Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 30 (17.7.1936)
- Date
- 1936-07-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 40 Grosdien Jüdische Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 52. Jahrgang Wien, 17. Juli 1936 Nummer 30 Normalisierung des Verhältnisses zu Deutsehland. Rasiere Didt anfand billig Das Exekutivkomitee der „Union österreichischer Juden" hat in seiner am 13. Juli 1936 abgehaltenen Sitzung folgende Entschließung gefaßt: Anläßlich der Normalisierung der Beziehungen zwischen den Regierungen des Bundesstaates Oesterreich und des Deutschen Reiches hat Herr Bundeskanzler Dr. Schuschnigg in seiner Radio- Ansprache festgestellt, daß auch fernerhin die Mai- Verfassung 1934 die Grundlage Oesterreichs bleibt, also die geltende Verfassung, in der die Gleichheit aller Bundesbürger vor dem Gesetze (Art. 16) und die volle Glaubens, und Gewissensfreiheit (Art. 27) verbürgt wird. Die „Union österreichischer Juden", die den bewundernswert heldenmütigen Kampf des neuen Oesterreich um seine Selbständigkeit und Unabhängigkeit mit hingebungsvoller Anteilnahme verfolgt hat, erwartet nunmehr vertrauensvoll, daß die Lenker unseres noch im Aufbau begriffenen Vaterlandes, getreu dem bisher begangenen Dollfußweg, auch den Juden Oesterreichs gegenüber den Grundsatz der Gleichberechtigung stets hochhalten werden. Die österreichischen Juden dürfen sich dieser Erwartung mit umso größerer Zuversicht hingeben, als Herr Bundeskanzler Dr. Schuschnigg, der Nachfolger des Heldenkanzlers Dollfuß, wiederholt öffentlich die Erklärung abgegeben hat, daß „die Bundesregierung selbstverständlich auf dem Boden des Verfassungsgrundgesetzes der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Bundesbürger vor dem Gesetze zu stehen gesonnen sei." Herr Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hat in seiner Radioansprache betont, daß „das alleinige und ausschließliche politische Tätigkeitsfeld für alle Oesterreicher die Vaterländische Front bleibt, die ohne Rücksicht auf rechts oder links für alle Oesterreicher geschaffen wurde, die bereit sind, sich zu Oesterreich zu bekennen." Die j,Uhion österreichischer Juden", die bereits im März des Jahres 1934 in einer großen Vertrauensmännerversammlung einstimmig den korporativen Anschluß an die Vaterländische Front beschlossen hat, erneuert ihr aufrichtiges Bekenntnis zum österreichischen Vaterlande und bekundet ihren ehrlichen Willen, für desen Unabhängigkeit und Erstarkung nach besten Kräften zu wirken; sie richtet an alle ihre Mitglieder und Freunde den dringenden Appell, der an alle Oesterreicher gerichteten Aufforderung des Herrn Bundeskanzlers, ihre Kräfte dem Aufbau des Vaterlandes im Rahmen der Vaterländischen Front zur Verfügung zu stellen, Folge zu leisten und, soweit dies noch nicht geschehen, der Vaterländischen Front beizutreten. Klopfenden Herzens haben Tausende unserer österreichischen Glaubensgenossen den Verlautbarungen gelauscht, die Bundeskanzler Doktor Schuschnigg am Samstag, den 11. d. M., durch das Radio ergehen ließ. Ein Dankgebet stieg zum Himmel, daß die Unabhängigkeit und Selbständigkeit unseres geliebten Vaterlandes Oesterreich unangetastet bleibt und eine Einmischung m die ittnerpolitischen Verhältnisse Oesterreichs nicht erfolgen darf. Diese Zusagen Deutschlands sind unter die Garantie des mächtigen Italiens gestellt, das darüber wachen, wird, daß die gezogene Demarkationslinie nicht überschritten wird. Die Verfassung vom Mai 1934, das Palladium unserer Rechte bleibt von den getroffenen Vereinbarungen vollständig unberührt und die auf sie gegründeten Zusagen und Versicherungen über die Gleichberechtigung