Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 9 (21.2.1936)
- Date
- 1936-02-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIEWAHRHEIT —-"-—:--k GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHR1NGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-U Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsicht des ehr«. Rabbinates der Isr» Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen von ihm. Seine letzte Arbeit — die Fertigstellung erlebte er nicht mehr — das Bahrtuch für die geplante Ueberführung Theodor Herzls — ist eine Symphonie monumentaler jüdischer Kunst. Als Lehrer wirkte Strnad über 20 Jahre an der Wiener Kunstgewerbeschule. In überzeugender und hinreißender Beredsamkeit begeisterte er seine Schüler ind versuchte ihnen seine Ideen zu schenken. Proben seines Wirkens als Lehrer sind in einem Saal zu sehen. — Eine Fundgrube für Lehrer und Schüler. Als geborener Redner — denn er hatte immer unendlich viel zu sagen, zählen seine Vorträge zu den eindruckvollsten Erinnerungen. Diese Ausstellung ist eine überzeugende Manifestation jüdischen Geistes, jüdischen Schaffens und jüdischer Kraft. Mau sieht Strnad auf allen Gebieten der Kunst — in der Welt anerkannt. Es ist Pflicht jedes Juden, diese Ausstellung zu besuchen. Innere Erhebung Lind ein unendliches Glücksempfinden, ausstrahlend aus dieser Zauberwelt der Schönheit und Harmonie, lohnen reichlich den Besuch. Lp- Strahlen und Streiflichter. Abschnitt Mischpatini und Sabbath Schekalim. Wenn du die Häupter der Kinder Israel zählst . . . auf daß ihnen nicht eine Plage widerfahre, wenn sie gezählt werden (II. B. M. 30. 12). Der Zusammenhang zwischen der Zählungsart und der drohenden Plage ist klar. Wir werden leider viel zu oft gezählt. Immer wieder findet man auf verschiedenen Gebieten, daß es zu viel Juden gibt. Moses dagegen hat nicht die Kopfzahl, sondern die Beitragsleistung zum Bau des Heiligtüms. als Grundlage seiner Zählung genommen. Eine Zählung unserer Beiträge zum Aufbau des Heiligtums menschlichen Geistes würde auch heute zu unseren Gunsten ausfallen, manche Plage würde uns erspart bleiben. Diese Münze sollen sie beisteuern (30. 13). Die besondere Betonung ist auffallend und regt unsere Lehrer an zu bemerken. Gott zeigte Mose eine aus Feuer geprägte Münze und sprach: diese Münze . . . (Midrasch). — Der Beitrag für das Judentum darf nicht aus kaltem Metall sein; er muß durchglüht werden vom Feuer der Liebe und der Begeisterung. Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst (21, 6). Die jüdische Gesetzgebung beginnt mit der Behandlung des Sklaven, da es keine größere Not geben kann als, der Freiheit beraubt, in Sklaverei zu leben. Wenn Leute miteinander in Streit geraten und siner den anderen mit einem Stein oder mit der Faust schlägt ... er soll für die Heilung sorgen (21, 15—19). Zu diesen Versen bemerkt der berühmte Rabbi Jonathan Eibuschütz, der seinerzeit im Mittelpunkt eines langwierigen Streites gestanden ist: So sehr auch der Angriff mit der Faust zu verdammen ist, es ist dennoch der dauernde Streit viel schlimmer. Von der körperlichen Verletzung betont die heilige Schrift, daß sie geheilt werden kann. Die seelischen Leiden, durch Schmähung und Verleumdung verursacht, sind unheilbar. Zu II. B. M. 22, 3. Nach jüdischem Recht wird der Dieb strenger bestraft als der Räuber. Beide kennen keine Gottesfurcht. Der Räuber, der offen auftritt, scheut •veder