Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 39 (16.9.1936)
- Date
- 1936-09-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 39 — 16. September 1936 DIE WAHRHEIT DIE W Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern keit wie eine Dummheit, wenn sie durch ihre beleidigenden Verdächtigungen die französischen GefüWe d.er in Frankreich ansässigen Juden entmutigen. Abgesehen davon, daß jede Familie nach zwei oder drei Generationen dem Boden, auf dem sie sich festgesetzt hat, notwendigerweise verwurzelt und das Blut der Erde ihr eigenes Blut geworden ist, haben, die Juden ganz besondere Gründe, das Volk zu Heben, das im Abendlande die fortgeschrittensten Ideen geistiger und sittlicher Freiheit repräsentiert Sie lieben es umso mehr, als sie seit hundert Jahren dazu beigetragen haben, daß es so wurde, und jene Freiheit zum Teil ihr Werk ist" Bekanntlich haben auch auf deutscher Seite führende Geister analoge Ansichten über die Verwurzelung der deutschen Juden in ihrem Vaterland zum Ausdruck gebracht Während aber Romain Rolland in Frankreich unbestrittene Autorität genießt sind die deutschen Schriftsteller, die den Judenhaß bekämpfen, dazu verurteilt fern von der Heimat ein Emigrantenleben zu führen. Und gerade das, was Romain Rolland zu Gunsten der Jucken ins Treffen führt: daß sie zur Verwurzelung fortschrittlicher Ideen beigetragen haben, Leser wissen, schon öfter die gesetzliche Gleichberechtigung aller Konfessionen betont hat, hat p-r am Freitag auf der paneuropäischen Agrar* konferenz sich zu dem liberalen Prinzip: „Leben und leben lassen" bekannt'und der Gegenwart die Parole gegeben: „Miteinander leben, nicht gegeneinander sterben!" Diese Weisung hat nicht nur ihre hohe außenpolitische Berechtigung, sondern muß auch innerpolitisch unserem Vaterland jene segensreiche Befriedung bringen, die wir Juden an der Schwelle eines neuen Jahres heiß ersehnen. ..Gottes Sonne strahl in Frieden auf ein glücklich Oesterreich!" Alle Schulbücher richtige Auflagen, für antiquarische allerbilligste Preise. Größte Auswahl! Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst. — Zeit'spart, wer kauft im SCHÜLBÜCHERANTIQUABIAT HHRJftANN T UCHNER- Wien IL, Ecke Taborsfraße 52 Telephon R 41-4-20 Neujahrswünsche. Kundgebungen hervorragender Staatsmänner. Es ist schon zur Tradition geworden, daß vor jedem jüdischen Neujahr eine Reibe prominenter Staatsmänner durch die Jüdische Telegraphen-Agentur Kundgebungen an die Adresse der jüdischen Gemeinschaft sendet. Seit der durch Adolf Hitlers Judenverfolgung eingeleiteten neuen tragischen Epoche der Judenheit haben diese Kundgebungen die Bahn des Konventionellen verlassen und haben sich zu Demonstrationen des menschlichen Mitgefühls mit den Verfolgten und zu Huldigungen für die hohen jüdischen geistigen und moralischen Tugenden entwickelt Wir veröffentlichen im folgenden einige dieser Neujahrsbotschaften: Franklin D. Roosevelt, Präsident der Vereinigten Staaten: Eingedenk des bedeutsamen Anteils der jüdischen Bevölkerung Amerikas an der Aufrechterhaltung von Ueberlieferung und Zielen unseres Landes entbiete ich mit besonderer Freude allen Angehörigen des jüdiamLSS Tuch haus Tabak Orig. engl. u. franz. STOFFE im |., Salzgries 5 _ HERBST-NEUHEITEN für Damen und Herren zeltgemäß billig iust das wird von den nationalsozialistischen Führern zur Begründung der Judenverfolgung und Judenentrechtung im Dritten Reiche herangezogen. In diesem Punkte scheiden sich eben die Geister Europas in zwei extreme Lager und das Schicksal des ganzen Abendlandes wird nicht zuletzt davon abhängen, welche der beiden polaren Auffassungen sich schließlich durchsetzen wird. Das soeben abgelaufene Jahr hat in dieser Hinsicht recht unerfreuliche Aspekte eröffnet: Polen, sonst nicht gerade deutschfreundlich, hat im Judenhaß erfolgreich mit dem Dritten Reiche konkurriert. Es gab blutige Pogrome und das Gericht hat die erwischten Judenmörder freigesprochen, dagegen Juden, die sich zur Wehre gesetzt hatten, zu schwären Strafen verurteilt. In Rumänien hat noch knapp vor Jahresschluß der einzige wirklich westlich orientierte Staatsmann Titulescu demissioniert. Es wäre aber verfrüht, diesen beiden Ländern eine endgültige Absage an die französische Auffassung von der Gleichheit der Rechte aller, die ein Menschenantlitz tragen, zuzumuten. Gerade in den letzten Tagen gewinnt die gegenteilige Ansicht Uebargewicht, gestützt auf die symbolisch gewertete Tatsache, daß der frühere Außenminister Polens, Beck, nach Frankreich immer über Deutschland gefahren ist, während der jetzige die tschechoslowakische Route vorzieht „Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewußt", wie Goethe sagt Die Tschechoslowakei ist auch unter dem Präsidenten Benesch das Bollwerk jener humanen Staatsidee geblieben, die für alle Zeiten mit dem unsterblichen Namen des Staatsgründers Masaryk verknüpft ist. Aber auch Ungarn, das sich eine Zeitlang auf andere Wege verlor, findet zur alten Freiheit zurück. Der junge Graf Apponyi hielt jüngst