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Die Wahrheit · 1936-09-25 · Heft 40 (25.9.1936) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 40 (25.9.1936)
Date
1936-09-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 40 — 25. September 1936 Wien I., Seitenstettengasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem I. Tor Samstag gegchloasen!_ Juden hier auf allen Gebieten, in Kunst und Wissenschaft und auch auf Regierungsstellen in das Gefüge des Gesamtstaatskörpers einzugliedern wußten und wissen! So altbekannt diese Tatsache auch sein mag, sie verdient es doch gerade in dieser Zeit immer aufs neue, voller Befriedigung und ah edles Beispiel hervorgehoben zu werden, -r. Vor fünfzig Jahren. Am 11. September 1886 starb in Berlin der Industrielle und Parlamentarier Ludwig Löwe, der 1837 in Heiligenstadt geboren war. Seine maschinelle Industrie war dem preußischen Kriegsministerium 1871 zum Vorbild bei seiner Waffeniabrikation. Er gehörte seit 1864 der Berliner Stadtverordneten-Versammlung an und kämpfte hier für die Entwicklung des Volksschulwesens. 1876 wurde er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, 1877 des Deutschen Reichstages. Seine Beisetzung erfolgte unter großer allgemeiner Beteiligung auf dem jüdischen Friedhofe in Berlin. Aus der Rede, die Professor V i r c h o w an seinem Grabe hielt, brachten die jüdischen Zeitungen die einleitenden Worte, die noch heute bemerkenswert sind: „Hochgeehrte Trauerversammlung! Wer daran gewöhnt ist, die Geschichte des Menschengeschlechts in großen Zügen zu studieren, der weiß, daß es auch in dem Sterben ein gewisses Gesetz gibt, eine Ordnung, eine zeitliche Absterbeordnung, welcher jedes Alter, jedes Geschlecht, jede Rasse unterworfen und sich bewußt ist, jährlich ihr Kontingent stellen zu müssen zu den Toten. Wenn ich mich hier in dieser Versammlung umblicke, so berührt mich kein Gedanke mehr als die Frage: wie geschieht es, daß kein anderer Kirchhof dieser Stadt in so kurzem Zeitraum so große Trauerversammlungen in sich vereinigt gesehen hat als der Begräbnisplatz der jüdischen Gemeinde? Ist es der Umstand, daß die jüdische Gemeinde eine höhere Absterbeordnung hat als die christliche? Oder ist es der Umstand, daß die Mitglieder dieser Gemeinde in höherem Maße ihre Kräfte erschöpfen, um sie zum Tode zu führen? Wir wissen es, die jüdische Rasse hat von jeher sich ausgezeichnet durch eine große Lebenszähigkeit, welche sie befähigt, so hohe Altersstufen zu erhalten. Es kann also nur die Art der persönlichen Tätigkeit sein, welche eine hervorragende Zahl von Personen dieser Gemeinde in der kurzen Zeit zum Tode geführt hat, und in der Tat ist von den Zeiten von Moses Mendelssohn ab die Stadt Berlin gewohnt, in ihren jüdischen Mitbürgern die treuesten Helfer in allen guten Werken zu sehen, und wenn wir in so kurzer Zeit Lasker, Magnus, Strassmann begraben haben, und wenn wir jetzt unseren besten ■Mann hierherbringen, so ist das ein Zeugnis dafür, in welchem Maße die jüdische Gemeinde ihre Männer in ■den öffentlichen Dienst stellt. Die große Versammlung ist hier, um Ehre und Anerkennung dem Toten zu beweisen, sie ist aber zugleich eine Versammlung zur Ehre und Anerkennung der jüdischen Gemeinde selbst." P. Verein Tiferes Bachurim. Für Sonntag, den 20. September, hatte der Vorstand des Vereines Tiferes Bachurim die Vertreter der Bethäuser Wiens zu