Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 9 (5.3.1937)
- Date
- 1937-03-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. Zeitung vom Verieger versendet „Journal expedle par l'editeur" Jüdische ÜDochenschntr Dl( UUrW mit cten Veröffentlichungen der „Union österreichischer luden" Erscheint jeden Freitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration; Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 53. Jahrgang: Wien, 5. März 1937 Nummer 9 Österreichs Kulturmission. RasiereDidi gut and billig Einer der wichtigsten Erfolge des jüngst stattgefundenen Wiener Besuches des reichsdeutschen Außenministers Neurath war die Einsetzung einer Kulturkommission zwecks reibungsloser Gestaltung des geistigen Güteraustausches zwischen den beiden deutschen Staaten. Wie sich das Dritte Reich diese Regungslosigkeit vorstellt, hat es seither durch eine sehr verwunderliche Praxis anschaulich gemacht. Einerseits hat es dieser Tage auch noch die letzten in Deutschland zugelassenen Wiener Blätter verboten, darunter die „Neue Freie Presse", die „Kronen-Zeitung" und das „Interessante Blatt", also durchaus Organe von alles eher als aggressiver Tendenz, anderseits versorgt es Oesterreich mit antiösterreichischen Tendenzfilmen, wie dem „Fridericus", gegen den erstaunlicherweise erst die österreichische Bevölkerung demonstrativ ihren Unwillen zu nicht mißzuverstehendem Ausdruck bringen jnußte, bevor sich einzelne österreichische Behörden zu einem Verbot des Films aufrafften. Gleichzeitig wird Oesterreich von Naziblättern aus dem Reiche überschwemmt, die sich in anmaßendstem Tone in Oesterreichs kulturpolitische Angelegenheiten einmischen. Ein besonders groteskes Beispiel hiefür bietet die Essener „National- Zeitung" vom 30. Dezember 1936. Nicht als ob die späteren Nummern dieses Blattes taktvoller und zurückhaltender in bezug auf nationalsozialistische Blasphemien wären, aber die genannte Nummer bietet in konzentriertester Form, auf zwei Seiten verteilt, seine ganze Einstellung gegenüber Oesterreich in negativer und in positiver Hinsicht dar. Daß die Negation in Ablehnung der „Verjudung" des Wiener Kunstlebens besteht, nimmt bei einem Naziblatt niemanden Wunder. Erstaunlicher ist die auf der nächsten Seite gelieferte positive Beurteilung des nicht jüdischen Oesterreiohers als eines leichtgläubigen Dummerjans erster Sorte, der sich von einem schlauen Schwaben ohne weiteres einreden läßt, daß die Donau bei Wien kein Wasser führe, wenn ein Kind den QueMbrunnen in Donaueschingen zuhält. Dieser alte Witz, mit dem schon viele Generationen von Geographielehrern die Wiener Schulkinder zum Lachen bringen, hat ein literarischer Mitarbeiter der Essener „National- Zeitung" zum Beweis des hohen Geistesniveaus der arisierten Kunst des Dritten Reiches zu einer länglichen Anekdote ausgewalzt, die er in offenbarer Ueberschätzung ihres Humorgehalts als ein „Schelmenstück" qualifizierte. Nun, ein Schelm gibt bekanntlich mehr als er hat. Man kann sich also vorstellen, wie die Nazi-Literatur aussieht, wenn ihre Schöpfer gerade nur so viel an Geist hergeben, wie sie haben ... Es ist daher kein Wunder, daß sie voll Neid und Grimm auf Oesterreich blicken, das auf kulturellem Gebiet noch Weltgeltung besitzt. Da sie, wie eben gezeigt, die arischen Oesterreicher für idiotische Schildbürger halten, müssen sie zwangsläufig zu der Schlußfolgerung kommen, daß die österreichische Kunst schon seit der Jahrhundertwende „eine bevorrechtete Angelegenheit des Judentums" ist. So kommt es, daß die Essener „National-Zeitung", nachdem sie mit Wonne das Vergnügen geschildert hat, mit dem ihr schlauer Schwabe den dummen Wiener „hochgehen" läßt, auf der umstehenden Seite vier Feuilletonspalten ihrem Mißmute darüber opfert, daß das bodenständige Wiener Publikum an den „verjudeten" Theatern sich freut und mit seinem Geld die jüdischen Schauspieler bezahlt. In diesen vier Feuilletonspalten ist mit anerkennenswerter Gründlichkeit alles verzeichnet, was Juden für das Wiener Theater geleistet haben und noch leisten. Es ist dies, wie wir mit Stolz