Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1937-03-26 · Heft 12 (26.3.1937) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 12 (26.3.1937)
Date
1937-03-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3064663-3064675--21080-3086397
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par feditenr" Die UUrU mit den Veröffentlichungen der »Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration: Wien 11., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 53. Jahrgang Wien, 26. März 1937 Nummer 12 f /—RAOIO? \ I* HorngphoH 1 und sämtlich« andere JAarken I Radiohaus am Rolhausplali I ^LangfnsiigerK^ Wann wird es Frühling in der Menschheit werden? Von Landesrabbiner Prof. Dr. D. Herzog, Graz. Nun soll es bald Frühling werden. Denn immer wieder, wenn wir den Monat Nissan einsegnen, wird in uns die Hoffnung genährt, daß die Unbilden des Winters sich verziehen und neues, blühendes Leben in der Natur sich regen wird. Nur in der Menschheit will es nicht Frühling werden. Im Gegenteil! Vielleicht noch nie war die Menschheit so versklavt und in Dunkel gehalten wie in unseren Tagen. Denn wovon hören wir Tag für-Tag, ja Stunde zu Stunde? Von nichts anderem als von Rüstungen, Gehässigkeiten, Mißtrauen und Schlechtigkeiten. Tag für Tag fragt sich der sittliche reine Mensch, sind denn wirklich alle guten Geister ausgestorben, gibt es wirklich keinen Menschen mehr, einen Führer, der doch endlich der Menschheit die Augen öffnet und ihr den Weg weist, den sie einzig und allein zu gehen hat, wenn sie nicht jämmerlich zugrundegehen soll? Wann wird es endlich auch in der geplagten Menschheit Frühling werden? Und soll ich gar erst von den Gehässigkeiten und Schlechtigkeiten sprechen, die man uns Juden gegenüber sich glaubt gestatten zu dürfen! Wenn einem sein geistiges Wissen ausgegangen ist, wenn er aus den Sackgassen, in welche er sich verirrt hat, nicht ein und aus kann, dann ist es das erste, daß wir Juden für alles verantwortlich gemacht werden. Ja, wer hat euch denn geheißen, sich in Sackgassen zu begeben, aus welchen ihr nicht mehr heraus könnt? Da braucht nur einer zu kommen und vermöge seiner Zungenfertigkeit die Menschen gegen irgend eine Menschenklasse aufzuhetzen, flugs wird ohne Bedenken das aufgegriffen und die Welt aufgewühlt, in Spannung versetzt, ohne daß dadurch die Menschheit auch nur ein wenig vorwärts gebracht werden würde. Im Gegenteil, man redet sich in einen immer größeren Haß hinein und vernebelt die klarsten Dinge. Und weil ja jeder Schreier sich einen Anhang zu verschaffen weiß und weil ja in Zeiten wirtschaftlicher Depression die Menschen stets dem nachlaufen, der ihnen Versprechungen macht, die gar nicht erfüllbar sind, werden diese Schreier! mit einer Gloriole umgeben für Versprechungen und Maßnahmen, die sich dann als Flitter und Aufschneiderei offenbaren, der armen Menschheit aber inzwischen unendlichen Schaden zugefügt haben. Auch Israel hatte einst eine solche Episode in seiner Geschichte erlebt. Das war damals, als es aus Aegypten zog und der mit ihm ausgewanderte! Anhang von Aegyptern es zur Anfertigung des goldenen Kalbes verleitet hatte. Denn der Midrasch erzählt uns folgendes: : Als die Israeliten in der Wüste gesündigt hatten al esek erebh rabh schealah imahem mimizrajim, wegen des Tuns des erebh rabh, der Abenteuerer, die sie aus Aegypten begleitet haben, da legte Ahron ein gutesi Wort für das Volk ein, indem er zu Möschen sagte: es entbrenne doch der Zorn meines Herrn nicht gegen das Volk, ki breoh hu, denn es waren ja nur die ägyptischen Abenteuerer, welche dias veranlaßt und das Volk zur Anfertigung des goldenen Kalbes bestimmt haben. Denn die Israeliten sind treu und redlich. Da, so wird im Midrasch erzählt, sandte ihnen Gott Balsam für ihre Wunden, indem W dem Möschen den für Israel bestimmten Auftrag gegeben hat: waszu Ii mikdas, weschachanti bethokam, daß sie Gott ein Heiligtum bauen, darin er wohnen kann. Und sie bauten ein Heiligtum! Damals eben hatten wir einen Führer, der gewußt hat, wie man Wunden J^T Richtige SenkffuBeinlagen m "»N. Fachfirma s * BANPABEH-MIKOLASCH, Taborstr. 