Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 33 (7.8.1936)
- Date
- 1936-08-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis dieser Nummer 30 Groschen!« UUrU mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkcnto Wien - A 100.918 '2 52. Jahrgang Wien, 7. August 1936 Nummer 33 Spanien. Raslere Dich aal und Mllig Ober loktor ierlin, cantor r M, Egw, habenaner auett r gewährend diese Zeilen geschrieben werden, tobt der mörderische Bruderkrieg in der Spanischen Republik mit unverminderter Heftigkeit fort. Mit den modernsten Kriegsmitteln zu Lande, Wasser und in der Luft bekämpfen sich die einander feindlich gegenüberstehenden Gruppen, und das Ende dieses Ringens ist momentan nicht vorauszusehen. Abgesehen davon, daß wir Juden die unzähligen Menschenopfer auf beiden Seiten tief beklagen, stehen wir diesem Kampfe als einer inneren Angelegenheit Spaniens vollkommen desinteressiert gegenüber. Allein die Tatsache, daß der eine Teil der Kämpfenden, die sogenannte Volksfront gleichzeitig eine wehrlose Gruppe von Menschen auf das schwerste bedrängt, gebietet uns, aus der Reserve herauszutreten. Mit tiefer Ergriffenheit und voll innigster Anteilnahme an den unschuldigen Opfern hören wir von den unzähligen, nicht genug zu verurteilenden Verbrechen, welche täglich an wehrlosen römisch-katholischen Mönchen und Ordensschwestern, sowie an Kirchen begangen werden. Kein Volk auf Erden ist in der Lage, mit Märtyrern des Glaubens so mitzufühlen, wie wir Juden, denn seit nahezu zwei Jahrtausenden werden wir selbst wegen unseres Glaubens aufs heftigste verfolgt. Wir kennen daher die seelischen Qualen dieser Märtyrer und wissen, daß sie schwerer als körperliche Schmerzen zu ertragen sind. Deshalb ist die jüdische Anteilnahme besonders warm und aufrichtig. Ueber den Schlußpunkt der spanischen Judentragödie, über das Edikt von Fernando und Isabella (31. März 1492) schreibt der deutsch-jüdische Historiker Dr. Heinrich Graetz u. a. folgendes: „So war denn endlich der von Fernblickenden längst gefürchtete Streich geführt. Die spanischen Juden sollten das Land verlassen, mit dem alle Fasern ihres Herzens verwachsen, in dem die Gräber ihrer Vorfahren seit mindestens fünfzehn Jahrhunderten waren und zu dessen Größe, Reichtum und Bildung sie so viel beigetragen haben. Je näher der Tag des Scheidens heranrückte, desto mehr durchwühlte er das Herz der Unglücklichen. Die Gräber der Vorfahren, das war ihnen das Teuerste, davon konnten sie sich am schwersten trennen, und der Gedanke daran erfüllte sie mit düsterer Trauer. Die Juden von Segovia brachten drei Tage vor ihrer Auswanderung auf den Gräbern ihrer Vorfahren zu und vermischten deren Staub mit ihren Tränen. Die Leichensteine rissen sie aus, nahmen sie mitals teure Reliquien oder schenkten sie den zurückgebliebenen Marranen." Wenn wir hier auf die seinerzeitigeu Judenverfolgungen in Spanien zurückkommen, so denken wir nicht etwa an irgend welche Zusammenhänge zwischen den letzten Ereignissen und den Geschehnissen des Jahres 1492. Ein solcher Gedanke wäre vor allem unjüdisch. Hat doch Jeremia, als er die Klagelieder über das größte Unglück unserer an Unglücksfällen wahrlich nicht armen Geschichte, über die Zerstörung des Tempels, anstimmte, dem berühmten Satze „Schauet und sehet, ob ein Schmerz gleichet meinem Schmerze, der mir angetan worden, mit dem der Herr mich betrübt am Tage seiner Zornglut" die Worte: „Es treffe euch nicht solches, alle, die ihr des Weges vorbeizieht" vorangeschickt. Der Genauigkeit wegen wollen wir bemerken, daß