Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 35 (21.8.1936)
- Date
- 1936-08-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 35 — 21. August 1936 Seite 5 Moderne Hciuataofksschute [9m%lMbe^)"H^b- und Vollmternat. <to -IL •«« IL -___ für Mittel-, Haupt- und Volksschüler llaCntnUtagSfieUtt (Nachhilfe, Sprachen. Sport, Musik.) Anmeldunsen: Dr. IRENE WURMFELD, Wien VII., Zieiclereasse 63, Telephon B 39-1-24 L Wahrer Olympia-Geist. Die ungarische Wasserballmannschaft, die in Berlin den olympischen Sieg errungen hatte, veranstaltete auf dem Budapester jüdischen Friedhof eine feierliche Dankeskundgebung für den verstorbenen Vorkämpfer des ungarischen Wasserballsportes, den berühmten Schiedsrichter und Trainer Bela Komjadi. Unter Führung des Sohnes des Reichsverwesers Horthy, der selbst ein bekannter Sportsmann ist, zog die Wasserballmannschaft in ihrer olympischen Kleidung unmittelbar nach ihrer Ankunft auf den Friedhof und pflanzte am Grabe Komjadis das Eichenbäumchen ein, das die Mannschaft in Berlin als symbolischen Siegespreis erhalten hatte. Die Olympia-Sieger wollten durch ihre Tat den Schöpfer des ungarischen Wasserballsportes ehren und zum Ausdruck bringen, daß sie den olympischen Preis dem Juden Bela Komjadi verdanken, der in unermüdlicher, jahrelanger Arbeit den Wasserballspart Ungarns zu seiner heutigen Qroßmachtstellung verholfen hatte. Rechtsschufzarbeit der „Union". In der Morgenausgabe der „Neuen Freien Presse" vom 2. Juli d. J. war ein Inserat enthalten, wonach die Gemeindearztstelle in Mönichkirchen zur sofortigen Besetzung an einen Arier vergeben wird. Die „Union österreichischer Jude n", welche statutenmäßig zur Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte der österreichischen Juden berufen ist, brachte diese der Verfassung widersprechende Ausschreibung dem Präsidium der Landeshauptmannschaft Niederösterreich zur Kenntnis, wobei besonders darauf hingewiesen wurde, daß Mönichkirchen ein vielbesuchter Fremdenverkehrsort ist und auch eine große Zahl von Juden zu seinen ständigen Besuchern zählt. Vom Präsidium der Landeshauptmannschatt Niederösterreich erhielt hierauf die Union österreichischer Juden in Wien folgenden Bescheid: Auf die dortige Zuschrift vom 6. d. M. beehrt sich die Landeshauptmannschaft Niederösterreich mitzuteilen, daß die Gemeindearztensstelte in Mönichkirchen in Nr. 10/1936 der Amtlichen Nachrichten der Landeshauptmannschaft Niederösterreich vorschriftsgemäß ausgeschrieben worden ist. Mangels einer Bewerbung auf diese Ausschreibung hat das Gemeindeamt Mönichkirchen aus eigener Veranlassung auf diese Stelle durch eine Einschaltung in der Tageszeitung „Neue Freie Presse" aufmerksam gemacht, welche Einsohaltung jedoch mangels rechtlicher Grundlage keine Ausschreibung im Sinne des Gesetzes darstellen kann. Aber auch als bloße amtliche Einschaltung erscheint dieselbe mit Rücksicht au! die gewählte Textierung verfassungsmäßig nicht gedeckt. Hierüber wird der Bürgermeister in Mönichkirchen unter einem entsprechend in Kenntnis gesetzt Tragik der jüdischen Arbeitslosigkeit. Zu dem Artikel, den Dr. Schmerler unter obigem Titel' in Nr. 32 der „Wahrheit" veröffentlichte, ist sehr viel zu sagen. Oft schon gesagt, ist und bleibt es leider unbestreitbar richtig, daß wir Juden unter der schlechten Wirtschaftslage ganz bebesonders zu leiden haben. Wenn er aber meint, daß von einer Umschichtung, das heißt von einer rationellen Ueberführung jüdischer Schichten in werktätige Berufe nicht die