Gott, noch Menschen, der Dieb stiehlt aber im Geheimen, weil er die Menschen scheut. Er stellt also die Menschen höher als Gott. Seit tausend Jahren schon wird der Myrrhe-Extrakt, der sich gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches besonders wirksam erwiesen hat, verwendet. ODOL-Mundwasser enthält neben dem Odol-Antiseptikum, den Myrrhe-Extrakt. Nr. 9 — 21. Februar 1936 Wenn der Anne zu mir schreit (2222). Die einzige Waffe der Armen und der Unterdrückten ist, daß sie schreien können. Wie oft wird ihnen auch diese Waffe genommen. Meinem Volke, den Armen, die mit dir sind (22,24). Gottes Volk, das sind die Armen. Ein reither Mensch, der arme Verwandte hat, schämt sich ihrer: Gott zieht die Armen vor. So wird auch Gott dereinst, wenn er sein Volk erlölt, die Armen vorziehen. So sagr auch Jesaia (40, 13): Es wird Gott sein Volk trösten, seiner Armen sich erbarmen. Die Armen kommen an erster Stelle. Kalte dich fern von Worten der Lüge (23, 7). Es ist der einzige Fail, daß die heilige Schrift uns nicht nur eine Sünde, sondern auch jedes Nahekommen und jede Berührung verbietet. Frage: Wir lesen in den Psalmen (85, 12): Die Wahrheit soll sprossen aus der Erde. Wenn die Wahrheit so leicht zugänglich ist, warum ist sie dann so selten zu finden? Antwort: Die Wahrheit ist wirklich so nahe und greifbar, wie ein Grasbüschel; wir sind nur viel zu bequem, um uns nach ihr zu bücken. —n —n Prof. Dr. S. Krauss — 70 Jahre Aus Anlaß des 70. Geburtstages des allseits verehrten und geschätzten Wissenschaftlers und Gelehrten Prof. Dr. Samuel K r a u ß fanden anfangs dieser Woche schöne Feierlichkeiten statt, die so recht die Beliebtheit, bewiesen, deren sich der Jubilar wegen seiner hervorragenden Verdienste um die Wissenschaft des Judentums allseits erfreut. Den Anfang machte eine Festsitzung des Kuratoriums der Israelitisch-theologischen Lehranstalt, an der Prof. Dr. S. Krauß als Vorsitzender des Lehrerkollegiums hingebungsvoll wirkt. Die Festsitzung fand Sonntags vormittags im Sitzungssaale der Kultusgemeinde statt; ihr wohnten zahlreiche prominente Persönlichkeiten des jüdischen Wiens bei. So sah man außer den Mitgliedern des Kuratoriums und der Familie des Jubilars alle Wiener Gemeinde- und Vereinsrabbiner, mehrere Kultusvorsteher, hervorragende Vertreter der jüdischen und allgemeinen Wissenschaft, die Schüler der Lehranstalt u. v. a. Von Oberrabbiner Dr. I. Tagiic :t und Rabbiner Dr. M. Rosen mann begleitet, ersenien der Jubilar, mit herzlichen Ovationen begrüßt, im Sitzungssaale. Der Präsident des Kuratoriums, Dr. J. O r n s t e i n, richtete an ihn eine innige Begrüßungsansprache, in der er darauf verwies, daß Prof. Dr. Krauß außer dem nun von ihm in vollster geistiger und körperlicher Frische begangenen physischen Jubiläum des 70. Geburtstages im heurigen Jahre auch ein geistiges Jubiläum feiert; am 1. Oktober werden es 30 Jahre, daß er mit der israetisch-theologischen Lehranstalt in Verbindung trat, nachdem er schon vorher 17 Jahre an dem Budapester Seminar ersprießlich wirkte. Tausende von Schülern sind in diesen 47 Jahren, von ihm unterwiesen, in die Welt hinausgepilgert und haben seinen Ruhm verkündet, zu dessen Größe er vor allem durch seine vielen Werke auf allen Gebieten der jüdischen Wissenschaft beigetragen habe. Dr. J. Ornstein brachte schließlich die innigsten Wünsche des Kuratoriums zum Ausdrucke, das mit all den vielen Freunden des Jubilars