Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1936-09-11 · Heft 38 (11.9.1936) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 38 (11.9.1936)
Date
1936-09-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064606-3064643--20822-3086109
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DIE WAHRHEIT Nr^38t —jl I. September 1936. Seite 7 GROSSFLEISCHHAUEREi' «EGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRMGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungetifarKoscherfleisch unter Aufsicht das ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien* Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen (ßestrafuniz von Antisemiten. (folem. Das Kreisgericht in Czenstochau "hat den bekannten nationaldemokratischen Agitator Valentin M1 i n i a r c z i k, der im Jänner zu •den judenfeindlichen Ausschreitungen in Trusko- 1 a s aufgehetzt harte, zu dreißig Monaten Gefängnis verurteilt. Mliniarczik und andere Agitatoren hatten das Gerücht verbreitet, die Juden hätten heilige Geräte aus der Kirche geraubt. Die aufgehetzten Bauern zerstörten daraufhin die Marktstände der jüdischen Händler, mißhandelten diese, plünderten die Warenvorräte und schlugen in den jüdischen Häusern die Fenster ein. ingfand. Das Mitglied des britischen Faschistenbundes John Penfold wurde wegen aufreizender judenfeindlicher Reden, die er vor einer Versammlung von etwa 250 Menschen unter freiem Himmel gehalten hat, von dem Londoner Polizeirichter F. 0. Langley zu 40 Shilling Geldstrafe oder sieben Tagen Gefängnis verurteilt. Außerdem sollte er einen Betrag von 50 Pfund als Sicherstellung für anständiges Betragen während der nächsten zwölf Monate erlegen oder mit weiteren zwei Monaten Gefängnis bestraft werden. Penfold erklärte, er ziehe die Gefängnisstrafe vor. Als sich der Angeklagte gegenüber den Aussagen des Polizeibeamten, der die Ansprache mit angehört hatte, auf die Redefreiheit berief, belehrte ihn der Richter, daß Freiheit und Zulä'ssigkeit verschiedene Dinge seien. Tsctkeefkoslonnafcei. Fünf Demonstranten, die Ende April in Bratislava antisemitische Kundgebungen gegen den Golem-Film veranstaltet hatten, hatten sich vor dem Einzelrichter Doktor Markovics zu verantworten. Drei der Demonstranten wurden freigesprochen, einer erhielt eine Woche Gefängnis und Kc 20.— Geldstrafe bedingt, während der letzte, der gestanden hatte, den Privatangestellten Frey verprügelt zu haben, zu drei Wochen Gefängnis und Kc 50.— Geldstrafe, ebenfalls bedingt, verurteilt wurde. Das auffallend milde Urteil ist rechtskräftig. Die Klage der Staatsanwaltschaft lautete in vier Fällen auf schwere Körperverletzung. Das italienische Regime in Äbessinien und die Falaschas. In der italienischen Presse erschien dieser Tage folgendes amtliches Communique über die abeasinischen Juden, die Falaschas, die in der Gegend des Tana-Sees beheimatet 'sind: „Die Häuptlinge der Falaschas jüdischer Religion haben der neuen italienischen Regierung ihre Ergebenheit zum Ausdruck gebracht und dem Gouverneur Pirzio Birolo einen schriftlichen Treuschwur geleistet. Der Gouverneur seinerseits hat erklärt, daß die italienische Regierung den jüdischen Falaschas nicht nur die gleiche Kulturfreiheit und den gleichen Respekt einräume, wie sie den anderen Religionen in Italienisch-Ostafrika eingeräumt werden, sondern daß sie mit Interesse, die Entwicklung dieser friedfertigen und arbeitssamen Minorität verfolgt, die auf dem Territorium der Amhara ansäßig ist. Die Häuptlinge der Falaschas wurden dem italienischen Gouverneur durch eine der einflußreichsten Persönlichkeit der Gegend, den Grasmatsch