Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4 (24.1.1936)
- Date
- 1936-01-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 40 Groschen Jüdische DU ttUrU In Deutschland verboten Tl erboten1 WM IM mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag jomm_______________________„....„„_____________m_.__jimiii, Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 52. Jahrgang Wien, 24. Jänner 1936 Nummer 4 OPTIKER M. SCHACHTER 11., Gl0df€Ilgass6 25 Genaueste Ausführung von Rezepten »Große Auswahl anmodernen Fassungen* Samstag geschlossen Bei Berufung auf dieses Blatt 5 Prozent Rabatt! Rasiere Didi gnf und billig Appell an den Völkerbund. In Genf ist dieser Tage wieder einmal der Völkerbundrat versammelt. Auf seiner Tagesordnung steht unter anderem auch das Thema Flüchtlinge aus Deutschland. Leider hat das „Committe© of International Assistance", das vom Völkerbundrat mit der Vorprüfung beauftragt wurde und das vor Beginn der Genfer Tagung seinen Bericht überreichte, einen konkreten Plan nicht ausgearbeitet und anderseits ist ein konkreter Plan ihm selber auch nicht vorgelegt worden. Die molrah'lsche Wirkung des Demissionsbriefs, mit dem der bisherige Hohe Kommissar zurücktrat, war in der Welt sehr groß. Nichtsdestoweniger scheint auch dieser psychologische Augenblick wieder einmal nutzlos verstreichen zu sollen; jedenfalls gibt der Committee-Bericht wenig Aussicht darauf, daß der Rat mehr beschließen wird, als den McDonaldschen Posten neu zu besetzen, im übrigen aber die Sache wieder bis September zu vertagen. Was die Finanzierung anbelangt, wäre vieüäeichlt noch zu erwähnen), daß das „Committea" ein Auge auf den Nobel-Ausschuß geworfen hat. Es empfiehlt, ihn um Verleihung von ein bis zwei.Preisen an das Flüchtlingswieirk des Völkerbundes zu bitten. Immerhin, bis das geschieht, wird die Finanzierung, wie bisher, so auch wieiterhin in den Lüften schweben. Und wenn es geschieht, ist efe keine Finanzierung. In dieser Lage wird es die Mitglieder des Rats vielleicht interessieren, eine neue Stimme zu diesem Fragenkomplex zu hören, — eine Stimme, die ihnen bis dahin ganz sicher noch nicht bekannt war, obwohl sie von ganz besonderer Seite kommt, und obwohl sie den Völkerbund, was nicht verschwiegen werden kann, aufs heftigste wegen seiner Untätigkeit angreift. Diese Kritik, auf die Leopold S c h w a r z s c h i I d in der letzten Nummer seines „Neuen Tage-Buch" hinweist, stammt überraschenderweise von dem deutschen Reichsbankpräsidenten Doktor Schacht Er hat isie sogar englisch in Druck gegeben und von der Reichsbank selbst als Broschüre veröffentlichen lassen! Was also sagt Schacht? Er fällt zunächst ein äußerst scharfes Urteil über die politische Verfolgung,.diei „expulsion of national minorities", als deren Ergebnis Emigration unabwendbar ist. Er sagt: „Die Nebenmenschen auszutreiben oder sie dem Untergang auszuliefern, ist eine Methode der Barbarei, unwürdig der heutigen Zivilisa t i o n." Er schildert dann, Hjalmar Schacht, deutscher ^omnnntatBuinirainuin^ VERWALTUNGEN C^o ät7c — HYPOTHEKEN< Reichsbankpräsident, auch die moralische und materielle Not namentlich der u n politischen Emigranten, das heißt derjenigen, die, wie er sich ausdrückt, ihr Land einfach unter „wirtschaftlichem Druck" („economic pressure") verlassen müssen: „Diese Klasse von Emigranten — und es ist die überwältigende Mehrheit aller — verließ ihr Land nicht auf eigenen Wunsch. Die Emigration bedeutete für sie nicht nur die Zerreißung aller individuellen Familienbande, nicht nur den Verlust des heimatlichen Bodens, sondern die Trennung von allem, was ihnen jenseiis und über den materiellen Existenznotwendigkeiten teuer war; sie bedeutete eine Abspaltung von aller Verbindung mit der deutschen Zivilisation und mit den sozialen und kulturellen Betätigungen ihres Volkes, eine Abspaltung von ihren Beziehungen,' ihren Nachbarn, ihrer. Freunden, ihrer Kunst und ihrer