feststellen, ganz bestimmt nicht wenig. Aber der gewollte Eindruck, daß die Juden die Wiener Kunst restlos beherrschen, wird doch nur durch Unterschlagung der arischen Leuchten der österreichischen Kunst erzielt. Karl Schönherr und Hermann Bahr, um nur zwei der markantesten Namen zu nennen, sind in dieser umfangreichen Abhandlung über die „Kulturpolitischen Probleme in Oesterreich" nicht einmal erwähnt Dafür sind nebst den wirklich bedeutenden jüdischen Dichtern auch Operettenkomponisten und Librettisten aufgezählt und als „eine Gilde durchwegs tadelloser 7ionsbrüder" qualifiziert. Cafe Budisbaum 11. Kleine Pfangasse 31 Tel. Ä 43-5-19 Treffpunkt der guten jüdisdien Gesellschaft Vollständig neu renoviert In Oesterreich ist man zum Glück selbst in prinzipiell keineswegs judenfreundlichen Kreisen von einem so summarischen WerturteH über das jüdische Schaffen doch noch weit distanziert. Das „Neuigkeits-Weltblatt", also kein „JudtenWatt", schrieb letzthin zum dreißigjährigen Jubiläum der „Walzertraum"-Uraufführung: „Mit dem „Walzertraum" leiteten Oscar St raus als Komponist und seine Librettisten Leopold Jakobson und der vor Jahren verstorbene Felix Dörmann die Reihe jener international gespielten musikalischen Werke ein, die eine ungeheure Popularisierung des Begriffes „Wien" in allen Weltteilen hervorriefen." Beachtenswert an diesen Gedenkworten des katholischen Blattes ist die erfreuliche Tatsache, daß sie nicht nur den heute längst jedem Zweifel entrückten Kunstwert der jubiMerenden Operette rühmen, sondern auch das patriotische Verdienst der jüdischen Autoren um die Popularisierung Wiens. Einen analogen Erfolg für das Salzkammergut brachte in der letzten Zeit das auf OcslerreicMsclics QaalHälsfaDrtMal Ueberau erhältlich der ganzen Welt aufgeführte „Weiße Rössel" nach Oskar Blumenthals Lustspiel, von Hans Müller zu einer Operette umgearbeitet und trotz dieser doppelten jüdischen Autorschaft im Dritten Reiche ,;rassenrein" verfilmt. Diese Unaufrichtigkeit bei der Durchführung der Rassentheorie ist für die Moral der Nazi noch kennzeichnender als die Theorie selbst. Charakterstarke Treue für eine Idee könnte auch solchen Menschen imponieren, die diese Idee an sich verwerfen. Aber die Nationalsozialisten machen aus ihrer Rassenthese selbst eine Farce, wenn sie Heines „Loreley" in die Schulbücher aufnehmen mit dem Vermerk „Autor unbekannt", wenn sie eine Offenbach-Operette aufführen und als Komponisten einen Herrn Meier oder Schulze nennen oder wenn sie den Erfinder des künstlichen Salpeters, Dr. Fritz Haber, dem sie als Juden jede Wirkungsmöglichkeiten in seinem ihm hochverpflichteten Vaterland entzogen, jetzt, nachdem er als Emigrant in Basel gestorben ist, als D e u tschen feiern. Wenn die Hakenkreuzler ihre eigene Hauptthese nicht ernster nehmen, wie können sie dann hoffen, mit ihr die gefestigte Grundlage einer uralten Kultur, wie der österreichischen, zu beeinflussen? Erfreulicherweise hat es damit auch noch gute Weile. Man denkt hierzulande weder daran, auf die wertvolle Kraft eines Max Reinhardt bei den Salzburger Festspielen zu verzichten, noch halten es die hiesigen Musikenthusiasten für ihre dringendste Sorge, Mozart von seinem jüdischen Textdichter Da Ponte zu befreien und aus dem spanischen Ritter Don Juan einen jüdischen Rassenschänder zu machen, wie es ein Wortführer der deutschen Reichskulturkammer verlangt hat. Jetzt wird es Zeit fihmidt-Jttazzoth Ihren Bedarf zu decken an den berühmten Grieß nur in plombierten Süthen „Sohmldl-Sazzotli" sind eine wunderbare Delikatesse von besonderem Wohlgeschmack. „Sohmidl-Mazzotlx" werden aus nur allexfeinBtem Weizenmehl erzeugt. „Bohmldl-llazsoth" werden in peinlichst sauberen modeznsttti Fabriksräumen erzeugt „Sohnüdl-Kauoth" sind verläßlich streng koscher. Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Jtattum <&todetzGv Zentrate: Wien. 2. Sexteß, Xeopofdsgasse *3 Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63 Die ■§<ttmldl-JK.€MXKotfk und das Fabrikat JOTarte StfkmtdtrJI. f». (Mazzoth, Orieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften.