Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 49 (6.11.1936)
- Date
- 1936-11-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 49 — 6. November 1936 DIE WAHRHEIT Die A ustro^Ionisten verleugnen ilmre Ideologie. Dar Kampf um die Wiener Kultnsgemeinde hat die Aiistro-Zionisten nicht nur außer Rand und Band gebracht, sondern scheinbar um den gesunden Verstand. In ihrem verzweifelten Bestreben, ihre Macht in der Seitenstettengasse zu erhalten, gehen sie sogar so weit, ihre eigene Ideologie zu verleugnen und ihr jede Basis zu entziehen. Diese Ideologie beruht bekanntlich auf der These der „Verelendungstheorie": Je schlechter, desto besser! Im Sinne derselben härten die Juden keine Hoffnung, in den Ländern der Diaspora dauernd Ruhe zu finden. Die Emanzipation hat versagt oder würde versagen — die günstigeren Perioden seien bloß vorübergehende Erscheinungen, die früher oder später von einer Reaktion abgelöst werden müßten. Die einzige Lösung der Judenfrage sei daher die Gründung eines „Judenstaates" in Palästina und dieser müßten alle Arbeit, alle Energie und alle Mittel zugewendet werden. Es fehlte sogar nicht an Maximalsten, die dem Standpunkt huldigten, die Gleichberechtigung sei wertlos, da sie ja in den meisten Fällen nur auf dem Papier bleibe, und jede antisemitische Welle wurde nur als neuerlicher Beweis für die Richtigkeit dieser Theorie angeführt. Anderseits wurde immer erklärt, nur die Assimilationspolitik begünstige den Antisemitismus — wenn einmal die Jüdischnationalen zum führenden Faktor im jüdischen Leben avancieren würden, werde der Judenhaß verschwinden. Deswegen müßte man den Jüdischnationalen alle führenden Stellen einräumen und dann werde alles aufs beste bestellt sein. Im Sinne dieses Gedankenganges wurde jede judenfeindlich© Erscheinung mit einem gewissen Behagen registriert, aus jedem Floh wurde ein Elefant gemacht; immer wieder wurde der Teufel der Entrechtung, der Pogrome an die Wand gemalt und Alarm geblasen: Hannibal ante Portas! Nun hören wir plötzlich andere Töne:, es: sei -, alles aufs beste bestellt. „Es brennt nicht" — aber die Unionisten schreien „Feuer"! Wenn einmal die „Segnungen" des „Minderhertenrechtes" den Juden zuteil würden, dann ist nichts mehr zu befürchten und alles Gute zu erhoffen ... Wie die «falschen Propheten der biblischen Periode rufen sie „Schalom, Schalom", („Friede, „Friede") — nur die bösen Unionisten beunruhigen die Juden und fordern zur Abwehr der drohenden Gefahren auf .. . Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, was die Juden vom „Minderheitenrecht" zu erwarten hätten. Wir haben die Zeiten in Erinnerung gebracht, da unsere Vorfahren als „Schutzjuden" lebten___Aber die Herren Austrozionisten kümmern sich um die Erfahrungen der Geschichte wenig. Für sie genügen die Mmderheitenschutzbestimmungen der Friedensverträge und der Schutz des Völkerbundes. Wie ist es damit bestellt? Wie ist die Lage der Juden in denjenigen Ländern, die die Minderheitenklausel unterzeichnet haben? Wie ist die Lage in Polen, Rumänien usw.? Und wie wäre es sogar, wenn auch für Deutschland diese Verpflichtung vorhanden gewesen wäre? Der Hinweis auf den Fall Bentheim (Oberschlesien) ist sachlich hinfällig. Das Dritte Reich kümmert sich bekanntlich einen Teufel um Verträge und Völkerbundverpflichtungen. Im Falle Bentheim handelt es sich um eine Vereinbarung zwischen Deutschland und Polen und nur die Rücksicht auf Polen, nur die Angst, Polen könnte gegen die in seinem Lande wohnenden Deutschen Retorsionen anwenden, hat das Dritte Reich veranlaßt, sich dem Spruch des Völkerbundes zu unterwerfen. Heute würde es sich kaum dazu verstehen und da dieser Vertrag abläuft, wird der Völkerbund kaum imstande sein, die Rechte der Juden in Oberschlesien zu schützen, ebensowenig, wie er es in Bezug auf die Juden des Saargebietes getan hat Und wer ist so gewissenlos, seine Sache auf den Völkerbund zu stellen? Nach der Schlappe Abessinien, Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland, Besetzung der entmilitarisierten Zone! Mussolini hat in seiner Mailänder Rede -erklärt: „Der Völkerbund muß sterben", aber die Jüdischnationalen hören und sehen nichts. Ueberhaupt ist die Berufung auf den Schutz der Friedensverträge eine Selbsttäuschung. Man fetzen sind. Mussolini hat In seiner Rede in Mailand dem Völkerbund und den Friedensverträgen das Totenglöcklein läuten lassen . . . Die Position der Juden in den verschiedenen Ländern auf die Friedensverträge basieren zu lassen, ist mehr als Leichtsinn. Deswegen hat es die „Union" Immer abgelehnt, sich Im Kampfe um die Wahrung der Jüdischen Rechte auf die für Oesterreich schmachvollen Friedensviertrage zu berufen. Diese wurden ja den Besiegten nur aufgezwungen. Es ist ja bekannt, daß sich selbst England wegen Palästina sehr wenig um die Mandatsbestimmungen kümmert und gerade die Jüdischnationalen hören nicht auf, darüber bittere Klage zu führen. Wenn man also die Juden wegen ihrer bürgerlichen und politischen Rechte auf den Völkerbund und die Friedensverträge vertrösten will, so ist das reinster politischer Betrug. Nein, von unserer verfassungsgemäß garantierten Gleichberechtigung wollen wir kein Jota opfern, selbst wenn diese zuweilen nur auf dem Papiere besteht. Selbst Max Nordau hat vor etwa 30 Jahren, als die Frage der Gleichberechtigung der Juden Rumäniens zur Diskussion stand, gegenüber einigen zionistischen Hitzköpfen erklärt: ein nichthonorierter und protestierter Wechsel ist immer noch besser, als gar keiner — eines Tages kann doch Zahlung erwirkt werden! Wir wollen die Gleichberechtigung unter keinen Umständen gegen nebulose »Minderheltenrechte" eintauschen, um so weniger, als diese uns gerade von judenfeindlicher und Jfidischnatlonaler Seite angeboten werden! Gerade dieses Angebot macht die Sache höchst verdächtig! Mit diesem Schlagwort sollten die Herren Austrozionisten gerade in unserer Zeit nicht krebsen gehen, denn sie können damit kein Glück 'haben. Freilich, ihnen genügt es, wenn einige ihrer „Führer" hierbei auf ihre Rechnung kommen, Würden und Machtstellungen erreichen; sie verkünden ja auch triumphierend, wie sehr die Jüdischnationalen im Dritten Reiche „beliebt" sind und wie . ihnen seitens der Herren Göring und Göbbeis die Füllrung im jüdischen Lager zugewiesen wird! Ja, diese Herren werden wohl schon wissen, warum sie dies tun! Die jüdischnationale, zionistischpolitische Ideologie ist nur Wasser auf ihre Mühlen . . . Für solche „Wohltaten" bedanken wir uns. Seit etwa 40 Jahren