Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 5 (31.1.1936)
- Date
- 1936-01-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 5 — 31. Jänner 1936 Seite 7 GROSSFLEISCHHAUEREI flEGH. KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE NR, 19 FILIALEi XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-0-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsicht das ehrwr. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien« Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualitat zu den billigsten Marktpreisen Die moderne Anthropologie und die Judenfrage, Die im Vorjahre unter dem Präsidium des Prof. Dr. Harry Sicher neugegründete „Gesellschaft für Soziologie und' Anthropologie der Juden" hat'sich zur Aufgabe gemacht, allen wissenschaftlich faßbaren Tatbeständen der Soziologie und Anthropologie nachzugehen, soweit sie die Juden betreffen, und für die Verbreitung dieser Kenntnisse zu sorgen. Die eigentliche wissenschaftliche Tätigkeit soll nach zwei Richtungen hin geleistet werden: Wissenschaftliche Kritik bestehender und neu entstehender, dieses Gebiet betreffender Arbeiten, soweit sie einer wissenschaftlichen Kritik fähig und daher wert sind, und Organisierung; Anregung und Förderung selbständiger wissenschaftlicher Arbeiten und deren Veröffentlichung. Da sich die Anthropologie mit allen körperlichen Merkmalen des Menschen, seien sie erb- oder umweltbedingt, beschäftigt, ist der Vorwurf unbegründet, als ob man Anthropologie der Juden nur dann betreiben könnte, wenn man die Juden als eine einzige Rasse oder auch als etwas rassisch Besonderes auffaßt. Die Anthropologie hat längst festgestellt, daß es verschiedene Menschenrassen gibt, und die Lemberger Anthropologen-Schule hat zum Beispiel für Europa den Bestand von vier Hauptrassen wahrscheinlich gemacht und gezeigt, wie man die übrigen Typen aus den Kreuzungen dieser Hauptrassen entstanden, denken kann. Kein Volk Europas ist reinrassig oder e i n r a s s i g. Großzügige anthropologische Untersuchungen an Juden sind erst vor recht kurzer Zeit begonnen worden. Die Gesellschaft setzt alles daran, hiei vorwärts zu kommen, zumal von mancher Seite Vorstellungen über die Juden verbreitet werden, die rein politischen Zwecken dienen, sich um so wissenschaftlicher gebärden, je weniger sie wissenschaftlich fundiert sind. Die Gesellschaft selbst ist völlig unpolitisch nach außen-, aber auch nach innenhin, denn sie dient weder den Bestrebungen der einen, noch denjenigen der anderen Gruppe unter den Juden selbst. Sie hat nur einen Zweck: der Wahrheit zu dienen. Die intensive Tätigkeit der Gesellschaft zeigt sich nach außen zunächst in der häufigen Veranstaltung von Vorträgen. Am 21. d. M. sprach Univ.-Assistent Doktor S. Czortkower (Lemberg) über das Thema: „Die moderne Anthropologie und die Judenfrage." Einleitend hob der Vereinspräsident Prof. Sicher die Bedeutung des Vortragsthemas hervor und wies auf die Fortschritte hin, welche in den letzten Jahren in der Erforschung der rassischen Struktur der europäischen Völker im allgemeinen und der Juden im speziellen erzielt wurden. Polen steht durch die Arbeiten der von dem jetzigen Rektor der Universität, Prof. Czekanowski, gegründeten Lemberger Schule an hervorragender Stelle. Als Assistent und Mitarbeiter des weltberühmten Lemberger Gelehrten besprach nun der Vortragende, Dr. Czortkower, die neuen wissenschaftlichen Ergebnisse auf anthropologischein Gebiete, zu welchen er durch eigene Arbeiten sehr viel beigetragen hat. In bezug auf die Juden gelangt Prof. Czekanowski und seine Schule zu der Ansicht, daß von einer jüdischen Rasse ebenso wenig wie von einer deutschen, polnischen oder