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Die Wahrheit · 1937-05-21 · Heft 20 (21.5.1937) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 20 (21.5.1937)
Date
1937-05-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Z ei hing vom Verleger versendet „Journal expedte par l'edltettr" Jüdische Utohenschnff Die Wahrheit mit n Veröffentlichungen der Union österreichischer Juden" Exsdieintjeden Freitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 53. Jahrgang Wien, 21. Mai 1937 Nummer 20 Samftag, den 12. Juni, 9Ut)t abends £ineTTlärd)ennad)t in der flüputftadt Pratet (Eingang Stadtbahnvladukt) Bei Regenwetter findet < Zirkusvorstellung / Kabarett / Praterbuden / Belustigungen / Schönheitskonkurrenz / Hau* riger / Rosenzelt / u. v. a. Entree S 1.50 / Hbendhaffa S 2.— (inklusive Zirkus und Kabarett) Der Reingewinn dient der „Hhtioit fiindec aufs £and" is Fest unwiderruflich am 1W. Juni statt. Vorverkauf: »Union«, I., Schottenring 36 / Caf6 Fetzer, II., PraterstraBe 8 / Cafe Freiwirth, II., PraterstraBe 11 / Mühlrad, II., PraterstraBe 39 / Druckerei Stiassny, II., TaborstraBe 46. Rasiere Dich got und billig Forschungsabteilung Judenfrage . 99 Nachdem Hitler in seinem programmatischen Buche „Mein Kampf" verkündet hatte, daß die Parteipropaganda weniger auf die Verbreitung der Wahrheit als auf die Glaubhaftmachung suggestiv wirkender Lügen gerichtet sein müsse, war die N. S. D. A. P. nach ihrer Machtergreifung bestrebt, diese Methode nicht nur in der Praxis aufs konsequenteste anzuwenden, sondern auch sozusagen wissenschaftlich zu fundieren. Diesem wissenschaftlichen Unterbau der nationalsozialistischen „Weltanschauung" dient die „Forschungsabteilung Judenfrage* des Reichsinstituts der Geschichte des neuen Deutschen Reiches". Im Dritten Reiche haben eben die Lügen keine kurzen Beine, sondern lange Titel. Besagte „Forschungsabteilung" trat dieser Tage in der Münchner Universität zu ihrer zweiten Arbeitstagung zusammen. Der Geschäftsführer Dr. Grau konnte u. a. mitteilen: Die Abteilung Judenfrage hat sich an alle deutschen Archive gewandt mit der Bitte, die Ausarbeitung von J u d a i c a- Verzeichnissen umgehend in Angriff zu nehmen. Erfreulicherweise habe sich auch die österreichische Archivverwaltung der Bitte der Forschungsabteilung angeschlossen und die Anlage von Judaica-Verzeichnissen für das österreichische Archiv zugesagt. Dr. Grau sprach dafür dem Generalstaatsarchivar Dr. Bittner (Wien) den Dank der Forschungsabteilung aus. Diesen Dank dürfte der österreichische Gelehrte mit einigem Mißbehagen quittieren. Hat er doch gleich nach dem ersten Auftauchen der Meldung, daß er durch seine Mitwirkung an der Münchener „Forschungsabteilung" in wissenschaftlichen Wettbewerb mit deren größter Leuchte, dem Herrn Julius Streicher, treten wolle, in den Wiener Blättern diesen merkwürdigen Ehrgeiz entschieden in Abrede gestellt. Gegen eine wissenschaftlich einwandfreie Feststellung des jüdischen Anteils am Kulturleben der einzelnen Staaten wäre natür- Krankenfahrstühle neu und gebraucht von S 70,- , auch leihweise oder Teilzahlung ANDAGEN-MIKOLASCH, Taborstraße Verbreitet DIE WAHRHEIT LeSe DlE WAHRHEIT Ab°n;TEWAHRHElT ""TS WAHRHEIT Ven-no* ,n ai.en «-^SiT DIE WAHRHEIT d.nn.....t-—«——^ im Kamp»« lieh nichts einzuwenden. Das Resultat könnte für uns Juden nur ehrend sein. Aber darf man einen solchen Erfolg