Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 45 (30.10.1936)
- Date
- 1936-10-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Nr. 45 — 30. Oktober 1936 DIE WAHRHEIT Jüdische Angestellte! i?remdetireebt! Wird nicht das Leben lür Euch täglich schwerer! Bildet es nicht für jüdische Angestellte ein täglich größeres Problem, eine Stellung zu bekommen und zu erhalten?, Wird dieses Problem für Euch leichter sein, wenn Ihr dank den Jüdischnationalen in Österreich unter Fremdenrecht gestellt werdet? Denn Minderheitsiecht ist Gastrecht und Gastrecht ist Situation entwickelt: Herr Stricker wäre wohl bereit, Kultuspräsident zu werden, aber er meint, daß ihm dann Herr Dr. Friedmann auch das Staatsrats-Mandat „überlassen" müßte, das er ja nicht ad personam, sondern in der Eigenschaft als Kultuspräsident erhielt. Hiefür ist aber Herr Dr. F. nicht zu haben . . . Und dabei übersehen die Herren, daß sie sich über eine Würde streiten, deren Vergebung einzig und allein dem Bundespräsidenten obliegt. Nur Geduld, meine Herren, man soll das Fell des Bären nicht teilen, bevor er erlegt ist. Und diesen Elementen, die selbst davor nicht zurückschrecken, gegen politisch Andersgesinnte „Steckbriefe" zu erlassen und in ihren Blättern unter genauer Angabe von Namen, Branche und Adresse in Fettdruck zum Boykott aufzufordern, soll nun die Herrschaft in der Kultusgemeinde weiterhin ausgeliefert werden? Deswegen ist es die Pflicht aller Wähler, auch der Gleichgültigen, am 8. November an der Wahl- UNION-KLUB Klub der Mitglieder und Freunde der Wien I., Schottenring 35 „Union österreichischer Juden" Telephon A 19-2-77 Samstag, den 31. Oktober'1936, präzise 7j9 Uhr abends, findet in den Klubräumen,Wien 1., Schottenring 25 ein vom »Union-frauen-ttlUD" veranstalteter GESELLIGER ABEND statt In liebenswürdigster Weise haben ihre Mitwirkung zugesagt: Hammei sönaerln Ella riesdi, staatsoper, Wien / Trade Godwun. Tanz / Marianne Mlsiap- Kapper, Gesang / LtlU POllalf-Rudln, üeigenvirtuosin / Jost! POlnäU. Rezitationen / FellCla TorlDl, Chansons / Am Flügel: Franz Mittler / Conference: Maria WCSl Gäste willkommen! Regiebeitrag inklusive Garderobe S 1.50 urne zu erscheinen und dazu mitzuhelfen, daß die Wiener Kultusgemeinde von diesen Elementen befreit werde. Die Ehre der Gemeinde und ihr guter Ruf müssen wieder hergestellt werden! Deshalb: Wählt die Liste der Union österreichischer Inden" Judenstaatspartei. Dies scheint eine recht gewagte Haltung zu bedeuten, wenn bedacht wird, daß Parteien anderer Färbung, die gleichfalls nach fremde Lande „der Verheißung" geschielt haben, rücksichtslos unterdrückt wurden. Ist dies nicht ein Fingerzeig für den vaterländischtreuen Juden, welchem Wahlverband er seine Stimme zu geben hat? Doch nur -jenem, der Stimmen aus dem Sublikum. Jfcine Antwort ist auar eine Antwort. Herr Rudolf Natscheradetz, Wien I., der bekannte volkswirtschaftliche Publizist, schreibt uns: Anläßlich einer Sammlung, die die Israelitische Kultusgemeinde im März d. J. zugunsten der aus Deutschland vertriebenen Juden eingeleitet hat, habe ich an den Präsidenten Staatsrat Dr. Desider Friedmann folgendes Schreiben gerichtet: Wien, 13. März 1936. Ich habe heute auf das Postsparkassenkonto „Flüchtlingshilfe" der Israelitischen Kultusgemeinde den Betrag von 50 S eingezahlt. Ich sehe mich aber bei dieser Gelegenheit zu der Feststellung genötigt, daß das Organ der „Union österreichischer Juden" („Die Wahrheit") dem Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde Korruption und Freunderlwirtschaft, unsaubere Geschäftsführung und Mißbrauch mit öffentlichen Geldern vorgeworfen hat und daß der Vorstand, der es unterlassen hat, sich von diesen schweren Vorwürfen reinzuwaschen, damit auch das Recht verwirkt hat, die Hilfsbereitschaft jüdischer Steuerträger anzurufen. Es würde mich auch interessieren, ob und mit welchen Beträgen die in dem Organ der ..Union österreichischer Juden" namentlich angeführten Funktionäre Moses Rath, Dr. Löwe n h e r z und Oberbaurat Stricker sich an der Hilfsaktion für vertriebene deutsche Juden beteiligt haben. Dieses Schreiben ist unbeantwortet geblieben. Im Mai d. J. erhielt ich abermals eine Zuschritt der Kultusgemeinde, in der ich neuerlich zu einer Wohlfahrtsspende aufgefordert wurde. Ich