Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 50 (13.12.1935)
- Date
- 1935-12-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 40 Groschen In Deutschland verboten! rerboten! Jüdisch e Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag TOÜIillilillllllllllllllllllllll«lilllllllll)lllllini!Pffl"n» rowffi ____IL_IIULJLJiiauBUBiUiuiUB im uuiOuiSdDDuiBIQiu vMi iuuuuiII i iiuiu 11 m miulli Uli UlRUliu i u IHOlMIUUlUIIUli™^ Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkasserhonto Wien: A 100.918 51. Jahrgang Wien, 13. Dezember 1935 Nummer 50 OPTIKER M. SCHACBTER II., GlOdfCnaasse 25 Genaueste Ausführung von Rezepten «Große Auswahl an modernen Fassungen «Samstag geschlossen Bei Berufung auf dieses Blatt5Prozent Rabatt!__^^^^ Ein Mahnwort — in letzter Stunde! Am 16. Dezember, also in drei Tagen, läuft die von den Jüdischnationalen so karg bemessene Frist ab, in der Bewerbungsgesuche um den Posten eines ersten Sekretärs und Amtsdirektors der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde einzubringen sind. Bis zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, ist es nicht bekannt geworden, daß der derzeitige Vizepräsident der Kultusgenieinde, Herr Dr. Josef Löwenherz, sein Kultusvorstehermandat niedergelegt und sein Bewerbungsgesuch um den Amtsdirektorposten beim Präsidenten der Kultusgemeinde eingereicht hat. Dieses Hinausschieben des verhängnisvollen Schrittes hat seine taktischen Gründe, es berechtigt leider nicht zu der Hoffnung, daß bei der jüdischnationalen Mehrheit des Wiener Kultusvorstandes die Einsicht Raum gewonnen hat, daß das, was sie vorhaben, unzulässig und ein Anschlag auf die Reinheit und Sauberkeit der Wiener Kultusgemeinde ist. In einer mehrwöchigen publizistischen Aufklärungspropaganda haben wir der breitesten Jüdischen 0 effentlichkeit all die triftigen Argumente vor Augen geführt, die gegen die Bestellung des ehrenamtlich von seinen Wählern in den Kultusvorstand und damit ins Vizepräsidium entsandten Dr. Löwenherz zum wohldotierten Amtsdirektor sprechen. Heute, in zwölfter Stunde, sei, ohne Salle diese Argumente zu wiederholen, die nun schon Gemeingut der gesamten anständigen Wiener Juden ohne Unterschied der Parteistellung geworden sind, eine letzte Mahnung an die Adresse der Jüdischnationalen gerichtet. Sie wollen ihre Parteiherrschaft in der Seitenstettengasse für die Dauer, über die Funktionsperiode des gegenwärtigen und vieler künftigei Kultusvorstände hinaus, sichern und haben dahei den Plan ausgeheckt, ihren „befähigtesten Parteiarbeiter" zum Amtsdirektor der Israelitischen Kultusgemeinde Wien zu machen. Wäre es schon untragbar, wenn ein außenstehender prominenter jüdischnationaler Parteimann und Agitator Amtsdirektor der Wiener Kultuisgemeinde wird, weil damit die Gefahr der restlosen Nationalisierung und Politisierung der Kultusgemeinde gegeben ist und jede Hoffnung auf objektive Führung der Verwaltung für die Zukunft schwindet, so ist es ohne Beispiel und ganz unmöglich, daß der Einpeitscher der Jüdischnationalen bei ^nmiiiMuimmiinmmMiiM^^ 4> VERWALTUNGEN «X^SÄTZE - HYPOTHEKEN £f> KAUFE - VE KÄUFE V Dipl.-Kaufm. den letzten Kultus wählen, ihr Wahlmacher, der seine Anhänger, die jüdischnationalen Zionisten, mit Hilfe seiner schon früher geübten einseitigen Subventionspolitik zum Siege führte, dann die Früchte dieses Sieges durch seine Bestellung zum allgewaltigen Amtsdirektor für die Dauer seiner Partei und vor allem sich persönlich sichern will, indem er aus den öffentlichen Geldern der Kultusgemeinde für seine Verdienste um seine Partei auf Lebensdauer versorgt wird. Das mit allen Mitteln zu verhindern, betrachtet die „U n i o n" trotz der anerkannten Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des Friedens innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, den nicht wir, sondern die Jüdisch nationalen durch dieses gewissenlose Attentat auf die Autonomie der Gemeinde stören, als ihre unabweisliche Pflicht. Deshalb ist sie entschlossen, die letzten Konsequenzen zu ziehen, um diesen Anschlag auf die Reinheit und Sauberkeit der Kultusgemeinde abzuwehren, um sich nicht vor der jüdischen Oeffentlichkeit und der Geschichte der Wiener Juden für diese für alle Zukunft verhängnisvolle Tat mitverantwortlich zu machen. Zur Bestellung des Dr. Löwenherz kann es nur durch brutale Ausübung der jüdischnationalen Stimmenmacht kommen. Wenn das geschieht, so ist ohnedies jede Arbeit der unionistischen Mandatare in der Zukunft überflüssig und wirkungslos und dient nur dazu, einen Teil der Veranrwortung auf sie abzuwälzen. Der Zentralvorstand der »Union österreichischer Juden" hat in seiner letzten Sitzung mit überwältigender Mehrheit beschlossen, an den Klub der unionistischen Kultusvorsteher die Aufforderung zu richten, für den Fall, daß Dr. Löwenherz nicht auf seine Bewerbung auf den Amtsdirektorposten verzichtet, die Mandate niederzulegen, um auf diese Weise ein Jahr vor Ablauf der Funktionsdauer des gegenwärtigen Kultusvorstandes Neuwahlen herbeizuführen, um der jüdischen Bevölkerung Gelegenheit zu geben, ihrer Meinung über das gegenwärtige Parteiregime Ausdruck zu geben. Alle Anzeichen sprechen dafür, daßdieWienerjüdischeBevölkerung die ungeheuren politischenGefahren, die im jüdischen Nationalismus stecken, erkannt hat und sich von ihm Rasiere DIdi gof und billig Ocsferrelchisches Quaiiiats f abrtkaf Ueberau erhältlich abkehrt. Wir brauchen in diesem Zusammenhange nur darauf hinzuweisen, daß Adolf Hitler zur Begründung der Nürnberger Gesetze auf den Wunsch der Jüdischnationalen, eine eigene Nation sein zu wollen, voll Hohn verwiesen hat. Würde es sich nur darum handeln, daß irgend ein jüdischnationaler Parteigenosse ein Amt ergattere, das ihm nicht zukommt, oder daß irgend eine Stelle vergeben wird, die einem anderen gebührt, würde der Zentralvorstand der „Union" nicht einen unter den heutigen Verhältnissen so bedeutungsvollen Beschluß gefaßt haben. Die Leiter' der „Union" sind aufrichtige Freunde des Friedens unter den Juden. Sie stellen sich ganz in den Dienst der Wiener Juden und des österreichischen Judentums. Aber wer in diesem Momente schweigt, den würde eine Verantwortung treffen, die kein anständiger Jude tragen kann. Die Friedensstörer sind jene, die die Bombe legen, und nicht jene, die die Bombe wegräumen und verhindern, daß sie verheerend wirkt. Hier darf man nicht schweigen, liier muß man reden! Die Jüdischnationalen wissen nun, daß die „Union" nicht länger mitansehen kann und mitansehen will, wie diese altehrwürdige Wiener Kultusgemeinde und ihre Institutionen für die Zwecke der iüdischnationalen Partei mißbraucht wird. Wenn das Parteiinteresse der Jüdischnationalen und ihr Wille. Herrn Dr. Josef Löwenherz um jeden Preis, selbst um den Preis, die Autonomie der Gemeinde für die Dauer zu schädigen, zu versorgen, nicht jedes sittliche Gefühl für die Unzulässigkeit dieses Vorgehens ertötet haben, wenn Parteidisziplin und Freunderlwirtschaft nicht stärker sind als politisches Anstandsgefühl und das Interesse an der Erhaltung der Gemeinde, wenn die Anhänger der Jüdischnationalen ihren Parteiführern ihre wahre Meinung sagen dürften, dann wird Dr. Josef Löwenherz sich gezwungen sehen, auf seine Bewerbung um die wohldotierte Stelle eines Amtsdirektors der Wiener Kultusgenieinde zu verzichten. Die Jüdischnationalen sind gewarnt! Präsidium der Union österreichischer Juden. Besie Oualiitttien R.SZiLAGYI X., ROTENLOWENG. 3 SEH. AUT. SEISAL TEL. A 10-5-69 HfiWKüsntuif ANTHRAkZH KOHlE«KOK§ BÄSCH ,v-Ärs'°,teieS:"leMl II 41-5-40