Papst Innocenz VII. nicht für die Judenvertreibung war. Durch diese Reminiszenz wollen wir ledig- Cafe Freiwirth PRATERSTRASSE 11 Als modernes Familien-Cafe vollständig renoviert Eröffnung: Donnerstag, den 13. August lieh auf die gleichen Gefahren, welche den verschiedenen Konfessionen zu verschiedenen Zeiten drohen, hinweisen. Um gemeinsame Gefahren abzuwenden, gibt es jetzt wie zuvor nur ein Mittel: die g emeinsame Abwehr. Am 10. März 1933 haben wir an dieser Stelle die Schaffung eines offiziellen Bundes möglichst aller Konfessionsgemeinschaften für Frieden und Wohlfahrt, nach dem Muster und durch die Initiative des Völkerbundes, angeregt. „Nicht dem Vergleiche oder der Besprechung von Unterschieden in den Religionen oder gar einer Angleichung der Konfessionen aneinander soll dieser Bund dienen," schrieben wir damals, „sondern einzig und allein — im Geiste des Völkerbundes — dem Frieden". Und weiter: „Ist es einer einzigen Konfession bis jetzt nicht gelungen, den Frieden auf Erden zu sichern, so mögen alle zusammen es versuchen." Dies gilt auch in bezug auf die Sicherung der auf der ganzen Welt zerstreuten Institutionen der verschiedenen Konfessionen. Ist ©esterreicbisclies Qualitäts-fabrikrt Ueberau erhältlich es bis jetzt einer einzigen Koniession nicht gelungen, ihre Einrichtungen vof Uebergriffen, wie sie jetzt in Spanien stattrinden, zu sichern, so müssen es alle zusammen versuchen. Selbst scheinbare Erfolge, wie sie die protestantische Kirche in Deutschland momentan zu verzeichnen hat, dürfen die Konfessionen nicht abhalten, den Stürmen, welche gegen die Grundpfeiler der Religionen wüten, gemeinsam entgegenzutreten. Rom und Canterbury, Mekka und Jerusalem müssen sich zu einer gemeinsamen Abwehrfront zusammenschließen. Alle Konfessionen müssen gemeinsam dafür eintreten, daß — welch soziale oder politische Verhältnisse in dem einen oder anderem Lande auch herrschen mögen — an den Einrichtungen der bestehenden Konfessionen und an der Gewissensfreiheit ihrer Anhänger nicht gerüttelt werden darf. In dem Aufgabenkreis fast jeder Konfessionsgemeinschaft spielt bekanntlich die M i ss i o n eine große Rolle. Hier auf Sinn und Zweck, sowie auf die vielen eminenten Unterschiede zwischen den Missionen der verschiedenen Religionen näher einzugehen, würde zu weit führen. Lediglich von jenen Missionen, welche die Bekehrung Andersgläubiger zum Ziele haben, sei hier die Rede. Ein jeder einsichtige Sachwalter — als Sachwalter ist auch der Verwalter ideeller Güter anzusehen — würde in einer Zeit, in welcher das von ihm verwaltete Gut von irgend einer Seite bedroht wird, vor allem auf die Erhaltung, und nicht auf die Vermehrung des Gutes bedacht sein. In einer Zeit, in welcher in weitesten Teilen der Welt die Religion als solche teils in milderer, teils in stärkerer Form angegriffen wird, müßte die Mission aller Konfessionen vornehmlich in der gemeinsamen Abwehr dieser Angriffe bestehen. Dem in verschiedenen Farben gekleideten Mythos der Gewalt, dem Neuheidentum e, muß die hohe Ethik und die Nächstenliebe der Bibel entgegengehalten werden. Die Rettung der abendländischen Kultur ist augenblicklich aller Konfessionen höchste Mission. M. B. Morgenstern. Mitglieder und Freunde der „Union , des „Union-Klub , des „Union-Frauen-Klub" und der „Jugend-Union" treffen sich während der Sommermonate hei jedem Wetter, jeden Mittwoch, ah 8 Uhr ahends im reservierten Teil des Restaurant Deutschherger, Prater, Äusstelhmgsstrafie (vis-ä-vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.