habe darauf an die Kultusgemeinde folgendes schreiben gerichtet: Wien. 26. Mai 1936. Ich erhielt heute von Ihnen die Aufforderung, mich mit einer Spende an dem Landaufenthalt jüdischer Kinder zu beteiligen. Ich habe, in früheren Jahren für diesen Zweck regelmäßig den Beitrag von 30 S geleistet. Wenn ich es dwnniiiiininniintaninnniiiniiffluiiiiM^ VERWALTUNGEN + diesmal unterlasse, so führe ich zur Begründung folgendes an: Ich habe am 13. März d. J. an Ihren Präsidenten Herrn Staatsrat Dr. Desider Friedmann folgendes Schreiben gerichtet: (Folgt das Schreiben vom 13. März.) Ehe ich auf diesels Schreiben keine befriedigende Antwort erhalte und ehe mir nicht mitgeteilt wird, mit welchen Beiträgen sich die Funktionäre der Kultusgemeinde Dr. Löwenherz, Moses Rath und Oberbaurat Stricker an Wohlfahrtsaktionen -beteiligen, für welche jüdische Steuerträger in Anspruch genommen werden, muß ich zu meinem Bedauern die Spenden für alle unter der Aegjde der Kultusgemeinde eingeleiteten Sammlungen unterlassen. Da ich aber aus diesem Umstände keinen materiellen Vor^ teil ziehen will, habe ich gleichzeitig den Betrag von 30 S der B'nei Brith übermittelt. Auch dieses Schreiben blieb unbeantwortet. Keine Antwort ist auch eine Antwort und es fällt nicht schwer zu erraten, weshalb die Antwort unterblieben ist. Die Stricker und Genossen, die die österreichischen Juden nach Palästina in ihre' neue Heimat schicken wollen, während sie selbst nicht daran denken, ihre einträglichen Stellungen in Oesterreich aufzugeben, scheinen auch in Angelegenheiten der Hilfsbereitschaft dem Grundsatz zu huldigen, daß es vorteilhafter sei, aus fremden Taschen Wohltaten zu üben als aus den eigenen. Jiationaljua'en treiben ein gewagtes fwiet. Die herrschende Verfassung hat den autoritären Staat begründet. Er kennt und duldet keine Parteien. Das einzige und ausschließliche politische Programm heißt Oesterreich. Der einzige und ausschließliche politische Willensträger ist die Vaterländische Front. Dies gilt für alle Bundesbürger, gilt für Christ und Jud. Die Jüdischnationalen verleugnen auch bei der Kultuswahl nicht ihre politische Einstellung als JUDEN WIENS! Hütet Euch vor den Märchen und Wahltricks der Jüdischnationalen! Laßt Euch durch sie nicht irreführen! Ihr könnt nicht/vorsichtig genug sein! eine Verfremdung des eingewurzelten Heimatsgefühles verfemt und nur ein Ziel vor Augen hat, unsere Glaubensgemeinde unversehrt zu erhalten und an ihrer Größe mitzuwirken. Unsere Kultusgemeinde brauchtdabei nicht unter die Konvertiten zu gehen und sich als „Volksgeraeinde" umtaufen zu lassen. Zählt doch zu den religiösen Bedürfnissen, denen sie gesetzlich zu dienen hat. nach den drei Grundsäulen, auf denen die jüdische Religion ruht, neben dem Gebet und der Rechtlichkeit auch die Wohltätigkeit. Sie hat als Kultusgemeinde ' unvergleichliche fromme Werte der Fürsorge geschaffen, ist darin an Ehren reich geworden und so möge sie ein gütiges Geschick vor jeder Wandlung dieses stolzen Baues bewahren. Die heimattreuen Juden möchten nicht vor der Klagemauer stehen! Dr. Heinrich Schreiber. £iefoe Stimme? Du flatterst seit einigen Wochen uneingeladen in mein Haus und wünschst, daß ich Dich mit Rücksicht auf Dein „Hohes Niveau" ständig käuflich beziehe. Da es mir nicht gelang, dieses zu entdecken, wohl aber sehr viel Selbstlob. will ich mich durch folgende Aufteilungen dankbar erweisen: 1. In der letzten Nummer vom 23. Oktober sprichst Du von der „Sauberkeit" der Zioiiisten. Meinst Du damit etwa die Besetzung der Steife des Amtsdirektors, und des Bibliothekars der Kultusgemeinde durch ehrenamtlich gewählte Vorstandsmitglieder der zionistischen Partei? 4*^ Dipl.-Kaufm SATZE - HYPOTHEKEN %^ KAUFE VERKAUFE * Ab SZI L AGYI SEH. AUT SEISftl IX., ROTENLÖWENG. 3 TEL. A 10-5-69 'uunaHnaffiBinMa^ 26-000 von 54»000 jüdischen Wählern Wiens haben sich am Wahltag des Jahres 1932 in ihrer Sonntagsruhe nicht stören lassen wollen, daher errangendie Jüdischnationalendie Majorität in derKultusgemeinde. Wenn Ihr auch diesen Sonntag verschlaft, dann wird, wenn Ihr Montag früh aufwacht die isr. Kultusgemeinde eine jiidischnationale Volksgemeinde, das heißt ein Ghetto sein! Um das zu verhüten, geht zur Wahl und wählt die Liste der „Union österreichischer Juden"!