hoffe, daß die jüdische Welt noch zahlreiche Früchte seiner Forschertätigkeit werde begrüßen können. Sekretär Fuchs brachte hierauf den deutschen Text der schönen Huldigungsadresse des Kuratoriums zur Verlesung, deren hebräischen Text Dr. Kristianpoller verlas. Ueberaus eindrucksvoll war die Ansprache, die Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang an seinen Freund Prof. Dr. S. Krauß richtete. Er ging von historischen Betrachtungen über die Geschichte der Wissenschaft des. Judentums aus, deren Begründer er rühmend charakterisierte. An diese großen Meister hat Prof. Dr. S. Krauß angeknüpft und als eifriger Sämann die Saat in jede Furche des geistigen Feldes der Wissenschaft des Judentums gelegt. Mit seltener Universalität hat er von der Bibel bis zur Geschichte der Gegenwart seine hervorragenden Forschungen angestellt, insbesondere auf dem Gebiete der Archäologie des Talmuds hat er eine wissenschaftliche Tat gesetzt, die unsterblich bleiben wird. Solche glanzvolle wissenschaftliche Leistungen sind besonders bemerkenswert in einer Zeit, da die Wissenschaft oft im Dienste falscher, die Welt knechtender und verdummender Ideen steht. Besonders rühmenswert ist die Tatsache, daß der Wissenschaftler Krauß stets an den Grundfesten des Judentums festgehalten und seine Wissenschaft auch in den Dienst der Gläubigkeit gestellt hat Mit der mit Beifall aufgenommenen Mitteilung, daß in Kürze eine wissenschaftliche Bibliographie aller Arbeiten und Werke des Jubilars erscheinen wird, und mit herzlichen Glückwünschen schloß Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang seine gehaltvolle Rede. Ferner gratulierten Präsident Doktor D. Friedmann namens der Kultusgemeinde, Prof. Dr. Aptowitzer in einer gelehrten Ansprache, in der er das unerschütterliche Selbstvertrauen und den kühnen Wagemut des Jubilars lobte, namens seiner Lehrkollegen Herr Badler in einer hebräischen und deutschen Ansprache für die ihrem Lehrer mit Liebe und Verehrung ergebenen Hörer der Israelitisch-theologischen Lehranstalt und Hof rat Dr. S. Frankfurter. Prof. Dr. S. Krauß dankte in herzlichen Worten für die ihm gewordene Ehrung, die er nicht für sich, sondern für die jüdische Wissenschaft in Anspruch nehme, deren Träger er sei. In beweglichen Worten beklagte er die mangelnde Berücksichtigung, die die räum- Seüe_7 Wien l.i Seitenstettengasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem I. Tor Sanutag g«achlo.sen! iich beengte und ganz versteckt untergebrachte Israelitisch-theologische Lehranstalt lv.-i den maßgebenden Faktoren des jüdischen Wiens findet. Kr gab der Hoffnung Ausdruck, daß die heutige Feier Veranlassung geben «erde, sich mit diesem ernsten Problem zu belassen, Remedttrcn auf diesem Gebiete werden für ihn das schönste Geburtstagsgeschenk sein. Präsident Dr. J. Ornstein schloß hierauf die Festsitzung. Den vielen Feiern, die aus Anlaß des 70. Geburtstages von Professor Samuel Krauß stattfanden, schloß sich der Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien, dessen Präsident der Jubilar ist, mit einer großangelegten Festvers a m m i u n g im Lokale des Sportklubs „Hakoah" am 17. Februar 1936 in äußerst würdiger Weise an. Die Feier, welche vor einem ganz erlesenem Publikum abgehalten wurde, wurde mit einigen herzlichen Worten an den Jubilar und die Ehrengäste seitens des Vizepräsidenten des Vereines, Herrn Obermedizinairates Dr. Heinrich Haase eingeleitet. In