Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 19 (14.5.1937)
- Date
- 1937-05-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedle par l'edfteur" Jüdische IDodiensdirift Die tDcmrKeit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden- Erscheint jeden Freitag Preis 50 Groschen Redaktion und Administration; Wien IL, Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 53. Jahrgang _Wien, 14. Mai 1937_Nummer 19 50 Jahre „Union österreichischer Juden". Die Jubelfeier — eine großartige Manifestation des österreichischen Judentums. Fünfzig Jahre im rastlosen Dienste für das österreichische Judentum — das ist wohl ein Anlaß, ein Fest zu feiern, trotzdem die heutige Zeit so ernst im allgemeinen und so traurig für die Judenschaft im besonderen ist. Die „Union österreichischer Juden" hat auf diese Zeitströmung Rücksicht genommen, als sie ihre Jubelfeier ansetzte. Keine Ueberschwenglichkeit sollte hier geboten werden, sondern es galt, an einem bedeutsamen Zeitpunkt in der Geschichte dieser für die österreichische Judenschaft hingebungsvoll wirkenden Organisation Rückschau zu halten auf das Vergangene, Ausblick zu tun-auf die Zukunft und die Gesinnungsfreude (aus nah und fern zu vereinigen zu gemeinsamer Betrachtung dieses bisher zurückgelegten und noch weiter mit unverminderten Kräften zu verfolgenden Weges. Es wurde deshalb keine offizielle Feier abgehalten, sondern eine interne Feier für Mitglieder und bewährte Freunde und Gesinnungsgenossen. In der meisterhaften Feistschrift, die der hochverehrte Ehrenpräsident der „Union", Herr Dr. Jakob 0 r n s t e i n, den Mitgliedern und Freunden dieser Vereinigung zu ihrem Jubeltage dargeboten hat, wurde Rückschau gehalten. Die Anerkennung, die dieses bedeutende Geschichtswerk schon in den wenigen Tagen, die seit seinem Erscheinen verflossen sind, gefunden hat und die in den begeisterten Briefen namhafter Persönlichkeiten und Organisationen an den Autor und die „Union" beredten Ausdruck erhält, beweist, daß Herrn Dr. J. Ornstein sein Vorhaben, mit der Schilderung der Geschehnisse in der „Union" im zweiten Vierteljahrhundert ihres Bestandes zugleich eine lebenswahre Geschichte der Entwick.'ung des österreichischen Judentums in diesem Zeitraum zu verbinden, restlos gelungen ist. Dafür dankt ihm aufs herzlichste die „Union" und dafür wissen ihm über deren Kreis hinaus alle jene Dank, die an dem Schicksal des österreichischen Judentums Anteil nehmen. Der Rückschau am Markstein des Jubeltages sollte vornehmlich das von Meisterhand geschriebene Wort dienen, dem Ausblick das gesprochene. Es wurde gehört von hunderten und aberhunderten Menschen, die sich trotz des ersten schönen Maiensonntags im Industrie-Haus vereinigten, um durch ihr imponierend zahlreiches Erscheinen die unwandelbaren Sympathien zu bekunden, die die österreichische Judenschaft nach wie vor für ihre treue Organisation, die „Union österreichscher Juden" hegt. Ein sichtbarer Beweis der Anerkennung der Bedeutung der „Union" kam darin zum Ausdruck, daß innerhalb dieser riesigen Menschenmenge, die festlich gestimmt den geräumigen Saal des Industriehauses füllte, sich solche hervorragende Persönlichkeiten des Wiener Judentums befänden, die auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Kunst und der Philanthropie Leistungen vollbracht haben und vollbringen, welche zum Ruhme des österreichischen Vaterlandes und seiner Judenschaft gewaltig beitragen. Sie alle und mit ihnen die große Schar von Abgesandten von zahlreichen jüdischen Organisationen, fanden ebenso wie die vielen Mitglieder und persönlichen Freunde der „Union" herzlichste Begrüßung in der ergreitenden Eröftuungsansprache des Vorsitzenden, des Herrn Ehrenpräsidenten. Dr. Jakob Ornstein. Stürmischer Jubel erhob sich insbesondere, als Dr. Ornstein die Abgesandten der Pester Richtige Senkfußeinlagen BAHDAGEN-MKOLASc'h, taborstr. 