einer Versammlung eingeladen, um ihnen Bericht über die mit großem Eriolg am Schabbath Parschath Bamidbar und am Schwuoth durchgeführte Hilfsaktion „Rettet die jüdische Jugend" zu erstatten. Aus dem Bericht geht hervor, daß diese Aktion, die unter dem Protektorat des verewigten Herrn Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang s. A. und der Herren Rabbiner S. Fürst, Großrabbiner Abraham H e s c h e 1 und Rabbiner Josef B a b a d veranstaltet wurde, weitestgehendes Verständnis in allen jüdischen Kreisen Oesterreichs, ohne Unterschied der Partei, gefunden hat. So hat denn auch das überaus zufriedenstellende Ergebnis den Verein in die Lage versetzt, sein ausgebreitetes Hilfswerk zur Förderung des Thorastudiums zu erhalten "ind auszubauen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde beschlossen, nunmehr eine großzügige geistige Propagandaaktion für den Besuch der Thoralehrstätten einzuleiten und dahin zu wirken, daß aus jedem Bethaus Wiens mindestens ein Bachur sich dem Thorastudium in einer Jeschiwah widmet. Jedes Bethaus soll auch verpflichtet sein, mindestens die Kosten iür die Erhaltung eines Bachurs (S 28.— monatlich) aufzubringen. Die Versammlung wurde schließlich mit einem herzlichen Dank an alle Spender und Mitarbeiter geschlossen. Todesfall. Am 20. d. M. starb nach längerem schweren Leiden im 64. Lebensjahre Frau Jetti B aroti, die Mutter des in weitesten Kreisen bekannten und geschätzten Herrn Sandor B a r o t i. Die Heimgegangene, die eine brave jüdische Frau und innigstgeliebte Mutter gewesen ist, wurde am 22. d. M. unter starker Beteiligung zur letzten Ruhe geleitet. Am Grabe sprach Herr Dr. Josei L ö w y namens des Vorstandes des Schönlatern-Tempels, dem Herrn S. Baroti seit vielen Jahren als pflichteifriges Mitglied angehört, herzliche Worte des Abschiedes. Für die „Union österreichischer Juden", die gleichfalls ihrem treuen Mitgliede S. Baroti die innigste Teilnahme zuwendet, war bei dem Leichenbegängnisse der Obmann der Bezirksorganisation I Herr Ignatz K o h n erschienen. Schriftsteller Dr. Z. F. Finkelstein hat die Leitung der österreichischen Expositur der Jewish Telegraphlc Agency in London übernommen. Predigten am Versöhnungsfeste. Am Freitag, den 25. September 1936 (Vorabend des Versöhnungsiestes, Beginn 5 Uhr 40 Minuten abends): IL, Pazmanitengasse 6: Rabbiner Dr. A. Landau. — V., Siebejibrunnengasse 1 a: Rabbiner Dr. M. G. Mehre r. — VIII., Neudeggergasse 12: Rabbiner Dr M Bauer. — X., Humboldtgasse 27: Rabbiner Dr. A. Wein er. — XIII.. Eitelbergergasse 22: Rabbiner Dr. M. L o w i n. — XVIII.. Schopenhauerstraße 39: Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz. — XIX., Dollinergasse 3: Rabbiner Dr. A. Frankf-u r te r. — XX., Kluckygasse 11: Rabbiner Dr. B. Murmelstein. — XXI., Holzmeistergasse 12: Rabbiner Dr. M. Landau. Am Samstag, den 26. September 1936 (Versöhnungstag, Beginn 8 Uhr früh): I.. Seitenstettengasse 4: Oberrabbiner Dr. 1. Taglicht. — I., Dumbagasse 3 (Großer Musikvereinssaal): Rabbiner Dr. A. Kaminka. — I., Fleischmarkt 24 (Festsaal des Hotel „Post"): Inspektor I. Oehler. — IL, Tempelgasse 5: Rabbiner Dr. M. Rosenmann. — II.. Pazmanitengasse 6: Rabbiner Dr. M. Landau. — III.. Untere Viaduktgasse 13: Rabbiner Dr. K. Kupier. — III., Marxergasse 17 (Großer Sophiensaal): Rabbiner-Kandidat Dr. Z., 1, Kanne r. — V., Siebenbrunnengasse 1 a: Rabbiner Dr. M. G. Mehre