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Die Wahrheit · 1936-11-13 · Heft 50 (13.11.1936) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 50 (13.11.1936)
Date
1936-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jüdische HU UUrU Erscheint jeden Ereitag Einzelpreis 40 Grosdien V. b. b. ''eitung vom Verleger versendet „.Journal expediü par i'eüiteur" mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" um iiiiiH^nfflünnmnmmnnniraDDninnimiiinraraiimjrrmjn nm nniirannnm mnim^QHOMjmm-jfiiiimDinMinimOTifflDaiiffli^ Redaktion und Administration: Wien 11., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 52. Jahrgang Wien, 13. November 1936 Nummer 50 An unsere WäWer! Wir danken unseren Wählern innigst iür die der „Union österreichischer Juden" am Wahltag zuteil gewordene imposante Vertrauenskundgebung. Unsere Wähler haben den Mut ihrer Ueberzeugung und ihr unerschütterliches Bekenntnis zu ihrer Religion und zu unserem Vaterlande Oesterreich dadurch an den Tag gelegt, daß sie trotz der von unseren jüdischnationalen Gegnern angewandten verabscheuungswfirdigen Mittel des Wahlkampfes, trotz der Lügen, Verleumdungen, des Terrors, des Wahlschwindels, des Boykotts, der vielfach auch physischen Verhinderung an der Teilnahme bei der Abstimmung, mutig und treu zu uns gestanden sind. Wir sehen darin das sichtbarste Zeichen der Uebereinstünmung mit unserem Gedanken und unserem Programm, das — kurz gesagt — darin besteht, unsere verfassungsmäßigen Rechte vor den Folgen einer rückschrittlichen, den Antisemiten nachgeahmten jüdischnationalen Politik zu schützen und das Ansehen der Kultusgemeinde in der alten traditionellen Reinheit zu bewahren. Wenn wir auch diesmal noch nicht die Majorität erlangen konnten, so wird nach dem Wahlergebnis jedermann, auch den Jüdischnationalen, klar sein, daß es das nächste Mal gelingen muß. Bis dahin werden wir in der Führung der Israelitischen Kultusgemeinde unser jüdisch-österreichisches Programm im Rahmen der Rechte einer großen Minorität durchzuführen trachten. Wir werden allen Angriffen gegen das Ansehen der Kultus-' gemeinde und der Beeinträchtigung unserer verfassungsmäßigen Rechte durch phantastische Experimente, die wir beispielsweise in der Umwandlung der Kultusgemeinde in eine jüdische Volksgemeinde und in der Zusammenfassung der jüdischen Volksgemeinden Oesterreichs in einen Bund der jüdischen Volksgemeinden erblicken, zielbewußt und energisch zu begegnen wissen. Der Sieg der Jüdischnationalen war ein Pyrrhussieg; noch ein solcher Sieg und sie sind verloren. Wir danken unseren' vielen braven Mitarbeitern in allen Bezirken für ihre eifrige Tätigkeit im Interesse unserer Sache und unseren Wählern nochmals für das uns geschenkte Vertrauen, das wir zu rechtfertigen bemüht sein werden. „Union österreichischer Juden" Die österreichischen Wiener Juden sind union istisch! Rasiere Oldi got und billig Oesterreicnlscfees Qualität rabrtkaf Ueberau erhältlich Selbstverständlich war dieses Manöver wieder nur iür die nichtnationale Wählerschaft berechnet. In einzelnen Wahlkommissionen fehlte die vorgeschriebene Wahlzelle. Die Wähler mußten vor der versammelten Wahlkommission: die Stimmzettel in die Kuverts stecken. Und das nennen die Jüdischnationalen eine „geheime Wahl". Vollständig willkürlich gingen die zionistischen CafI Freiwirth PRATEHSTRASSE 11 Als modernes Familien-Cafe vollständig renoviert .Verlogen wie die Bezeichnung der Liste der Jüdischnationalen als „Zionistische Liste" und so wie diese Bezeichnung nur zur -Täuschung der Wählerschaft berechnet, war die Führung des Wahlkampfes auf Seite der Jüdischnationalen vom Anfang bis zum Ende. Auch nach Abschluß des Wahlkampfes haben sie sich mit der Geschicklichkeit in der