eine flammende Rede gegen den Numerus clausus und ein hoher Beamter des Ackerbauministeriums erklärte, daß in Ungarn weder eine Hakenkreuznoch eine Pfeilkreuzbewegung Raum gewinnen dürfe. Höchst erfreulich ist die eindeutige Stellungnahme des österreichischen Bundeskanzlers. Nachdem Dr. Schuschnigg, wie unsere sehen Glaubens meine herzlichen Grüße zu diesem Rosch Haschana. Ich hoffe zuversichtlich, daß das neue Jahr unseren jüdischen Mitbürgern hohes Gedeihen und Glück bringen wird. Vlscount Cecil of Chelwood, Präsident der Völkerbundligen: Es ist mir eine große Freude, dem jüdischen Volke eine Botschaft zum Jahreswechsel zu senden. Durch eine lange tragische Vergangenheit hindurch hat es seinen jüdischen Geist mit Glauben und Mut bewahrt. Glaube und Mut sind die Eigenschaften, die heute alle für Frieden und Gerechtigkeit in der ganzen Welt arbeitenden Nationen am meisten brauchen. Ich vertraue darauf, daß die Judenheit weiterhin diese großen Eigenschaften bewähren wird. Harold L. Ickes, amerikanischer Innenminister: In dem jetzt zu Ende gehenden Jahr 5696 haben die Juden Amerikas und ihre Glaubensgenossen in der ganzen Welt viele aufwühlende Ereignisse erlebt. Meinen Mitbürgern jüdischen Glaubens entbiete ich Grüße und spreche die Hoffnung aus, daß das jetzt beginnende Jahr 5697 ein Jahr fortdauernder 'Freundschaft und Zusammenarbeit sein und daß guter Wille und weitere gemeinsame, erfolgreiche Leistung auch die kommenden Jahre kennzeichnen mögen, die in unser Land einziehen werden. Herbert H. Lehman, Gouverneur des Staates New York, bekanntlich Jude: Dankbaren Herzens können die amerikanischen Juden sich in dieser Zeit zu einer Danksagung vereinigen, da sie in Liebe und Stolz für ihr Land mit hohem Vertrauen einem Jahr erhöhten Gedeihens für Amerika und von Sicherheit für alle, die hier leben, entgegensehen können. Unseren Brüdern in vielen anderen .Ländern hat das letzte Jahr Druck, drohende Gefahr und unverdiente Not gebracht. Ihre unglückliche Lage verstärkt für uns die Feierlichkeit dieser heiligen Tage. Zu Neujahr halten wir Juden Rückblick auf alles, was sich während des Jahres ereignet hat, und wie wir um ein Jahr des Friedens und Gedeihens für uns und unser Land .beten, so bitten wir auch um Kraft, unsere Unzulänglichkeiten zu überwinden und unsere Pflicht gegenüber Gott und Menschen erfüllen zu können. Jahrtausendelang war das Ertönen des Widderhorns ein Posaunenruf zum Dienst; auch wir wollen auf diesen Ruf antworten. Gemeinsam mit unseren Mitbürgern werden wir für den Fortschritt dieses Landes arbeiten, gemeinsam mit unseren Mitjuden zur Hilfe für die Notleidenden und zu unserer Verteidigung gegen ungerechte Angriffe. So finster die Wolken in manchen Teilen der Welt sein mögen, das Licht der Wahrheit muß sie mit der Zeit zerstreuen. Papst und Hitler ge&en den Bolschewismus. In Castelgandolfo, seiner Sommeresidenz, hat der Papst am Montag die aus Spanien geflüchteten Geistlichen empfangen und diese Gelegenheit zu einer großen Rede gegen die bolschewistische Weltgefahr benützt. Der Papst hat mit der Ergriffenheit und der Festigkeit des Glaubens gesprochen,, und die abendländische Menschheit ohne Unterschied der Religion hat ebenso erschüttert seine Worte aufgenommen, wie sie ausgesprochen wurden. Fast zur gleichen Stunde wurde in Nürnberg eine andere Rede in einem anderen Tone, aber gegen die gleiche Sache gehalten. Hitler sprach nicht als der oberste Hirte' eines übernationalen geistigen Bekenntnisses, sondern als Politiker und als Führer seiner Nation gegen den Bolschewismus. Beide Reden hatten also das gleiche Objekt. Dennoch unterscheiden sie sich grundsätzlich. Der Papst als Hüter des Glaubens an die Gleichheit des Menschengeschlechts vor Gott kämpft gegen eine destruktive Theorie, gegen den Unglauben, der sich im Bolschewismus verkörpert, Hitler kämpft zugleich gegen Menschengruppen. Die katholische Kirche, wie alle Glaubensbekenntnisse, kennt nicht den Unterschied der Rassen, Hitler identifiziert Bolschewismus und Judentum. Einen Tag vorher hat sein Propagandachef Goebbels von der gleichen Tribüne dreimal zu den Massen hinausgerufen: „Die Juden sind schuld!" Die gleiche Doktrin, nach der Judentum und Boschewismus gleich sind und für alle Schändlichkeiten der kommunistischen Bewegung einzig die Juden' alle Verantwortung tragen. Man muß die Verstocktheit, mit der der deutsche Nationalsozialismus sich an diese Theorie klammert, auch diesmal mit Empörung feststellen. Das kann jedoch nicht verhindern, daß die Juden überall in der Welt ebenso entschieden wie die übrigen Glaubensgemeinschaften sich gegen die kommunistische Gefahr stemmen, die mit ihrer brutalen Gottlosenbewegung gegen ihre Religion ebenso rücksichtslos zu Felde zieht, wie gegen jedermann, der auf der Grundlage des positiven Glaubens steht. GROSSFLEISCHHAUEREI tIEGM. KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE HR. 19 FILIALEi XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. 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