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Die Wahrheit · 1936-08-21 · Heft 35 (21.8.1936) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 35 (21.8.1936)
Date
1936-08-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 30 Grosdien UU ens chrifT Tie Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag a»iiiniininiMP .....um......i........iiuiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiim Redaktion und Administration: Wien Ii., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 52. Jahrgang Wien, 21. August 1936 Nummer 35 Das Fazit des „Weltkongresses". RasiereDidigDfond&Ulia Das als „Jüdischer Weltkongreß" aufgezogene Rendezvous jüdischnationaler G'schaftlhuber ist nach einwöchiger Dauer abgeschlossen worden und hat im Verlauf und im Resultat genau das ergeben, was man infolge seiner Zusammensetzung erwarten durfte. Diese Zusammensetzung hat auch von der Kongreßtribüne herab sehr beachtenswerte Kritisierungen gefunden. Schon die Begrüßungsrede des Vertreters des Schweizer Israelitischen Gemeindebundes Saly Mayer hat bei aller gebotenen Höflichkeit, mit der er sich der ,amgesuchten" Pflicht und Ehre eines Gastgebers zu entledigen verstand, auf die Außerachtlassung der demokratischen Formen bei der Bestellung des Kongresses angespielt, den Anwesenden den Geist der Demokratie, der in der Schweiz zu Hause ist, empfohlen und dann den Nichterschienenen seine Reverenz erwiesen: „Man kann es den bedeutenden Teilen des Judentums und den Organisationen, welche sich durch große Leistungen längst ausgewiesen haben, nicht verargen, daß sie andere Wege für richtiger erachten, in anderer Form den gleichen Zielen zustreben, und muß anerkennen, daß sie nach ihrer Art auf verschiedenen Gebieten mit Erfolg tätig gewesen sind. Die beiden Richtungen schulden sich unseres Erachtens zum mindesten gegenseitigen vollen Respekt, und es darf keine von der andern gering denken. Wie in der schweizerischen Demokratie trotz aller Verschiedenheit der Landesteile und der Bevölkerung, der Sprachen und Gewohnheiten, der religiösen und politischen Bekenntnisse ein gemeinsames Denken dennoch möglich ist, so sollte auch innerhalb des Judentums die Erreichung dieses Zieles nicht dauernd ausgeschlossen sein. Der Kongreß soll in keinem Lande etwas unternehmen ohne Fühlungnahme mit den dort vorhandenen jüdischen Organisationen und darf sich nicht vordrängen in den Ländern, in welchen es den Juden möglich ist, ihre Interessen als Staatsbürger selbst zu vertreten. Es kann auch nicht Aufgabe des Kongresses sein, in die Frage der Assimilation einzugreifen oder in der Diaspora nur einen vorübergehenden Zustand zu erblicken, welche doch für zahlreiche Juden eine unumstößliche Tatsache ist, weil sie sich mit dem Lande, in welchem sie leben, unzertrennlich verbunden fühlen und es als selbstverständlich betrachten, daß sie als Gegenleistung für die ihnen eingeräumten bürgerlichen Rechte auch alle Bürgerpflichten voll zu erfüllen haben. Es sind hier Vertreter anwesend, die nicht in der Lage sind, im Namen der Gesamtheit der Juden des Landes zu sprechen, aus dem sie erschienen sind. Der Kongreß darf sich über diese Tatsache nicht hinwegsetzen. Er darf nicht anklagen oder sich über andere erheben, sondern hat die Anschauungen der andern zu prüfen und muß ihnen Rechnung tragen." Wer die Unduldsamkeit der Jüdischnationalen gegen die anders eingestellten Glaubensgenossen kennt, kann sich vorstellen, welch bittere Pille diese Mahnungen für die Kongreßveranstalter bedeuteten. Und diese Pille blieb nicht vereinzelt! Der demokratische Schweizer fand ein faschistisches Pendant in dem italienischen Dichter Dr. Angiolo 0 r v i e t o, der unter