Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1936-02-28 · Heft 10 (28.2.1936) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 10 (28.2.1936)
Date
1936-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064606-3064616--20577-3085837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

DIE WAHRHEIT Nr. lü — 28. Februar 1936 Seite 5 B ■- Wiener Judensdkaft einig: ■■■HBHBII^B ■ zu (fessadt $dkmidt~ Jtfazzoth \ £tn VersiMfi wwixd *ie fißeraeugenf 2 Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberg rabbiner Babad m Jlathan (firodetz&ij ■ Zentrate: Wien, 2. (Bezirk, £eot>otds£asse %3 S Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63, ■ Die 3ffimlM-DHla.xx.ottk und das Fabrikat JftttmGe StttmtdtJft. ÜS." ■ (Mazzoth, Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. ■ iiiiiiHiiiiiuiiiiniMiimmuiiiinmiiniiMiiiiHUiS Vor lästigen Verfärbungen schützt O DOL-Zahnpasta Ibra Zä).r e. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich. ODO I.¬ Zahnpasta macht Zähne wie Perlen l Kieme Tube S —SO Große Tube 3 1-40 Glaubensgenossen gehätschelt werden, wie ihre Bestrebungen von den nationalsozialistischen Führern Förderung erfahren!, während die nichtnationalen .luden Deutschlands jeder Freiheit dar Meinungsäußerung beraubt sind, da ihre Zeitungen beschlagnahmt und ihre Versammlungen verboten werden, um zu erkennen, welch unbewußte schmerzliche Satyre Stricker mit den Worten schreibt: „Dem von Theodor Herzl geschaffenen politischen Zionismus ist es gelungen, die Mauer zu durchbrechen, welche das jüdische Volk von der gerechten und klarsehenden nichtjüdischen Welt getrennt hatte." Mit den Nürnberger Judengesetzen wollte Adolf Hitler den letzten Versuch machen, ein erträgliches Verhältnis zwischen Deutschen und Juden auf einer Eben© herzustellen. Die jüdischnationalen und politischen Zionisten haben sich mit den Nationalsozialisten auf einer Ebene gefunden in dem Endziel: Juden heraus aus Deutschland, nach Palästina mit ihnen. Wiir haben schon wiederholt betont, daß die Jüdischnationalen sich des Wortes „Zionisten" und des Zionismus bedienen, um damit ein Wort für Piopagandazwecke zu mißbraxichen, dem die Juden der ganzen Welt aus religiöser und seelischer Sympathie nicht widerstehen können. In diesem Sinne werden wir auch so wie bisher — genau so wie unsere Glaubensgenossen in England, Frankreich und Amerika — es immer als unsere Pflicht ansehen, dem nichfnationalen und unpolitischen Zionismus die größten Opfer zu bringen. Und nur noch ein Wort über den Charakter, den Stricker den Unionisten abspricht. Charaktervoll ist der Mann, der nach seiner Ueberzeugung handelt. Entsprach es der Ueberzeugung des Herrn Oberbaurates Stricker von ehedem, daß in der Kultusgemeinde Wien eine luogo di traffico errichtet wird? Kann von charaktervollem Hanblieb im Zelt allein mit dem von Wein trunkenen Holofernes; dieser fiel nieder auf sein Bett und schlief ein. Da trat sie zur Säule, welche oben am Bett des Holofernes stand, und entnahm dieser sein Schwert. Sie packte dann Holofernes beim Schopf, hieb mit Kraft zweimal über seinen Hals und schnitt ihm den Kopf ab; danach wälzte sie seinen Leib aus dem Bette, nahm von der Säule den Vorhang und ging. — Es kamen Jehojakim, der Hohepriester, und die Aeltesten in Israel aus Jerusalem und sprachen zu Judith: Du bist die Krone Jerusalems, du bist die Pracht Israels, du bist die Ehre des ganzen Volkes. (Buch Judith.) In ihrer ganzen Pracht zeigt uns A 11 o r i Judith, die Heldin. Majestätisch steht sie da. In ihrer Rechten hält sie fest das Schwert, ebenso beim Schopf in ihrer Linken das tierische Haupt des Holofernes. Neben ihr ihre sie bewundernde Magd. Die sechste Judith in der Wiener Gemäld e- Galerie ist von Lukas C r a n a c h dem Aelteren. Dieser Altmeister der deutschen Malerei hebt noch mehr als Aliori das Heldische an Judith hervor. Cranachs Judith hält Schwert und Kopf des Holofernes derart, als ob sie verkünden würde: Mit diesem Schwert habe ich dieses Haupt erobert. Sie ist überdies mit Ritterrock und Ritterhut bekleidet. Was Goethe auf seiner italienischen Reise von einem Gemälde von Tintoretto sagte, wollen wir von den Gemälden von Botticelli und Allori, welche Judith, die Heilige und Heldin, darstellen, behaupten. ..Leichtigkeit des Pinsels, Geist, Mannigfaltigkeit des Ausdruckes, dies alles zu bewundern und sich dessen zu erfreuen, müßte man diese Stücke selbst besitzen und sie zeitlebens vor Augen haben." —n. dein gesprochen werden, wenn aus parteipolitischen Gründen Herrn Moses Rath die Stelle eines Direktors der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde verliehen wird? Ist es charaktervoll, für die Zustimmung zur Verleihung der Stelle eines A ni t sdirektors an Dr. Josef Löwen herz die Stelle eines Vizepräsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde einzuhandeln? Ist die Befriedigung persönlicher Eitelkeit durch Anwendung unerlaubter Mittel und die Verfolgung v o n p e r s ö n 1 i, c Ii e n und P a r t