Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1 (3.1.1936)
- Date
- 1936-01-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis dieser Nummer 40 Groschen In Deutschland verboten! ie tÜahrhei mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden- Erscheint jeden Freitag ummminimntimimniiininiTimMMiiii.....iMmmmiMUHllllinMMIinimMlllllllllumillllimillllllimmMHimWIHIUlIHMHmin^ . , iiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiHiiiiiiiiniiiiniii™ KIWIHin||||l|||||f||Hlin|jlHUIHII||||||il||||||IHNH|lW Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postspark asserkonto Wien: A 100.918 52. Jahrgang Wien, 3. Jänner 1936 Nummer 1 Häuserverwaltungen Vermittlungen Geldbeschaffungen SENSAL A 48-9-22 TAUBPIANN Wien, II. Bezirk, NordpolstraQe 2/3 Reparaturkredite Zinsvorschüsse kulantest Die Welt klagt an . . . Rasiere Dich gut and billig Oesierreichisciies Oualiläls f aDrihal Die deutschen Nationalsozialisten haben Pech. Kaum haben sie in der Person des Berliner Zionistenführers Kareski einen Juden ausfindig gemacht, der bereitwilligst in hellen Tönen den Segen preist, den das Nazi-Regime für die Juden bedeutet, da erscheinen mehrere Enunziationen von Ariern, die der aufhorchenden Welt das Gegenteil verkünden. Der protestantische Kirchen rat v o n Amerika hat folgende Entschließung angenommen: .,In ihrem Protest gegen die augenblickliche Behandlung der Juden in Deutschland hat die e n g- 1 i s c h e Kirchenvereammlung der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß sich andere christliche Körperschaften mit ihr in diesem Protest vereinigen werden. Wir fühlen uns gezwungen, dies zu tun. Wir sind Mitglieder von Kirchen, die mit der deutschen Kirche sich eng verbunden fühlen. Wir erkennen unsere Verpflichtung gegenüber den großen deutschen Lehrern und Dolmetschen der christlichen Religion seit den Tagen Luthers bis zur Gegenwart, die unsere gemeinsame christliche Erbschaft bereichert haben. Seit dem Kriege haben wir gegen die Entrechtung protestiert, zu der Deutschland durch den Frieden von Versailles verurteilt war, und haben für seine Beseitigung gekämpft. Aus diesem Grunde fühlen wir uns verpflichtet, mit dem gleichen Freimut zu sprechen, wenn Deutschland eine Politik befolgt, die es mit moralischer Isolierung bedroht. Wir protestieren gegen diese Politik, weil die Behandlung der luden unwürdig einer großen Nation ist. Einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung von vornherein als minderwertig zu brandmarken ausschließlich aus Gründen der Rasse und Menschen von den normalen Lebensiverbindungen abzuschneiden, deren Familien in Deutschland seit Generationen leben und die ihm auf vielen Gebieten der Wissenschaft, der Kunst und der Verwaltung hervorragende Dienste geleistet haben, heißt die Grundsätze der Ehre und des guten Glaubens zu verletzen, die das Gemeingut aller zivilisierten Völker sind. Aber unsere Gründe für den Protest gehen noch weiter. Wir protestieren gegen diese Politik, weil die Philosopliie, die man anwendet, um sie zu rechtfertigen, eine heidnische Philosophie ist. Da sie gegründet ist auf einer religiösen Auslegung des Rassenbegriffes, verursacht die augenblickliche Behandhing der Juden tiefere Spuren als frühere Verfolgungen von Juden und anderen Minderheiten, die nur auf politischen oder zufälligen Ueberlegungen beruhten . . . ." Der niederländische Abgeordnete Dr. W. M. Westermann gibt eine Zeitschrift heraus, in der er stets das nationalsozialistische Regime in Deutschland in weitgehendem Maße verteidigt. Nur eines kann er weder verteidigen noch beschönigen: Die sogenannte Lösung der J u d e n f r a g e im Dritten Reiche. Er schreibt: „Jedes Volk muß für sich selbst zusehen, wie es seine inneren Bevölkeritngs- und Verwaltungsfragen löst. Die Kritik vom Ausland her kann dabei nur selten nützen. Aber in einem Falle darf die Kritik nicht unterbleiben. Nämlich dann, wenn ein Unrecht geschieht oder zu geschehen droht. Und nun kann man unter den gegebenen