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Die Wahrheit · 1936-05-22 · Heft 22 (22.5.1936) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 22 (22.5.1936)
Date
1936-05-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 40 Groschen In Deutschland verboten! Jüdische ü)ochenschriff Di. HUrU Erscheint jeden Freitag Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" nmmiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiniiiiiniiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiiiinnmni Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkcnto Wien: A ICO.918 52. Jahrgang Wien, 22. Mai 1936 Nummer 22 Österreichs Europabekenntnis. Es ist «in sehr erfreuliches Symptom, daß sich Mut fand, in seinem letzten Werke zu erklären: einer der neuen Männer in der jüngst umgebildeten Regierung Oesterreichs just die Wiener Kundgebung zum Paneuropatag als Rahmen für sein Debüt in der Oeffentlichkeit erkor. Bundeskanzler Dr. S c h u s c h n i g g, dessen persönliches Bekenntnis zur abendländischen Kultur ja bereits allgemein bekannt ist, hat sicherlich mit kluger Absicht gehandelt, als er mit seiner Vertretung bei der bedeutungsvollen Kundgebung für den Paneufopagedanken, die Sonntag eine Elite der Wiener Gesellschaft im Mittleren Konzerthaussaal versammelt hat, den Mann betraute, den er bei der jetzigen Konzentrierung aller vaterländischen Kräfte an die Spitze des Justizministeriums gestellt hat. Baron H amme rsteiri-E quo rd hat die Gelegenheit benützt, um seine Einstellung zu den Prinzipien der Tagung in einer Rede zu dokumentieren, die nicht nur den unter den geistigen Wirrnissen der Zeit besonders leidenden Oesterreichern, sondern auch dem aufhorchenden Ausland die trostreiche Gewißheit verkündete: Ueber die österreichische Rechtspflege* wacht ein echter Europäer. Das ist in unserer verstörten Zeit leider keine Selbstverständlichkeit. An der Spitze der „Rechtswahrer" im Dritten Reich steht der berüchtigte Pg. Frank, der vor kurzem den Versuch unternahm, den Faszisten Roms die neudeutschen — lies altbarbarischen — Begriffe von Recht und Gesetz zu erläutern, damit aber nur höfliche, jedoch entschiedene Ablehnung erfuhr, die das päpstliche Organ „Osservatore Romano" in die sachliche Kritik kleidete: „Die angebliche Ueberwindung des Materialismus durch das neue deutsche Recht Hegt darin, daß der allergrößte Materialismus, der zoologische Rassenfaktor, eingeführt worden ist, der alles der Erbmasse (Hören Sie, P. Bichlmaier?) überläßt und weder dem freien Willen, noch der Moral Raum gibt." Umso erfreulicher ist die Ansicht des österreichischen Justizministers: „Es ist ein Irrsinn, hier in Europa noch von Reinheit des Blutes zu sprechen, von geistiger Ueberlegenheit irgend einer europäischen Rasse. Nur Menschen, die nicht Grund haben, auf irgend etwas stolz zu sein, kehren nationalen Stolz hervor. Die kein Postament haben, auf das sie sich stellen können, stellen sich auf das Piedestal der Nation, um nur auf irgend etwas zu stehen." Daß BimdesrrunMer Hammerstein-Equord mit dieser Anschauung auch innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft nicht alleirr steht, beweist die analoge Aeußerung von Oswald Spengler, der mitten im Dritten Reiche den 4BSBC '•V VERWALTUNGEN «JT SÄTZE - HYPOTHEKEN-^*- Jfr KÄUFE - VERKÄUFE V Dlpl.-Kaufra. ifr Ra SZILAGYI 8ER. ABT. SEISAl IX., ROTENLOWENG. 3 TEL. A 10-5-69 „Wer zuviel von Rasse spricht, der hat keine." Auch in Oesterreich ist leider in einer noch gar nicht lange zurückliegenden Vergangenheit der parlamentarischen Aera zuviel von Rasse gesprochen worden. Man erinnert sich noch der beschämenden Episode, wie ein zum Justizminister gemachter Provinz-Notar aus seinem hohen, zur Objektivität verpflichtenden Amte, dem einst die Nicht arier Glaser und Ungar zu europäischem Ruhme verholfen hatten, auf die Straße ging, um sich an — judenfeindlichen Demonstrationen zu beteiligen. Um wie viel besser sieht man heute die österreichische Rechtspflege bei einem Manne aufgehoben, der erklärt: „Bis vor kurzem galt es als Barbarei in Europa, einen Menschen der Religion wegen zu verfolgen — heute sind leider schwere Ruckfälle zu verzeichnen. Der Freiheit zur Ausübung derReligion muß Freiheit der Aus. Übung der Nation folgen." Bundesminister Hammerstein-Equord deutet aber seinen Ruf nach „Freiheit der Ausübung der Nation" ganz anders 'als die Haßapostel, die das Schlagwort der nationalen Freiheit zu einem Ferment der Zersetzung mißbraucht haben, das den europäischen Frieden bedroht und den alten Völkerstaat Oesterreich-Ungarn trotz seiner zu spät erkannten Vorbildlichkeit in der taktvollen Behandlung der verschiedensten Nationen dem Zerfall zugeführt hat. Diesen verderblichen, auf gegenseitigem Haß beruhenden Nationalismus erklärt der österreichische Justizminister geradezu als den Todfeind Europas und spricht ihm jede Berechtigung ab: „Es ist vollendeter Wahnsinn, von Wertunterschieden innerhalb europäischer Nationen oder vom selbständigen Schicksal oder der besonderen Sendung einer Nation zu sprechen, dia den Aufgaben anderer Nationen zuwiderlaufen oder ihnen übergeordnet sein sollte. Sämtliche Nationen Europas haben ein und denselben Ursprung in der Kultur, alle haben im Grunde die gleichen religiösen Sitten und Anschauungen." Auch HMer kennt den gemeinsamen Ursprung der europäischen Kultur. Er bekämpft nicht nur das Judentum, sondern auch, das Christentum als eine Ausgeburt des jüdischen Geistes. Demgegenüber wertet der österreichische Justizmim'ster — man darf wohl hoffen als Repräsentant unserer gesamten Regierung — die KuMur- und Schicksalsgemeinschaft Europas als tragfähige Basis des Friedens: „Der politischen Einsicht und Vernunft der europäischen Nationen bleibt es überlassen, die Schicksalsgemeinschaft zu einer Gemeinschaft des Friedens, des Aufstieges und des Glückes oder zum rettungslosen Untergange des Abendlandes zu gestalten." Es ist tragisch, daß diese Alternative just in den beiden deutschen Staaten Europas ihre extremen Repräsentanten findet Gerade diese Polarität gleich nationaler Staatswesen des- Rasiere Bich gut und billig Oesterreichisches uuaütälsrahrtlial Ueberau erhältlich avouiert den Wert der sogenannten Blutsgemeinschaft als Voraussetzung für die Sinnesgemeinschaft. Nationalismus ist eine überflüssige Belastung der menschlichen Beziehungen. Das muß allmählich auch den jüdischen Opfern der trügerischen Illusion, daß die Erfindung eines eigenen jüdischen Nationalismus der Judenschaft den Frieden zu bringen vermag, aufdämmern. Kundmachung Unsere Vertrags-Fachfirma Bandagen-Mikolasch. Wien, Taborstraße Nr. 22. Telephon R 42-5-40 welches Unternehmen wir au! das Allerwärmste empfehlen, bewilligt unseren Abonnenten gegen Vorlage des Abonnetnentsscheines bestimmte, mit uns abgemachte Rabatte in folgenden Abteilungen: Orlhop. FuBstUtzan, fertig oder nach Gipsmodell, Fußheilbehelfe Ban4as«n aller Art, Bruchbänder. Leibbinden, Lastexschlüpier, Krampfadernstümpfe, auch Lastex Elaktromadlzlnlsche Apparat«, flöhensonnen, Heißluft, Inhalationsapparate, alle Krankenpflegeartikel Krankenfahrstühla, Tragsessel Parsonan- und Hugllngswagan Zimmerklosatte, Bettlehnen und -tischchen GroBe medizinische Leih-AtrieHng! Auch Teilzahlungen! /IÜSSCIIIICMCD! American Jewish Commitfee lehnt „Weltkongreß" nach wie vor ab. Die Executive des American Jewish Conunittee bat mit allen gegen eine Stimme eine Entschließung gefaßt, in der der schon früher bekannt gegebene abiebnende Standpunkt des Committee in der Frage eines Jüdischen Weltkongresses neuerlich bekräftigt wird. Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint Donnerslog, den 28. Mal (2. Tag Sdrcwnaas)

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