Geschichte; eine Abspaltung von allem, was dem Menschen das Leben über und jenseits der Sättigung seines Hungers wertvoll macht. Aber noch schlimmeres;' stand diesen Unglücklichen bevor. Die beispiellose Verstärkung des Nationalismus, die eine Nebenerscheinung des Weltkrieges ist und seit dem Frieden immerfort noch zunimmt, har einen Zustand der Dinge erzeugt, der unseren Emigranten in jedem Teil und in jeder Ecke der Welt Schwierigkeiten in den Weg legt. Direkte Einwanderungsve:- bote oder Beschränkungen der Einwandererzahl gibt eb nicht überall; aber fast überall ist die Einwanderung von der Laune der Verwaltungsbehörden des Landes abhängig." Deutlicher hat es sogar Mr. McDonald nicht gesagt. Und nicht entfernt so deutlich hat Mr. Mc¬ Donald gerade dem Völkerbund die Verantwortung aufgebürdet. Denn das tut Schacht in seiner englischen Broschüre! Er zeiht dem Völkerbund hochempört der Schuld an der hilflosem Lage der Emigranten: „Niemand kümmert sich, wohin sie gehen, — wenn sie nur gehen. Dieser Zustand ist möglich in einer Welt, die unter der moralischen Führung des Völkerbundes steht, und die Mitglieder dieses Bundes erröten nicht einmal darüber, daß es so ist!" Harte Worte! Ueber-McDonald'sche Worte eines Ministers des Dritten Reiches. Wo sie zu finden sind? In einer Broschüre: .,New Colonial Policy. Paper read by Dr. Hjalmar S c h a c h t" Erschienen ist diese Broschüre, wie ausdrücklich angegeben ist, im Verlag der „Druckerei der Reichsbank, B e r 1 i n". Natürlich ist es kerne Broschüre von heute! Sie ieirschien 1926, und auf den hier zitierten Seiten 12 und 13 befaßte sich Schacht nicht etwa mit den Emigranten des Dritten Reichs, sondern müt zwei anderen Kategorien. Er befaßte sich erstens mit den Deutschen inl Polen, die infolge einer politischen Unterdrückung zur Auswanderung genötigt' seien („Austreibung der nationalen Minderheiten", „expulsion of the Ocsterrelchisclies Qualität FaDrtK<rt Ueberau erhältlich national minorities"). Er befaßte sich zweitens mit den 0 e s t e r r e i c h e r n, die infolge des „wirtschaftlichen Drucks" („economic pressure") angeblich ebenfalls schon sehr stark auswanderten. Wenn er das Elend dieser beiden Emigranten-Arten schfderte, — der politisch ausgetriebenen polnischen Minorität und der durch Wirtschaftsdruck abwandernden Oesterreicher — wann er ferner dem Völkerbund seine Untätigkeit und sein Nicht-Erröten vorwarf, so war das für den damals gerade neugebackenen Nationalisten Schacht in der Tat auch nur ein neues Beweismittel dafür, daß — Deutschland Kolonien brauche! Daher der Titel „New Colonial Policy". Alle Wege führen nach Afrika! Aber was für die ein e, aus politischen Gründen verjagte „nationale Minderheit" gilt,, gilt, wie Leopold Schwarzschild richtig konkludiert, natürlich auch für die andere. Und was für den ungewollten „wirtschaftlichen Druck" gilt, der in Oesterreich angeblich Emigranten entstehen ließ, gilt zweifellos noch viel mehr für den g ewollten, der jetzt in Deutschland Unschuldige zum Emigrieren zwingt. Herr Schacht hat also —'im Jahre 1926, bereits in seiner nationalistischen Periode — vollkommen richtig die ganze Erscheinung der jetzigen deutschen Emigration und die Verantwortlichkeiten des Völkerbunds gekennzeichnet. Freilich auch die Verantwortlichkeiten seiner eigenen Regierung, deren „Methoden der Barbarei" — „unwürdig der heutigen Zivilisation" — er als Ursprung der ganzen Erscheinung bestätigt. Und das gerade ist der springende Punkt, der im Genfer Rat hoffentlich Beachtung findet. Leset den Morgen Verbreitet den Morgen Inseriert im Morgen 6s ist 6uer Watt 6s ßßft mit 6u$ 6s bznkt mit 6u<$ 6s kämpft für 6ud}J VERKÄUFE <y SÄTZE ^fr» KÄUFE -_ ^-Dipl.-Kaiifm. r R. SZI LAGYI BEH. AUT. SEiSAL IX.. ROTENLÖWENG. 3 TEL. A 10-5-69 KOHLE» KOKS AM¥HR AMT Three siars BÄSCH ™^*™™«^\ti D 47-5-40 Alleinige ucieranttn «er „Asca" Bund jüd. Frontsoldaten Jüdische Kulturslelle Keren Kajemeth