Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1936-01-17 · Heft 3 (17.1.1936) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 3 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064606-3064609--20516-3085769
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

D. bis Preis dieser Nummer 40 Groschen Jüdische Die tÜanrnelf In Deutachland verboten! erboten! mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden44 Erscheint jeden Freitag J«fflffl«nH»^ Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 52. Jahrgang Wien, 17. Jänner 1936 Nummer 3 Volkesstimme. Zwei Drittel des deutschen Volkes gegen Nazismus. Herr Elias Tobenkin, der bekannte amerikanische Romanschriftsteller und Soziologe, hatte während seines kurzen Aufenthaltes in Berlin Unterredungen sowohl mit maßgebenden Regierungsstellen, als auch mit früheren konservativen Kreisen. Ueber diese Unterredungen in Berlin machte Herr Tobenkin den amerikanischen Journalisten Mitteilungen, denen zu entnehmen ist, daß die „älteren Staatsmänner" und früheren Führer der konservativen Parteien im Reiche, die Hitler den Weg zur Macht geebnet hatten, heute tiefe Besorgnis über das Ausmaß der antijüdischen Aktion in Deutschland, die vom radikalem Flügel! der nationalsozialistischen Partei vorgetrieben wird, hegen. Diese früheren konservativen Kreise befürchten dreierlei: erstens sehen sie in der Art, wie man die Juden zwingt, ihre Betriebe an Arier zu einem Minimalpreis abzugeben, eine Form der Enteignung, die sich von der seiner zeit igen Besitzenteignung: durch das bolschewistische Regime in Rußland nicht wesentlich unterscheidet; zweitens stellen diese Kreise fest, daß die Nationalsozialisten^ indem sie die jüdischen Geschäfts- und Betriebsinhaber ruinieren, gleichzeitig Tausende Deutscher aus ihren Arbeitsplätzen werfen und brotlos machen; drittens sind diese kälteren Staatsmänner" tief beunruhigt durch die ausländischen Aktionen der Fühirer des radikalen Flügels der Nationalsozialisten, die — ähnlich wie die Kommunisten eine kommunistische Internationale — eine „N a z i -1 n t e r n a t i o n a 1 e" zu errichten trachten und zu diesem Zwecke mit großem Aufwand nationalsozialistische Ueberzeugungen im Ausland propagieren. Diese Propaganda, so meinen die Staatsmänner, müsse das nationalsozialistische Deutschland in Schwierigkeiten auf internationalem Boden bringen, gleich denen, wte sie die Kreml-Regierung durch die Arbeit der Komintern durchzumachen hatte. Herr Tobenkin konnte weiter feststellen, daß die Nürnberger Gesetze auf das deutsche Volk die entgegengesetzte als die von den Nationalsozialisten erwartete Wirkung gehabt haben; so sehr wurde durch sie der Bogen ü b e r s p a n n t. Sie stempelten die Juden Deutschlands zu Märtyrern undJ wandten ihnen das Mitgefühl und die Freundschaft ihrer nichtjüdischen Nachbarn zu. Ein früherer k:aiserlicherMinis t e r erklärte Herrn Tobenkin : W ü r d e man heute in Deutschl ä iM über die Judenfrage frei abstimmen können, so würde n z w e i D rit tel des Volke s f ü r d i e A bschaffung der gesamitten antijüdischen 'Gesetzgebung stimmen. Kein Deutscher über 30 Jahre sieht in dem antijüdischen Feldzug etwas anderes als eine Propaganda zu anderen politischen Zwecken. Für die Zukunft aber besteht eine große Gtefahr, nämlich die, daß die deutsche Jugend, die ab 1. April 1936 zwangsweise der Hitlerjugend unterstellt sein wird, in den ihnen eingteimpften judenfeindlichen Ansichten giroß werden wird. Jüdischnationales Fiasko an allen Fronten. Seit dem Ende des Parlamentarismus in Oesterreich hatte man hierzulande keine solche Gelegenheit mehr, über die Diskrepanz zwischen Versprechen und Erfüllung in der Politik zu staunen, wie jetzt anläßlich des ohne Beispiel dastehenden Fiaskos, das der jüdische Nationalismus auf allen Gebieten erleidet, auf denen er sich mit den Finessen moderner Reklamekunst als den einzigen Retter der Juden aus jeder Not anzupreisen pflegt. Horchte man auf die mit lärmender Quacksalber-Emphase verkündete jüdischnationale Heilsbotschaft, dann