Umständen nicht leugnen, daß in Deutschland die Juden auf eine Art und Weise behandelt werden, die ohne jeden Rückhalt verurteilt werden muß. . . . Was soll man über die von der Regierung gebilligten Maßregeln wie etwa das Umtaufen des Hapag-Dampfers „Albert Ballin" oder das Verbot der Musik Mendelssohns denken? ... Wer nicht imstande ist, einen Ballin oder einen Mendelssohn zu würdigen, weil diese beiden deutsche Juden waren, der verrät eine Denkungsart, über die man am besten schweigt. In Hunderten von Städten und Dörfern sind antisemitische Tafeln und Aufschriften zu sehen, die von so wenig Kultur zeugen, daß man sich mit Verwunderung fragt, wie es möglich ist, daß die deutsche Regierung diese Propaganda dulden kann, eine Propaganda, deren Wirkung sich nicht gegen die Juden, sondern gegen das deutsche Volk selbst richtet . . . Muß ich noch viel über die Gesetze von Nürnberg sagen? Nicht alle diese Bestimmungen sind einfach verwerflich, sondern es sind auch solche darunter, die zwar aus verschiedenen Gründen anfechtbar sind, die aber doch als die logische Konsequenz des von den Nationalsozialisten vertretenen Systems und der Ra&sentheorie betrachtet werden sollen. Es sind aber auch leider solche darunter, die nur Verbitterung wecken und dem deutschen Namen im Ausland schaden können . . . Und ich kann mir kaum vorstellen, daß es irgendeinen wahren Freund Deutschlands gibt, der nicht, als er von solchen Vorschriften erfuhr, das Haupt geschüttelt hp.t. Ueber das bekannte Wochenblatt .,D e i Stürmer" kann ich kurz sein .... Jede Nummer dieses Blattes ist nicht etwa eine Propaganda gegen das Judentum, sondern eine Beleidigung des deutschen Geistes . . . Worüber soll man sich mehr wundern: Ueber die tragische Mentalität der Schreiber und Zeichner, die dieses Blatt füllen, oder über die kindliche Meinung, daß ein derartiger Inhalt den Juden schädlich sei? Ueberau erhältlich . . . Für mich bleibt die Behandlung der Judenfrage ein Fleck auf dem Wappenschild des neuen Deutschland. Ich bedauere es, daß es sich als nicht möglich erwiesen hat, die Führer des Dritten Reiches davon zu überzeugen, daß sie sich in dieser Hinsicht auf einem falschen Wege befinden und daß sie sich überdies eine endlose Reihe von Schwierigkeiten auf den Hals laden, für die es keinen einzigen vernünftigen G r u n d gibt. Wer es mit dem deutschen Volke gut meint und Verständnis hat für die enormen Schwierigkeiten, die man dort zu lösen hat, darf indessen nicht stillschweigend an dieser größten Schattenseite vorbeigehen . . ." Am eindrucksvollsten wirkt aber die Kritik, die der bisherige Hohe Kommissär für das Flüchtlingswesen beim Völkerbund J a m e s M a c D o n a 1 d in dem Schreiben übt, in dem er die Begründung seiner Demission niedergelegt hat. Nachdem MacDonald sich lange genug um die Unterbringung der bisher 80.000 deutschen Flüchtlinge vergebens bemüht hat (15.000 sind tiocii immer unversorgt), macht sich sein offenbar lang zurückgehaltener Groll gegen das Nazi-Regime Luft. MacDonald weist in seiner sensationellen Anklage gegen Nazi-Deutschland auf die Gefahr einer neuen Emigrationswelle aus Deutschland hin. da die Annahme der Nürnberger Judengesetze, die eine Basis für ..vollkommen willkürliche Maßnahmen"' gegen alle den Nazis mißliebige Elemente bedeuten, keineswegs der Verfolgung aller „Nichtarier" ein Ende bereitet habe. Die Nazi-Propaganda gegen die Juden als den „Sündenbock" agnosziert er als ein Konglomerat von Meineid. Lügen, Fälschungen und Betrug und empört sich u. a. über das schreiende Unrecht, daß offizielle Parteibefehle Kinder zum Haß gegen Mitmenschen erziehen, daß jüdische Menschen ausgehungert, jüdische Veteranen und Schwerinvalide ihrer primitivsten Lebensrechte beraubt und die Namen der jüdischen Kriegsopfer auf den Kriegsdenkmälern entfernt werden. Wie so oft in seiner Geschichte weist man in Deutschland jetzt dem jüdischen Volke die Rolle Beste eualltdlen tSfOfT& AM¥H3SAZi¥ KOHlE*KOIiS BÄSCH *v"^OTUDlcSr.1e%fl 0 «-5-4»