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Die Wahrheit · 1936-03-13 · Heft 12 (13.3.1936) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 12 (13.3.1936)
Date
1936-03-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 12 — 13. März 1936 Seite 7 Die Schmach und Schande, die sogenannte „zionistische" Führer der reinen zionistischen Sache bereits angetan haben, müssen abgewaschen werden," der zionistische Schild muß wieder blank werden. Kein r e i n i i c Ii e r Mensch, kein wahrer Z i o n i s t Kann bei den voraussichtlich kommenden Wahlen auch nur einem der Leute, die bei der Affäre Löwenherz — sei es aus Charakterschwäche, unmännlicher Feigheit, Eitelkeit oder falscher Parteidisziplin — mitgewirkt oder auch nur die Mauer gemacht haben, seine Stimme geben. Zunächst muß die Kultusstube gesäubert werden, denn erst dann kann die jüdische Wählerschaft ehrenwerten Männern wieder zumuten, das opferreiche Ehrenamt eines Kultusrates zu übernehmen, erst dann ist wieder Platz und Zeit für geistige Kämpfe um Weltanschauung s f r a g e n, um Nationalität und Assimilation, um den Aufbau Palästinas und das Leben in der Diaspora. Zuerst weg mit jenen wahren Assimilanten, die sich leid er nur allzu sehr den korrupten Methoden außerjüdischer Parteien anzupassen verstanden! Die jüdischen Wähler, ob Zionisten oder Antizio nisten, ob jüdischnational oder assimilatorisch, ob orthodox, konservativ oder fortschrittlich, sie alle sollten sich bewußt werden, daß es diesmal vor allem um die Reinheit des öffentlichen jüdischen Lebens handelt. Wenn auch meine politischen Anschauungen in der ..Judenfrage" in scharfem Gegensatz zu den Ihren stehen, so fühlte ich mich dennoch als Jude zu diesem Schreiben verpflichtet; denn Schweigen bedeutet hier Zustimmung. Daniel R.*) „Die Judenfrage sinngemäß zu be~ handeln!" Wie die „Olympia-Pause", deren erste Hälfte nun schon hinter uns liegt, in der Praxis organisiert wird, zeigt folgendes Rundschreiben des Kurdirektors von Bad Tölz: Streng vertraulich! Bad Tölz, den 9. Februar 1936. Mitteilung an alle Gast- und größeren Beherbergungsstätten. Anläßlich der Olympischen Spiele wird auch Bad Tölz von zahlreichen Ausländern besucht werden, die leider noch immer eine falsche Auffassung über das neue Deutschland, haben. Das Gaststätten- und das Beherbergungsgewerbe steht im Frerrtdenjahr 1936 deshalb in vorderster Front. Die ausländischen Besucher müssen deshalb unter allen Umständen davon überzeugt werden, daß die Gastlichkeit Deutschlands von keinem anderen Land der Erde überboten werden kann. Im Benehmen mit der politischen Leitung bitten wir deshalb auch die Judenfrage sinngemäß zu behandeln. Heil Hitler! Aus Bad Tölz wurden, wie noch erinnerlich sein wird, im Sommer 1935 von einem auf den anderen Tag sämtliche jüdischen Kurgäste verjagt. Hals über Kopf mußten sie alle Hotels und Pensionen verlassen. Diesmal hingegen ist „untei allen Umständen" so zu verfahren, daß falsche Auffassungen über das neue Deutschland sinngemäß berichtigt werden. *) Obwohl der Einsender seine Zuschrift als „offenes Schreiben" bezeichnete und die Bekanntgabe seines Namens nicht verboten hat, halten wir es für angezeigt, einen solchen Idealisten vor terroristischen Atigriffen zu bewahren. Die Redaktion. Vier Jahrzehnte „Schmidl-Mazzoth". Seit vierzig Jahren schwören die Feinschmecker und Kenner unter den Juden Wiens auf-„Schmidl- Mazzoth". Wenn das Pessachfest näherrückt, freuen sich viele schon auf den bevorstehenden Genuß, den ihnen die vorzüglichen „Schmidl-Mazzoth" bereiten werden. Mazzoth