Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 34 (14.8.1936)
- Date
- 1936-08-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3064606-3064639--20786-3086069- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Preis dieser Nummer 30 Grosdien UU ens dirift Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Ersdieint jeden Freitag Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A ICO.918 52. Jahrgang Wien, 14. August 1936 Nummer 34 Jüdistnnationales Rendezvous in$enf. Rasiere DMl gut HRd DHlig Als Theodor HerzI das Intervall von einem Zionistenkongreß zum andern mit zwei Jahre festsetzte, zog er das Geltungsbedürfnis der jüdischnationalen Führer nicht in Betracht. Während der kongreßlosen zwei Jahre träumen sie davon, wie imponierend ihre Beredsamkeit und ihre ganze Persönlichkeit in dem strahlenden Glänze der Kongreßtribüne sich auswirkt, wo man von Repräsentanten der Stadt und des Landes offiziell begrüßt wird, ihnen feierlich dankt und im oratorischen Austausch zeremonieller Höflichkeitsfloskeln mit Diplomaten und Staatsmännern sich schließlich selbst für ihresgleichen hält. AH dies ist viel zu Schön, als daß man es nicht wenigstens einmal in jedem. Jahre genießen möchte.. Seit die jüdischnationalen Bonzen" auf diesen Geschmack gekom- 'mam sind, halten sie es nicht aus, ohne auch in den köngreßlösen Jahren ein Rendezvous miteinander im blendenden Lichte der Oeffentlichkeit zu veranstalten. Die einzige Schwierigkeit bei der Erfüllung dieSfes Sehnsuchtstraumes ist die leidige Tatsache, daß ihr Interesse für die Oeffentlichkeit größer ist ajs das der Oeffentlichkeit für sie. Es-fehlt , an einer zugkräftigen Parole, um der Zusammenkunft eine ideologische Berechtigung zu verleihen, da man die Propaganda für den Palästina-Aufbau den Zionistenkongressen vorbehalten muß, die anderen Sorgen aber, an denen es den Juden wahrhaftig nicht fehlt, längst als Sinekuren der Assimiü'anten! verächtlich gemacht hat. Schließlich kamen findige Köpfe auf die Idee, auch die vielverlästerten Assimilanten mit von der Partie sein zu lassen, um sich ihres Arbeitsgebietes zu bemächtigen. Aber sie fanden nicht viel Gegenliebe. Die Notwendigkeit der jüdischen Einigkeit über alle Parteigegensätze hinweg wurde nicht bestritten; da sich aber bisher nur die Jüdischnationalen als Störenfriede der innerjüdischen Eintracht erwiesen hatten, mußte man es diesen überlassen, das, was sie selbst sinnlos zerstört hatten, wieder herzustellen. Dazu bietet die stille Arbeit in den jüdischen Gemeindestuben, deren Friede durch die jüdischnationalen Eroberungsparolen unwürdig gestört wurde, Gelegenheit genug. Hier können die Jüdischnationalen praktisch zeigen, wie ehrlich sie es mit der Befolgung des Gebots der Stunde, alles Trennende zurückzustellen, meinen. Auf diese Beweise müssen die Assimilanten ruhig warten--und sie warten noch immer. Dagegen haben sie gar keine Ursache, den Jüdischnaüonalen auf eine Kongreßtribüne zu folgen, wo naturgemäß bloß Phrasen gedroschen werden können. Politische Reden allein vermögen innarjüdisch nichts zu verbessern und nach außen hin bloß Unheil anzurichten. Einer der wenigen Assimilanten, die sich von der jüdischnationalen Weltkongreßpropaganda ködern ließen, der ehemalige Chefredakteur der „Vossischen Zeitung" Georg Bernhard, hat in dem von ihm jetzt redigierten Pariser Emigrantenblatte seine Stellung zum Kongreßgedanken in einem Artikel präzisiert, in dem er ungefähr sagte: Wenn die Antisemiten schon mit dem Schlagwort von den Weisen von Zion arbeiten, dann wünsche er, daß es wirklich Weise von Zion gäbe, und darum trete er für den jüdischen Weltkongreß ein! Man muß einem Emigranten, der die Folgen des nationalsozialistischen Machtantritts am eigenen Leib zu spüren bekam, die Erbitterung, die aus diesen Worten spricht, zugute halten. Aber Erbitterung führt