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Die Wahrheit · 1936-10-08 · Heft 42 (8.10.1936) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 42 (8.10.1936)
Date
1936-10-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 40 Grosdien Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Ereitag Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkcnto Wien: A ICO918 52. Jahrgang Wien, 8. Oktober 1936 Nummer 42 Jüdischnationale Märchenerzähler. Dosiere Dich gnfnnd billig Nicht einmal die hohen Feiertage, die doch die derzeitigen Usurpatoren der Macht in der Kultusgemeinde bei der Wahl des Termines vom S. November in der Absicht der Behinderung der Agitation und Propaganda der „Union" ins Kalkül zogen und die vom Bund jüdischer Frontsoldaten eingeleiteten „Friedensverhandlungen" halten die Judenstaatspartei und die Allgemeinen Zionisten davon ab, in Ermangelung von sachlichen Argumenten uns immer wieder zu beschimpfen. Sie haben Hitler's „Mein Kampf" gut studiert und glauben, die verwerflichen Methoden und Kampfmittel des Nationalsozialismus auch im Wahlkampf gegen Glaubensgenossen um die Wiener Kultusgemeinde mit Erfolg zur Anwendung bringen zu können. Da die allgemeinen Zionisten und die Jüdenstaatspartei als gemeinsame Plattform den jüdischen Nationalismus benützen, so glauben sie um so eher an die Wirksamkeit der Grundsätze von „Mein Kampf", weil auf ihnen der Sieg der nationalistischen Bewegung in Deutschland sich aufbaut. Und die „Austroziionisten", diese politischen Phantasten eines jüdischen Nationalismus und eines souveränen Judenstaates in Palästina, wollen auf die bewährten Rezepte eines Neonationalismus sich verlassen. Die Lehren sind nicht neu, aber sie sind von Juden nie angenommen worden. „Verleumde nur ruhig drauf los, es bleibt immer was hängen". Die Hauptrolle in der jüdischnationalen Wahlpropaganda spielt das Märchen von der Denunziation der „U n i o n". Die Großmütter des Austrozionismus erzählten es den aufhorchenden Enkelkindern, die zuerst das Gruseln überkommt, doch bald der Schlaf übermannt. Die „Union" denunziert die Juden Wiens, die Unionisten sind Naumannjuden. Die intelligenteren Kinder fragen: Großmutter, erzähl' uns doch lieber die Geschichte vom Löwenherz und wie man Präsident, Staatsrat, Rat der Stadt Wien und Amtsdirektor wird. Aber das sind keine Geschichten weder für Kind noch für Erwachsene, die werden auch nicht für die reifere Jugend bearbeitet herausgegeben. Das dicke Faszikel „Der Fall Löwenherz" wird vom Präsidenten persönlich wie sein eigener Augapfel bewahrt. Vergeblich wird man in der Publizistik des letzten Jahres bei den Jüdiscljnatipnalen einen Rechtfertigungsversuch für ihre Gewaltakte in Sachen der Verwandlung des Moses Rath, des Volksschullehrers und Kleinbuchhändlers und Kultusvorstandes, in den wohlbestallten Bibliotheksdirektor mit Nachsicht der Qualifikation oder der Transformation des Rechtsanwaltes, jüdischnationalen Einpeitschers und Vizepräsidenten in den elrsfen : Beamten und provisorischen Amtsdirektor der Kultusgemeinde, der allen Glaubensgenossen ohne Unterschied der Herkunft und Einstellung gleich objektiv gegenüberstehen soll, suchen. - Vergeblich forscht man nach einer Begründung für die Bestellung des ätbeäsltäschen Führers der Judenstaatspartei Stricker zum Vizepräsidenten der Kultusgemeinde. Der Mann, der wie Spiegelberg in den „Räubern" einen Judenstaat gründen will undden — dem Himmel sei Dank — verunglückten Versuch hiezu mit Hilfe der Antisemiten ä la Kunschak gemacht hat, fühlt in sich die Eignung, in Oesterreich und in Wien Vizepräsident der Kultusgemeinde zu sein und trotzdem Kronprätendent für Palästina 2u bleiben. In der Verwirrung seiner politischen Gefühle denkt er offenbar daran, als erste jüdische Volksgemeinde Wien der Souveränität des von ihm erträumten Judenstaates in Palästina zu unterstellen. Warum reden die Austrozionisten nicht davon, daß wir ihnen vorwerfen, die Kultusgemeinde politisiert zu haben, so daß diese damit ihren gesetzlichen Zwecken als .religiöse Verwaltungsgemeinschaft entfremdet wurde? Sie wollen vergessen machen, daß es