französischen Rasse gesprochen werden könne. Eine solche Rasse besteht nicht und hat auch niemals bestanden. Ebenso gibt es nicht und hat es niemals eine semitische Rasse gegeben. Seitdem man auf Spuren der Juden in der Geschichte stößt, iindet man, daß sie aus mehreren Rassen zusammengesetzt waren. Und zwar waren es immer die gleichen Rassen, aus welchen auch ihre jeweiligen Nachbarvölker zusammengesetzt waren. So lassen sich schon in der Zeit, als die Juden noch einen selbständigen Staat hatten, innerhalb des Judentums mit Sicherheit drei Rassen nachweisen, nämlich die orientalische, die mittelmeerländische und die armenoide. Nach dem Verlust der politischen Selbständigkeit zerstreuten sich die Juden zunächst im Bereiche von Nordafrika einerseits, Griechenland, Italien und Spanien anderseits. Durch die in der Spätantike überaus häufigen Uebertritte zum Judentum erfuhr die mittelmeerländische Komponente eine Verstärkung, während die orientalische sich in dem Maße der Entfernung von Palästina abschwächte. Das gilt auch in bezug auf die zweite Gruppe, die gegen Kleinasien und den Kaukasus auswanderte. Hier, in der Urheimat der armenoiden Rasse, erfuhr diese Komponente «ine Verstärkung. Wie die aus Nordafrika und Südeuropa kommenden Juden in Spanien sich berührten, so kamen die aus Spanien vertriebenen, nach Nordeuropa ausgewanderten Juden später in Polen mit derjenigen Gruppe zusammen, die aus dem Kaukasusgebiet nach Osteuropa zog. Auf diesen Wanderungen durch Nord- und Osteuropa kamen die Juden mit Germanen, Slawen und Finnen in Berührung, wobei sie zwei neue Rassenelemente in ihren Volkskörper aufnehmen, und zwar das nordische und das lapponoide Element (nord- und osteuropäische Rasse). Die Juden vereinigen in ihrer Erbmasse somit sämtliche in Europa lebenden Rassen, wie dies auch hinsichtlich aller anderen europäischen Völker gilt. Denn es gibt keine einrassigen Völker. Von den europäischen Völkern gilt es zumindest mit voller Sicherheit, daß sie durchweg mehrrassig sind und daß es nur einzelne reinrassige Individuen gibt Und zwar ergaben eingehende Untersuchungen, daß sich innerhalb eines jeden europäischen Volkes zehn verschiedene Typen nachweisen lassen, und zwar die schon erwähnten vier Grundrassen (die nordische, mittelmeerländische, armenoide und lapponoide Rasse) sowie die sechs zwischen ihnen bestehenden Mischrassen (wie z. B. die alpine, dinarische, subnordische Rasse usw.). Besonders stark wirkte die Demonstration der Bilder von Vertretern der einzelnen Typen durch den Umstand, daß der Vortragende in der Lage war, für jeden Typus einen Juden einerseits und den Vertreter eines anderen europäischen Volkes anderseits als Beispiele anzuführen. Die frappante Aehnlichkeit, die sich hierbei ergab, als würde es sich um die Bilder von Geschwistern handeln, bewies den Zuschauern, daß jedem innerhalb der europäischen Bevölkerung vorhandenen Typus ein gleicher Typus innerhalb des Judentums und umgekehrt zugeordnet werden kann. Der einzige Unterschied besteht darin, daß die Juden als Ueberrest aus Altpalästina noch einen orientalischen Typus aufweisen, der aber im Laufe der jahrtausendlangen Zerstreuung sich bis auf 15 Prozent verloren hat Sonst bestehen zwischen den Juden und Nichtjuden in Europa nur quantitative Differenzen in bezug auf das Verhältnis, in welchem die einzelnen Rassen in verschiedenen Ländern vorkommen. Der durch zahlreiche Bilder und Tabellen unterstützte Vortrag des Lemberger Forschers machte durch die Fülle der beigebrachten Beweise sichtlich einen ungemein tiefen Eindruck auf alle Anwesenden. Man wünschte sich, daß er zur Kenntnis derjenigen gelange, die über Juden urteilen, ohne