essen ist gut „SchmidJ-Mazzorh" essen — ist ncch besser!' Der ausgezeichnete Ruf, den die „SchmMli-Ma'ZZOth" seit Jahrzehnten genießen, hat sich In den letzten Jahren zu einer Popularität und Beliebtheit gesteigert die nicht nur alle Bezirke Wiens, sondern auch viele Provinzorte und das Ausland umfaßt. Es ist dies das Verdienst des Inhabers der „Schmidl- Mazzoth'-Fabrik, Herrn Nathan Brodetzky, den Wiener jüdischen Hausfrauen seit Jahrzehnten als der liebenswürdige und tüchtige Chef der großen Lebensmittelhandlung, II., Leopoldsgasse 43, bekannt Herr Brodetzky. hat seine große Fachkenntnis und vielseitige Erfahrung ün den Dienst seines Unternehmens gestellt. Neue Rezepte, Verwendung nur erstklassiger Mehlsorten, Veredlung des Erzeugungsprozesses, neue maschinelle Vorrichtungen, strengste Reinlichkeit und Ausnützung der modernsten Errungenschaften haben •<lazu geholfen, ein Produkt zu schaffen, das an Qualität, Geschmack und Bekömmliehkeit einfach unübertroffen ist Die religiösen Vorschriften werden unter Aufsicht des Herrn Oberrabbiners B a b a d .strenge eingehalten. Gememde&wonik. Baden bei Wien. Vor wenigen Wochen war von einer Entscheidung zu lesen, die der Bundesgerichtshof in einem Streit zwischen Kultusvorstand und Oberrabbiner in Baden gefällt hat. Man registrierte mit Schmerz, daß es möglich ist, daß in der heutigen Zeit derartige Uneinigkeit innerhalb einer jüdischen Gemeinschaft vorherrschen kann, daß die Gerichte bis zur höchsten Instanz in Anspruch genommen werden müssen. Üm so erfreulicher ist es, daß wir nunmehr von einem vollkommenen Friedensschluß zwischen dem Kultusvorstand Baden und ihrem Oberrabbiner berichten können, der am Purim sichtbaren Ausdruck fand. Am Purim-Abend versammelte sich die Gemeinde mit dem gesamten Präsidium an der Spitze in der Wohnung des Oberrabbiners Dr. Carlebach zu einer schönen und harmonisch verlaufenen Feier, in der sowohl der Rabbiner als der Gemeindepräsident Dr. Rudolf Lackenbacher ihrer Freude über die Beendigung des seit Jahren zermürbenden und zersetzenden Kampfes Ausdruck verliehen. Dr. Lackenbacher appellierte an die ganze Gemeinde, das Friedenswerk zu fördern, und es ist im Interesse der Gemeinde Baden zu erwarten, daß hier nunmehr ein dauerhafter Friede geschlossen wurde. n. Barmizwa Jakob Taubes. Samstag, den 7. März, fand im Pazmanitentempel die Barmizwa des Sohnes des Rabbiners Dr. Taubes statt. Es waren sehr viele Freunde der Familie gekommen, auch Vorstandsmitglieder der Kultusgemeinde, der Ehrenpräsident der „Union" Dr. J. O r n s t e i n, Vertreter von Tempelvereinen und wissenschaftlichen wie Wohlfahrts-Instituten, an denen Herr Rabbiner Dr. Taubes tätig ist. Der Vorstand des Tempelvereines „Aeschel ' Awrohom" war mit seinem Obmann, Herrn Oskar Schräme k, vollzählig erschienen. Die kantoralen Funktionen versahen Oberkantor Müller und Kantor Stift in ausgezeichneter Weise. Als Maftir wurde der Barmizwa zur Thora aut- "erufen, er las seinen Abschnitt, sowie die Hafthora in schöner Weise mit vollem Verständnis vor. Oberkantor Müller hatte als Lehrer vollen Erfolg mit seinem Schüler Nach dem feierlichen Mischeberach des Oberkantors richtete Herr Rabbiner Dr. Taubes an seinen Sohn eine Ansprache, in welcher er demselben nicht nur väterliche Weisungen gab, sondern auch darauf hinwies, daß er, der sich seit seiner Kindheit mit Thorastudium befaßt, es als höchstes Ziel seines Lebens betrachten soll, immer tiefer einzudringen in die Ethik des Judentums und mit voller Hingabe für die judiscne Lehre und das Judentum einzutreten. Der Rabbiner