Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 3 (22.1.1937)
- Date
- 1937-01-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064663-3064666--21005-3086313- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DiE WAHRHEIT 22. Jänner 1937 Wien I.« Seitenstettengasse 2 XI-1 Zentralfpcedhof neben dem I. Tor _ Samstag g»»d»io»w! Nikolaj Sinkowsky, Balalaikavirtuose. — Jazz-Kapelle: Hans Schick's „The Melody Boys". In der Bar (Blauer und Gelber Saal) ab 11 Uhr: Kabarettprogramm. Lotterie (Tombola) und Juxbasar. Saaleröffnung: X>12 Uhr. Beginn der Akademie: Punkt '/,2l Uhr. Tanz ab 23 Uhr. Das Reinerträgnis dient der Unterstützung der notleidenden russischen Juden in Wien. Der jüdische Frauen-Wohltätigkeitsverein Favoriten (Präsidentin Frau Anna Mandel) veranstaltet am Samstag, den 23. Jänner, abends 18 Uhr 30, im Festsaale des Hotels Münchnerhof, VI., Mariahilferstraße 81, eine Akademie mit anschließendem Tanz und bittet alle Mitglieder, Freunde und Gönner um zahlreichen Besuch, da das Reinerträgnis dieser Veranstaltung der diesjährigen Kohlenaktion für 100 arme Familien des X. Bezirkes gewidmet ist. Mitwirkende: Josef Baar, Conferencier, Marianne Mislap- Kapper, Konzertsängerin, begleitet von Franz Mittler, Renee Gärtner, Klaviervirtuosin, Trade Roth, Parodistin, Josef Bermanis, Konzertsänger, Mundi H o r o w i t z vom Jüdischen Theater, am Klavier Doktor Vole. Die Musik besorgt die bestbekannte Kapelle: Fuks Wittfe Vexers. Karten zu S 2.50 bei Frau L. Rosenfeld, X., Favoritenstraße 130, Tel. R 12-8-4, und bei allen Vorstandsdamen. Der Jux-Bazar, geleitet von Herrn und Frau L. Mandl, X. Landgutgasse 17, bringt allen Gewinnern reizende Geschenke. — Gleichzeitig wird auf die Bridge- und Rummy-Abende des Vereines Aufmerksam gemacht, geleitet von Herrn und Frau B. Scher und Frau Oberkantor Schlesinger, die an jedem ersten Donnerstag im Monat im Cafe Savoy, I., Himmelpfortgasse, ab 4 Uhr nachmittags, stattfinden. Der jüdische humanitäre Hilfsverein „Treue Brüder", Sitz, Wien II., Taborstraße 18, Cafe National (Präsident David Frankel), welcher seit seinem 30jährigen Bestände auf dem Gebiete der Humanität und Wohltätigkeit alljährlich überaus Ersprießliches geleistet hat, veranstaltet am Samstag, den 23. Jänner, S Uhr abends, im Marmorsaal des Cafe National, Ii., Taborstr. IS, das 30jährige Gründungsfest, und zwar eine Festakademie mit anschließendem Tanz. Es wirken mit prominente Künstler sowie die Jazz-Kapelle (The Winaple Band). Das Reinerträgnis wird zur Gänze der Unterstützung für arme, gebrechliche und erwerbsunfähige Glaubensgenossen verwendet. Entree S 2.— inklusive Getränk. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Die Vereinsleitung. Der israelitische Frauenwohltätigkeitsverein Floridsdorf (Präsidentin Frau Babette Rosenmann) veranstaltet am Samstag, den 30. Jänner, 20 Uhr 30, abends, in den Festsälen des Handelsmuseum, Wien IX., Berggasse 16, eine Akademie mit anschließendem Tanz unter Mitwirkung prominenter Künstler und einer erstklassigen Jazz. Entree S 2.50. Das Reinerträgnis fließt der Winterhilfsaktion des Vereines zu. Spinozismus und Chassidismus. Im Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Wien fand am 18. d. M. unter massenhafter Beteiligung eines illustren Publikums, unter weichem der Vorsitzende, der Vizepräsident des Vereines Herr Rabbiner Dr. M. Rose nmann Herrn Präsidenten Dr. Ornstein, Herrn Komm.