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Die Wahrheit · 1936-11-03 · Heft 46 (3.11.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 46 (3.11.1936)
Date
1936-11-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 46. — 3. November 1936. DIE WAHRHEIT DIE sollen. Wir danken schön für solche Absichten und ein solches Programm, und mit uns alle österreichischen Juden. Das ist der Judenstaat im Staate mit jüdischer Zwangsnation (nach Kunschakschen-Strickerischen Muster); mit Judenkataster, Sonderrecht, Minoritätsrecht, besondere Kurie, numerus'clausus und numerus nullus. Zu den Punkten 4, 5 und 6 des Programms, die hier folgen, 4. Für die Vervollständigung der Gemeindeeinrichtungen und Anstalten für rituelle, kulturelle, Unterrichts- und Fürsorgezwecke durch Ausbau und zeitgemäße Reform der bestehenden sowie Schaffung notwendiger neuer Institutionen. 5. Für die Föderung der wirtschaftlichen und sozialen Wohlfahrt der jüdischen Bevölkerung. 6. Für die Anteilnahme an allen die gesamte Judenschaft betreffenden Angelegenheiten.. ist weniger zu sagen, als zu den hiezu gegebenen Kommentaren. Die Jüdischnationalen reden auf einmal" von der „weitestgehenden Bedachtnahme auf die religiösen Bedürfnisse der strenggläubigen Bevölkerung unter Festhalten an der Gemeindeeinheit". In den vier Jahren ihrer Majoritätsherrschaft haben sie es durch die „weitestgehende Bedachtnahme auf die religiösen Bedürfnisse" dazu gebracht, daß die Orthodoxen sich an die österreichische Regierung mit dem dringenden Ersuchen gewendet haben, eine Separation ihrer Bethausgemeinde von der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien durchzuführen. Dieses Separationsgesuch der Orthodoxen liegt seit mehr als einem Jahre unerledigt im Schreibtisch des zuständigen Ministers. Er kann es nicht über sich bringen, das Ansuchen abzulehnen, weil er auf die wahrhaft Frommen der Judenschaft keinen Gewissenszwang ausüben lassen will. In der Angst um den Ausgang der Wahlen hat in den letzten Wochen der geschäftige Präsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. Desider Friedmann, mit dem Obmann des orthodoxen Bethausvereines Verhandlungen eingeleitet und ihm alles angeboten, was der ehemalige Vizepräsident der Kulrusgemeinde, Herr Dr. Josef Ticho, schon längst zu tun angeraten hatte. Beinahe wären die Orthodoxen auf dieses Wahlmanöver hereingefallen. Aber der Himmel hat sie davor bewahrt. Das Uebereinkommen ist nicht zustande gekommen, das Separationsgesuch bleibt aufrecht, und die Orthodoxen sagen sich mit Recht, daß sie es nur dann beruhigt zurückziehen können, wenn die „Union" die Majorität erlangt Denn dann sind sie, wie in vorangegangenen zehn Jahrzehnten sicher, daß kein Gewissenszwang geübt wird und ihnen .von der Kultusgemeinde jede Möglichkeit geboten wird, den strengsten Vorschriften der jüdischen Lehrmeinungen zu entsprechen. Hervorgehoben muß auch das werden, was von der Erziehung der Jugend gesagt wird. Sie soll im religiösen und vaterländischen Geiste erzogen und zur tatkräftigen Mitarbeit an allen schöpferischen Aufgaben des jüdischen Volkes herangebildet werden. Erfüllung der heranwachsenden Generation mit jüdischem Geiste und Gemeinschaftsbewußtsein. So weit, so gut, wobei wir unter vaterländischem Geist den österreichischen Geist verstehen. Aber dann kommt der Pferdefuß. „Ausgestaltung der im Jahre 1935 ins Leben gerufenen jüdischen Gemeindevolksschulen." Wir Wiener und österreichischen Juden werden nicht vergessen, wie es zur Schaffung dieser jüdischnationalen Schule gekommen ist. Durch den Erlaß des österreichischen Unterrichtsministeriums wurden in einzelnen Schulen die jüdischen Kinder von den christlichen beim Unterrichte in öffentlichen Schulen getrennt. Die „Union österreichischer Juden" hat gegen diesen Vorgang Protest eingelegt und