die wissenschaftlichen Ergebnisse zu berücksichtigen. An den Vortrag schloß sich im Hause des Primarius Dr. J. B o r a k und Gemahlin ein Empfang, zu MÖBEL Modern« KQchen- Vorzknner- Wohnzlmmar- F. KOHN, Wien IL, TABaRSTpASSE Mr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. dem eine größere Anzalü von an den Arbeiten der anthropologischen Gesellschaft interessierten Persönlichkeiten sowie Vertreter der Tages- und der jüdischen Presse erschienen waren. Der Empfang bot Gelegenheit zu einer überaus eingehenden, ebenso lebhaften als interessanten Aussprache über die wissenschaftliche und praktische Bedeutung der Forschungen, die sich die neue Gesellschaft zur Aufgabe gemacht hat. Hinkel lobt die Judischnationalen. In mehreren deutschen Tageszeitungen wird ein Interview mit „Reichskulturwalter" H i nke 1 über die jüdische Kulturarbeit veröffentlicht. Nach einer Schilderung der Entstehung der jüdischen Kulturbünde und »der Arbeit des Theaters des Berliner Kultusbundes wird mitgeteilt, daß in einer halben Spielzeit in Berlin bereits 523.611 jüdische Besucher bei den Berliner Veranstaltungen gezählt worden seien. Der Reiclisverband der jüdischen Kulturbünde, heißt es in dem interview weiter, der bis in alle Einzelheiten fachgemäß durchgegliedert ist, wurde absichtlich unter jüdisch nationale Führung gestellt, da Reichskulturwalter Hinkel jede Möglichkeit einer offenen getarnten Assimilation verhindern will. Die kulturelle Arbeit auch der Juden im Reich werde von diesen Gesichtspunkten her weitestgehend gefördert. In Berlin genehmigte Programme könnten ausnahmslos in der Provinz gespielt werden. Zum Schluß des Interviews heißt es, daß die zentrale Leitung der jüdischen Kulturbünde (der Herr K a r e s k i, D. Red.) sich im allgemeinen einsichtsvoll verhalte, ja, daß sie die Forderungen nach schärfstem Schutz des deutschen Volkstums und seiner Kultur anerkenne und sich im allgemeinen mit der Pflege des jüdisch -völkischen Kulturgutes begnüge. Reichskulturverwalter Hinkel habe bewußt der jüdischnationalen Bewegung stärksten Einfluß auf die künstlerische und geistige Gestaltung im judischen Kulturbund gegeben, da die Zionisten als völkische Juden zumindest formal Gewähr für eine faire Zusammenarbeit geben. (Die Judischnationalen dürfen auf das nationalsozialistische Lob stolz sein. D. Red.) Wien l.f Seitenstetteuaasae 2 XI., Zentralfriedhof neben dem L Tor ^^^^^^^^^tamitajfjjjchlojaeBl^^^^^^^^ Gememde&ronib. israelitischer Frauen-Wohltätigkeits-Verein Floridsdorf. Die Generalversammlung des Israelitischen Frauen- Wohltätigkeits-Vereins des 21. Bezirkes fand am 22. d. statt. Die Präsidentin, Frau Babette Rosenmann, begrüßte die Herren Beiräte Rabbiner Dr. M. Rosenmann und Dr. Max Tieho, ferner war in Vertretung des am Erscheinen verhinderten Obmannes des Bethaus. Vorstandes Herr Gabriel Dukes, Vizeobmann Herr Bundesfürsorgerat H. Sobel erschienen. Die Herren widmeten Worte herzlichster Anerkennung für die emsige Tätigkeit des Vorstandes, die es ermögöchte. trotz Wirtschaftskrise die Pflichten der Armenfürsorge voll und ganz zu erfüllen. Linz. Auf Grund der am 27. Oktober v. J. stattgefundenen Waihlen konstituierte sich der Vorstand der jüdischen Ktfltusgemeinde am 13. d. wie folgt: A rbeitsgemeinschait konservative Partei- Ztnonisten: Präsident: Fritz Pisinger. Vizepräsidenten: Viktor Taussig, Adolf Pick, Schriftführer: Ernst Unger. Stellvertreter Jakob Plaschkes, Tempelvorsteher: Hugo Glaser. Emil Zimmermann, Emanuel Sand, Schulreferent: Dr. Rudolf Menzl, Stellvertreter Dr. Eduard Bloch. Finanzreferent: Walter Hof er. Stellvertreter Emil Zimmermann, Kulturreterent: Dr. Rudolf Menzl, Stellvertreter Bruno