-Rat Lemberger samt Gemahlin, Herrn Obermedizinalrat Dr. Haase und andere begrüßen konnte, ein großangelegter Vortrag des bekannten Schriftstellers Dr. Karl Sass über obiges Thema statt. In demselben wies der Vortragende auf die Tatsache hin, daß der Chassidismus sich zur selben Zeit ausbreitete, als der Spinozismus in Westeuropa immer festeren Fuß faßte. Das sei damit zu erklären, daß diese Lehren bestimmten seelischen Anforderungen, Wünschen und Sehnsüchten entgegenkamen. Das aber, wodurch der Baal«rhem und Spinoza in dieser Zeit so sehr an Einfluß gewannen, war beiden gemeinsam und bildete eigentlich den Kern ihrer Lehren. Nur die Verschalungen und Folgerungen dieser Lehren waren verschieden. Der Pantheismus, der den hauptsächlichsten Berührungspunkt bildet, ist je nach der Vorschulung und Beeinflussung bei dem einen vorwiegend rationalistisch, bei dem anderen vorwiegend mystisch. Der rationalistische Pantheismus enthält jedoch auch mystische Elemente, wie der mystische Pantheismus auch rationalistische Elemente enthält. Auch die Frage der Gottesliebe anstatt der Gottesfurcht nimmt bei beiden eine besondere Stellung ein. Ebenso ist die optimistische, bejahende Einstellung zum Leben beiden gemeinsam. Beide sind gegen Trübsinn und Askese. In der Stellungnahme zum Bösen finden sich ebenfalls gewichtige Berührungspunkte, da beide Gut . und Böse nicht als absolut betrachten. Ein kurzer Ueberblick über den geschichtlichen Verlauf erklärt auch die Ursache, warum Spinoza ohne Einfluß auf das Judentum blieb, hingegen der Baalschem sich einer großen Anhängerschaft erfreute. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n. der unter Anknüpfung an den vorangegangenen Vortrag zum Thema des gegenständlichen Vortrages selbst Stellung nahm, dankte dem Vortragenden für seine grundlegenden und weitausgreifenden philosophischen Ausführungen, die über eine Stunde in Anspruch nahmen und bei der Zuhörerschaft ungeteilten Beifall fanden. H. H. Die jährliche Delegiertenversammlung der Wiener Bethäuser für die jüdische Rußlandhilfe. Am 17. d. M. fand im Hotel Stephanie die järrrliche Delegiertenversammlung der Wiener Tempel- und Bethausvereine, betreffs der Pessach-Aktion für unsere Brüder in Rußland, statt. Die Sitzung eröffnete der Vorsitzende Herr Hofrat Dr. S. Fuchs, begrüßte die Anwesenden, unter ihnen den Herrn Großrabbiner aus Sadagora, Herrn Oberrabbiner Dr. T a g I i c h t als neu eingetretenes Mitglied in das Komitee für „Rußlandhilfe", Herrn Rabbiner Dr. R o s e n m a n n, sowie die übrigen Herren Rabbiner und Vertreter von über 70 Bethäusern. Herr Hofrat Dr. Fuchs gedachte in ergreifenden Worten der steten und unermüdlichen Mitarbeit des heimgegangenen Oberrabbiners Dr. Feuchtwang, bei dessen Namensnennung sich die Anwesenden pietätvoll von ihren Sitzen erhoben, begrüßte Herrn Rabbiner F. Fürst und beglückwünschte ihn in herzlichen Worten zu seinem , vor kurzem vollendeten 80. Geburtstag. Herr Oberrabbiner Dr. T a g 1 i c h t hielt hierauf eine zu Herzen gehende Ansprache, betonte, daß man trotz der Not im eigenen Lahde sich der Hilfe für unsere Brüder in Rußland nicht verschließen darf. Herr Rabbiner S. Fürst richtete einen eindringlichen Ruf an die Erschienenen und an die Juden Wiens, sich der Aktion, die so vielen Geaunim und thoratreuen Juden zugute kommt und