befinden sich die Zionisten im Aufstieg aber nie ist die Lage der Juden so traurig gewesen, als gerade während dieser Periode. Es gehört die höchste Naivität und Unverfrorenheit dazu, jemand einreden zu wollen, daß ein Sieg der jüdischnationalen Zionisten bei den Kultuswahlen die Lage der Juden bessern könnte, wenn man weiß, daß gerade, die Antisemiten aller Schattierungen diesen Sieg der Jüdischnationalen herbeiwünschen ... Vom Feinde soll man lernen, was man soll! Wenn die Danaer etwas schenken, dann soll man sie erst recht fürchten! AgUaflonslokole der „Union österreichischer Joden*' i. Restaurant Hatschek, Rothgasse Restaurant, Vorlaufstraße 2 Caf6 Savoy, Himmelpfortgasse 27, R-22001 Cafe Altes Rathaus, Wipplingerstr. 24/26, U 27-4-84 II. Cafe Stephanie (vorm. Guth), Hoflandstraße 14, R 46-5-57 Josef Lok, Kl. Sperlgasse 5 Müchhalle Deutsch, Herminengasse 10 Gasthaus Lazar, Ecke Schiffamtsgasse und Franz Hochedlingergasse Gasthaus Meixner, Untere Augartenstraße 27, A 49-0-36 Cafe Nizza, Heinestraße 2, R 40-5-76 Cafe Kaiser Joseph, Heinestraße 25, R 43-4-84 Cafe Freiwirth, Praterstraße 11, R 45-0-70 Caf6 Dogenhof, Praterstraße, R 43-2-50 Cafe Karl Heiß, Stuwerstraße 13, R 41-2-50 Cafe Schüttelhof, Schüttelstraße 67, B 57-2-46 HI. Cafe Residenz, vorm. Uion, Löweng. 39, U 17-4-15 Restaurant Johanna Högl, Klimschgasse 16 IV. Cafe Nistler, Margaretenstraße 32, A 37-0-63 Cafe Menzl, Südtirolerplatz 4, U 42-4-10 Cafe Theresianum, Favoritenstr. 28, U 40-4-40 Gasthaus Kasper, Schloßgasse 21 Gasthaus Wilfinger, Reinprechtsdorferstraße 65, B 23-4-39 Cafe Rotter, Wiedner Hauptstraße 106, A 33-4-23 Gasthaus Otto Frey, Humboldtgasse 29 VI. Cafö Mariahilf, Mariahüferstraße 89a, B 22-3-31, B 29-4-69, B 27-2-37 Gasthaus Mrvka, Magdalenenstraße 17, B 26-1-97 VII. Cafe Balkan, Zieglergasse 1, B 30-0-52 Restaurant Andreashof, Andreasgasse 2, B 30-5-52 Cafe Kandlhof, Kaiserstraße 61, B 37-2-59 Cafe Elsahof, Neubaugasse 25, B 39-5-90 IX. Cafe City, Porzellangasse 1, A 18-4-28, A 18-4-29 Caf6 Bauernfeld, Liechtensteinstraße 42, A 17-2-54, R 50012 Cafe Zentrum, Rotenlöwengasse 7, A 16-2-77 Gafe Ruthmayr, Kolingasse-14, A 19-5-18 Cafe Kolosseum, Nußdorferstraße 6, A 18-1-44^ Wein- und Bierhaus" Josefine Neil, Alserstraße 22, Eingang Pelikangasse 2, B 43-0-14 XII. Fließ, S<±önbrunnerstraße Wetahalle Heinrich Nr. 186, R 36001 XIII. Anton Schenk, Ottakringer Bräu, Auhofstraße 1, A 51-5-14 Hans Gintersdorfer, Restaurant „Zur Weintraube", Hütteldorferstraße 100 XIV.-XV. Cafe Maschek, Kardinal Rauscherpl. 7, U 38-5-22 Cafe Degenhart, Sechshauserstraße 11, R 31-2-84 XVI. Gasthaus Franz Honzak, Hubergasse 10 XVII. Hans Hink, Hernalser Hauptstraße 132, B 44-3-38 Gasthaus Klingel, Leop. Ernstg. 32 XVIII. Ludwig Hannakam, Gasthaus „Zum goldenen Lamm", Schopenhauerstraße 40 XIX. Gasthaus Josef Nemeth, Würthgässe 12, B 13-6-98 XX. Restaurant Pannonia (vorm. Toldi), Heinzelmanngasse 1, A 41-2-80 Cafe Franz Delapina, Mortaraplatz 4, A 40-4-82 XXI. Cafe „Goldener Engel", Am Spitz 2, A 60-5-95 3 udm wählen „Union" (Das ist teste Zcaditiml VIII. Etablissement Mary Neumann. Zeltg. 1, B 43-7-78 Eigentümer, Herausgeber, Verleger und verantwortlicher Schriftleiter: Oskar Hirschfeld. Wien IU Praterstraße 29. — Druck: Ignaz Spitz & Söhne,