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Die Wahrheit · 1935-12-20 · Heft 51 (20.12.1935) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 51 (20.12.1935)
Date
1935-12-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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:IT fc» i Preis dfeaer Nummer 40 Groschen Jüdische Die bDanrlieif In Deutschland verboten 1 mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag ■BgBHmnmrmnniniiümitnninnnniimminmTmnmi Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkasser konto Wien: A 100.918 51. Jahrgang Wien, 20. Dezember 1935 Nummer 51 OfANUKA-CiEDANKEII* In allen Richtungen der Windrose flammen in diesen Tagen in den Häusern und Tempeln Israels die Chanukalichter auf. Ihr sanft flackernder Schein windet einen leuchtenden Kranz um die Erde und verkündet des Judas Makkabäus unsterblichen Ruhm, den Sieg des Glaubens an Einen Gott über die Götzen des Heidentums. Die kleinen Flämmchen erzählen vom Siege des unansehnlichen Heeres der Makkabäer über Zehntausende der Syrier, weil der flammende Idealismus des Glaubens in der Seele Israels lebte und auf die Fahnen geschrieben hatte: „Wer ist Dir gleich unter den Mächtigen Du ewiger Gott!" Und wir können mit dem Propheten ausrufen: „Nicht durch rohe Kraft und nicht durch Gewalt siegte Israel, sondern durch Gottes heiligen Namen". Diese heiligen Flämmchen lehren uns, daß auf die Dauer nicht die Kraft und die rohe Gewalt siegreich ist, sondern die Idee und der Idealismus. Wenn die Makkabäer die Idee des Glaubens an Einen Gott nicht gerettet hätten, dann würde vielleicht die Menschheit noch heute im finstern Zeitalter des Heidentums taumeln und dann wären auch Israels Töchterreligionen nicht hervorgesprossen. Die Makkabäer waren Helden, Helden der Weltgeschichte, aber ihre Namen stehen nicht auf den Blättern der Geschichte verzeichnet, obgleich die goldenen Blätter der Weltgeschichte ihre vorbildliche Tapferkeit verkünden sollten. Seit Jahrtausenden -brennen, leuchten und verbreiten diese Flämmchen die Wärme des Glaubens und nehmen den Wettstreit mit dem Lichtmeer der Metropolen auf. Ein Vögelchen ist imstande, dtirch Berührung der elektrischen Leitung den Lichterglanz ganzer Weltstädte zu verlöschen, aber vergebens schlagen die Schwingen der Sturmvögel des Hasses auf Israel nieder, sie können und werden die Chanuka-Flämmchen niemals verlöschen können, solange in der Seele Israels der flammende Idealismus des Glaubens lebt. Im bezaubernden Glänze der Menora sinne ich nach und sehe vor meinen geistigen Augen, wie der Haß des Antiochus, des Haman und der Amalekiter sich wieder belebt, aber ich sehe auch den Fortbestand des Volkes Israel in der Finsternis des Altertums, in den blutigen Stürmen des Mittelalters und inmitten der Leiden der Neuzeit in der ewig glänzenden Reinheit seiner Thora und seines Glaubens. Und ich erblicke auf der Menora den Adler mit ausgebreiteten Flügeln, welcher symbolisch, mahnt, daß sich Israel.auf den Schwingen des Adlers aus der graüeri Alltäglichkeit durch die Andacht des Festtages hindurch bis zum Gipfel des Berges Sinai erhebe. Als unsere Vorfahren das Allerheiligste wieder einweihten, nachdem sie es von den griechischen Götzen gereinigt hatten, zündeten sie das ewig leuchtende Oel des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe an. Lasset auch uns unsere Seele zum Allerheiligsten weihen und reinigen wir sie vom Verderbnis des Unglaubens, vernichten wir in unserer Seele den Keim des Hasses und zünden wir darin das leuchtende Oel der Liebe an! Dann wird der Lichtschein der Menora unsere Heimstätten mit der ewig glänzenden göttlichen Schechina des Glaubens, der Liebe, des Friedens und der Glückseligkeit vergolden. Desiderius Ritter, Budapest. Masarvk. Ein symbolischer Zufall hat es gefügt, daß Thomas G. Masaryk im selben Lebensalter, in dem des Kaiser Franz Josefe sowie Hindenburgs Regierung ihr natürliches Ende fand, auf die Präsidentschaft der von ihm gegründeten