als religiöses Gebot anzusehen ist, anzuschließen und über die Kräfte hinaus zu helfen. Herr Rabbiner Habermann sprach im eigenen sowie im Namen des krankheitshalber abwesenden Herrn Rabbiner B a b ä d und unterstrich die außerordentliche Dringlichkeit dieses Rettungswerkes. Herr Dr. Landau forderte in■■ überaus ergreifenden Worten die Judenheit Wiens auf, sich für das Gelingen dieser Aktion einzusetzen, und appellierte an die Vorstände der Bethäuser, in diesem Jahre in noch stärkerem Maße als bisher tätig zu sein; Herr Prof. Dr. Max Eisler richtete einen dringenden Appell an die Erschienenen und bat besonders die Rabbiner und Vorsteher der Tempel und Bethäuser, am Freitag abends oder Samstag morgens durch eine Ansprache auf das heilige Werk hinzuweisen, und die Vertreter der Bethäuser, sich an die erteilten Richtlinien freundlichst halten zu wollen und die Durchführung der Aktion nach Möglichkeit persönlich zu überwachen. Herr Hofrat Dr. S. Fuchs schloß sodann mit erhebenden Worten die Delegiertenversammlung. Das Komitee für Rußlandhilfe ersucht diejenigen, die auch heuer ihren Verwandten und Freunden in Rußland Pessach-Sendungen zukommen lassen wollen, das Adressenmaterial wegen des heuer schon am 25. März beginnenden Pessachfestes rechtzeitig im Büro für „Rußlandhilfe", II., Leopoldsgasse 26, abzugeben. Schmflckung ton Gruiten und Graoern LeopoldDeutscbJieuX!. einzige jüdische Gärtnerei beim- Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Aus dem bei der jüdischen Kultusgemeinde in Lin/. gebildeten Benedict Schwager-Fonds. gelangen Unterstützungen an' freclürftige junge, jüdische Menschen bis zum 30. Lebensjahr, die in Linz ansässig sind oder zumindest mehrere Jahrs ihrer Jugend in Lin^ verbracht haben, zur Erleichterung ihrer Existenz, zu: Erlernung eines Handwerks oder Gewerbes, zum Studium an einer Hochschule, zur Ausschüttung. Bei der Verteilung genießen solche Personen den Vorzug, welche die Unterstützung zur Gründung einer Existenz in Erez Israel verwerten. Die Höhe der in den einzelnen Fällen gewährten Unterstützung bleibt dem Ermessen des für den Fonds bestellten Kuratoriums anheimgestellt. Ein Rechtsanspruch auf Beteilung steht niemandem zu. Bewerber um Unterstützungen aus diesem Fonds wollen sich mit einem schriftlichen, alle ihre Lebensumstände und ihre Berechtigung zur Beteiligung dartuenden Ansuchen bis spätestens 15. Februar 1937 im Wege des Präsidiums der jüdischen Kultusgemeinde Linz an das Kuratorium des Benedict Schwager-Fonds wenden. Linz, am 14. Jänner 1937. Das Präsidium der jüd. Kultusgemeinde Linz. Druckfehlerberichtigung. In dem Artikel „V e rwirrung der Gefühle" in der vorwöchentlichen Nummer unseres Blattes soll es in der 18. Zeile der ersten Spalte von unten statt „Ueberlebenden" richtig heißen: „Uebertretenen". Zwei Monate bis Pessach . . . und doch gibt es eine Stelle, in der schon fleißig die Vorbereitungen für dieses Fest getroffen werden. Es ist die Mazzothfabrik S c h m i d 1, die unter der Leitung des bestbekannien Herrn Nathan Brodetzky bereits im Hochbetrieb steht. Es ist die modernste und verläßlichste- Fabrik. Peinliche Kaschruth, größte Sauberkeit, vollste Ausnutzung der neuesten Errungenschaften auf maschinellem Gebiet finden in der Qualität der Schmidl-Mazzoth ihren Ausdruck. Nichts wird mit der Hand, alles wird mit der Maschine gemacht. Mehrere Maschgichim