Rede sein könne, so muß man da doch allerhand Einwendungen machen. Der erste Einwand muß seinem Zwischensatz „unter Bedachtnahme auf die Interessen der nichtjüdischen Bevölkerung" gelten. Ebensowenig, wie es Berufe gibt, auf welche die Juden ausschließlich Anspruch erheben können, ebensowenig gibt es Berufe, von denen sie sich „unter Bedachtnahme auf die Interessen der nichtjüdischen Bevölkerung" fernzuhalten hätten, mit anderen Worten Berufe, die sie nicht ergreifen dürften, weil sie hier in Wettbewerb mit Nichtjuden treten müßten. Soweit darf man sich nicht die schlechtesten Argumente seiner Feinde zu eigen machen. Anders ist es. wenn man die Frage so stellt, ob es Sinn hat arbeitslos gewordene Juden in Berufe zu überführen, in denen es bisher aus irgendwelchen Gründen keine oder wenig Juden gab, die aber ohnehin schon große Arbeitslosigkeit aufweisen. Es ist leicht einzusehen, daß das wenig Sinn hat Im großen genommen ist der jüdischen Arbeitslosigkeit leider durch keinerlei besondere Maßnahmen abzuhelfen, sondern nur durch Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage. Das ist aber kein Grund, nicht doch zu versuchen, den einzelnen zu helfen. Dabei sollte es aber doch vermieden werden, es sozusagen naturgegeben hinzustellen, daß kein nichtjüdischer Unternehmer Juden beschäftigt, und daraus iür den jüdischen Unternehmer die Folgeruns zu ziehen, daß er am besten nur Juden einstellen sollte. Er tut es ohnehin nicht; wie Dr. Schmerler sehr richtig schreibt ist der jüdische Unternehmer gar nicht so sehr geneigt Juden anzustellen. Das ist eine Schande und eine Feigheit der gegenüber alle vernünftigen Gründe versagen; es gibt gewiß ungeeignete Juden, man kann aber auch für jede Arbeit einen geeigneten finden. Einstellung von geeigneten jüdischen Kräften muß man von jedem jüdischen Unternehmer verlangen, aber die Forderung, mehr als eine Forderung wird es ohnehin nicht, Juden um jeden Preis anzustellen, würde die Ablehnung der Juden durch nichtjüdische Arbeitgeber rechtfertigen. Wenn es richtig angefaßt wird, lassen sich aber immer noch geeignete jüdische Arbeitskräfte auch bei Nichtjuden unterbringen, wobei nicht geleugnet werden soll, daß es besser bestellt sein würde, wenn diesen Problemen ein paar Jahre früher die Aufmerksamkeit zugewendet worden wäre, die sie verdienen. Hier möchte ich eine Zwischenbemerkung einschalten. Es ist den jüdischen Arbeitsuchenden nicht damit gedient, wenn ihre verzweifelte Lage gar so kraß herausgestrichen wird. Es ist daher sicherlich ein Ausnahmefall, wenn ein Großkaufmann Posten als Hausdiener sucht, solche Dinge als typisch hinzustellen, das st eher geeignet, den Arbeitgebern eine übertriebene Vorstellung von dem Wert eines Dienerpostens zu geben, als Dienern Anstellung zu verschaffen. Will man mehr leisten als eine möglichst gut funktionierende Arbeitsvermittlung für möglichst viele Arbeitssuchende, dann muß man von der gegenwärtiger» Wirtschaftslage Pension und Restaurant TAUBER, Aiibazia Erstklassige orth. koschere Küche. Zimmer mit jedem Komfort, volle Pension von 25 Lire auiw. absehen und sich vorzustellen versuchen, welche Aussichten die Zukunft bieten wird. Ohne damit ins Prophezeien zu geraten, kann man mit Sicherheit sagen, daß sie nicht der Vergangenheit gleichsehen wird, wenn noch so viele Menschen sehnsüchtig in diese zurückstarren. Die Bevölkerung der europäischen Länder wird voraussichtlich viel weniger bodensässig sein. Berufe, deren Ausübung eine hochentwickelte