oder wenigstens das ehrliche Streben nach der objektiven Wahrheit ausgerechnet vom Dritten Reiche erwarten, das sogar den Anteil der Juden an der Vaterlandsverteidigung zu verdunkeln wagt, indem es die jüdischen Namen aus den Gefallenengedenktafeln ausmerzen ließ, um diese Widerlegung des nationalsozialistischen Axioms von der jüdischen Feigheit und unpatriotischen Gesinnung aus der Welt zu schaffen? Kann man einem solchen Staate die Finanzierung, ja auch nur die bloße Duldung eines Forschungsinstituts zutrauen, das mit wissenschaftlich seriösen Ergebnissen die ganze nationalsozialistische Doktrin von der Minderwertigkeit der Juden ad absurdum führen müßte? Liegt es nicht vielmehr klar zutage, daß dieses Institut, an dem keineswegs die Theorie, sondern bloß der Geschäftsführer Grau ist, dem entgegengesetzten Zwecke zu dienen hat: die Richtigkeit der Parteidogmen um jeden Preis zu beweisen? Es wäre mehr als kindisch, sich von seiner Anlage der Judaica-Verzeichnisse jüdische Ruhmestafeln zu erhoffen, während es in Wirklichkeit auf die Schaffung schwarzer Listen abgesehen ist, deren Beliebtheit bei den Führern des Dritten Reiches auseiner Geheiminstruktion der rationalsozialistischen Reichsjugendführung erhellt, die die Wiener „Reichspost" jüngst zu veröffentlichen in der Lage war. Es heißt dort: „Wir könnten uns von einer derartigen Aktion eine Aktivierung des Geistes unserer Einheiten ver- Oesterrelchtsclics Qaoiua.s-raMi.at Ueberau erhältlich sprechen, da die Anlage einer schwarzen Liste bekanntlich immer zieht." Die Judaica-Verzeichnisse der braunen „Forschungsabteilung" verfolgen ohne Zweifel denselben Zweck: die erhöhte Aktivierung des Hakenkreuzgeistes. Die „Reichspost" hat an die Veröffentlichung dieser Nazi-Geheiminstruktion eine sehr erbitterte Kritik geknüpft, die in der Feststellung gipfelte: „Es ist für jeden anständigen Menschen zum Grausen." Man darf daraus wohl die Hoffnung schöpfen, daß 'der Betätigung österreichischer Staatsarchivare im selben Sinne rechtzeitig Riegel vorgeschoben werden. Die „Reichspost" hat übrigens am letzten Sonntag auch praktisch die Ueberflüssigkeit spezieller Judaica-Verzeichnisse bewiesen: In einem Rückblick auf die rühmlichen Leistungen der Wiener medizinischen Schule hat sie auch die unsterblichen Verdienste der jüdischen Forscher und Dozenten deutlich gemacht, obwohl sie deren Namen nicht gesondert, sondern in bunter Reihe mit denen der arischen Vorkämpfer der Heilkunde auf Wiener Boden veröffentlichte. Das ist ein sehr gesundes Prinzip, weil ja auch im realen Leben die jüdischen Berufsinteressen nirgends gesondert von den christlichen hervortreten. Wer auf aem Papiei sachlich nicht begründete konfessionelle Abgrenzungen durchführt, der wi'l auch im L eben trennen, was sachlich zusammengehört. In diesem Sinne hatten dio katholischen Studenten Recht, die in eine jüngst abgehaltene öffentliche Diskussion der Judenfrage mir dem Zwischenrufe eingriffen: „Die Judenlrage hat noch Zeit, gefährdet ist die Christenheit!" Damenhonfehnonstnodellhaus ,JZue /e&AeM tOieiteritt" Hlepus Sa 15er & Co. Wien EX/2., WUurintferstr. 6* Telephon A 33-249 Gründungsjahr 1897 Docnehmes TTIodeUhaus füc Damenbekleidung wie M5«el, Kleider, Kostüme, Blusen TTlafcatelier im f)aufe Traoerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Standen

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