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Die Wahrheit · 1936-05-15 · Heft 21 (15.5.1936) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 21 (15.5.1936)
Date
1936-05-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 40 Grosdien Jüdische Die tbcinrheit In Deutschland verboten* mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint Jeden Freitag V Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkcnto Wien: A 1C0.918 52. Jahrgang Wien, 15. Mai 1936 Nummer 21 Gegen die Hetzer und Provokateure! Ueber ganz Wien ergossen sich ini den letzten Wochen in vielen hunderttausenden Exemplaren sogenannte „Mitteilungen des Freiheftsbundes", die sich nachträglich als Geistesprodukte eines Volksverhetzers entlarvten, der früher vom Heimatschutz her Haß und Zwietracht in die Reihen der Vaterländischen Front zu tragen versucht hatte, deshalb von den Heimatschützlern ausgeschlossen worden war und nunmehr vom Freiheitsbund her dasselbe journalistische Manöver inszenierte. Reichlich verspätet hat ihn jetzt auch dort das verdiente Schicksal erreicht: Das Flugblatt wurde konfisziert, der Verfasser bestraft und auf Verlangen des Bundeskanzlers aus dem Kunschak-Verband ausgeschlossen. Inzwischen hatte er aber bereits genug Schaden angerichtet, indem er bei der Maifeier des Freiheitsbundes am Sonntag einen bedauerlichen Zwischenfall verschuldete. Heimatschützler gaben ihrem Unmut über eine infame Abbildung in der Maifestnummer der erwähnten „Mitteilungen" lärmenden Ausdruck. Dieses BId zeigte einen Kehrrichthaufen, auf dem das Symbol der Heimatschützler: der Hahnenschwanz Regt. Aber daneben gab es noch eine Menge anderer Symbole dort zu sehen, merkwürdiger Weise auch einige Davidsterne als Symbole des Judentums. Das erscheint uns'deshalb merkwürdig, weil der Freiheitsbund stets seine sStltllch-religli'öse Einstellung betont, während eine solche Verhöhnung religiöser Symbole, mögen diese auch b?oß anderen heilig sein, einen bedauerlichen Mangel an jener verecundia verrät, die Schopenhauer für die Voraussetzung der' Fähigkeit zu wahrem religiösem Empfinden hielt. Fühlten sich die Heimaltschützler mit Recht durch die Verunglimpfung ihres Abzeichens beleidigt, so mußten wir Juden außer der Kränkung auch noch ernste Besorgnis über die verhetzende Wirkung der Flugblätter, deren textlicher und bildlicher Inhalt dem abgebildeten Misthaufen in jeder Hinsicht äquivalent war, hegen. Man kann den zuständigen Faktoren nicht den Vorwurf ersparen, daß sie nicht rechtzeitig aus eigenem Antrieb gegen die Hetzer und Provokateure vorgegangen silnd, sondern allzu geduldig zusahen, wie sich hier ein wahrer Feldzug gegen den Bürgerfrieden vollzog. Immerhin habem sie sich den Warnungen jüdischer Abwehrfaktoren, die mit traditionellem Pflichteifer zur Stelle waren, nicht verschlossen. Die ursprünglich für den 3. Mai als antisemitische Kundgebung geplant gewesene FreSheitsbund-Versamm-!ung wurde um eine Woche verschoben und an Stelle des ursprunglich als Hauptredner in Aus- Der weltbekannte Warschauer Oberkantor M. Kusewicki wird bei dem am Donnerstag, den 21. Mai d. J., K8 Uhr abends, im Josefstädter Tempel, VIII., Neudeggergasse 12, stattfindenden Tempelkonzerte mitwirken. Herr Kusewicki, welcher sich als Kantor eines erstklassigen Renommees erfreut, singt zum erstenmal in Wien. Eintrittskarten sind an der Kassa des Tempelvereines, VIII., Neudeggergasse 12, in der Zeit von 9 bis 1 Uhr vormittags (Telephon A 21-7-65) erhältlich. sieht genommenen Hetz-Antisemiten Kunschak sprach niemand Geringerer als Bundeskanzler Dr. Schuschnügg. Und so erlebte man statt der befürchteten Hetzrede gegen die Juden eine scharfe Zurechtweisung de/r „Politik der Nadelstiche, der Hetzer und Provokateure". Der Bundeskanzler, der wenige Tage später die Neubildung der Regierung mSt der schönen Aufgabe: „Konzentrierung aller vaterländischen Kräfte" übernahm, bot in dieser eindrucksvollen Rede allen Hetzern Schach und