Zivilisation voraussetzen, werden weniger Betätigungsmöglichkeit bieten. Und von diesem Standpunkt aus ist die rationelle Ueberführung breiter jüdischer Schichte n i n we rktätige Berufe als richtig anzusehen. Sehr interessant ist, was Dr. Schmerler sicher zutreffend sagt daß die heutige jüdische Jugend wenig Interesse für kaufmännische Berufe hat. Wäre die Neigung der Juden zum Handel natürlich blutmäßig gegeben, so könnte sie nicht so auf einmal nachlassen und abgelöst werden von der Neigung zu Berufen, die man bisher für „unjüdisch" hielt. Mit Lehrstellen sieht es freilich schlecht aus, obwohl auch da bei geschickter Arbeit und persönlichem Kontakt manches gebessert werden könnte. Sehr wichtig ist die Erzielung einer körperlichen Eignung, einer allgemeinen Handfertigkeit. Nicht überall in der Welt wird der Mann gefragt, was er gelernt hat, vielerorts fragt man lieber, was er kann, und derjenige hat die besten Lebensaussichten, der sich am schnellsten in eine Arbeit finden kann. Psychotechnische Beratung kann verhüten, daß ein Farbenblinder Maler wird, wie solches vorkommt: zur Verhütung solcher und ähnlicher Mißgriffe ist sie wertvoll. Letzthin ist aber bei den heutigen unsicheren Lebensverhältnissen eine zu feine und einseitig auf die persönlichen Anlagen abgestellte Ausbildung von Uebel. Der junge Mensch muß darauf eingestellt werden, sich durchzuschlagen. Wir haben es in Palästina so häufig ge- Schmacftang?on tirflffen und Gräbern LßopoldDeutschJienXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhoi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Die Bedeutung der Jüdischen Handelsschule für die Judenschaft und jüdische Juxend. Ungemein schwer ist der gegenwärtige Kampf des Judentums, einerseits angesichts der furchtbaren wirtschaftlichen Schwierigkeiten, anderseits hat es sich gegen die schreckliche Judenhetze und Verfolgungen zu verteidigen, Der junge Jude muß daher noch besser gerüstet ins Leben treten als sein nichtjüdischer Konkurrent Der Jude steht daher vor einem Dilemma, wenn er entscheiden soll, in welche Schule er sein Kind am besten sendet. Von ganz besonderer Wichtigkeit sind in dieser Hinsicht die Fachschulen, vor allem die Handelsschulen, da der kommerzielle Beruf für die Judenheit nach wie vor von großer Bedeutung ist Infolgedessen ist eine jüdische Handelsschule, Wien IL, Taborstraße 39, Tel. A-45-6-57 gegründet worden. Die neugegründete jüdische Handeisschule für Knaben und Mädchen arbeitet nach dem gleichen Lehrplan wie alle anderen zweiklassigen Handelsschulen, wurde aber mit schulbehördlicher Genehmigung der spezifisch jüdischen Struktur der Schule angepaßt. Am Sabbath und jüdischen Feiertagen findet kein Unterricht statt. Die Leiter der Schule sowie die Lehrkräfte sind ausnahmslos Juden und kommt ihnen eine erstrangige theoretische wie praktische Qualifikation zu. f)ie jüdischen Eltern, die ihre Kinder der neuen Anstalt anvertrauen, nützen dadurch nicht nur diesen selbst in geistiger und materieller Hinsicht sondern auch dem gesamten Judentum, indem sie mithelfen, einen jüdischen Nachwuchs zu schaffea Es werden auch Sonderkurse aller Art für Knaben und Mädchen. Herren und Damen abgehalten werden. Zu bemerken wäre noch, daß die Direktion der Lehranstalt nach Absolvierung der Schule für baldige Anstellung sorgt sehen, daß Ankömmlinge mit bester Fachausbildung zunächst gezwungen waren, in der Schwarzarbeit (Bodenarbeit), der ungelernten schweren körperlichen Arbeit durchzuhalten und Geschicklichkeit zu erweisen. Intensivste Mühe, um jüdische Existenzen zu halten und neue zu finden — ohne unnötige, selbstgezimmerte Schranken, das ist die wichtigste soziale Arbeit gegenwärtig, und daneben, für die Zukunft, die bestmögliche körperliche und berufliche Ausbildung der jüdischen Jugend!! B ... a F... r Gemeindednonitz. 