verlas sodann einen hebräisch abgefaßten, an seinen Sohn gerichteten Brief, in welchem er auf seine Voreltern, wie an die großen Lehrer des Judentums hinwies und ihm — mit bewegter Stimme — Glück, Gesundheit und Gedeihen für sein ferneres Leben wünschte. Ganz besonders hob der Rabbiner hervor, daß der Barmizwa unter seiner Aufsicht eine hebräische Abhandlung über die Verordnungen der „TefilUm" verfaßt habe. Eine Abteilung dieser schwierigen halachischen Arbeit rezitierte in freier Rede der Konfirmand in erstaunlich gewandter Weise und wurde für diese erste Probe seines Könnens von den Anwesenden mit einem lauten und aufrichtigen Jejascher kauchacho ausgezeichnet. In ihrem stets gastlichen Hause empfing Sonntag, Purim, nachmittags, das Elternpaar dieses durch seine stupenden jüdischen Kenntnisse hervorragenden Barmizwa eine sehr große Anzahl Gäste, darunter che Herren Oberrabbiner Dr. F e u c h t w a n g und Doktor Taglicht, Rektor Prof. Dr. Sam. Krauß, die Herren Rabbiner Dr. R o s e n m a n n, Studienrat Dr Bauer und Dr. Z. Schwarz, Herrn Prof. Dr. H. S t e r n, Herrn Prof. Dr. B r o n n e r u. v. a. Auch vor diesen prominenten Gästen hielt der Barmizwa aus dem von ihm verfaßten halachischen Buche frei und ohne Scheu einen Vortrag. Auch hier erzielte der zukünftige junge Gelehrte wohlverdienten Beifall. Herr Oberrabbiner Dr. Feucht wang gab seiner und der übrigen Gäste Freude in einer inhaltsreichen Rede Ausdruck. Er lobte die Erziehung der Eltern, aber auch die hier bekundete Fähigkeit des Sohnes, den er „Isen jechidi" nannte, einen in seiner Art einzig dastehender. Barmizwa. Er sprach den Wunsch aus, daß der Knabe im Sinne seiner hochgeschätzten und allbeliebten Eltern heranwachse und ihnen durch seine immer fortschreitenden und zunehmenden Kenntnisse allezeit nur Freude bereiten möge. Diesem aufrichtigen, herzlichen Wunsche, der auch in den unzähligen Glückwunschtelegrammen zum Ausdruck kam, schlössen sich alle Anwesenden mit vielem Beifall an. R. K. Todesfall. Am 6. März starb Herr Jakob Stern. Der Verblichene war seit Jahrzehnten im jüdischen Vereinsleben sehr verdienstvoll tätig. Er war einer der Gründer und eine Zeitlang Obmann des Bethaus- und Wohltätigkeitsvereines „Marpe Lanefesch", der vor wenigen Wochen seinen vierzigjährigen Bestand feierte. Im Jahre 1908 wurde er in den Vorstand der Adas ei Wien II., Praterstraße 30 das Haus für elegante Wohnungseinrichtungen GROSSFLEISCHHAUEREI tIEGM, KORNHEHL WIEN IX., BERGGASSE MR. 19 FILIALEs XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-31 Lieferant f'"r Heilanstalten AbteilungentürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Jisroel (Schiffschul) gewählt. Er nahm dort durch 20 Jahre eine maßgebende Stellung ein und durch seine hingebende, durch Sachkunde ausgezeichnete Arbeir machte er sich um das Aufblühen und um die Hebung des Ansehens dieser in der Wiener glaubenstreuen Judenschaft führenden Vereinigung hervorragend verdient, seine Leistungen fanden die ungeteilte» Anerkennung aller Mitglieder der Adas Jisroel. Der Bezirkskommission für den 2. Bezirk gehörte er seit dem Jahre 1920 an und in derselben war er wegen seiner Sachlichkeit sehr geschätzt; sein Wort fand insbesondere in religiösen Angelegenheiten, zumal in Fragen der Mikwah besonderes Gehör. Von der Wertschätzung, die er, ein aufopfernder Gatte und Vater, genoß, gab die ungewöhnlich große Beteiligung an seinem Leichenbegängnis Zeugnis. Die Herren Rabbiner Schenk und Benedikt würdigten die persönlichen Eigenschaften des Heimgegangenen. Herr Kommerzialrat B o n d i