Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 50 (13.11.1936)
- Date
- 1936-11-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064606-3064655--20922-3086221- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEIT Nr. 50 — 13. November 1936 Seite 7 50 Jahre Oftakringer Gemeindetempel. 1886—1936. Von Gustav Hager. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wohnten in den damaligen Vorortegemeinden Ottakring, Hernals und Neulerchenfeld bereits viele Juden, welche mit dem Brauereibesitzer und Bürgermeister Ignaz Edlen von K u f f n e r an der Spitze die Kultusgemeinde Ottakring gründeten. Dieselbe unterhielt ein Bethaus in Privathäusern, zuletzt in Hernais, Qerlgasse (heute Weißgasse) 21. Die Zahl der jüdischen Einwohner nahm immer zu, das Bethaus wurde zu klein, und so wurde zu Beginn der Achtzigerjahre . der Beschluß gefaßt, ein würdiges, monumentales Gotteshaus zu erbauen. Von der Familie K u f i n e r, deren Oberhaupt Ignaz Edler von K u f f n e r im Jahre 1882 gestorben war, wurde der Bauplatz in Ottakring, Hubergasse 8, angekauft und der Kultusgemeinde überlassen. Präsklent derselben war Salomon Rosner, ihr geistiger Führer Rabbiner Dr. Moriz Deutsch. Am 18. August 1885 fand die Grundsteinlegung und am 23. September 1886 die feierliche Einweihung des vom Stadtbaumeister Donat Z i f f e r e r erbauten Gotteshauses statt. Im Jahre 1892 erfolgte die Einverleibung der Vorortegemeinden mit Wien und die Uebernahme der Kultusgemeinde Ottakring in die Wiener Muttergemeinde. Der Präsident Salomon Rosner wurde in den Vorstand der Wiener Kultusgemeindo gewählt, dem er bis zu seinem im Jahre 1905 erfolgten Tode angehörte. Nach dem im Jahre 1897 erfolgten Ableben des Rabbiners Dr. Moriz Deutsch wurde der jugendliche Dr. Julius Max B-ach als Rabbiner gewählt und zu Chamika 1898 vom Oberrabbiner Doktor M. Qüdemann s. A. in feierlicher Weise 'in sein neues Amt eingeführt, in welchem er noch heute zum Wohle der Gemeinde wirkt und auf eine 38jährige segensreiche "Wirksamkeit zurückblicken kann. Als Oberkantoren fungierten Moriz Schlesinger, Don Fuchs, Mathias Matyas, M. B. Kaufmann und Rudolf Kogan; als Kantoren Josef Roth wein, Julius Smotritzky und Moriz Harendorf. Nicht unerwähnt soll der Kultusbeamte und Tempelinspektor David Kopsteln bleiben, welcher schon im alten Bethause tätig war und erst zu Beginn des heurigen Jahres nach 53)ähriger, vielfach belobter Dienstzeit im Alter von 83 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand trat. Der Tempel wurde wiederholt renoviert, zuletzt im Jahre 1930 einer umfassenden Restaurierung unterzogen. Dank der rastlosen Bemühungen des Rabbiners Dr. J. M. Bach wurde im Jahre 1927 ein herrlicher Wintertempel erbaut, welcher mehreren Gemeinden als Vorbild diente. Der Ottakringer Tempel ist und bleibt eine Zierde des Bezirkes und der Sammelpunkt und die Andachtsstätte der gläubigen Juden. Semeindechwonik. Festgottesdienst. Anläßlich des 24. Geburtstages Kaiser Ottos finde* am 19. d. M., pünktlich um halb 6 Uhr abends imSeitenstettentempel ein Festgottesdienst statt. Barmizwah-Feier. Am 31. Oktober fand im Stadttempet die Konfirmationsfeier des Studenten l\ e i n z, Sohn des bekannten Rechtsanwaltes Dr Erwin Löwenthal und seiner Gattin Rosl, geb. Goldenberg statt. Inspektor O e h 1 e r hielt eine herzliche Ansprache, in der er. besonders auf die Verdienste des bei der Feier anwesenden 85jährigen Großvaters, Dr. Jonas Löwenthal und seiner Gattin hinwies, der 55 Jahre lang als Arzt und Vorsteher