22 heilen, Schmerz und Weh lindern, Irrtümer richtigstellen könne, und so gelang es Moscheh -wajakhel es kol adath bne Jisrael; die ganze Gemeinde Israels zu sammeln und ein Heiligtum zu bauen. Und nicht anders wird es auch in unseren Tagen werden! Solange nicht ©ine führende, überragende Persönlichkeit die Geschicke der ganzen Menschheit durch sittliche Einflüsse lenken wird, ihr den Weg weisen wird, auf dem jeder Haß und jede Schlechtigkeit weggeräumt werden wird, gibt es keine wahre Heilung, kein Glück auf Erden. Und dieser Weg kann einzig und allein nur der des Glaubens, des wahren Glaubens sein. Denn was wir heute vielfach als Glauben betätigen sehen, das ist kein wahrer Glaube, das ist höchstens Bethäuserbesuch, dem nichts Tiefes anhaftet. Wahrer Glaube ist derjenige, der die in Basiere Dich am and billig Oesferrelc&lsdics QoäiitaisraiMiiiaf Ueberau erhältlich den Gotteshäusern gelehrten sittlichen Ideen draußen im Leben zur Reife bringt, und selbst wenn man darüber zugrundegehen müßte. Der wahre Glaube kennt keine Glaubens* und Rassenunterschiede, für ihn ist einzig und allein die Güte, die Milde, das Verstehen und die Ermahnung das Bestimmende. Der wahre Glaube sieht in jedem Menschen eine Schöpfung! Gottes und darum wird ihm kein Mensch, mag er woher immer stammen, wertlos erscheinen. Wer anders denkt und handelt, der ist kein gläubiger Mensch. Darum kann niemals der Totalitätsstaat das sittliche Ziel der Menschheit sein, sondern der Staat, in welchem auch der einzelne der besonderen Fürsorge sich erfreut. Das will der Glaube. Darum ist es widersinnig, die Nation über den Glauben zu stellen. Doch man sagte mir vor kurzem, ja, aber der Glaube hat sich überlebt, er bilde keine Anziehungskraft mehr namentlich für unsere Jugend. Ja, ich gebe zu, der Glaube bildet heutzutage keine Anziehungskraft mehr für unsere Jugend. Aber ist das ein Vorteil für unsere Jugend? Das wird wahrlich niemand behaupten können! Aber laßt sie wieder an einen allgütigen, gerechten Vater glauben, gebt ihr wieder die Segnungen des Glaubens, und ihr werdet sehen, wie sie mit einem Schlage sich ändern wird, wie sie in der sittlichen Betätigung ihre Befriedigung und ihre Ideale finden wird, in der Güte und Barmherzigkeit, und dann wird auch Not und Leid aus der Menschheit schwinden, weil gegenseitige Hilfsbereitschaft alle erfassen wird, und dann, bei Gott, wird auch für die Menschheit ein Frühling heranreifen und die Herrlichkeit Gottes wird in jede unserer Wohnstätten hineinstrahlen! Zum frohen Seste wird (fessadk $€hmidt~JKazzoth erst durch die berühmten Grieß nur in plombierten Saaten „Bohmidl-Hazzotfc" sind eine wanderbare Delikatesse von besonderem Wohlgeschmack. „Sohmidl-auioth" werden aus nur aUerfeburtem Weizenmehl erzeugt. „Bohmldl-Mazzoth" werden In peinlichst sanfteren xnoaern»ten Fabriksräumen erzeugt. „Sonmidl-MMZotti" sind verläßlich streng kosohw. Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Jlatfkan älrodetsftff Zmtrafe: litten, 2. &exirft, Xeopofclsgasse «3 Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63 Die JdkmidM-JKaMmoHk and das Fabrikat Jttamtie StfimkM Jt. ». (Mazzoth, Orieß and Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.