sich da um eine Zwangsgemeinschaft handelt und daß sie selbst mit ihrer Politik überhaupt und; mit ihrer jüdischnationalen Politik insbesonders die Sprengmittel gegen die Einheit und Autonomie der Gemeinde herbeischaffen und aufhäufen. Die Einheit, der Zwangscharakter und die Autonomie blieben nur solange außer Diskussion, als dip, Kultusgemeinde den Rahmen ihrer gesetzlichen Kompetenzen, für die religiösen Bedürfnisse der Wiener Juden zu sor- Cäfe Freiwirth PRATERSTRASSE 11 Als modernes Familien-Cafe vollständig renoviert gen, nicht überschritten hat. Die Jüdischnationalen mögen es sich gesagt sein lassen, daß sie ein gefährliches Spiel treiben. Die Orthodoxen haben sich schon von der Gemeinde abgewendet und verlangen die Separation und kein Versuch dieser jüdischnationalen Majorität mit verspäteten, aber umso reichlicheren Subventionsversprechen kann das verlorene Vertrauen dieser Gruppe von Glaubensgenossen wieder herstellen. Mag auch das eine oder andere Mitglied der Adas Jisroel aus persönlichen Gründen zurRückkehr geneigt sein; die ehrliche, auf das Gedeihen der Orthodoxie bedachte Mehrheit lehnt es ab, der israelitischen Kultusgemeinde anzugehören, solange sie von einer jüdischnationalen Majorität geführt wird. Hier eröffnet sich übrigens" ein neues lehrreiches Kapitel, wie man mit dem Geld der jüdischen Allgemeinheit poEtische Parteigeschäfte führen will. Wir aber werden uns? nie und nimmer dazu zwingen lassen, als Mitglieder oder Angehörige einer jüdischnationalen Volksgemeinschaft in Oesterreich angesehen und behandelt zu werden. Wir stehen treu und unverrückbar zu unserer Glaubensgemeinschaft und zur jüdischen Tradition, aber mindestens ebenso treu und fest verbunden fühlen wir uns mit dem Boden, auf dem wir seit Jahrhunderten wohnen, mit Oesterreich und seiner m Oestcrrcichisctics Oualilälsrabrihal Ueberau erhältlich andersgläubigen Bevölkerung. Unsere Ueberzeugung ist es, daß der jüdische Nationalismus ein Irrtum ist und die große Gefahr mit sich bringt, diese Verbundenheit mit unserem Vaterlande und seinen christlichen Bewohnern zu lockern, weil er ideologisch mit den falschen Lehren des Nationalsozialismus übereinstimmt, und deshalb werden wir den jüdischen Nationalismus immer als eine dem österreichischen Judentume schädliche Bewegung mit allen uns zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln bekämpfen. Daß bei Gewaltakten und Mißbrauch der Majorität zu jüdischnationalen Parteüzwecken Glaubensgenossen gegenüber die zuständige Behörde von uns um Abhilfe angegangen wird, ist unsere Pflicht der österreichischen Judenschaft gegenüber, deren bürgerliche und politische Stellung im Vaterfande zu bewahren, die oberste Aufgabe der „Union österreichischer Juden" sein und bleiben wird. Die Erfüllung diesieir Pflicht als Denunziation hinzustellen, mutet unseren Glaubensgenossen ein geistiges Niveau zu, das nur bei den austrozionistischen Führern zu finden ist. Nicht anders steht es mit den anderen Beschimpfungen wie Naumannjuden etc. Wäre es nicht so traurig, man könnte nur befreiend lachen, daß Jüdischnationale, die Hochblüten ä la Georg Kareski, Spitzel der „Gestapo" und Mitarbeiter des „Angriff", treiben und die kriecherisch streben, in Deutschland sich „auf einer Ebene" mit dem Führer und seinen Diadochen zu bewegen, die nicht einmal in einem Ozean mit ihnen baden wollen, den Versuch wagen, die ehrliche und unantastbare jüdische Ueberzeugung der „Union" auch nur zu berühren. Ganz andere Themen müßten die Jüdischnationalen behandeln. Sie müßten zum Beispiel beweisen, daß es unrichtig ist, daß seit Jahr und Tag Steuergelder dazu verwendet werden, um parteipolitische Organisationen zu fördern, daß zum Beispiel unter dem Prätexte der Subventionierung von Bibelschulen und Bethäusern parteimäßig den Jüdischnationalen nahestehende Zellen künstlich zum blühenden Wachstum gebracht werden. In diesen Schulen wird statt derBi- KOHlE«KOKS AMTÜR AZIT.Three Stars BA§CB ^^^S II 41-5-40 Alleinige Lleleranün der „Asca" Bund jüd. Frontsoldaten Jüdische Kulturstelle Keren Kajemeth

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