22 &> Israelitischen Religionsgemeinde und der Ungarischen Israelitischen Landeskanzlei, die Herren Vorsteher N a g y und Generalsekretär E p 1 e r willkommen hieß. Sie dokumentierten mit ihrem Erscheinen die nach wie vor bestehende enge Verbundenheit zwischen dem ungarischen und dem österreichischen Judentum, eine Verbundenheit, die sich auf gemeinsames Geschick und Uebereinstimmung in den Prinzipien stützt. Feierliche Stille hatte im festlich geschmückten Saale geherrscht, als das Zeichen zum Beginn der grandiosen Veranstaltung erscholl. Gewaltiger Applaus aber ertönte, als das Präsidium das Podium betrat, herzliche, stürmische Zurufe schallten den vier Männern entgegen, die am Präsidialtisch Platz nahmen, dem Ehrenpräsidenten Dr. J. Ornstein, dem Präsidenten, Reg.-Rat Dr. H. Oppenheim, den Vizepräsidenten Doktor J. T i c h o und Geza K 1 i n g e r. Als sich die lang anhaltende Begeisterung gelegt hatte, begann Univ.-Prof. Dr. Hugo Stern ein Weihespiel am Orgelharmonium. „Weihespiel", das ist die treh'endste Bezeichnung für die prachtvollen Klänge, die ein Meister hier dem Instrumente entlockte, Klänge, die eine herrliche Harmonie von jüdischen Melodien und der Bundeshymne boten, i:n die das Ganze rhythmisch ausklar.g. Das Publikum hatte sich von den Plätzen erhoben und bereitete dem Künstler lebhafte Ovationen. Nun brachte ein großer Chor des Wiener Jüdischen Gesangvereins unter der bewährten Latung des Herrn Bundeskapellmeister Dr. Kurt Pahlen wirkungsvoll „Gepriesen sei die Stunde" zum Vortrage. Hierauf ergriff unter stürmischem Jubel der Anwesenden Ehrenpräsident Dr. J. 0 r n s t e i n das Wort zur Begrüßungsansprache. Einleitend dankte der Vorsitzende dem Zentralvorstande, welcher ihn in feinfühliger Erinnerung an die Jubiläumsfeier nach Abschluß des ersten Vierteljahrhunderts des Bestandes der „Union", bei welcher er gleichfalls den Vorsitz in der Festversammlung inne hatte, neuerlich mit der Leitung der aus Anlaß des zweiten, nunmehr fünfzigjährigen Jubiläums veranstalteten feierlichen Versammlung betraut habe. Er erinnerte an den Gegensatz zwischen der Zeit der ersten Festversammhiiig, in welcher die 'ganze Welt tiefsten Frieden atmete Dosiere Didi gm and billig Oesterreichlsdies QualltäfsfaDrlkaf Ueberau erhältlich und wir alle in behaglichem Wohlstände lebten, und dem bald darauf folgenden furchtbaren Weltkrieg, welchem ein Zusammenbruch sondergleichen iolgte, unter dessen Auswirkungen wir noch jetzt leiden und dessen Folgeerscheinungen auch noch in unserer Gegenwart unsere Gemüter bedrücken und bedrängen, so daß manche Stimmen im Vorstande eine Abstandnahme von jeder Feier empiahlen; aber schließlich habe im Vorstande doch die Ansicht Raum gewonnen, daß wir an diesem doch auch schon zeitlich so bedeutsamen Wendepunkte mit unseren liebwerten Festgästen, unseren Vereinsmitgliedern, und allen unseren Gesinnungsgenossen nicht nur in diesem Saale, sondern auch mit den vielen tausenden Freunden außerhalb desselben, einen Rückblick halten wollen auf das, was wir während des zweiten Vierteljahrhunderts oft unter großen Mühen und Kämpfen erstrebt und erlebt haben, und daß wir mit ihnen allen gemeinsam in das neue, dritte Vierteljabrhundert unseres Bestandes eintreten wollen, stolz auf unser Judentum, aufrechten Hauptes, ungebeugt und nicht darniedergebrochen. Nun begrüßte der Vorsitzende zunächst die Rabbiner, unsere geistigen Führer und Lehrer, die uns das Gotteswort erläutern und die unter Führung unseres hochverehrten Herrn Oberrabbiners Dr. T a g 1 i c h t, des Mannes, der in seiner Gemeinde nur Freunde zählt, erschienen sind. Ihr Erscheinen gab ihm Anlaß, auch dss langjährigen Oberrabbiners Dr. Moriz O ädern a n n, dessen Witwe sich zu unserer Festfeier eingefunden hatte, zu gedenken. Und an seinen Gruß an düe Herren Rabbiner knüpfte er die weitere Mitteilung, daß auch Herr Dr. K r a u s, der Rektor unserer hohen Damenkonfehnons= TTlodellbaus „Zoe feschen Wienerin" Hlerjus Sa 15er & Co. Wien K/2., Währingerstr. 65 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 0ornef)mes Iflodellbaus für Damenbekleidung wie Mäntel Kleider, Kostüme. Blusen TTlafrHtelier im fiaufe