Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 16 (23.4.1937)
- Date
- 1937-04-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. D. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedte par l'editear" dirift Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 53. Jahrgang Wien, 23. April 1937 Nummer 16 Ungarns Ministerpräsident über die Judenfrage. Rasiere Dich gut and billig Aus Ungarn wird die Auflösung einer „Partei des nationalen Willens" gemeldet. Die Polizei1 hat auf Weisung des neuen Innenministers Szell im Parteilokal, in der Wohnung des Führers, des Majors im Ruhestande Franz Szälasy, sowie in der Parteidruckerei Haussuchungen durchgeführt, massenhaft Flugschriften, Protokolle, Eidesformeln, viel Bargeld und eine Liste von 8000 Mitgliedern beschlagnahmt. Gegen Szälasy und Genossen wurde das Strafverfahren wegen Vergehens gegen die staatliche und gesellschaftliche Ordnung eingeleitet. Jeder, der den nationalen Chauvinismus aller Ungarn, ob Jud, ob Christ, ob politisch rechts oder links stehend, kennt, wird dieses energische Einschreiten gegen eine Partei, die sich schon im Titel als Vollzugsorgan des nationalen Willens empfahl, als politisches Paradoxon bestaunen. Aber Vor- und Nachgeschichte dieses Ereignisses sind noch viel kurioser. In der, letzten Zeit bekam man aus Ungarn recht drastische Absagen an den Antisemitismus und beredte Schilderungen seiner Gefährlichkeit und Absurdität zu hören. Der erste christlichnationale Ministerpräsident von Ungarn, Herr Friedrich, der den Numerus clausus für jüdische Studenten an den ungarischen Hochschulen eingeführt hat, hat vor kurzem im „Neuen Wiener Tagblatt" eine recht beherzigenswerte Kritik an der Judenhetze, die ehrgeizigen Strebern den Weg zur Diktatur ebnen soll, geübt. Einer seiner erfolgreichsten Amtsnachfolger, der langjährige Ministerpräsident Graf B e t h 1 e n, hat gelegentlich der Budgetdebatte im Abgeordnetenhaus eine scharfe Polemik gegen die rassentnäßig orientierte Hochschulpolitik geliefert und derjenige, der ihn dabei am begeistertsten und demonstrativsten Beifall spendete, war der Bauernführer Tibor Eckhardt, der auch wiederholt selbst die Regierung gegen die Pfeilkreuzler, Sensenkreuzler und sonstigen ungarischen Ableger der deutschen Hakenkreuzler zu mobilisieren versuchte. Die .Bedenken dieser Männer gegen den antisemitischen Terror entspringen dem offenen Blick für die staatsgefährliche Entwicklung der Doktrinen, die einst ihre eigenen gewesen sind. Von dem Leiter einer ch ri s 11 i c h nationalen Regierung durfte man mehr Freude über diese bekehrten Sünder als über die fanatische Halsstarrigkeit ihrer rechtsradikalen Gegner erwarten. Ihrer Parole: „Freundschaft mit Deutschland, aber nicht um den Preis deutscher Beeinflussung der ungarischen Innenpolitik!" schien der Sieg gewiß. Diese Hoffnung hat die Szegediner Rede des jetzigen Ministerpräsidenten Daranyi trotz ihrer Absage an „Straßendemonstrationen und Einschlagen von Köpfen" einigermaßen gedämpft. Die unfreundliche Art, in der er die ungarische Judenfrage behandelte, beweist, daß das Gift der Barbarei und Unmenschlichkeit, dieser „nationale Wille" des heutigen Deutschlands, bei der Einstellung des ungarischen Ministerpräsidenten zur Judenfrage seine Wirkung nicht verfehlt hat. Wie denn anders wären bei diesem Manne, der die ritterlichste, die gastfreundlichste Nation politisch lenken soll, jene Sätze zu verstehen, in denen er den Juden Ungarns, die so viel zur Blüte und zum Aufschwung ihres Vaterlandes beigetragen haben, nun plötzlich zum Vorwurfe macht, daß ihre Verhältniszahl zu groß ist und daß „das Judentum im Wirtschaftsleben in einem selbst diese hohe Verhältniszahl weit übertreffenden Maße zur Geltung gelangt ist." Bisher hat man in Ungarn bei der Beurteilung seiner patriotischen Bürger nur eine „Geltung" gekannt, das war die des Landes selbst, und zu der haben in aller Welt die ihr Vaterland heiß liebenden ungarischen Juden mit ihrer ganzen Kraft beigetragen, ohne daß man hiebei nach ihrer Zahl fragte. Hat der Begriff der Dankbarkeit in dem der Ritterlichkeit keinen Platz? Aben der ungarische