einer angesehenen mährischen Gemeinde fungierte. Der Großvater mütterlicherseits, Adolf Goldenberg, stand selbst 40 Jahre lang im Dienste der israelitischen Kultusgemeinde. Trauung. Sonntag, den 1. November, 3 Uhr nachmittags wurde im Stadttempel die Trauung des Fräulein Trude Popper, Tochter des bekannten Oberverwalters des Altersheimes der Israelitischen Kultusgemeinde Josef Popper, mit Herrn Franz N e u m a n n. Sohn des Herrn Paul N e u m a n n vollzogen. Oberrabbiner Dr. Taglicht hielt an das Brautpaar eine zu Herzen gehende Ansprache, in der er besonders der großen Verdienste des Brautvaters und seiner Gattin, die sie sich durch die umsichtige, fürsorgliche Leitung des Altersheimes erworben haben, gedachte. Oberkantor Mathyas verrichtete, schön die kantoralen Funktionen, während der wohlgeschulte Chor unter der Leitung von Kapellmeister Fuchsgelb stand. Der Tempel' war von einenj. zahlreichen Publikum gefüllt Unter den Anwesenden bemerkte man das Präsidium und Vorstandsmitglieder, sowie zahlreiche Beamte der Kultusgemeinde, - Vertreter" der Vaterländischen Front, Abordnungen des Altersheimes und mehrerer humanitärer Vereine. Dem Brautpaar und den Eitern kamen zahlreiche Glüchwünsche zu. Golden« Hochzeit. Samstag, den 14. November," feiert Herr M. H. Paskusz mit seiner Gattin Charlotte, geb. Rbsenthäl, Im Tempel, V!H., Neudeggergasse Nr. 12, um 9 Uhr vormittags, das Fest der goldenen Hochzeit Herr Paskusz steht seit 40 Jahren im Dienste dieser Tempelgemeinde und erfreut sich allgemeiner Wertschätzung. 60. Geburtstag. Herr Leopold Subak, Mitglied des Bethaus-, des Chewra Radischa- und Talmud Thora-Vorstandes im 18. Bezirk, feierte am 6. d. M. seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlasse begab sich der Obmann Med.-Rat Dr. Winter mit einer Deputation, der sich auch Herr Rabb. Dr. Schwarz anschloß, am Vorabend in die Wohnung des Jubilars, um ihn aufs herzlichste zu beglückwünschen. 70. Geburtstag. Vor kurzem fand im Wiener- Neustädter Tempel anläßlich des 70. Geburtstages des Vorsteherstellvertreters und Obmannes der Chewra Kadischa Herrn Sarauel Frankl eine Feier statt, die Zeugnis von der großen Beliebtheit des Jubilars gab. Der Gefeierte wurde als Maftir zur Thora gerufen. Herr Kultusvorsteher Hugo R e i ri i n g e r hielt in dem vollbesetzten Gotteshause am Almemor an den Jubilar eine Gratulationsansprache, in welcher er die Verdienste desselben um die Gemeinde und Chewra Kadjscha hervorhob. In jahrelanger Arbeit habe Frankl als Vorstandsmitglied an dem Aufbau der Gemeinde mitgearbeitet und sehr viel zu deren Aufschwung beigetragen, dafür danke er ihm am heutigen Tage, der ein Festtag für die ganze Gemeinde sei. Zum Schlüsse seiner eindrucksvollen Rede überreichte Herr Reininger dem Gefeierten als Andenken von der Kultusgemeinde und Chewra Kadischa einen SHberbecher mit dem Wunsche, daß es ihm noch ungezählte Jahre vergönnt sein möge, in der Gemeinde zuwirken zum Wohle derselben. Dann richtete Herr Oberrabbrner Professor Dr. Weiss an den Jubilar eine herzliche Ansprache, in der er die Tugenden Frankls in formvollendeter Rede beleuchtete und besonders hervorhob, wie unverdrossen und selbstlos dieser Mann seine heiligen Pflichten als Mandatar dieser Gemeinde erfülle. Namentlich seine hohe Auffassung der Stelle eines Chewra Kadischa- Obmannes könne nicht genug betont werden, denn was Herr Frankl an Gemilas Chessed leiste, stehe beispiellos da. Dabei sei er von einer Bescheidenheit, die ihresgleichen suche. Der Herr