spraen als Obmann des Adas Jisroel tiefempfundene Worte des Dankes für die unvergeßlichen Leistungen. An der Bahre betrauerten ihn die Witwe und 3 Kinder, von denen die beiden Söhne angesehene Aerzte sind. Die Tochter ist die Gattin des Prof. Salzer in Großwardein. Die Union österreichischer Juden beklagt in Stern ein treues, aufrechtes Mitglied, der im Vorstand ihrer Bezirksorganisation II. eifrig tätig war. Purimfeier. Der Reichsverband jüdischer Legitimisten Oesterreichs veranstaltete am -Ld. im neuen Saale des Cafe Herren hof als Purimfeier eine heitere Akademie mit Tanz, die einen glänzenden Verlauf nahm. Der reichdekorierte Saal war von einem äußerst distinguierten Publikum, in dem man zahlreiche Kameraden in altösterreichischer Uniform und in Vereinsuaiform bemerken konnte, dicht gefüllt und bot ein prächtiges farbenreiches Bild. Am Beginn hielt Herr Ludwig H a 11 e r die Festrede, in der er die Bedeutung des Purimfestes in kernigen und treffenden Worten würdigte und ein Hoch auf den Kaiser ausbrachte, in das die Zuhörer begeistert einstimmten. Hierauf wurde die Volkshymne intoniert. In dem nun folgenden künstlerischen Te;l der Akademie konnte man zuerst die ausgezeichtneten und vielversprechenden Leistungen des Tenors Siegmund Sperling, begleitet von Kapellmeister Dr. Ernst Bach rieh bewundern: sodann braefrte Adele Bauminger, begleitet ven Trude K a n d I zwei Violinpiecen wirkungsvoll zum Vortrag. Die bekannte kleine Tänzerin und Sängerin Lisi Weinberger erfreute durch ihre wie immer guten Darbietungen das Publikum. Fs iolgten Klaviervorträge der vorzüglichen Pianistin S e 1 m a G ö t z 1 - L i b owitz und Verträge des Humoristen R o d e c k. weiiers die lustige und überaus unterhaltende Ada Kelsen. Zum Schlüsse gab der Kom'ker Leo Werter, der auch in launiger Weise die Conference besorgte, ausgezeichnete lustige Vorträge zum besten. Sämtliche Künstler fanden reichen und stürmischen Beifall beim PubPkum. Sodann trat der Tanz in seine Rechte, dein sich jung und alt unter den Klängen des Jazzorehcsters Zel wecker bis in vorgerückte Stunde mit Eiier Inngab. Um das Gelingen des Festes hat sich der Ausschuß des Frauenbundes, allen voran die unermüdliche Präsident1!! Frau Anna Sommer sowie Frau J o s ei i n e Fischer große Verdienste erworben. Israel. Humanitätsverein für den 10. Bezirk. Am Sonntag, den 1. März, veranstaltete der durch sein segensreiches Wirken allseits bekannte „Israelitische Humanitäts- und Chewraverein für den 10. Bezirk" seine 58. ordentliche Generalversammlung. Bei dieser unter Vorsitz des Obmannes Med.-Rat Dr. Richard Back abgehaltenen Versammlung waren Vertreter vieler Chewra- und Humanitätsvereine anwesend. Schriftführer Oskar Schmeyer erstattete den Tätigkeitsbericht, aus welchem man die hervorragenden humanitären und pietätvollen Chewraleistungen dieser frommen Vereinigung, welch letztere unter bewährter Leitung des zweiten Obmannes Alfred Tonelles steht, ersah. Kassaverwahrer Julius F e ß I e r berichtete an Hand von Zahlen, daß durch den Humanitätsverein viel Not, Elend, Sorge und Hunger gelindert wurde. Dem bisherigen Gesamtvorstand wurde der Dank und das vollste Vertrauen ausgesprochen und derselbe abermals gewählt. Der alten Tradition gemäß fand, wie alljährlich, am SChrelbmaschinenarbeiten jeder Art, Abtippen von Dissertationen, Dokumenten Zeugnissen etc. sowie; Übersetzungen in franz. engl, und polnischer Sprache (auch Handelskorrespondenz) besorgt allerbilligst L. Hochberger Wien IV., Mayerhofgasse 2a/18

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