Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 29 (10.7.1936)
- Date
- 1936-07-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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EIT Preis dieser Nummer 40 Grosdien UU In Deutschland verboten! WM ens dirift * llt UUrU Erscheint jeden Freitag «rniiniM^ Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" ,»\^ gü -\ — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 52. Jahrgang: Wien, 10. Juli 1936 Nummer 29 DR* DÄVDD FiyCHTWANI CilElDIBMJKmEIDaS, $XEMAI/3mm MWM HNEU, TJBAlJlEmMajElB IM STAJBTTEMIPIEIL AM f. TOM193(6, V<OT 'OlBIEIBIRABBimiEIB Dl. I. TA OILICHT Als die Kunde, Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang ist gestorben, sich verbreitete, erfaßte die Gemüter tiefe Bestürzung über diesen unerwartet eingetretenen Tod, über die Zerstörung dieses kostbaren, reichgestalteten Lebens. Aufrichtig und schmerzlich ist die Trauer aller, die dem Judentum in Treue anhangen, die den Sinn haben für jüdische Wissenschaft, jüdisches Ideal, jüdisches Leben. Denn ein Mann ist uns entrissen worden, der die Erforschung unseres Schrifttums zu seiner Lebensaufgabe machte, in aufopfernder Hingabe seinem Berufe oblag, der ein Kämpfer war für die Ehre des Judentums, für das Wohl der Judenheit, für den Aufbau des heiligen Landes. Welche Gaben und Tugenden für den Lehrer und Führer in Israel erforderlich sind, sagt uns unsere Sidra. Da stehen vor uns der Lehrer Mosche in seiner großen Milde, der Priester Pinchas in seinem Eifer, Josua mit seinem kriegerischen Sinne. Soll nun der Lehrer ein sanfter Hirte wie Mosche, oder ein Eiferer wie Pinchas, oder ein Kämpfer wie Josua sein? Nun, die heilige Schrift sagt kurz: „Er sei ein Mann, in welchem Geist ist", ein Mann von Willen und Tatkraft, erfüllt vom Geiste der göttlichen Lehre: Wie in dem großen, unerreichbaren Lehrer und Führer Mose Eifer und Kampfbereitschaft mit Milde vereint waren, so soll zu allen Zeiten der Lehrer und Führer der Gemeinde bestrebt sein, Milde mit Eifer, Friedfertigkeit mit Kampfbereitschaft in sich zu vereinigen. In David Feuchtwang war ein Aufschäumen heiliger Begeisterung, ein Aufbrausen brennenden Eifers, ein Auffahren zum Kampfe. All dies aber wieder gesänftigt durch ruhige Betrachtung, besonnene Beurteilung, wohlwollende Behandlung. So verstand er, das geheimnisvolle Leben in der Menschenseele zu belauschen, den Spuren der Gedanken, den Beweggründen der Handlungen nachzugehen, die innere Welt des Menschen zu erfassen und nur mitzufühlen, zu helfen. Durch dieses Einfühlen in die Seele des andern und die dadurch bewirkte Hilfsbereitschaft gewann er die Herzen der Menschen, die Verehrung seiner Gemeinde. Von tiefer Gläubigkeit getragen und mit reichen Kenntnissen ausgestattet, versah er in vorbildlicher Weise sein Amt. Durch Wort und Tat. Nur wer ein Mann der Tugend ist, kann ein Mann der wirksamen Rede sein- Nur wer durch Glaubensinnigkeit, Reinheit der Absicht, : Liebe und fromme Betätigung ausgezeichnet ist. „Wer das Gotteswort lehrt und den Wunsch hat, daß die andern es betätigen, der muß vorher selbst es befolgen. Schön war sein Wort, schön seine Tat." Vorbildlich für die Gemeinde war auch sein Haus, sein Familienleben. In diesem Hause war Licht- Entzündet und genährt durch die Gattin, die durch ihre Frömmigkeit, ihr vornehmes Wesen, ihr feines Verständnis das Leben des Mannes mit Schönheit und Freudig- ' keit bereichert und dem Hause die Weihe verliehen hat. •; In dieser Familie war stets unendliche Liebe der Eltern zu den Kindern, tiefe Verehrung der Kinder für die Eltern. In diesem Hause war auch die Kraft, in manch schwerer Heimsuchung sich demutsvoll dem Willen Got- * tes zu fügen. David Feuchtwang war ein Mann voller Subtilität, auch etwas träumerisch veranlagt. Er hatte manche Stunden im Leben, in der das Erdgebundene ihm geschwunden schien, die Seele sich lichtete, sich frei und leicht zum Ewigen emporgeschwungen, zu der höchsten Sehnsucht, zu Gott. Nun ist seine Seele emporgestiegen zur Stätte der Sammlung alles Lebens, zu dem Glänze eines Lichtes, das von einem über alles erhabenen Orte strahlt. Sie wird jenem Lichtglanz sich nähern, weil sie schon hienieden mit einem Lfchtgewand sich umhüllte. iL