hörte man stete, daß die ganze Judennot aus einem Punkte zu kurieren sei: Der „Judenstaat" sei ein Weltbedürfnis und das jüdische „Volk" brauche nur den ernsten Willen zu zeigen, dieses universale Bedürfnis endlich zu erfüllen, dann würden sich sofort die segensreichsten Veränderungen im Verhältnis zwischen Juden und; Nichtjuden auf der ganzen Welt einstellen. Der Antisemitismus würde automatisch einer „Verständigung von Volk zu Volk", einem allgemeinen Gefühl der Hochachtung vor dem zu semer historischen Mission zurückkehrenden Judenvolke weichen, einer Mission, der es durch die falschen Propheten der Assimilation an die abendländische Kultur zu seinem und der „Wirtsvölker" Unheil entfremdet worden sei. Aller Haß, der sich gegen die Juden geltend mache, sei nur eine Reaktion gegen dieses falsche Prophetentum und dessen Zusammenbruch sei die Voraussetzung für die unausbleibliche Revision des christlichen Mißtrauens gegen die Juden. Pressepolemiken der letzten Tage haben neuerlich bewiesen, wie unberechtigt diese Behauptungen der Jüdischnationalen sind. Diese Pressepolemiken gingen von zwei sensationell wirkenden Artikeln der „Reichspost" aus und bezogen sich auf beide „Tätigkeitsgebiete", auf denen die Jüdischnationalen die von ihnen verheißene „Lösung der Judenfrage" vornehmen wollen, auf die „Galuth" wie auf den „Judenstaat". Bestie aualliliien ANIHRAllf KOHLE« KOKS BÄSCH 'V"A"°M*,°£?&£ 11 47-3-4« Rasiere Didi gnl und billig Ocsicrreldiiscftes QualHälsra&rlKaf Ueberau erhältlich Beiassen Wir uns zunächst mit der ensteren, wobei vor allem festgestellt sei, daß schon die Bezeichnung „Gahith" eine Irreführung ist, dazu bestimmt, in den Juden dieser „Galuth" ein Fremdheitsgefühl zu ihrer wahren Heimat zu erzeugen. In diesen Ländern war ös bisher so, daß die K u 1tusgemeinden jene Stellen waren, die, von Freund und Feind geachtet, eine religiöse Repräsentanz der Juden der betreffenden Länder bildeten, an die sich keine gegnerische Kritik heranwagte. In Wien ist es der derzeitigen jüdischnationalen Mehrheit des Kultusvorstandes gelungen, in dielsem Jahrzehnte lang bestandenen erfreulichen Zustand einen höchst peinlichen Wandel herbeizuführen. Die Korruptionserscheinungen, die die Gemeindeverwaltung seit ihrer Auslieferung an die Jüdischnationalen charakterisieren und in den krassen Fällen Moses Rath und Dr. Joser Löwenherz zu empörendem Ausdruck kommen, haben die Achtung der Kultuswähler vor dieser „ Verwaltung mächtig erschüttert. Aber auch die christliche Oeffentlichkeit beginnt sich jetzt mit den skandalösen Vorgängen in der Wiener Kultusgemeinde zu befassen und Ausdruck dieser bisher ungewohnten Aufmerksamkeit maßgebender christlicher Kreise für die Geschehnisse in der Wiener Kultusgemeinde war eben der Artikel der „Reichspost" vom 9. d. M. mit dem bezeichnenden Titel „Die letzte Insel der Parteipolitik". Als solche charakterisiert das christlichsoziafe Organ die Kultusgemeinde und verurteilt in diesem Zusammenhange den „Anachronismus, der dem neuen österreichischen Staatsgedanken widersprich t." Der „Reichspost" ist es bekannt, daß „die Absicht der Jüdischnationalen, ihren Parteiführer Dr. Löwenherz, der bisher das Ehrenamt eines Vizepräsidenten bekleidet hat, an die besoldete Stelle des Amtsdirektors zu berufen, sogar zum Exodusder Minorität und damit zur Selbstausschaltung des Kultusvorstandes zu führen droht." Das der Regierung nahestehende christliche Tagblatt knüpft an diese drohenden Konsequenzen der jüdischnationalen Parteipolitik Bemerkungen, die beweisen, daß dieses maßgebende Organ lebhaftes Interesse für die „Einrichtung einer nur dem Religiösen dienenden Kultusgemeinde" besitzt, d. h. für jene einzig mögliche Form der Kultusgemeinde, die ihr das Judengesetz vom Jahre 1890 gegeben hat und von der die heutige jüdischnationale Mehrheit mit ihrer leidigen Parteipolitik entschieden abgewichen ist.' Der alarmierende Artikel der „Reichspost" beweist, daß diese jüdischnationale Zufallsmajorität

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.