Ministerpräsident differenziert zwischen den „alteingesessenen und kulturell höher stehenden Juden" und den „ihrer Gefühlswelt und Denkungsart fernstehenden fremden Elementen". Diese Differenzierung ist abzulehnen. Es gibt nicht Glaubensgenossen, die einem Teile der jüdischen Gemeinschaft „in der Gefühlswelt fernestehen", das alle verbindende „jüdische Gefühl" ist das religiöse und gerade der gute Christ wird anerkennen müssen, daß bei den in der Szegediner Rede in kultureller Hinsicht so geschmähten „fremden Elementen" die Religion k^s Richtige Leibbinden pH und Stütxmieder als Reaulut umfassender Erfahrung. Pachfirma Yya BAHDA8EN ]• MIKOLASCH, Taborstraße 22 vornehmlich ihr Tun und Lassen beherrscht. Die Ethik dieser jüdischen Religion verbietet ihren Anhängern „Umtriebe", wie sie vom Ministerpräsdenten Daranyi gerügt werden, und wo solche „Umtriebe" dennoch erfolgen, da werden die an diesen „Umtrieben" Schuldtragenden von der Judenschaft entschieden abgelehnt, egal ob es sich um „alteingesessene" oder „fremde Elemente" handelt. Einen Vorwurf kann man allerdings dem Teile der ungarischen Juden, gegen den Ministerpräsident Daranyi so scharf auftrat, nicht ersparen, den! Vorwurf nämlich, daß diese Juden nicht mit jener Intensität, die bei den autochthonen ungarischen Juden zu konstatieren ist, die Verwurzelung in ungarische Art vorgenommen haben. Daran sind aber weniger sie selbst schuld als diejenigen, die sich eine politische Führung des Judentums und insbesondere des in Frage stehenden Teiles desselben anmaßen. Die jüdischnationalpolitischen Zionisten sind ideelle Gegner einer solchen Verwurzelung und wenn der politische Führer eines Landes den von ihnen politisch Verführten die praktischen Folgen einer solchen Gegnerschaft drohend vor Augen führt, dann schreienj siel Zeter und Mordio und rufen nach bewährtem Muster, wie es in der letzten „Stimme" geschieht: „Haltet den Dieb!" Dann sind nicht sie schuld, die die Verwurzelung ablehnen, sondern diejenigen, die sie bejahen, die bösen „Assimilanten"! Es ist ein haejes Wort, das Ministerpräsident Daranyi am Schlüsse seiner Ausführungen über die Judenfrage sprach, das Wort vom „Ungarn, das nur als Jagd- und Durchzugsgebiet betrachtet wird". Aber erinnern wir uns doch. Hören wir nicht ein Echo extremer jüdischnationaler Propagandisten? Hat nicht erst kürzlich in Polen der Führer der Revisionisten Oesierreichisclies Qoaliläls faDrlkal Ueberau erhältlich das Schlagwort von der „Evakuierung" geprägt, das von den polnischen Judenhetzern mit größter Bereitwilligkeit als wahres Schlag wort aufgegriffen wurde? Ministerpräsident Daranyi haut in dieselbe Kerbe, wenn er davon spricht, daß Ungarn „zu viel Juden" hat, namentlich zu viele, denen Ungarn „Durchgangsgebiet" ist. Aber diese Kerbe haben die jüdischnationalen Parteipolitiker mitschaffen geholfen und das ist die große Schuld dieser Verblendeten. Das neue polnische Regierungslager und die Juden. Bei der Gründung deä Wilnaer Kreises des vom Obersten K o c geschaffenen Nationalen Lagersi erklärte der Vorsitzende des Wilnaer Komitees Ing. Baranski, das Regierungslager werde nie einen Versuch unterstützen, die Judenfrage durch Gewalt und Haß zu liquidieren; denn dies stände in Widerspruch zum 10. Gebot, der polnischen Verfassung, Kultur und Psyche. Trotzdem liege es im staatlichen Interesse, wenn die christlichen Polen mehr als bisher in Handel, Industrie, Handwerk, sowie in die anderen städtischen Berufe eindringen. „Judenmord kein Verbrechen!" Das Lemberger Gericht verurteilte wegen Ermordung des jüdischen Ehepaars Ber und Rachel Friedmann in Janow den Hauptangeklagten C h a w a 1 k a zum Tode. Chawalka rief bei der Urteilsverkündung: Mord an einem Juden ist kein Verbrechen. Unter dem Hitler-Regime hätte iöh dafür eine Auszeichnung erhalten. Damenhonfefrtions=_ TTlodeHbausI „Zuc (eschen Wienerin" Hlejius Sa 15er & Co. Wien IX/2., Wäfarinüerstr. 63 Telephon A 33-249 Gründungsjahr 1897 Docneftmes Tnodellbaus für Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider. Kostüme, Blusen TTlafcfltelier im fjaufe Trauerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Stunden