Telia, vorgestellt. Die Bezirksregierung von Gondar hat an arme Juden der dortigen Gegend Lebensmittel und andere Unterstützungen austeilen lassen." Wie wir kürzlich meldeten, befindet sich zur Zeit ein Delegierter des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens in Äbessinien, um dort die nötigen Vorbereitungen zur Gründung eigener jüdischer Gemeinden in Addis Abeba und Dire-Daua zu treffen. Dieser Delegierte, der Advokat V i t e r b o, ist bereits in Addis Abeba eingetroffen und hat die Arbeiten dort aufgenommen. Er begibt sich dann zu den Falaschas nach Gondar. Semeindeitnonitk. Gabriel Dukes gestorben. Die Floridsdorfer Judenschaft hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Gabriel Dukes ist nach schwerem Leiden am 8. d. im 85. Lebensjahre verschieden. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der sich bleibende Verdienste um das jüdische Gemeinleben in Floridsdorf erworben hat. Von der Gründung der ehemaligen selbständigen Kultusgemeinde Floridsdorf an war er ihr treuer Mitarbeiter. Vom Jahre 1908 bis zum Jahre 1932 fungierte er als Obmann der Bezirkskommission, nachdem er Jahre hindurch die Stelle eines Obmannstellvertreters bekleidet hatte. Durch eine lange Reihe von Jahren stand er an der Spitze des Bethausvorstandes und der Chewra Kadischa, deren Geschäfte als Obmann er bis zu seinem Tode in mustergültiger Weise führte. Bis in sein Pension und Restaurant TAUBER. Abbazia Erstklassige orth. koschere Küche, Zimmer mit jedem Komfort, volle Pension von 25 Lire aufw. hohes Alter hinein hat er sich seine Arbeitsfreude und Arbeitslust bewahrt, mit voller Hingabe hat er sich seinen Aufgaben gewidmet, ein leuchtendes Beispiel treuester Pflichterfüllung. Selbst sein hohes Alter konnte ihn nicht zur Ruhe zwingen, er mußte im Dienste seines Judentums arbeiten, bis seine Kraft erlahmte. Die „Union österreichischer J ud e n'\ der er mit ganzer Seele anhing, verliert in ihm ihr ältestes Mitglied. Wie sehr seine Tätigkeit im Sinne des Judentums von dieser Organisation Der Erfolg der jüdischen Handelsschule in Wien. Wie vorauszusehen war. hat die von uns an dieser Stelle besprochene Gründung einer jüdischen Handelsschule in Wien das wohlwollende Interesse weitester Kreise des Publikums aui sich gelenkt Maßgebende Stellen — und was noch wichtiger ist, Eltern aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung ohne Unterschied ihrer sonstigen Einstellung zollten dem Projekt Zustimmung und Anerkennung. Täglich fanden sich Väter und Mütter zur Einschreibung ihrer Buben und Mädels in der Kanzlei ein — und was noch vor wenigen Wochen Projekt war, ist dank der Energie und Opferfreude des administrativen Leiters der Anstalt Herrn M. Rabinowicz bereits Realität geworden. Realität geworden in einem Ausmaß, an das der Gründer vielleicht selbst nicht gedacht hat. Die Schulte wird am 22. d. M. nicht nur mit einer I. Klasse, sondern mit mehreren Parallelklassen für Knaben und Mädchen, einem einjährigen Fachkurs, einem halbjährigen Handelskurs an den Abendstunden und den folgenden 3 monatlichen Abendkursen für Englisch. Französisch. Hebräisch (Stenographie und Maschinschreiben) eröffnet werden. Die Sorge nach der rituellen Unterbringung ihrer Kinder, die manche Eltern in der Provinz, resp. in trad;tionstreuen Nachbarländer (Slowakei. Ungarn. Jugoslawien) hegten, und die sie in zwangloser Aussprache mit dem Anstaltsleiter erörterten, wurde durch d:e Angliederung eines streng orthodoren Internats behoben. Der Hebräisch-Urrterricht wird durch eine allgemein bekannte hervorragende Kraft, Herrn Prof. David Zwi Weinstein