der Angehörigen der verschiedenen Glaubensgemeinschaften sind durch die Berufung auf die durch den Märtyrertod des Bundeskanzlers Dollfuß geheiligte Verfassung neu bekräftigt. Dfe nationalsozialistische Partei bleibt in Oesterreich verboten, womit neuerlich zum Ausdruck gebracht wiird, daß ihre Prinzipien mißbilligt werden, weil sie dem Neuaufbau unseres Staates gefährlich sind. Vor allem ist die ethische Grundlage unserer Maiverfassung, die unter Berufung auf Gott, von dem alles Recht ausgeht, gegeben wurde, wesensverschieden von der des nationalsozialistischen Deutschlands. Oesterreich ist ein christlich-deutscher Staat. Vor den Rechten der Nation kommen die Pflichten der Religion und der christlichen Ethik, düe mit denen der jüdischen Sittlichkeit und Glaubenslehre identisch sind. „Debe Deinen Nächsten, wie Dich selbst" und „Im Ebenbilde Gottes" ist der Mensch erschaffen. Das sind die Säulen, auf denen der Himmel der jüdisch-christlichen Ethik dauernd ruht. Ohne Rücksicht auf das Schlagwort vom „BTubo", von Blut und Boden, soll das Band der Sittlichkeit die gesamte Menschheit umschließen. Die tausendjährige Kultur Oesterreichs, an deren Entwicklung Generationen idealistischer Menschen gearbeitet und in ihrem Schweiße sich für die höchsten Güter der Menschheit geopfert haben, bürgt dafür, daß in unserem Vaterlande überspitzt, nationalistische Tendenzen, die sich auf die atavistischls Irrlehre der Rassen stützen, nicht Platz greifen. Wir verurteilen diese nationalistischen Theorien und ihre Betätigung, mögen sie Oesferrciciilsclics QuaiiiatsrüDMH* Ueberau erhältlich von welcher Seite immer kommen, auch dann1, wenn sie unsere Glaubensgenossen — von diesem modeirnen Gift erfaßt — vertreten. Von dieser Seite vorgebracht, wirken solche Lehren sich womöglich noch unheüvoller aus, als wenn sie von den eingeschworenetn) Feinden der Juden) verbreitet werden. Die Zustimmung eines Teiles der Juden zum Irrwahn der Rassenlehre und des Nationalismus schafft für die Feinde die Fiktion des Zugeständnisses einer Wahrheit, die die Lüge verherrlicht. Wie Schuppen mußte es dem noch nicht ganz Verblendeten von den Augen fallen, als Adolf Hitler am 15. September 1935 sich m der Präambel zu den deutschen Judeingesetzen, die den Namen der Deutschen als Kultumatfon geschändet habeni, sich auf das Bekenntnis eines Teiles der Juden zur jüdischen Nation und auf die Beschlüsse des letzten Zionistenkongresses berief. Wir befinden uns, so rief der „Führer" aus, mit den Juden, die sich zur jüdischen Nation bekennen, auf einer Ebene, auf der wir uns finden können. Aber unsere Austro-Jüdischnatfonalen und Austro-Zionisten sind unbelehrbar. So schreibt ..Die Stimme" unter dem Titel „Forderungen der Stunde": „Mehr als je ist es heute aber auch notwendig, daß wir uns unter dem Bekenntnis zum jüdischen Volkstum sammeln und unsere Rechte entschlossen verteidigen. Veraltete assimilatorische Schlagworte müssen endgültig über Bord geworfen werden. Das nationale Judenrum allein kann in dieser Zeit den festen Rückhalt geben, so wie es durch den Zionismus und durch sein Aufbauwerk in Palästina dem ganzen jüdischere Volk ein nicht zu erschütterndes Zentrum geschaffen hat." «» VERWALTUNGEN . ^^SÄTZE - HYPOTHEKEN KÄUFE - VERKÄUFE Dlpl.-Kaufm. ~ Rb SZILAGYI BEB. KIT. SEISM. IX., ROTENLÖWENG. 3 TEL. A 10-S-O» Mitglieder und Freunde der „Union", des „Union-Klub"» des „Union-Frauen-Klub" und der „Jugend-Union" treffen sich während der Sommermonate hei jedem Wetter, jeden Mittwoch, ah 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater, Ausstellungsstraße (vis-ä-via dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.