stellte ihnen die eiserne Front des geschlossenen Oesterreichwillens entgegen. Das war eine sehr kräftige Lehre für Herrn Kunschak, der zu der undankbaren Rotte des Rasiere Dich gilt und billig Oesfcrrcldilsclies Quallfäts rabrifcert Ueberau erhältlich bekannten wurde . . . Horchers an der Wand verurteilt Jüdischnationale „Flüsterpropaganda SS Oft und oft haben wir nicht nur auf die Uebereinstimmung der Grundgedanken der Nationalsozialisten mit denen unserer Jüdischnationalen, auf die gemeinsame Anbetung des modernen Götzen „Blubo", „Blut und Boden", ihrer Ziele: Exodus aller Juden nach Palästina, sondern auch insbesonders auf die Analogie ihrer Kampf- und Propagandamethoden hinweisen müssen. Was die beiden Gegenspieler — bekanntlich berühren sich die Extreme — sich nicht laut zu sagen oder gar zu schreiben getrauten, was das Licht des Tages scheut, das wird leise dem Nachbar ins Ohr geflüstert, der die Sensation auf gleichem Wege prompt weitergibt. So entsteht die dumpfe Atmosphäre der Lüge und Verleumdung, die dem Gegner verächtliche Eigenschaften und Gesinnungen andichtet, ohne daß man dafür zur Verantwortung gezogen werden könnte. Einer solchen Flüsterpropaganda gegen die „Union" bedienen sich z. B. jetzt unsere jüdischnationalen Austrozionisten, um den sachlichen und uneigennützigen Kampf der „Union" gegen Korruption und jüdischnationale Parteiherrschaft und gegen die Gefahren der jüdischnationalen Politik für die Stellung der österreichischen Juden in ihrem Vaterlande zu diskreditieren. Am 13. März 1936 erschien in der Zeitung des für die Pessach-Feiertage die Genüsse des „Griechenbeisl" preisenden Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Herrn Oberbaurat Stricker ein Artikel mit der Balkenaufschrift „Denunzianten", in dem zuerst die gegen die Gefahren der jüdischnationalen Politik gerichteten Ausführungen eines Herrn Karl P o 11 a k bei einem Appell der Vaterländischen Front m üblicher Weise in den Kot gezerrt wurden. Im Anschluß daran wurde, damit man in Form bleibt, die Kotschleuder auch gegen Reg.-Rat Dr. 0 p p e n h e i m und Dr. Josef T i c h o in Tätigkeit gesetzt. „Wenn diese es über sich bringen, Eingaben an die staatlichen Behörde zu richten, in welchen die Vaterlandstreue ihrer politisch-jüdischen Gegner und der Majorität der österreichischen Judenschaft in Zweifel gezogen wird, dann braucht man sich nicht über einen Karl PoHak zu wundern und zu entrüsten." Um der jüdischen Oeffentlichkeit diese faustdicke Lüge und Verleumdung ad oculos zu demonstrieren, haben wir die Eingabe der „Union" an die zuständige Aufsichtsbehörde, den Magistrat der Stadt Wien, in extenso — sie füBt beinahe zwei Druckseiten — in der „Wahrheit" publiziert. Was tut die „Neue Welt"? Um ihre verleumderische Behauptung von der Denunziation der „Majorität der österreichischen Judenschaft" mühsam aufrechtzuerhalten, zitiert sie nur zwei Sätze aus der zwei Druckseiten langen Eingabe, reißt sie aus dem Zusammenhang und verfälscht sie, nur um ihre Brunnenvergiftung nicht eingestehen zu müssen. Wir hatten uns spaltenlang mit der Geschichte des Wahlrechtes in die Israelitische Kultusgemeinde Wien beschäftigt und nachgewiesen, daß die Herrschaft der Austrozionisten auf die im Jahre 1924 erfolgte Verleihung des aktiven Wahlrechtes an die in Wien lebenden ausländischen, nicht dem österreichischen Staatsverband angehörigen Glaubensgenossen zurückzuführen ist. Dann sagten wir wörtlich: „Wir führen diese Umstände an, um zu dokumentieren, daß die von den Jüdischnationalen nun auch zu persönlichen und Parteizwecken mißbrauchte Herschaft in der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde auf einer Zurückdrängung des Einflusses des in Oesterreich beheimateten po s i t i v - r e 1 i g i ös und va t e r 1 ä n d i s c h-f ü h 1 e n d e n Teiles. Worauf freu'n sich die Leute am Sonntag? Auf den „Morgen" mit dem „Blauen Montag'!

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