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Die Wahrheit · 1935-11-29 · Heft 48 (29.11.1935) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 48 (29.11.1935)
Date
1935-11-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IEIT eißigc, iedizin Erscheint jeden Freitag ukeit^- Redaktion und Administration: Wien II.. Heinestrafie 13 — Telephon P 46-2-16 — Posl9p» rl< asser Itonto Wien: A 100.918;etnber Stock. 51. Jahrgang Wien, 29. November 1935 Nummer 48 Wien, u vertetteni sind: OPTIKER M. SCHÄCHTER II., titodfcngasse 25 Genaueste Ausführung von Rezepten «Große Auswahl an modernen Fassungen* Samstag geschlossen Bei Berufung »of dieses Blatt SProzent Rabatt! Rasiere Dkh gut und ullllg —8—^—w "L" 11 11 .1 1 1 ■ 1 ' "'' " *TM—^—l " Preis dleMr Nummer 40 CroMbcn ,n Deu*•cl,,•"l, *•■*•*»"* * Jüdische IDochenschri ie Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer luden- Englands Disdtöfe sprechen dasVcrdammanösorlcil Die „Church Assembly", die nationale Tagung der Englischen Kirche, die immer ein Ereignis im englischen Kirchenleben ist, hat, wie letzthin kurz berichtet, am 20. November einen von der englischen Oeffentlichkeit als denkwürdig empfundenen Schrift unternommen, indem sie durch einmütige Annahme der nachstehenden Resolution die Judenverfolgungen in Deutschland verurteilte: „Diese Versammlung spricht dem jüdischen Volke und allen Menschen jüdischer Abstammung ihr Mitgefühl aus angesichts der Leiden, denen viele von Ihnen In Deutschland unterworfen sind. Die Versammlung vertraut darauf, daß die christliche Bevölkerung in England und in den anderen Ländern ihren Einfluß dahin geltend'macht, daß es den Herrschenden In Deutschland klar gemacht wird, daß eine Fortsetzung ihrer gegenwärtigen Politik weit und breit die Entrüstung steigern und sich als ein ernstes Hindernis In der Befestigung von Vertrauen und gutem Glauben zwischen Deutschland und den anderen Nationen erweisen wird." Der Erzbischof von Canterbury, der während der Abstimmung über die Resolution nicht mehr zugegen sein könnte, weil er sich zur Taufe des Sohnes des Herzogs von Kent begeben mußte, erklärte vor seinem Weggehen: Es könnte mißverstanden werden, würde ich diese Versammlung wortlos verlassen. Deswegen erkläre ich, daß ich gegen die wirtschaftliche und soziale Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung Deutschlands, die unseligerweise jetzt mit neuer Intensität geübt wird, auf das schärfste protestiere. Ich hoffe, daß die Verantwortlichen in Deutschland die Taten unverantwortlicher Lokalbehörden hemmen und dem jüdischen Bevölkerungsteil — wenn schon nicht die Rechte der Bürgerschaft — doch mindestens rein me.nschliche Rechte sichern werden. Eine Fortdauer der gegenwärtigen Situation würde ernstlich den „goodwill" gefährden, mit dem das englische Volk auf Deutschland zu blicken wünscht Der Bischof von C hich es te r, Dr. G. K. Bell, der die obige Resolution einbrachte, führte aus: Obwohl ich für Deutschland tiefe Bewunderung hege und auch unter den Mitgliedern der Nationalsozialistischen Partei Freunde habe, habe ^iiiwaaiiiiiiiiwiiiiHiiyiww1 i......——————^ 4» VERWALTUNGEN ABSÄTZE- HYPOTHEKEN KAUFE - VE KÄUFE V DipL-Kauta. r & K. SZILAGYI iemit «um!X.,.ROTENLÖvVENG. 