mit Berufung auf das Reichsvolksschulgesetz, bei dessen Erscheinen die Wiener Juden spontan illuminiert haben, die unangetastete Aufrechterhaitung der interkonfessionellen Schule und der Koedukation von Christen und Juden gefordert. Dabei soll es jeder ReligionsgenoSsenschaft. also auch der Israelitischen, freistehen, fakultative konfessionelle Schulen für jene Glaubensgenossen einzurichten, die ihre Kinder streng religiös unterrichten und erziehen lassen wollen. Wie bekannt, wurde ein solches jüdisch-konfessionelles Schulwerk in der Talmud Thora errichtet und insbesondere von der „Union österreichischer Juden" immer aufs tatkräftigste gefördert, Den .Tüdischnationalen hat aber die Trennung der Kinder nach Konfessionen, die mit technischen Notwendigkeiten begründet wurde, sehr gut gepaßt Sie haben sie zum Anlaß genommen und — hört und staunet — um eine jüdischnationale Volksschule durch die Kultusgemeinde errichten zu lassen. Bei der Eröffnung hat der Präsident der Kultusgemeinde die bedeutsamen Worte gesprochen: „Diese Schule wird so geführt werden, wie es die jüdischnationale Majorität für richtig findet". Also wohlgemerkt, nicht die ganze Kultusgemeinde, sondern nur die jüdischnationale Majorität. Also eine Pflanzstätte des jüdischen Nationalismus und des politischen und nationalen Zionismus. Die Jüdischnationalen halten die Wiener Kultuswähler wirklich für sehr dumm und beschränkt, wenn sie von der Ausgestaltung des von der Gemeinde angeblich in den letzten Jahren geschaffenen, großzügigen Fürsorgewerkes und von dem in der abgelaufenen Funktionsperiode durch Zubau erweiterten Altersheim und von der Fortsetzung der unter der zionistischen Vorstandsmajorität geschaffenen Unterabteilungen in Angriff genommenen Erweiterung des Spitals der Israelitischen Kultusgemeinde, sprechen. Glauben die jüdischnationalen Verfasser des Kultusgemeindeprogrammes und ihre jüdischnationalen Kommentatoren wirklich, daß die Wiener jüdische Bevölkerung nicht weiß, wer die sozialen Einrichtungen: Altersheim und Spital, Waisenhäuser, Volksküchen und Wärinestuben, das Kinderhilfswerk und das Werk der jüdischen Jugendfürsorge geschafffen hat? Und mit wessen Geld diese Institutionen auch in den letzten Jahren erweitert und vergrößert wurden? Glauben sie, die Wiener jüdische Bevölkerung läßt sich einreden, daß das Geld für den Aufbau, Erweiterung und Erhaltung dieser Institutionen nicht zu mehr als 90 Prozent aus der offenen Hand der unionistischen Gemeindemitglieder geflossen ist? Glauben sie, daß die Wiener jüdische Bevölkerung darüber nicht informiert ist, daß unter der jüdischnationalen Parteiherrschaft in der Kultusgemeinde der Zutritt zu diesen Einrichtungen den nichtjüdischnationalen Armen, Kranken, Greisen verwehrt wurde und daß diese auf die öffentlichen Einrichtungen des Staates, der Gemeinde Wien, verwiesen wurden? Zusammenfassend kann man nur sagen, wenn man die verwerflichen politischen Ziele abzieht, so bleibt wahrlich ein sehr mageres Kultusgemeindeprogramm der zionistisch getarnten jüdischnationalen Liste übrig. Diesen politischen, wohl zu beachtenden jüdischnationalen Zielen, die mit Zionismus nichts zu tun haben, mit dem Programm der Antisemiten ä Ia Kunschak aber übereinstimmen, folgen die phrasenhaft klingenden Sätze der Punkte 4, 5 und 6 und damit wird, wie im Schlußsatze ausgeführt, „eine Umgestaltung der jüdischen Gemeinde auf volkstümlicher Grundlage" erstrebt. Jetzt wissen die Juden Wiens und die Juden Oesterreichs, nach dem eigenen Geständnis der Jüdischnationalen, was sie erwartet, wenn sie die jüdischnationale als zionistisch getarnte Liste des Listenführers Staatsrates Dr. Desider Friedmann, Präsident der Kulrusgemeinde, wählen. Es harret ihrer nicht mehr und nicht weniger, als das selbstgewählte Ghetto mit Herrn Friedmann, Stricker, Ehrlich, Löwenherz an der Spitze. Nach diesem Bekenntnis zum Judenstaat in Oesterreich, zum österreichischen Gesamtghetto, zum jüdischen Staat im Staate, genannt Gemeindebund, fällt die Wahl wahrlich sehr leicht. Wer sich zu seinem Judentum und zu seinem Vaterlande Oesterreich bekennt und die Gefahr der Verwirklichung der dunklen Pläne der Jüdischnationalen ä Ia Stricker und der Antisemiten ä la Kunschak beseitigen will, der wählt die Liste der „Union Österreichischer Joden" UstenlOhrer: Reg.