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Die Wahrheit · 1936-11-03 · Heft 46 (3.11.1936) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 46 (3.11.1936)
Date
1936-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'editeur" Di« wanrheiT mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag ^mrnnnmnnniiiMiiiiiinnBnininiTininmTmmnii^miPiimmT] Einzelpreis 40 Groschen HlliiiiHiiiiiHiiiinnt Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 niiiiuiiiiiiiiiiioouiniiiiiiM Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 52. Jahrgang Wien, 3. November 1936 Nummer 46 Die Jüdischnafiqnalen wollen einen Judenstaat in Österreich gründen. Das Programm der als Zionisten getarnten Jüdischnationalen für die Kultusgemeinde, das in der letzten „Stimme" veröffentlicht wurde, ist umschrieben mit den zwei Worten „jüdische VolkSr gemeinde". Was sonst gesagt wird, soll nur dazu dienen, um den Wäldern Sand in die Augen zu stnuen, sie zu verwirren und sie zu vernebeln. Offen und ohne Zweideutigeit getrauen sich die Jüdischnationalen nicht, den österreichischen Juden ins Gesicht zu sagen: Du gehörst einem anderen Volke an als dem österreichischen, Dein politisches und nationales Ziel ist ein anderes als dys der übrigen österreichischen Bevölkerung. Aber wer lesen kann, dem muß es klar sein, was ts bedeutet, wenn programmatisch erklärt wird, daß „der untrennbare Zusammenhang mit der Judenheit der ganzen Welt es der Gemeinde zur Pflicht macht, an der Wiederaufrichtung und Errai'ung des jüdischen Volkes tätigen Anteil zu nehmen. Nebenbei wird gesagt, daß dieser Anteil auch an dem Aufbau der nationalen Heimstätte in Erez Israel genommen werden muß, wohl als Rechtfertigung für die Bezeichnung „Zionistische Liste". Daß es sich aber de facto für die zukünftige Kultusgemeinde, soweit die sogenannten Zionismen die Führung haben sollten, um die Ausgestaltung der Kultusgemeinde zur jüdischnationalen politischen Volksgemeinde handelt, geht womöglich noch deutlicher als aus dem Ausdruck Jüdische Volksgemeinde" aus den weiteren Darstellungen des Programmes hervor. Alle Kultusgemeinden Oesterreichs sollen zu einem mit Rechtspersönlichkeit ausgestatteten Gemeindebund vereinigt werden. Also die jüdischnationalen Volksgemeinden Oesterreichs sollen zu einem Bund dieser jüdischnationalen Volksgemeinden, der mit eigener Rechtspersönlichkeit ausgestattet werden soll, umgestaltet werden, das heißt doch nichts anderes als ein selbständiger politischer jüdischnationaler Bund der jüdischen Volksgemeinden in Oesterreich. Damit wäre der Judenstaat in Oesterreich so ganz nach dem Muster des Strickerisch-Kunschak'schen Gesetzentwurfes über die Lösung der Judenfrage gebildet. Kunschak sagt es so ähnlich, nur mit ein wenig anderen Worten. Man muß sich wirklich an den Kopf greifen, ob die Führer der Jüdischnationalen vollständig von Sinnen sind und ob sie wirklich glauben, daß sie mit diesen wahnwitzigen Ideen Anklang bei den österreichischen und Wiener Juden finden werden. Wollen die jüdischnationalen Führer den österreichischen Juden wirklich weismachen, daß sie mit solchen gefährlichen staatsrechtlichen Konstruktionen nichts anderes bezwecken, wie im offiziellen Kommentar gesagt wird, zum Beispiel die Heranbildung jüdischer Ritualfunktionäre, Lehrer und Gemeindeverwaltungsbeamte (!), (damit in Hinkunft kein Löwerherz nötig sei), die Erhaltung bestehender leistungsschwacher Gemeinden, die Regelung der jüdischen Wanderfürsorge und last not least, die Konservierung der historischen jüdischen Denkmäler im Gebiete des österreichischen Bundesstaates. Allerdings mit der Verwirklichung dieses Programmpunktes hätten sich die österreichischen Juden ein Denkmal gesetzt (das nicht vom Denk.n kommt), für dessen Konservierung sie sich nicht weiter zu bekümmern brauchten, weil schon die Antisemiten aller Schattierungen für die Erhaltung dieses Denkmals der jüdischnationalen Dummheit sorgen würden. Für Punkt 2) des Programms, für die Aufrechterhaltung des Grundsatzes der Gleichberechtigung aller