Oberrabbiner schloß seine geistvolle Rede mit vom Herzen kommenden Wünschen für den Jubilar und seine Familie. Der Gefeierte war an seinem Jubeltag Gegenstand vieler Ehrungen und wurde mit Glückwünschen geradezu überhäuft Todesfälle. Aus Bielitz-wird berichtet, daß Frau Johanna Fischer, die Gattin'»des Kantors und Sekretärs der Kultusgemeinde Bietitzr. am 19. Oktober nach langem, schwerem. Leiden gestorben ist. Die Verblichene stammt aus einer angesehenen' Familie, die mehrere bedeutende Rabbiner aufwies. Bie Trauerfeier nahm einen ergreifenden Verlauf. Oberkantor Goldmann sang, unterstützt vom. Männerchor, die Trauerpsalmen. Rabbiner Dr. S.tei.n;ur hiejt einen tief empfundenen Nachruf, in welchem er die vorzüglichen Eigenschaften der Verblichener? als Gattin. Mutter und Freundin, insbesondere aber deren innige, gottergebene Frömmigkeit hervorhob. Die inftigsto Teilnahme wendet sich dem schwergeprüften Galten Kantor Rudolf Fischer und dessen zwei Kimferri zu. — Am 1. November ist'Kantor Hermann Goldstein plötzlich gestorben. Arff 3. d. fand am neuen Friedhof. IV. Tor. das Leichenbegängnis statt Nach den Trauergesängen des Herrn Oberkantor Wahrmann hielt Herr Rabbiner Dr. Z i c k'e r vom Prater-Tempelverein einen tief empfundenen' Nachruf. Dann sprach der Präsident des Kantorenvereines Oberkantor Löw i t im Namen des Vereines herzliche Abschiedsworte. Am offenen Grabe hielt Oberkantor J. Müller im Namen der Freunde und im eigenen Namen einen tief ergreifenden Nachruf. Oberkantor W a h r m afn n rezitierte ergreifend das El mole rachamim. Der Jüdische Frauen-Verein X (Präsidentin Frau Anna Mandel) veranstaltet am Sonntag, den 15. November im Festsaale des Hotels Continental, II, Taborstraße Nr. 7, einen „F ü n f - U h r - T e e" mit heiteren Vorträgen und Tanz, dessen Reingewinn den Armen des X. Bezirkes zugute kommt. Ihre Mitwirkung haben zugesagt: Das heitere Quartett des Jüdischen Gesangsvereines: Frau Gina Lederer. Frau Trude Roth, Dr. V61 e und Emmy Wollner. Die bestbekannte Kapelle „Feiko Withle Vexers'" wird ebenfalls für gute Stimmung" sorgen. Entree S 2.—. Beginn 'A4 Uhr nachmittags. Mitglieder, Freunde und Gönner des Vereines werden zu dieser Veranstaltung herzlichst eingeladen. Der Brigittenauer Isr. Frauenverein (Präsidentin Olga Friedmann) veranstaltet am Sonntag, den 22. d. M., 4 Uhr nachm., im Festsaal des Hotel C "o nt i n e n t a 1, II., Taborstraße 7, eine Akademie mit sehr reichhaltigem künstlerischen Programm, deren Reingewinn von dem so segensreich wirkenden Verein den notleidenden Armen des Bezirkes gewidmet wird. Karten zu S 1.50 bei den Vorstandsdamen erhältlich. JttathlWe", Verein zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder, insbesondere Waisenkinder, veranstaltet am Sonntag, den 15. November. 8 Uhr abends, im Militärkasino, I., Schwarzenbergplatz 1, eine Festakademie mit Tanz, unter Teilnahme hervorragender Kunstkräfte. Unter anderen wirken mit: Fritz Schatz (der bekannte Filmstar), Fini Gebhard (der neu entdeckte Filmstar), Walter Kochner (Liebling des Stadttheaters), Grete Margareta (Parodistin). Josef Baar (der Blitzdichter). — Ballorchester unter per- " sönücher Leitung Max Geiger. Mit Rücksicht auf den wohltätigen Zweck, bitten wir um reichlichen Besuch. Restliche Karten zu S 2.50 sind bei allen Vorstandsmitgliedern und bei der Kassa erhältlich. Scbmackung tos Grotten and Graben LeopoldDeutschJienXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor. Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, 1., Kohlmessergasse 4. Tel. U 27-0-65. sucht d r i nge nd s t Stellen für: A) Kontoristen, Buchhalter, Handelshilisarbeiter, Geschäftsdiener, Packer, Inkassanten, Verkäufer. Auslagenarrangeure. Kellner, Krankenpflegerinnen. Masseure, Bademeister, Nachhilfelehrer und -lehrerinnen für Mittelschulfächer, Musiker für Konzert-, Jazz- und Stimmungskapellen. B) Arbeit für gewerbliche Kräite aller Art — darunter auch Chemiker, Elektrotechniker (Hcizungstechntker), Installateure Bau- und Maschineningenieure, Chauffeure — sowie ungelernte Arbeiter. C) Handwerkliche und kaufmännische Lehrstellen für Knaben und Mädchen. Im selben Verein sind derzeit offene Stellen für: Kinderfräulein mit und ohne Sprachkenntnissen für In- und Ausland, Erzieherinnen mit Mittelschulnachhilfe und Fremdsprachen, gut eingearbeitete Koniektionsnäherinnen (Werkstätten- und Heimarbeit), Hauspersonal jeder Art. Diverse Auslandsstellen für deutsche Emigranten. Jiunst und Xiteratm. Aus den Wiener fftkeatern. „Monsignores große Stunde" ist zugleich der große Abend des Theaters in der Josefstadt, wie man ihn in diesem glänzend geleiteten und mit Schauspielerindividualitäten so reich versehenen Theater in jeder Saison zwei- bis dreimal erlebt. Bassermann übertrifft sich wieder einmal, aber auch alle änderen, die in diesem gehaltvollen Stück und in dem nicht minder wirksamen „Es kommt nicht zum Krieg" gediegen mittun, sind lobend zu nennen, u.. a. die Damen S t r a dner und Stengel und die Herren Edthofer und S t ö s s e I. Im Volkstheater und in der Scala wird leichte Kost amüsant serviert: dort ist es „Das schwergeprüfte Mädchen", hier „St ruppi"'-'Bressart, die zum Lachen reizen. In den Kammerspielen bewundert man nach wie vor hingerissen die große Schauspielkunst Ernst Deutsch's m der „Liebe eines Fremde n". In der Volksoper beweisen „Auf der grünen Wies e", im Theater a. d. Wien „Axel an d e r H i mmelstür" weiter ihre durch Musik und Darstellung verständhell erscheinende Zugkraft. Im Ronacher zwingt Greta Keller, die „Königin der Schallplatte", die Zuhörer in ihren Bann und gibt es auch sonst ein ausgezeichnetes Varieteprogramm zu sehen. h. Der Kunstverlag Albert Kende, Wien I., Kärntnerstraße 4, versendet soeben den Prospekt der zweiten Lieferung seines gediegenen Verlagswerkes: Theodor Ehrenstein, „Das Alte Testament in der G r a p h i k". Der schöne Prospekt enthält einige Bildproben von Ka'in und Abel des Dürer, des Schweizer Tobias Stimmer, Lukas von Leyden, Tizian, von Abraham und die drei Engel des Holbein, Rembrandt, Raphael und von Lot und seinen Töchtern von Rubens, Dunkarton und Rembrandt, letzteres nach einem Ge- Das Cafe Continental. IL. PraterstraBe 7, Telephon R 41-4-91, wurde am 12. d. M. von den in weitesten Kreisen bekannten und beliebten Herren M. H e r 1 i nger. und Dori Neumann übernommen. Die langjährige Erfahrung der neuen Besitzer im Kaffeehausgewerbe ist eine volle Gewähr, daß durch aufmerksame Bedienung, erstklassige Speisen und Getränke bei mäßigen Preisen den p. t. Gästen der Aufenthalt in den neurenovierten Räumlichkeiten aufs angenehmste gestaltet werden wird. Separierte komfortable Räume für Hochzeiten und gesellige Zusammenkünfte stehen kostenlos zur gefälligen Verfügung. Die Herren Herling e r und N e u m a n n, deren Popularität überall, insbesondere in der Leopoldstadt eine überaus große ist, dürfen wohl mit Recht annehmen, daß ihre vielen Freunde und Bekannten ihnen auch in ihrer neuen schönen Wirkungsstätte treue Gefolgschaft leisten werden.