tschechoslowakischen Republik Verzicht geleistet hat 86. Lebensjahre sind ohne Zweifel eine Bürde, die einen solchen Verzicht, auch wenn ihn weder die unerbittliche Natur, noch eine widrige politische Konstellation momentan und unausweichlich verlangt, verständlich macht. Und doch mengt sich in die menschliche Anerkennung, daß das greise Staatsoberhaupt die ersehnte Ruhe redlich verdient hat, das beklemmende Gefühl, daß in diesem Falle vielleicht nicht einmal so sehr das persönliche Alter des Resignierenden die Amtsmüdigkeit verursacht habe, als die scheinbare Ueberalterung des politisch-philosophischen Ideenkomplexes, in dem der „Präsident-Befreier" geistig und sittlich verwurzelt ist. Mutet doch das von diesem ehrwürdigen Staatsmann verfochtene Prinzip der Gleichheit aller, die ein Menschenantlitz tragen, und des unvergänglichen Anrechts der Individuen wie der Nationen auf Freiheit fast wie ein fossiles Rudiment an, das aus einer entschwundenen Kulturepoche fremdartig in eine Zeit hineinragt, der die Schlagworte „Führertum", „Rassenauslese" und .sonstige Ingredienzien aus der Teufelsküche der konfessionellen, nationalen und sozialen Unduldsamkeit ihr Gepräge geben. Für den objektiven Geschichtsbetrachter künftiger Tage wird diese Umwelt freilich nur die dunkle Folie abgeben, vcn der sich die einzigartige Gestalt des Begründers der Tschechoslowakei doppelt hell und strahlend abhebt. Der Widerspruch, in den, der praktische Verwirklicher eines nationalen Wunschtraumes seines Volkes zu der Vorstellungs- und Phrasenwelt des völkischen Chauvinismus aller Nationen geraten ist, datiert jedoch nicht erst von heute. Er zieht sich vielmehr wie ein roter Faden durch das ganze Basiere DUh gut und oiilia Oesfcrrelchlschcs GualHcXs r üDrlhal Ueberau erhältlich politische Leben dieses Mannes, der von allem Anfang an bestrebt erscheint, das tschechischnationalistische Phrasentum Lügen zu strafen, und gerade dadurch bestimmt war, am Ende den tschechoslowakischen Staat zu schaffen. Schon im österreichischen Reichsrat ging Masaryk eigene Wege. Als Mitglied einer zwei Mann starken Partei schien er mehr den Spott herauszufordern als den Erfolg zu suchen. Er, der weltfremde Professor, wagte es, sich „Realist" zu nennen. Wie lachten da die starken Klubs im Abgeordnetenhaus der Monarchie, die im Kaiserreich eine politische Macht waren. Und doch haben nicht sie, sondern der verhöhnte „Realist" tatsächlich den selbständigen tschechischen Staat realisiert. Wie grausiger Gespensterspuk tauchte dieser Tage der Name des einst mächtigen tschechischen Parlamentariers Kramar aus dem Grab der Vergessenheit auf, um als Kandidat für die durch Masaryks Rücktritt erledigte Präsidentschaft genannt zu werden. Doch war es nur fauler Zauber: Dieser Name, der einst wegen der gegen Oesterreich gesponnenen Intrigen sogar am Zarenhofe guten Klang hatte, wirkte jetzt bloß als ein kurioser Anachronismus, als ein Symbol für die politische Impotenz des nationalen Chauvinismus, der bloß in Redeschlachten triumphiert, in der Stunde der Tat aber kläglich versagt hatte. Die Tat blieb dem „Realisten", dem einst ab Außenseiter gering geschätzten Führer einer Zwei-Mann-Partei vorbehalten . . . Der weltfremde Professor hat es allerdings seinen Zeitgenossen nicht gerade leicht gemacht, seine staatsmännischen Erfolge vorauszusehen. Er hat in allem gerade das Gegenteil von dem getan, was damals wie auch heute den Aufstieg zur Macht zu gewährleisten schien. Sucht Rosenberg durch seine Mythen dem deutschen Nationalismus die geistigen Wege zu bereiten, so hat Masaryk den Weg in die Oeffentlichkeit durch Zerstörung eines seiner Nation liebgewordenen Mythos gefunden: Er deklarierte die Königinhof er Funde, die der Eitelkeit der Tschechen mächtig geschmeichelt hatten, als Fälschung und machte sich dadurch gleich zu Beginn seiner Karriere so unpopulär wie Beste QualltiKen ^fOFTttt AMTHRAZIY KOHLE* KOKS BÄSCH V «-5-4«

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