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Die Wahrheit · 1937-06-11 · Heft 23 (11.6.1937) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 23 (11.6.1937)
Date
1937-06-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedte par l'ddlteur" Jüdische tDodiensdiriff Die Wahrheit mit der* Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 53. Jahrgang Wien, 11. Juni 1937 Nummer 23 IDot)in morgen £ Samftag, den 12. Juni, 9 Ui)z abends natürlich 5ur ITlärchennacfrt in der Oliputftadt Pratet (Eingang Stadtbahnviadukt) veranstaltet v. d. UNION ÖSTERR. JUDEN, Bez.-Gr. II., u. d. JUGEND-UNION, Heimgr. II./XX. Bei Regenwetter findet das Fest Zirkusvorstellung / Kabarett / Praterbuden / Belustigungen / Schönheitskonkurrenz / Heuriger / Rosenzelt / u. v. a. Jg^ %QX{^ Entcee S 1.50 / Hbendhaffa S 2.— (inklusive Zirkus und Kabarett) Der Reingewinn dient der „aktion Kinder aufs £and" riderruflich am 19. Juni statt. Vorverkauf: >Union«, 1., Schottenring 25 / Cafe Fetzer, II., PraterstraBe 8 / Cafe Freiwirth, II., PraterstraBe 11 / Mühlrad, II., PraterstraBe 39 / Druckerei Stiassny, II., Taborstraße 46. RasfereDidigut und billig Wohin geht der Weg in Polen? Von Dr. Kurt Stillschweig. In zwei Männern kommen die Triebkräfte des polnischen Unabhängigkeitskampfes vor dem Kriege zu sinnfälligem Ausdruck: In Josef P i I s u,d s k i und Roman Dmowski. Beide Namen bezeichnen politische Gegensätze: Pilsudski, scharf russenfeindlich, geht aus der Sozialdemokratie hervor; sein Ziel ist klar umrissen; es besteht in der Bildung des großpolnischen Staates. Dmowski, auf russische Sympathien bedacht, stützt sich auf das aufstrebende polnische Bürgertum; zu Kompromissen bereit, will er sich, wenn es sein muß, mit bloßer Autonomie für die Polen begnügen. Verschieden wie die politisch-taktische Grundhaltung beider Männer ist auch ihre Stellung zur Judenfrage: Pilsudskis Mitstreiter im Kampf gegen den Zarismus waren Juden. Viele von ihnen standen in der vordersten Linie der geistigen Front, die für die Unabhängigkeit Polens warb; andere reihten sich in die polnischen Legionen ein, um den polnischen Staat mit der Waffe zu erkämpfen. Der aufstrebende Pilsudski mußte also in den Juden natürliche Bundesgenossen sehen. Ob man den nachmaligen Marschall Polens als Judenfreünd bezeichnen kann, mag dahingestellt bleiben. Leset Verbreitet DIE WAHRHEIT DIE WAHRHEIT Abonnieret DIE WAHRHEIT Inserieret DIE WAHRHEIT Verenget in aUen Kaffeeh^se.n DIE WAHRHEIT __*_iA/«He Jedenfalls gehörte Feindschaft gegen die ehemaligen jüdischen Weggenossen auch nach dem Aufstieg Pilsudskis nicht zu seinem politischen Dogma. Anders Dmowski. Ihm, der das politische Schwergewicht in einer Stärkung und Fortentwicklung des polnischen Bürgertums sah, erschienen die Juden als das bedeutsamste Hindernis seiner Ziele. So konstituierte er 1896 unter seiner Führung die nationaldemokratische Partei. Ausschaltung des jüdischen Elements, numerische Schwächung der Juden durch Auswanderung — das waren Leitsätze seiner Politik. Die Geschichte hat Piisudski den Sieg über seinen Gegenspieler verliehen. Aber die judenfeindlichen Thesen Dmowskis sind aus dem polnischen Staatsleben nicht verschwunden. Im Gegen- GUMMISTRUMPFE FÜR EMPFINDLICHE Fachfirma 6 BANDAGEN -MIKOLASCH, Taborstraße 22 teil haben sie begonnen, auch in den „Pilsudskismus" Eingang zu finden. Hierbei steht die wirtschaftliche Seite der Judenfrage im Vordergrund. Daneben ist das nationale Moment bedeutsam. Vereinzelt spielen auch religiöse Gesichtspunkte und neuerdings rassische Argumente in der Debatte eine gewisse Rolle. I. Die wirtschaftliche Problematik der polnischen Judenfrage resultiert aus der Konzentration der Juden in den Städten. Aus dieser auf historischen Fakten beruhenden und unabhängig vom Willen der Juden vollzogenen Schichtung ergeben sich zwei Folgen: Einmal bedingt die Zusammenballung der jüdischen Bevölkerung eine außerordentliche Pauperisierung derbreiten jüdischen Unterschicht. Sodann bestimmt die Urbanisierung der Juden entscheidend ihre wirtschaftliche Struktur; das jüdische Element liefert der polnischen Volkswirtschaft ein starkes Kontingent an Handwerkern und mittelständischer Bevölkerung und sorgt für den Absatz des'polnischen Oesferreichischcs üualitäls rabrihal Ueberau erhältlich Produzenten. Infolgedessen übersteigt der jüdische Hundertsatz an Handwerkern, Vermittlern und Händlern wesentlich den Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerimg. Jahrhundertelang kam diese jüdische Berufsstruktur der ehemals wenig entwickelten polnischen Volkswirtschaft durchaus zugute. Die Juden waren, um ein Wort von Wilhelm Roscher zu gebrauchen, jahrhundertelang gleichsam „die kaufmännischen Vormünder'' der Polen, „zum Nutzen der letzteren selbst". „Aber jede Vormundschaft wird lästig, wenn sie länger dauern will, als die Unreife des Mündels.-' Das Mündel versucht dann, die lästig gewordene Einengung abzuschütteln. Die antijüdischen wirtschaftlichen Reaktionen in Polen sind zu einem Teil nichts anderes als solche Abschüttelung des ökonomischen „Vormundes". Mit dem Emporkommen eines polnischen Bürger- und Handwerkertums und einer Abwanderungstendenz des polnischen Bauern in die Städte hörten die Juden auf, für die polnische Volkswirtschaft ein lebensnotwendiges Element zu bilden. Die Polen selbst waren nunmehr in der Lage, die von den Juden bisher zwangsläufig innegehabten Stellungen zu besetzen. Infolgedessen erschienen die Juden als ..Störer der Nahrung". Zwar ist von polnischer Seite zugegeben worden, daß die Lage der breiten jüdischen Unterschicht das Bild unsäglicher Verarmung bietet und daß eine VerdrängungderJudenkeineHebung des polnischen Bauern nach sich ziehen würde. Aber derartige Erkenntnisse oder Pamenhonfehtions=_ modellhaus | „Zuc jeschen Wienerin" Hlejius Sa 15er. & Co. Wien IX 2., Wahringersfr. 63 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Dornehmes ITIodellhaus für Damenbekleidung wie Mäntel. Kleider, Kostüme, Blusen Tnafcatelier. im f)aufe Trauerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Stunden

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