingen durchgeführt und 51 der hervorragendsten Gelehrten vom Katheder in Göttingen verjagt. Darunter befindet sich zum Beispiel Prof. Goldschmidt, ein Geologe und Mineraloge von internationalem Ruf. An den Wänden seines Hörsaales waren regelmäßig die Ausgaben des „Stürmer" plakatiert. Welcher Zukunft die Universität Göttingen entgegengeht, kann die internationale Wissenschaft aus der Ankündigung in der Zeitschrift „Die Bewegung" de dato München, 6. April 1937 entnehmen: „Dieser Gedenktag wird uns die große Vergangenheit der Universität Göttingen in Erinnerung rufen und wird gleichzeitig dazu dienen, der Umwandlung dieser Hochschule in eine Hochschule des Nationalsozialismus zu fördern. Das definitive Ziel der Umbildung der Universität dient nationalsozialistischen Grundsätzen." In der gleichen Zeitung hat Kurt Düring, „der Führer" der deutschen Studentenbewegung, die traurige Wahrheit aufgenommen: „Die deutschen Universitäten sind keine wissenschaftlichen Einrichtungen." So spotten sie ihrer selbst „und wissen nicht wie". Nicht ohne Bedeutung ist es, daß für die 200-Jahrfeier das Datum des 30. Juni gewählt wurde. Welche sonderbare Selbstkritik liegt in der Wahl dieses Datums. 100 Jahre sind es her, daß die berühmten 7 Göttinger, die sieben Professoren von Göttingen verjagt wurden. Sie hatten den Mut, gegen Ernst August von Hannover zu protestieren, weil er die Verfassung aus dem Jahre 1833, die den Universitäten die akademische Freiheit einräumte, aufgehoben hat. Der große Geschichtsforscher Dahlmann und das berühmte Brüderpaar Jakob und Wilhelm Grimm waren unter den sieben Verjagten. Im Jahre 1937 feiert die Universität Göttingen den 30. Juni, den erzwungenen Rücktritt von 51 Professoren, die wegen ihrer angeblichen minderwertigen Rasse, wegen ihrer politischen Ueberzeugung, wegen ihrer Treue zur wissenschaftlichen Wahrheit, dem neuen Regime verhaßt waren. Man begreift das Datum vom 30. Juni, der Jahrestag der berüchtigten „Reinigung" durch den Mord an Vielen, der die ganze Welt durch seine Grausamkeit und Brutalität empörte. Es ist schwer zu glauben, daß das Datum vom 30. Juni ein Zufallsdatum ist, weil es mit dem Tage der Gründung der Universität Göttingen nicht übereinstimmt. Man konnte nicht offener und schamloser erklären, daß im Dritten Reich die Wissenschaft nicht nach Wahrheit strebt, sondern nach Blut verlangt. Oesterreichisclics Oualitäls rabrihal Ueberau erhältlich Der „Jüdische Weg" auf Abwegen. Man kann es kaum anders nennen; wenn auf Seite 3 von „Respektierung von Sabbath und Tradition" gesprochen wird, auf Seite 2 aber der „Lecha dodi", das „Schehechejanu" und die „Berachoth" über Wein zum Hohn und Spott gebraucht werden. Offenbar ist das letztere bei den „Radikalen" erlaubt, wenn es darum geht, die „Union" zu verhöhnen. Man suche alle Jahrgänge der „Wahrheit" durch, ob es den bösen und als unreligiös im „Jüdischen Weg" verschrienen Unionisten je eingefallen wäre, mit heiligen Dingen faule Witze zu machen'. Auch der lächerliche Vergleich des nur der Unterhaltung gewidmeten Gartenfestes der „Union", das nie mehr sein wollte, als es war, mit dem sogenannten „Tag der jüdischen Jugend", der durch diese Bezeichnung unbei echtigte Totalitätsansprüche stellt, ist ein sonderbarer Weg; jedenfalls kein jüdischer; wenn aber doch, dann eben ein Abweg. Aus der unliebsamen Tatsache aber, daß Schowuaus in Palästina von der jüdischen Jugend nicht als Fest der Offenbarung, sondern nur als Erstlingsfest, losgelöst von dem jüdischen Gottesgedanken gefeiert wird, findet auch der „Jüdische Weg" keinen Ausweg. Aui seine unwahre Behauptung, daß für die Jugend-Union S 3000.— Subvention verlangt wurden, kommen wir zu gelegener Zeit im Zusammenhang mit der Dotierung der „nationalen Jugendbünde" durch die Kultusgemeinde zurück, aber auS eine Art und Weise, daß Herr Dr. Leopold Plaschkes auf dem „Jüdischen Weg" sich endgültig verirren wird. Hortator. Pamenkonfektions= TTTodellhaus „Zur jesdien Wienerin" Hlerms Sa 15er & Co. Wien IX/2., Wahringersfr. 63 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Dornehmes THodellhaus für Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider, Kostüme, Blusen mafcetteliec im fjaufe

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