stehen zur Verfügung, um den Produktionsprozeß zu überwachen: Vom Sieben des Mehls bis zur Verpackung der fertigen Mazzoth. Besondere moderne Anlagen bieten Gewähr für die verläßliche Reinhaltung der Fabriksräume. So kommt in der Schmidl-Fabrik ein Produkt zustande, das den höchsten Anforderungen in Qualität und Kaschruth entspricht. Kunst und Literatur. Ausstellung Max Liebermann. in der „Neuen Galerie" (Leiter Dr. Otto K a 1lir-Nierenstein) sind jetzt einige der Hauptwerke des berühmteH Malers Max Liebermann zu sehen. Die Gemälde sind in der Kunsthandlung W a w r a, III., Lothringerstraße 14, die Oelstudien und Handzeichnungen in der „Neuen Galerie", I., Grünangergasse 1, ausgestellt. Die Ausstellung, über deren Bedeutung und Gediegenheit wir in unserer nächsten Nummer ausführlich berichten werden, bietet ein ausgezeichnetes Gesamtbild des hervorragenden Schaffens des deutsch-jüdischen Meisters. Das Huhennann-Orchester in Aegypten. Das von Bronislav Hubermann begründete Palästina-Orchester absolviert unter Toscaninis Leitung in Alexandrien und Kairo vier Gastspiel- Konzerte. In Tel-Aviv wird das Orchester sodann unter H. W. Steinberg und mit Adolf Busch als Solisten konzertieren. Für die spätere Saison ist Lotte Schöne als Gast in Aussicht genommen. Hubermann begibt sich auf eine Australien- Tournee. Konzert Oberkantor S. Postolow. Am 31. Jänner, 8 Uhr abends, findet Im Saale des Handelsmuseums, IX., Berggasse 16, ein Konzert des Herrn Oberkantors S. Postolow statt. Zum Vortrage gelangen: liturgische, jüdische und;'ebrä??che Lieder. Mitwirkend: Kurt Fuchsgeib (Violine), am Flügel: Kapellmeister R. Pech. Konzert Jose Kania. „üoldarbeiter wird Ueber-Tenor", „Kania hat das Gold, das er in Händen zu halten pilegte, mit dem Golde seiner Kehle vertauscht" und ähnliche Schlagworte haben das Konzert Jose Kania, welches am 14. d. M. im großen Mus-kvereinssaale stattfand, angekündigt. Daß Kania eine ausgezeichnete Stimme besitzt, hat er durch die Bewältigung eines kolossalen Programmes, er sang nicht weniger als acht Arien und mehrere Lieder, bewiesen. Seine Ausbildung hat aber noch lange nicht die Höhe seiner Stimme erreicht. Vielleicht wäre es vorteilhafter gewesen, wenn Kania die Erfahrung seines früheren Berufes, nämlich, daß Gold im Rohzustand in die Tresors und erst nach gründlicher Verarbeitung und Veredelung in die Oeffentlichkeit gelangt, in die Welt des Kehlen-Goldes mitgenommen hätte. Es besteht trotzdem kein Zweifel, daß Kania, nach längerer Vorbereitung, das leisten wird, was man Von ihm, angesichts seiner Stimme, erwartet. Vor der Pause flgeröe lür Trauungen Unentbehrlich für Rabbiner und Kantoren (Die Gelänge mit Noten von S. Sttlzer) Sinniges Erinnerungsgescheuk;in Hrautleute Zu beziehen beim Herausgeber: Max Schwager Wien lt., Zirkusgasse SO »Schir Zion* und „Wadak" bei mir zn haben! Überrabbiner Dr. D. FeuchtwanK s. A., Wien, Oberntbbiner Dr. S. Hevesi, Budapest, Oberrabbiner Doktor D. Herzos, Graz, iMusikdirektor A. Friedmann, Berlin, Präsident des Kantorenvereines J. Löwit, Oberkantor M. Mathyas, Oberkantor J. Müller, Oberkantor M. Löwy, Mähr.-Ostrau, Oberkantor A. Wilkowitsch, Ejier, Oberkantor H. iMayerowitsch, London u. v. a., haben sich über das obgenannte Werkchen in überaus anerkennender Weise, sowohl durch die Presse, als auch in freundlichen Zuschritten! ah den Herausgeber seäußert