Anerkennung der judenfreundlichen Haltung des italienischen Faschismus betonte: „Die Juden Italiens bekennen sich uneingeschränkt zur A s s i m i 1 a- Cafe Freiwirth PRATERSTRASSE 11 Als modernes Familien-Cafe vollständig renoviert tion." Während die Jüdischnationalen diese Bekenntnisse gegnerischer Geister, die sie selbst, um „Weltkongreß" spielen zu können, gerufen hatten, um sie nicht sofort wieder los zu werden, schweigend einstecken mußten, machten die wenigen Assimilanten, die sich aus Unkenntnis der jüdischnationalen Mentalität hatten auf den Kongreß locken lassen, aus ihrer Unzufriedenheit mit dessen Verlauf kein Hehl. Man hörte wiederholt da» Bedenken aussprechen, daß' dieser Kongreß allzu stark von den jüdischnationalen Führern beeinflußt werde, obwohl diese genügenden Spielraum auf den zionistischen Kongressen haben. Oft schien der Genfer „Weltkongreß" nur ein Ausschnitt aus dem Luzerner Zionistenkongreß zu sein. Je länger der Kongreß tagte, um so deutlicher wurde eben die Richtigkeit unserer Diagnose, daß nur das Geltungsbedürfnis der Jüdischnationalen, die das kongreßlose Jahr zwischen zwei Zionistenkongressen als unerträgliches Vakuum ihres Einflusses empfinden, die Sehnsucht nach dem „Weltkongreß" geweckt hat. Darum haben sie diesen jetzt in Genf auch zu einer permanenten Institution erhoben, die jedes zweite Jahr in Aktion treten soll. In den geraden Jahren wird also fortan der „Weltkongreß" tagen, in den ungeraden der Zionistenkongreß. Man wird intra et extra muros diese beiden Veranstaltungen nicht immer glatt Oesferrelchisches QoalUffls-fahrlfcat Ueberau erhältlich auseinanderhalten können; das schadet aber nichts, denn man hat sich schon diesmal — angesichts der unansehnlichen Zahl von Nichtzionisten — nicht an die ursprünglich geplante Ausschaltung von Palästina als Diskussionsthema des Weltkongresses gehalten, sondern bedenkenlos die alten Walzen vom andern Kongreß eingeschaltet. Je mehr aber hiebei der jetzigen Entwicklung der Dinge in der „Jüdischen Heimstätte" gedacht wurde, desto schmerzlicher wurde den Jüdischnationalen die vorläufige Unerfüllbarkeit ihres Ehrgeizes klar, Präsident, Minister oder — höchstes Ideal jedes Jüdischnationalen! — Botschafter des Judenstaates in einer europäischen Hauptstadt zu werden, und so ruhten sie nicht früher, bis sie wenigstens vom „Weltkongreß" politische Führerrollen für die „Galuth" erhalten hatten. Zu diesem Zwecke wurden drei Körperschaften zwecks Durchführung organisatorischer Tätigkeit ins Leben gerufen: Ein Exekutivkomitee unter Rabbi Dr. W i s e, ein „Ständiger Rat" (offenbar zur Tarnung der ständigen Ratlosigkeit) und ein Verwaltungskomitee unter Dr. Nahum Goldmann. Ferner soll ein zentrales Büro zur Bekämpfung des Antisemitismus eingerichtet und mit einem Fonds ausgestattet werden. Mit diesem Fonds soll offenbar den Hakenkreuzlern die Schneid abgekauft werden. Hoffentlich wird aber damit nicht bloß eine Preissteigerung dieses Artikels bewirkt . . . Um die Mitgliedschaft in den repräsentativen Komitees entstand ein großes Gedränge, so daß man die Präsidentenstelle des ständigen Komitees in Genf unbesetzt ließ, dafür aber in der Person > VERWALTUNGEN ^» Sätze - Hypotheken"^» <fr» KÄUFE - VERKÄUFE Dlpl.-Kaufm. R. SZILAGYI BEH. AUT. SE1SAL IX., ROTENLÖWENG. 3 TEL. A 10-5-69 Mitglieder und Freunde der „Union", des „Union-Klub", des „Union-Frauen-Klub" und der „Jugend-Union" treffen sich während der Sommermonate hei jedem Wetter, jeden. Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deufschberger, Prater, Äusstellungsstraße (vis-a-vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.

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