eii n t e )r e s s e n auf Kosten der A 11 g ein e i n h e i t ein charaktervoller Grundsatz? Herr Oberbaurat Stricker hat das Recht verwirkt, in Fragen des Charakters als arbiter aufzutreten. „DieGrundsätze der Gerechtigkeit verletzt". Die Resolution des Weitverbandes der Völkerbundligen über die deutsche Judentrage. Gemäß der Anregung der, niederländischen Völkerbundsliga hat die juridischpolitische Kommission des Weltverbandes der Völkerbundligen, der dieser Tage in Genf tagte, dem folgenden Entschließungsentwuri in der Frage der Juden in Deutschland ausgearbeitet, der dem Kongreß des Weltverbandes, der am 31. Mai 1936 in Glasgow beginnt, vorgelegt werden wird: „Der Weltverband der Völkerbundligen erinnert an die von der XIX. Konferenz in Brüssel angenommene Entschließung über die Lage der Juden in Deutschland, stellt fest, daß die durch die Brüsseler Konferenz verurteilten antijüdischen Maßnahmen nicht nur nicht rückgängig gemacht, sondern noch b e- Wien IL, Praterstraße 30 das Haus für elegante Wohnungseinrichtungen sonders verschärft wurden durch die in Nürnberg am 15. September 1935 promulgierten zwei Gesetze betreffend a) die deutsche Staatsbürgerschaft und b) den Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre. In Anbetracht dessen, daß die Gesetzgebung betreffend die Nichtarier und ihre Behandlung und, im allgemeinen, die durch die deutsche Regierung praktizierte Politik auf dem Gebiete des Glaubens und der Gedankenfreiheit die allgemeinen gehenden Grundsätze der Gerechtigkeit verletzen — Grundsätze, wie sie insbesondere iro den Minderheitenschutzverträgen zum Ausdruck gelangten, die für die deutschstämmigen Minderheiten gefordert und erlangt wurden —. und daß eine solche Gesetzgebung und eine solche Politik für andere Staateini ernste Schwierigkeiten zur Folge haben, insbesondere durch die Rechtskonflikte auf dem Gebiete des Eherechtes und durch den Zufluß von Flüchtlingen, lenkt der Weltverband der Völkerbundligen die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung auf das schwere Hindernis, welches sich aus dieser Politik für die Wiederaufnahme einer internationalen Zusammenarbeit mit ihr ergibt, und spricht den Wunsch aus. daß die nächste Vö.lkerbundversamintung die Gelegenheit wahrnehmen wird, die verschiedenen Maßnahmen zu prüfen, die diese Lage eriorderlich macht." Der holländische Berichterstatter erklärte auf Grund der Feststellungen des Hochkommissars des Völkerbundes James G. MacDoinil d. daß die Deutschen den Emigranten auch ihren Besitz und ihre Habe in einer der Zivilisation durchaus widersprechenden Weise vorenthalten. Ferner wird in dem Bericht erklärt. Deutschland dürften keine Kolonien übertragen werden, solange es gegenüber seiner eigenen Minorität auf Grund der Rassenlehre das internationale R e c Ii t v e r g ew a I t i g t. Die deutsche V ö 1 k e r b u n d l i g a, die bisher formell dem Weltverband angehört, aber sich schon von der Brüsseler Konferenz zurückgezogen hatte, teilte dem Generalsekretär des Wel'tverbandes schriftlich mit, daß sie die Frage der Juden in Deutschland als eine „innere deutsche Angelegenheit" betrachtet, die von keinem internationalen Vorband diskutiert werden kann. Gleichzeitig teilte der Vorsitzende der deutschen Völkerhimdliga dein Generalsekretär mit. daß die deutsche Liga endgültig a u s d e ui W e 11 v e rband austritt und demnächst überhaupt a u f g e I ö s t werden wird. Sir Neil Malcolm über seine Aufgaben. Generalmajor Sir Neil M a I c o 1 in, der neue Hochkommissar für die jüdischen und anderen Flüchtlinge aus Deutschland, gewährte einem Vertreter der Londoner .ITA eine Unterredung, in der er sich über die mit seinem Amt verbundenen Aufgaben äußerte. Sir Nei! bemerkte einleitend, er habe seine Arbeit bereits aufgenommen, und stellte sodann iest. dal', seiner Auffassung nach das Oberkomniissariat mit der w i r tscliafts- und b e r u i s i ü r s o r g e r i s c Ii e <i Seite des F 1 ü c Ii 11 i u g s i> r o b 1 e in s nichts zu tun haben soll. Dieser Teil der Arbeit solle vielmehr ganz den P r i v a t o r g a n i s a t i o i) e u f ii r r! ii o h tliugshilfe überlassen bleiben. (!) Ich werde mich, erklärte der Hochkommissar, schließlich mit den politischen und rechtlichen Fragen befassen, die Personen von dem Zeitpunkt ab, an dem sie Flüchtlinge geworden sind, betreffen. Das heißt, dal! ich mit den inneren politischen Verhältnissen in Deutschland nichts /..\ tun haben werde. Der Völkerbund beiaßt sich nur mit dem politischen und rechtlichen Status von Menschen, nachdem sie Flüchtlinge geworden sind. Kr befaßt sich dagegen nicht mit ihrer wirtschaftlichen Lage, um die sich Institutionen zu kümmern haben, die wir als philanthropische oder fiirsorgerische bezeichnen können. Es wird eine deutliche Abgrenzung der Arbeitsgebiet-.- stattfinden. Das, was der Völkerbund jetzt tun will. \n weit entfernt v on de m, w a s t r ii Ii e r der V ö!- kerbundskommissar getan hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.