r. — VI., Schmalzhofgasse 3: Rabbiner Dr. J. Drobinsky. — VIII., Neudeggergasse 12: Rabbiner Dr. M. Bauer. — IX., Müllnergasse 21: Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz. — X., Humboldtgasse 27: Rabbiner Dr. A. W einer. — XV. , Turnergasse 22: Doz. Dr. H. J. Z i m m e 1 s. — XVI. , Hubergasse 8: Rabbiner Dr. J. M. Bach. - XIX., Dollinergasso 3: Rabbiner Dr. A. Frankfurter. — XX., Kluckygasse 11: Rabbiner Dr. B. Murmelstein. Anläßlich des Versöhnungstages findet im Bethause, IV., Paniglgasse 5 (Ecke Karlsplatz), ein feierlicher Festgottesdienst mit Seelenandacht statt. Die Festpredigt hält Rabbiner Aron Jeruchem. Jawn o h" - L e h r a n s t a 11 für Bibel und Talmud, IV., Paniglgasse 5, Einschreibungen täglich zwischen 6 und 7 Uhr abends. Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Konfirmanden-Kurse. Cafe Buchsbaum. IL, KL Pfarrgasse 29. Samstag, den 19. d. fand die Wiedereröffnung des nach Plänen der Architekten Ing. R'indler und Ing. Schleien vollständig neu renovierten Kaffeehauses statt. Prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und ein zahlreiches Publikum waren erschienen. Allgemeine Bewunderung fanden die sowohl technisch als auch künstlerisch vorbildliche Inneneinrichtung, die luftigen Räume und der prachtvolle Saal für Klubs und Vereine. Das vornehme und sehenswerte Kaffeehaus wird jetzt den Mittelpunkt familiärer und gesellschaftlicher Zusammenkünfte bilden. Hilferuf des Hilfsvereines der jüdischen Blinden. Wien IL, Rembrandtsiraße 18, Tel. A 47-2-77. Postsparkasse A 133.213, Deutsche Postsparkasse 108.819. JÜDISCHE MÄNNER UND FRAUEN! Der Hilfsverein der jüdischen Blinden, der auf eine dreißigjährige segensreiche Tätigkeit für die notleidenden jüdischen Blinden zurückblickt, ist infolge der wirtschaftlichen Krise der letzten Jahre und infolge der großen Zahl der seine Unterstützung in Anspruch nehmenden, in Not geratenen Blinden, aller Barmittel entblößt. In Anbetracht dieser traurigen Lage ist es uns leider nicht möglich, den jüdischen Blinden zu den hohen Feiertagen auch nur das Allernotwendigste zu gewähren. Um nicht die Lichtlosen ihrem Elend preiszugeben, sind wir gezwungen, eine Sammelaktion durchzuführen. Wir erlauben uns daher, jeden edlen Leser dieser Zeilen Inständigst zu bitten, uns mit einer Spende gütigst zu berücksichtigen. . Tüchtige Musiklehrer, Klavierstimmer, Sesselflechter, Bürstenbinder sind auch unter unseren Blinden, welche um Arbelt bitten! Schmucftung you Grüften DDd Gräbern LeopoldfleutschJienXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhoi I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhoi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Helfet den jüdischen Studenten 1 Die Mensa academica judaica ohne Geldmittel. Der Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica, der sich zur Aufgabe gemacht hat, den Studenten in der Mensa academica judaica ein Mittagessen — oit die einzige Mahlzeit des Studenten — ohne jedes oder nur um ein sehr geringes, an die tatsächlichen Gestehungskosten nicht heranreichendes Entgelt zu bieten, ist zu Beginn des neuen Schuljahres jeder Geldmittel bar. Um doch die Mensa academica judaica, in der hunderte jüdische Studenten ausgespeist werden, wieder eröffnen zu können, sieht sich der genannte Verein gezwungen, die Aufmerksamkeit der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit auf diese, für die jüdische Studentenschaft lebenswichtige Institution zu lenken und zur raschen und ausgiebigen Hilie auizurufen. Adressen iür Geldsendungen: Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica judaica. IX., Lazarettgasse 6, Postsparkassenkonte Nr. D 30.372. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, L, Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65, sucht dringendst Stellen iür: A) Kontoristen, Buchhalter. Handelshilfsarbeiter, Geschäftsdiener. Packer, Inkassanten. Verkäufer. Aus- Iagenarrangeure, Kellner. Krankenpflegerinnen, Masseure und Bademeister; B) Nachhilfelehrer und -lehrerirmen iür Mittelschuliächer, Musiker für Konzert-. Jazz- und Stimmungskapellen; C) Arbeit iür gewerbliche Kräite aller Art — darunter auch Chemiker, Elektrotechniker (Heizungstechniker), Installateure, Bau- und Maschineningenieure, Chauffeure, — sowie ungelernte Arbeiter; D) Handwerkliche und kaufmännische Lehrstellen iür Knaben und Mädchen. Im selben Verein sind derzeit otiene Stellen für: Kinderfräulein mit und ohne Sprachkenntnisse für In- und Ausland. Erzieherinnen mit Mittelschulnachhilfe und Fremdsprachen, gut eingearbeitete Koniektionsnäherinnen (Werkstätten- und Heimarbeit}. Hauspersonal jeder Art. Diverse Auslandsstellen für deutsche Emigranten. Jüd. Angestellten-Verband „Emunah". II.. Praterstraße 11, gibt bekannt, daß er seine Herbsttätigkeit in vollem Umfang aufgenommen hat. Sprachkurse. Hebräisch für Anfänger und Vorgeschrittene jeden Montag und Mittwoch, 7 bis 9 Uhr. Englisch für Anfanger und Vorgeschrittene jeden Dienstag, 7 bis K9, bzw. 149 bis 10 Uhr. Französisch iür Anfänger jeden Donnerstag. 7 bis 149 Uhr. Italienisch für Anfänger jeden Donnerstag, 'A9 bis 10 Uhr. Ferner linden Kurse statt in Esperanto, Buchhaltung. Stenographie und Maschinschreiben sowie ein Tanz-, Koch- und ein Handarbeitskurs. Geringer Regiebeitrag. Anmeldungen an Wochentagen von 3 bis 7 Uhr ehestens in unserem Sekretariat, Tel. R 40-1-56 U, erbeten. Lesenswert: Hugo Iltis: Der Mythos von Blut und Rasse (Verlag Rudolf H a r a n d - Wien). Der bekannte Brünner Biologe, dem wir die schöne Arbeit über Gregor Mendel, dem Darwin Oesterreichs, verdanken, hält hier eine systematische Abrechnung mit dem Rassenmythos, der unsere Zeit und so viele anständige deutsche Köpfe verseucht hat. Er bringt das verläßliche Tatsachenmaterial der anerkannten Rassenwissenschaft, die erst im Werden ist und weist die Ueberheblichkeiten, Fälschungen, Irrtümer und Verleumdungen der „Rassisten" zurück. Jeder, der Anteil nimmt an den geistigen Kämpfen unserer Zeit, sollte dieses kleine Rassenbüchlein kennen, studieren, auswendig lernen. Es lehrt ihn Wahrheit, Gerechtigkeit und erweitert den Horizont. Es zeigt auch, wie schwankend bisher die meisten Einsichten der Rassentheorie geblieben sind. x. y. FI! ILM Gaal-Film-Premiere im Apollo. Freitag findet im Apollo die Welturaufführung des Franziska Gaal-Films „Fräulein L i 11 i" statt. Die männliche HauptroHe spielt Hans J a r a y. Szöke S z a k a 11 ist der Reisebegleiter Fräulein Lillis. das die Riviera bereist, um mit Hilfe eines kleinen Tricks — sie verbreitet im geeigneten Augenblick das Gerücht, daß sie durch große Spielverluste gezwungen sei. all ihre Juwelen zu verkauien — den Absatz ihres Chefs, eines betriebsamen Juweliers, entsprechend zu heben.

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