Gemeindeangehörigen hat die „Union österreichischer Juden" unter den größten Opfern wahrlich mehr getan, als den Jüdischnationalen noch zu tun übrig bleibt. Die „Union österreichischer Juden", die im Jahre 1924 noch weitaus die Majorität im Kultusvorstande besaß, und von der es daher abhing, ob das Wahlrecht in die Kultusgemeinde den aus dem Osten zufolge der Kriegsereignisse nach Wien geflüchteten Juden zuerkannt werden soll, hat dahin entschieden, daß diese das aktive Wahlrecht trotz fremder Staatszugehörigkeit erhalten sollen. Dabei ist selbstverständlich die „Union österreichischer Juden" von der Voraussetzung ausgegangen, daß in der Israelitischen Kultusgemeinde der Aufgabenkreis der Gemeinde nach dem Gesetz vom Jahre 1890 erfüllt wird und daß insbesondere jede Einflußnahme auf die innere und äußere Politik entfällt. Die Jüdischnationalen arbeiten daran, daß diese Voraussetzung zu nichte wird. Sie treiben in der Kultusgemeinde jüdischnationale Innenpolitik und Außenpolitik. Auf dem Umwege über das aktive Wahlrecht dieser nichtösterreichischen Juden ist der jüdischnationale Zionist Doktor Desider Friedmann und der jüdischnationale Zionist Dr. Jakob Ehrlich zum österreichischen Staatsrat, bzw. zum Rat der Stadt Wien vom Bundespräsidenten bestellt worden. Auf diesem Wege ist es den nichtösterreichischen Juden gelungen, einen Einfluß auf die österreichische Innenpolitik zu gewinnen und auf die politische und bürgerliche Stellung der österreichischen Juden bestimmend einzuwirken. Es gibt eins von zweien: entweder die 'Kultusgemeinde bleibt im Rahmen ihres Wirkungskreises, das heißt, die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der Wiener Juden im weitesten Sinne, dann können und sollen die nichtösterreichischen Juden mit den österreichischen paritätisch in der Kultusgemeinde tätig sein, oder die Kultusgemeinde mischt sich auch weiterhin in die österreichische Innenpolitik, dann werden wir es nie zugeben, daß NichtÖsterreicher, auch wenn es Glaubensgenossen sind, das politische Schicksal der österreichischen Juden in ihrem Vatcrlande und in ihrer Heimat bestimmen. Auch Punkt 3 des Programmes, die Wahrnehmung der nach den Veriassungsgesetzen der Juden als Gesamtheit gewährleisteten bürgerlichen Rechte, ist nicht gesetzliche Aufgabe der Kultusgemeinde. Den Juden sind als Gesamtheit in der Verfassung nur Rechte iniolge ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Religion eingeräumt. Es gibt keine Bestimmungen der österreichischen Verfassung, die den Juden als Gesamtheit, als Nation, als dem jüdischen Volke, Rechte einräumt. Und wir wollen auch nicht, daß den Juden als Nation oder als Volk Rechte eingeräumt werden, weil es eine jüdische Nation, ein jüdisches Volk nur nach der Auffassung Hitlers und seiner „wissenschaftlichen** Berater und nach der Auffassung der jüdischnationalen Fanatiker gibt. Die Jüdischnationalen verlangen programmatisch unter Punkt 3 bewußt etwas, was es überhaupt nicht gibt, nämlich die Wahrnehmung der den Juden als Gesamtheit gewährleisteten bürgerlichen Rechte. Sie wollen die Gesamtheit der Juden Oesterreichs in die jüdischnationalen Gemeinden, in die Ghettis, sperren, dann die Ghettis in einem österreichischen großen Ghetto, in dem jüdischnationalen Gemeindebund in dem Judenstaat in Oesterreich vereinigen. Und dieser jüdischnationale Genieindebund ist gleichzeitig die Gesamtheit der Juden in Oesterreich. Ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit sollen sie dann bürgerliche Rechte gewährleistet erhalten, die wahrzunehmen, die Häupter der jüdischnationalen Partei Friedmann, Stricker, Ehrlich und Löweuherz, berufen sein Jüdiscftc Ittem f Wer denn, wenn nicht Ihr, ist, soweit es in Eurer Macht HI^B^Hfl^^^lH Hegt, verantwortlich für die Zukunft Eurer Kinder? Heute liegt es noch in Eurer Macht, zu verhüten, daß Eure Kinder mit Euch dank den Jüdisdinationalen unter fremdenredit gestellt werden! Denn Minderheitsrecht ist Gastrecht und Gastrecht ist Swemdemedki f

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