erteilt Großzügig erwies sich die Leitung auch im Enteegenkommen bzgl. des Schulgeldes an minderbemittelte Eltern, ein Entgegenkommen, das budgetär stark ins Gewicht fiel, da leider die Mehrheit der in Betracht kommenden Kreise als minderbemittelt angesehen werden muß. Gegenwärtig finden in den Lehrsälen noch einige bauliche Veränderungen statt und zum angegebenen Termin wird die neue Lehranstalt ihr 1. Schuljahr beginnen. Aus diesem Anlaß findet am 12. Oktober 1936 um 8 Uhr abends im Großen Saal des Hotel Bayrischer Hof d5e festfSche Eröffnungsfeier statt, an welcher die prominenten Persönlichkeiten der Wiener Judenschaft teilnehmen und auch das Wort ergTeifen werden. SdraMfiia* ¥«■ Gnum und tir&bcra LßopoldDeutschÄXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen geschätzt wurde, bewies das anläßlich der Feiet seines 80 Geburtstages von der „Union" zu seinen Ehren veranstaltete Bankett. Nun ist Gabriel Dukes von uns gegangen. Ein arbeitsreiches Leben ist zu Ende. Wir werden ihm ein bleibendes Andenken bewahren. Rabbiner Dr. Zwi Taubes, der sechs Jahre lang am Pazmaniten- Tempel als allseits geschätzter Rabbiner wirkte, verließ dieser Tage Wien, um sein neues Amt als Oberrabbiner von Zürich anzutreten, wohin er durch einen mit überwiegender Mehrheit gefaßten Beschluß des Vorstandes und der Mitglieder der Züricher Kultusgemeinde berufen wurde. Unsere besten Wünsche begleiten Dr. Zwi Taubes in seine neue Wirkungsstätte. Todesfall. Dienstag vormittags fand das Leichenbegängnis des bekannten Hoteliers und Cafetiers, des Herrn Kommerzialratos Julius Herzog statt Im Trauerhause hatten sich nebst der einzigen Tochter und ihrem Gatten, Herrn Arthur H e r z I, denen sich die allgemeine Teilnahme zuwendet, alle Familienmitglieder, zahlreiche Freunde und die Vorstände von Wohlfahrtsvereinen eingefunden. Mit dem Obmann Herrn Oskar S c h r am e k an der Spitze waren fast sämtliche Vorsteher des Leopoldstädter Tempelvereines „Aeschel Awrohom", II., Pazmanitengasse, erschienen. Die Trauergebete in der Wohnung verrichtete Herr Oberkantor M a t y a s. Sodann wurde der Sarg gehoben und auf der Rctenturmstraße, in welcher viele Leute, auch die Inhaber und das Personal des Hotels und Cafe Excelsior Aufstellung genommen hatten, in den Leichenwagen gelntolge eines Druckfehlers wurde in einem Teil der Ausgabe unserer letzten Nummer die Telephonnuramer, unter der Anmeldungen für die moderne Privatvolksschule in Mariahili vorgenommen werden können, iaisch angegeben. Die Nummer lautet B 39-1-34 L. $' ic ersparen fiel Zelt und flcld, wenn Sie zu Rotch-Hafchonoh statt spezieller Gratulationen allen Ihren Verwandten Freunden, Bekannten, Kunden und Gästen in der Neujahrs-Festnummer der „WAHMHEIT" viel Glück sagen. Nur bis Montag, d«w14. Saptimbtr können Aufträge berücksichtigt werden. Um allen jenen, die durch „Die Wahrheit*4 grata- Heren, die Gewißheit zu geben, daß ihre Gratulation auch alle jene Familien oder Personen erreicht, denen sie zu gratulieren beabsichtigen, werden wir an alle Adressen, die uns mit der Gratnlationsbestellung aufgegeben werden, Je ein Exemplar der Festnummer kostenfrei zusenden. -Ausschneiden!------— Bestellsclielni An die Administration „DIE WAHRHEIT", Wien IL, Heinestraße 13 Ich bestelle hiermit einen Rosch-Haschonoh-Gtückwunsch *) Einfaches Feld zum Preise von S 6'— •) Doppelfeld zum Preise von S lr— welchen Betrag ich Ihnen gleichzeitig übersende •) Nichtzutreffende» bitte streichen. Textangabe:............................................................... Unterschrift:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.