Holtmann, Fürsorgereierent: Eirril Zimmermann, Stellvertreter Emanuel Sand, Jugemtreierent: Ernst Unger, Stellvertreter Dr. Rudolf Menzl. Chorreferent: Viktor Taussig, Stellvertreter Ernst Unger. Hausverwalter: Karl Huppert, Stellvertreter Jakob PJaschkes, Hachscharareferent: Emanuel Sand, Friedhotkommission: Adolf Pick, Emanuel Sand, Emil Zimmermann. Verwaltungsausschuß: die drei Präsidenten und Walter Hof er, Bruno Holtmann, Jakob Plaschkes (Ersatz Karl Huppert). National-religiöse Partei: Verwaltungsausschuß: Arthur Eisenberg (Ersatz Hans Pasch). Generalversammlungen. Israelitischer Tempel- und Schulverein, VI., Stumpergasse 42. Sonntag, den 2. Februar, 'A10 Uhr vormittags, im Vereinslokale 39. ordentlich« Generalversammlung. Der Brigittenauer Israelitische Frauen-Wohltätigkeitsverein, der heuer sein 40jähriges Bestandsjubiläum begeht, hält seine Generalversammlung am 6. Februar, 'A5 Uhr nachmittags, im Sitzungssaale der Israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, ab. „Jüdische Kunst". Im Rahmen der feierlichen Eröffnung der neuen Räume der Jüdischen Kulturstelle fand am 26. Januar eine Fcstmatitteu der Kunstabteilung dieser Institution statt. Der Vorsitzende. David Nebenzahl, begrüßte die anwesenden Ehrengäste und Zuhörer und erstattete einen kurzen Bericht über die Tätigkeit der Kunstabteiiung, welche Vorträge und Musealführungen umfaßt und eine sehr bemerkenswerte Höhe an Teilnehmern aufzuweisen in der Lage ist. Sodann hielt der Kunstreferent der Jüdischen Kulturstelle Hugo F r i e d m a n n einen großangelegten Lichtbildervortrag über Jüdische Kunst. Der Vortragende begann in seinen inhaltlich und stilistisch ausgezeichneten Ausführungen mit der sagenhaften Zeit archaistisch jüdischer Kunst, sprach ausführlich über den jüdischen Tempelbau der Antike und den Geraten des Rituals, erwähnte die Zeit des Hellenismus, die galiläischen Synagogenbauten, die reich!» Kunstcntial- Em vorbildlicher Betrieb. Ein Besuch in der Floridsdorier Mazzothiabrik des Herrn N a t ii a ri Brodetzky, wo die weltberühmten Schmidt- M a z z o t h erzeugt werden, versetzt in die Lage, eine Fabrikation kennen zu lernen, die allen Anforderungen der modernen Hygiene, verbunden selbstversändlich mit der strengsten Einhaltung der rituellen Vorschriften, Genüge leistet. Aus der Mischmaschinewandert der Teig über die Knetwalzen und wird auf die erforderliche Stärke gebracht, gleichzeitig auf die bekannte Form geschnitten, und geht automatisch auf die Herdplatte, die sich mit einer genau ausgerechneten Geschwindigkeit einmal durch den Ofen dreht. V: n da kommen die fertigen Mazzcth in den Verpackraum, wo sie in die bekannten Karton-Pakete oder die überaus hygienischen Karfeehaus-Pergamentpäekchen adiustiert werden, und nun durch einen Aufzug in den Verladeraum gelangen. Das ganze geht maschinell am laufenden B2nd und Maschgichim gewährleisten alle rituellen Erfordernisse. Es ist eine wirkliche Medsterleistung des Inhabers der Fabrik, Herrn Nathan Prodetzky. der als Jude wie als Kaufmann in Wien mit Recht einen überaus geachteten Namen besitzt. Sein Fabrikat hat Weltruf, das beweisen die vielen Bestellungen, die aus dem Auslande ihn erreichen. Das jüdische Wien selbst aber wird seinen Bedarf an Sc h m i d 1 - M azz o th. wie an der bekannten Spezialmarke N. -B. - Mazzoth.. Grieß und Farvel auch heuer rechtzeitig eindecken in der LebesmittelhaniHung des Herrn Brodetzky, IL. Leopofdsgasse 43, oder in allen besseren einschlägigen Geschäften. Denn man besitzt auf Grund jahrelanger guter Erfahrungen restloses Zutrauen zu diesen schmackhaften Erzeugnissen, die unter Aufsicht des Herrn Rabbiners Babad hergestellt werden.