Eskamotage ohne gleichen' die von dem ,Stand-Klub" und „Arbeitenden Palästina" gewonnenen Mandate als „zionistische" Mandate beigebogen, wiewohl sie von diesen Programmen und Listen durch unüberbrückbare Anschauungsdifferenzen getrennt sind, denn sonst hätten die Listenführer dieser Gruppen den Verlockunigen des ..Rattenfängers" Dr. Friedmann, sie auf seiner Liste zu vereinigen, nicht so energisch widerstanden. So werden mit dem Hexeneinmaleins und einem Taschenspielertrick sofort, eins, zwei, drei aus 19 Mandaten 23 und aus 16.000 Stimmen 20.000 Stimmen. In Wahrheit haben die vereinigten zionistischen Gruppen auf der „zionistisch" getarnten jüdischnationalen Liste gegen 17 Mandate im Jahre 1932 19 Mandate im Jahre 1936 mit allen erlaubten und noch mehr mit unerlaubten Mitteln erlangt. Und dies trotz ihrer Wahlmanöver, Wahltricks und Terrors von geradezu gigantischen Dimensionen. Der Wahlleiter, Herr Staatsrat und Präsident der Kultusgemeinde, Dr. Desider Friedmann, muß schon das auf seine Kappe nehmen und trägt dafür die Verantwortung, was sich da alles abgespielt hat. Vor allem wurde einem Großteil der Steuerträger und Wähler — natürlich den als nichtnational Verdächtigen — keine Wahllegitimationen zugestellt, sodaß sie gar nicht daran erinnert wurden, daß ihnen dias Wahlrecht zusteht Dann wurden die Wähler auf die Wahllokale aufgeteilt* die auf circa je 1000 Wähler berechnet waren, für welche nur neun Wahlstunden zur Verfügung standen. Die Wahlkommission hätte bei hundertprozentiger Wahlbeteiligung nur zirka eine halbe Minute für die Abfertigung eines einzelnen Wählers zur Verfügung gehabt. In manchen Wahlsprengeln bei 80 Prozenit Wahlbeteiligung, die erfreulicherweise zu verzeichnen war, haben die Kommissionen kaum dreiviertel Minuten für die Abfertigung des einzelnen Wählers Zeit gehabt. Kein Wunder, daß sich zeitweise die Wähler in langen Kolonnen stauten und eine große Anzahl von Personen sich entfernte, ohne ihre Stimme abzugeben. Vorsitzenden der Wahlkommissionen bei den Agnoszierungen vor. In, manchen Kommissionen wurde bei mangelnder Wahllegitimation die Agnoszierung auf Grund von Personaldokumenlen, Pässen, Erkennungskarten etc. verweigert. In anderen Kommissionen wurde je nach dem „Gefühl" des jüdischnationalen Vorsitzenden und der jüdischnationaten Kornmissionsmitglieder, die trotz der „Einheitsliste" der Jüdischnationalen für jede auf der Zionistischen Liste geeinigten Partei in der großen Majorität vertreten waren, agnosziert und zur Wahl zugelassen, natürlich nur dann, wenn es sich um „unverdächtige" Wähler hiandelte. In Hietzing wurden den Wählern, die ihre Stimme abgeben wollten, und denen die Personaldokumente fehlten von den jüdischnationalen 'Kommissionsmitgliedern stereotyp der Antrag gestellt, sich ins zionistische Agitationslokal im Hietzinger-Hof zu begeben, dort ein Auto zu verlangen und dann mit dem Personaldokument wiederzukehren. Man kann sich vorstellen, wie diese Wähler im Hietzinger-Hof traktiert wurden. Erst über Einspruch eines unionistischen Kommissionsmitgliedes fand der jüdischnationale Vorsitzende sich veranlaßt, diesen Mißbrauch in sehr sanfter Weise zu rügen. Die unionistischen Mitglieder und Vorsitzende der Wahlkommissionen wurden vom Wahlleiter Dr. Friedmann durcheinander gewirbelt. War einer im III. Bezirk ansässig, so wurde er in den II. Bezirk in die Wahlkommission versetzt. Und so weiter, damit gegen Sinn und VERWALTUNGEN SÄTZE - HYPOTHEKEN*^ AfT KÄUFE - VERKÄUFE V bipl.-Kaufm. .r .. R» SZIjL AG Y! m. aüt. seisai IX., ROTENLÖWENG. 3 TEL. A 10-5-69 V OHLE'KOKS ANTHRAZ I T Three Stars B ßk. S C JH IV., Ai^entüderstrafle 22 ♦ Tel. D 4 1 ~ 5 " 4 C ■Bbaber: Dr. RICHARD BÄSCH

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