großangelegter, eindrucksvoller Rede feierte sodann der 1. Vizepräsident des Vereines, Herr Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n, wiederholt von Beifall unterbrochen, den Jubilar als Schöpfer und Begründer der jüdischen Hilfswissenschaften, ohne deren Benützung gegenwärtig ein ernstes wissenschaftliches Arbeiten unmöglich wäre, nannte die drei Hauptwerke: „Lehnwörter". „Talmudische Archäologie", „Synagogale Altertümer" unvergängliche Denkmäler jüdischer Forschung und bezeichnete den Jubilar als Klassiker der Epigonenzeit. Das wissenschaftliche Gebiet verlassend, erzählte Herr Rabbiner Dr. Rosenmann eine interessante Episode aus dem gemeinsamen Leben beider: Als Herr Rabbiner Doktor Rosenmann in der Berliner königlichen Bibliothek sich einst das Speziallexikon zur Septuaginta von einem Bibliotheksdiener hatte geben lassen, da trat auf ihn ein älterer Student zu und erbat es sich auf einige Zeit. Fs stellte sich heraus, daß dies niemand anderer war als unser heutiger Jubilar. Seit damals verbinde beide eine innige Freundschaft, die auch anhielt, ja sogar gefestigt wurde, als sie beide nach Wien berufen wurden. Nun gratulierte Herr Rabbiner Doktor Rosenmann dem Freunde in einer überaus rührenden Weise, welche das Publikum die Herzlichkeit des Augenblicks voll und ganz erleben ließ. Sodann wurde Herrn Prot. Krauß eine von Maler Reinhold P o 11 a k künstlerisch ausgeführte Dankadresse, verlesen von Herrn Vorstand M a y, überreicht, in welcher in sinniger Weise die vier charakteristischen Tätigkeiten des Jubilars bildlich dargestellt sind. Herr Prof. Krauß dankte in herzlichen Worten, zu Tränen gerührt, für die Feier. Hans Heller, Sekretär des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Dr. Wilhelm Berliner. Ungemein groß ist allenthalben die Trauer um den am 17. Februar in Wien verstorbenen Generaldirektor der Lebensversicherungsgesellschaft „Phönix", Dr. Wilhelm Berliner. Dr. Wilhelm Berliner wurde am 1. Mai 1881 geboren und arbeitete schon als Student in der Schadenabteilung des „Phönix". 1914 wurde er Direktor-Stellvertreter und schon nach sechs Jahren Direktor der Lebensversicherungsgesellschaft „Phönix". Er schuf die Kriegsversicherung, durch die den H i nterbliebenen der Kriegs gefallenen über 60 Millionen Goldkronen zugewendet wurden. Außerdem popularisierte er die VoJksversicherung. 1919 nahm eralsExpertederösterreichischen Friedensdelegation an den Verhandlungen in St. Germain teil und setzte gewisse Bestimmungen zum Schutze der Interessen der österreichischen Gesellschaften in den Nachfolgestaaten durch. Als ein hervorragender Währungstheoretiker war er Mitglied des Generalrates der Oesterreichischen National bank. Er dehnte die Tätigkeit des „Phönix" auf fast den ganzen Kontinent sowie auf den Fernen Osten und auf Syrien, Palästina, Aegypten usw. aust. Jüdischen Fragen brachte er trotz seiner starken beruflichen Inanspruchnahme großes Interesse entgegen. Als nach dem Machtantritt Hitlers in Deutschland die Reinigung der Betriebe von jüdischen Angestellten begonnen hatte, verstand es Dr. BerKner, durch Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit die deutsche „Phömx'-Abteaurrg gegenüber Versuchen allzu radikaler Eingriffe zu bewahren. Von fanatischer Liebe zur Arbeit, von edlem Wohltätigkeitssinn durchdrungen, war es stets sein Bestreben, dem Gemeinwohl zu dienen, ohne je an Ehrungen, die er stets ablehnte, zu denken.