die Waffe schlecht und verdirbt die letzten Chancen, in einem Duell zu bestehen, das nur mit Besonnenheit geführt werden kann und letzten Endes von den besseren Nerven entschieden wÜrd. Nichts OesterrelcMsclies QnalMäfs radikal Cafe Freiwirth PRATERSTRASSE 11 Als modernes Familien-Cafe vollständig renoviere müßte den Juden in dem ihnen aufgezwungenen Kampfe verhängnisvoller werden, als wenn sie sich in noch so begreiflicher Reaktion auf die Bosheiten der Feinte zu Dummheiten hinreißen ließen, auf die die mit kaltblütiger Grausamkeit berechnenden Gegner bloß warten. Nicht umsonst ist von jüdischer, auch jüdischnationaler Seite alles darangesetzt worden, die Protokolle der Weisen von Zion als das zu entlarven, was sie sind: als erbärmliche Erfindung niederträchtigster Verleumdungssucht. Und jetzt sollen wir, statt froh zu sein, daß uns dies im Berner Prozeß einwandfrei gehingen ist, unseren Hassern, die unter Führung des in Bern unsterblich blamierten Erfurter Buchverlegers Fleischhauer, der um den weiteren Absatz seiner, Lügenbücher bangt, auf der Behauptung verharren, daß die Weisen von Zion kein Märchen sind, willkommene Trümpfe in die Hand spielen, die den Anschein erwecken, daß sie Recht haben? (Schon ist in Bern ein Prozeß gegen Fleischhauer und einen schweizerischen Frontistenführer wegen Organisierung eines Systems zur Bespitzelung des Weltkongresses anhängig.) Ge.org Bernhards überlegene Intelligenz hat sich der Erkenntnis nicht verschließen können, daß die Abhaltung eines jüdischen Weltkongresses solch einen Trumpf für die Hakenkreuzler bedeutet. Seine von Haßaffekten bewirkte Gleichgültigkeit gegen diese von ihm vorausgesehene Folge kann von den zum Glück die überwiegende Mehr- Ueberau erhältlich heät bildenden Juden, die sich im Kampf gegen das Hakenkreuz ihre Besonnenheit bewahrt haben, nicht geteilt wqrden. Darum haben alle nichtnarionalen Judenorganisationen von' Oesterreich, Ungarn, Holland, Frankreich, England und Amerika sowie die prominentesten zwischenstaatlichen Körperschaften jüdisch-religiöser und jüdischcharitativer Richtung die Teilnahme an dem sogenannten jüdischen Weltkongreß abgelehnt. Was sich in Genf am 8. August zusammenfand: 300 Delegierte, die sich gegenseitig gewählt haben, aus 32 Ländern, war also nichts anderes als das schon üblich gewordene Rendezvous jüdischnationaler Bonzen in den Jahren zwischen je zwei Zionistenkongressen. Dar einzige Unterschied ist der, daß die Herren, die ihre Wichtigtuerei nicht zwei volle Jahre zu bändigen imstande sind, ihre Sommerunterhaltung früher einigermaßen bescheiden als „Weltkonierenz" deklarierten, während sie sich diesmal auf die Bezeichnung „Welt k o ng r e ß" kaprizierten. Den Titel „Welt Parlament" haben sie in der Eröffnungssitzung noch abgelehnt. So blieb dem jücffischnationalen Rendezvous für die Zukunft noch eine weitere Höherentwicklung, wenigstens im Namen, offen. Die Hauptsache war den Veranstaltern jedenfalls das Aufsehen: Reden, cfie wegen ihrer Banalität sonst höchstens in der allerengsten Parteipresse erwähnt worden wären, fanden Eingang in die Weltpresse. Der den iüdischnationalen Bonzen so wohltuende Begrüßungsrummel trat in Aktion und es fehlte nicht an freundlichen Worten nichtjüdischer Persönlichkeiten für die Juden. Würde •es sich um eine Assimilanten-Veranstaltung han- ^M^fflHMM^UaMBIIUM^^ ^VERWALTUNGEN SÄTZE - HYPOTHEKEN f^fr ^pKÄUFE - VERKÄUFE^fr Dipl.-Kaufn». r R.SZILAGYI IX., ROTENLÖWENG. 3 BEB. MIT. SEISAL TEL. A 10-5-69 9 ift Mitglieder und Freunde der „Union", des „Union-Klub" des „Union-Frauen-Klub'* und der „Jugend-Union treffen sich während der Sommermonate bei jedem Wetter, jeden Mittwoch, ab & Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater, Äusstelliingsstraße (vis-a-vis dem Lustspieltheafer), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.