-Bat Dr. Herrn. Oppenheim Lest die »Wahrheit1 Sie schafft Klarheit •] Aviso an unsere Freunde? Sonntag, den 8. November 1936 ist Wahltag! 1. Die Stimmenabgabe erfolgt von 8 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags ohne Unterbrechung, also auch in den Mittagsstunden. 2. Sie erscheinen zur Wahl mit der amtlichen Wahllegitimation der Kultusgemeinde, außerdem mit einem Identitätspapier, tunlichst mit Lichtbild (Reisepaß, Straßenbahn-Legitimation, Geburtsschein, Gewerbeschein, Erkennungskarte) und mit den beiden Stimmzetteln für die Liste der „Union österreichischer Juden". 3. Zwei Stimmzettel, wir wiederholen: zwei Stimmzettel der „Union österreichischer Juden" haben Sie in das Wahlkuvert zu legen, nämlich: a) den Stimmzettel der „Union österreichischer Juden" für die Wahl in den Kultusvorstand und b) den Stimmzettel für die Wahl in die Bezirks- Steuer-Kommission (Vertrauensleute) desjenigen Bezirkes, in dem Sie wohnen. Ächtung 1 Ächtung 1 Für die Wahl des Kultusvorstandes gibt es für alle Bezirke nur einen einheitlichen Stimmzettel der „Union österreichischer Juden". Die Abgabe des Stimmzettels für die Bezirks- Steuer-Kommission (Vertrauensleute) ist ebenso wichtig, wie die Abgabe des Stimmzettels für den Kultusvorstand. Achten Sie, bitte, darauf, daß der von Ihnen abgegebene Stimmzettel für die Bezirks-Steuer- Kommission der richtige Stimmzettel ist, d. h. der Stimmzettel für die Steuer-Kommission Ihres Bezirkes. Denn, wenn Sie einen für einen anderen als Ihren Bezirk bestimmten Stimmzettel für die Wahl in die Bezirks-Steuer-Kommission abgeben, ist er ungültig 1 4. Am Wahltage ist in der Kultusgemeinde Seitenstettengasse (im Steueramt und in der Amtsdirektion) Journaldienst Ein Wahlberechtigter, der in der Wählerliste nicht enthalten ist, oder die amtliche Wahllegitimation nicht erhalten hat, kann sich in den nächsten Tagen, auch am Wahltage, im Steueramt, bzw. in der Amtsdirektion der Kulrusgemeinde nachträglich die Wahllegitimation beschaffen. 5. Gehen Sie bitte, schon in den ersten Vormittagsstunden, möglichst bis ^10 Uhr vormittags, zur Wahl. Sie vermeiden dadurch längeres Warten und Sie erleichtern unseren Mitarbeitern in Ihrem Agitationslokale unendlich die Erfüllung ihrer freiwillig auf sich genommenen Aufgabe. Je früher Sie an der Urne erscheinen, desto mehr sichern Sie den Erfolg der Liste der „Union Österreichischer Juden" (Ltstenltthrer: ßeg.-Rat Dr. n. Oppenheim.) Sie nehmen es nicht so genau. Schon eine flüchtige Durchsicht der in der „Stimme" veröffentlichten Liste jener, die die Wahl der „Zionistischen Liste" empfehlen, erlaubt vielsagende, wenn auch keineswegs überraschende Wahrnehmungen. So entdeckt man — schon bei der ersten Durchsicht — unter den hohen „Gönnern" der zionistischen Liste ca. 20 Leute, die derzeit von der israelitischen Kultusgemeinde befürsorgt werden! Und welters befinden sich, abgesehen von einem Konfessionslosen, auf dieser Liste auch Herr Direktor Arthur Pelikan, der niemals seine Zustimmung dazu gab, seinen Namen auf diese Liste zu setzen und ebenso Herr Wolf Zloczower, der ja auf der Liste der „Binjan Haarez" kandidiert und daher kaum die Absicht hat, auch eine zweite Liste, die „Zionistische Liste" zu empfehlen. Sie nehmen es wirklich nicht so genau.

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