60. Geburtstag. Am 15. August feierte der Seniorchef der angesehenen und bekannten Kohlen- und Oel- Engros-Firma Ad. Schräme k. Wien II., Herr Richard Schrämek, seinen 60. Geburtstag. Herr Richard Schramck, gerichtlich beeideter Sachverständiger und Schätzmeister, erfreut sich in Branehekreisen und in seinem Privatleben ganz besonderer Wertschätzung und Hochachtung. Aus diesem Anlasse wurde der Jubilar vielfach geehrt und Gegenstand zahlreicher Aufmerksamkeit Ganz besonders festlich hat die Beamtenschaft der Firma diesen Jubeltag ihres allverehrten Chefs, denen er jederzeit ein treuer Helfer und aufrichtiger Freund ist, begangen. In dem mit Blumen reich geschmückten Büro versammelte sich am Vormittag das gesamte Personal, an der Spitze eine Tochter und ein Sohn des Jubilars, die ihm als fleißige Mitarbeiter zur Seite stehen, und überreichten ihrem Seniorchef eine Bronzeplakette sowie eine künstlerisch ausgefertigte Glückwunschadresse. Hierauf erfolgte ein gemütliches Beisammensein, das erst in den späten Mittagsstunden sein Ende fand. — Herr Konunerzialrat Richard Schwarz, Inhaber der Firma Richard Schwarz, feierte dieser Tage seinen 60. Geburtstag. Kommerzialrat Schwarz genießt wegen seiner Liebenswürdigkeit und seiner streng rechtlichen und fairen Denkungsart größte Wertschätzung. Die Wiener Herrenhutmode hat Kommerzialrat Schwarz viel zu verdanken. Anläßlich des sechzigsten Geburtstages war er Gegenstand tnannigiacher Ehrungen. Bad Luhacovice, das mährische Paradies, hatte auch heuer wieder eine ausgezeichnete Hauptsaison, die übrigens erst am 15. Oktober zu Ende geht Das weltbekannte Heilbad, das bei sämtlichen Katarrhen, Asthma, Frauenleiden, Gallensteinen, Herz- und Frauenleiden, Zuckerkrankheit, Ischia, Rheuma besten Kureriolg aufzuweisen vermag, hat seine starke Anziehungskraft auf das 'internationale Publikum auch diesmal ausgeübt und viele tausende Fremde besuchten das prachtvoll schöne, am Fuß der mährischen Karpathen, umgeben von herrlichen Wäldern, gelegene Bad. Erstklassige Hotels garantieren eine tadellose Unterkunft der Erholungsuchenden, für Unterhaltungen aller Art ist reichlich gesorgt Für die jüdischen Besucher des Weltbades bietet sich die Möglichkeit rituell zu essen; vier koschere Gasthäuser finden sich da, alle ausgezeichnet geführt. Kein Wunder, daß der Weltkurort Luhacovice sich gerade besonderer Sympathien des jüdischen Publikums erfreut Ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges war die am vergangenen Donnerstag vorgenommene Eröffnung des neuen Cafe Freiwirth in der Praterstraße Nr. 11. Massen von Besuchern bewunderten das vom Grund auf renovierte schöne Lokal und gaben ihrem Lobe über die Pracht des nach den Plänen der Architekten Czuczka und Hackel neugeschaffenen Etablissements beredten Ausdruck. Alles gratulierte herzlichst dem allseits so beliebten Cafetier Rudolr Freiwirth, dem seine vielen Freunde und Bekannten gewiß auch an seiner neuen schönen Wirkungsstätte treue Gefolgschaft leisten werden. Schüler(in) als Pensionär — bei Direktorswitwe mit kultiviertem Haushalt, event. Nachhilfe inkl. Obermi$elschule, Klavier gesucht. Frau Grün, IL, Czerningasse ffr. 31$