3 TEL. A 10-S-69 ich die Resolution eingebracht, weil ich als Christ in der Haltung der Nationalsozialisten eine Verletzung des- Christentums sehe, weil ich sehe, wie durch diese Haltung die angestrebte Freundschaft zwischen . zwei verwandten Völkern in Trümmer geht. Es ist eines großen Volkes unwürdig, gegenüber e i n e m T e i l seiner Bevölkerung eine Politik der Unterdrückung zu verfolgen. Ich fordere daher diese Versammlung auf, ihrem Mitgefühl mit den Opfern der Verfolgung Ausdruck zu geben. Aus dieser Versammlung sollte in aller Freundschaft ein Appell an die Beherrscher Deutschlands ergehen, daß sie sich jener Taten enthalten, die die christliche öffentliche Meinung1 m England beleidigen, weil es Taten Sind, die mit der Unterdrückung der Juden im zaristischen Rußland vor 30' Jahren zu vergleichen sind. Mag es in Deutschland Juden gegeben haben, die die ihnen nach dem Kriege zugestandenen Freiheiten mißbrauchten — schlechte luden gibt es ebenso, wie es in jedem Volke schlechte Menschen gibt —, aber unter der durch sie verursachten Mißstimmung litt niemand mehr als jene Juden, die ihr Land mit. leidenschaftlicher Hingabe lieben. Diese Liebe beweisen die 12.000 Juden, die im Kriege ihr Leben für Deutschland gaben. Der Generalangriff gegen die Juden als Gesamtheit ist durch nichts gerechtfertigt. Bei Annahme der Nürnberger Gesetze verbat Hitler alle Einzelaktionen und machte die Welt glauben, daß die deutschen Juden im Rahmen dieser Gesetze sicher werden leben können. Aber die traurige Wahrheit ist, daß die Einzelaktionen sich häufen und persönliche Angriffe auf Juden ganz offen erfolgen. Wir warten jetzt auf die versprochene Regelung der wirtschaftlichen Betätigung der Juden in Deutschland und es wird em schmerzhafter Schlag gegen unsere Hoffnungen sein, wenn man es den Juden nicht möglich machen sollte, zumindest in der Wirtschaft ihren Lebensunterhalt zu finden. Dr. Bell verwies auf den anttjüdischen Verleumdungsfelcteug von Goebbels und Streicher, bezeichnete es als grauenvoll, daß ein Organ wi e ,d er „Stürmer" Vorschläge zur Lösung der Judenfr ag e m a c h e n d a r f, die auch durchgeführt werden, spielte zum Schluß auf die V e r h a f t u n g des Präsidenten der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Dr. B a e c k, wegen dessen Gebets um Schutz gegen Verleumdung an und schloß: Wer kann die Juden gegen Verleumdung schützen, wenn es die Christen in England und Europa nicht tun? Daher ersuche ich diese Versammlung, ihre Sympathie mit den Juden zum Ausdruck zu bringen und die Beherrscher Deutschlands aufzufordern, eine PoR§k aufzugeben, die Deutschlands höchsten .Traditionen so fremd ist und die Deutschlands Antlitz so sehr befleekt. Der Bischof von Southwark, Dr. Ri- Ocstcrreidiisclics Qualltals raD rthaf Ueberau erhältlich chard G. Parsons, erklärte: Die Lage der ineinneuesGhettogezwängtenJuden Deutschlands ist hoffnungslos. Sie werden zu Tode und doch nicht ganz zu Tode gehetzt; man erhält sie am Leben, um sie weiter hetzen zu können. Wenn Goebbels die Juden mit Ungeziefer vergleicht, so schwärzt er das Antlitz seines eigenen Volkes, aus dem heraus solche Empfindungen geboren werden können. Wer an den Geist Christi glaubt, empfindet tieft Besorgnis um die Zukunft eines Landes wie Deutschland, dem die Welt so viel schuldet, undum die Juden dieses Landes, die der Menschheit unschätzbare Güter geschenkt haben. Der Bischof von Dur harn. Dr. Herbert H. H e n s o n, erklärte. Auf drei Dinge möchte ich die Herren des heutigen Deutschland aufmerksam machen: Erstens — durch seine Behandlung der luden schließt sich Deutschland aus der Zivilisation aus; zweitens - die Rassentheorie ist ein Unsinn; Juden wie Deutsche sind rassisch gemischt. Sofern die Juden sich von ihrer Umwelt unterscheiden, unterscheiden sie sich nicht v <j n derselben im Blute, sondern ihre A n d e r sa r t i g k ei t ist Widerspiegel ihrer tragischen Geschichte; drittens — wir können und dürfen uns nicht unserer ungeheuren Verpflichtung gegenüber dem jüdischen Volke entschlagen, das uns unseren Heiland, dessen Apostel und unsere heiligen Bücher geschenkt hat. Sollen wir, Kinder des Christentums, uns gegen die Kinder Gottes wenden, in so niedriger Art uns gegen sie wenden und sie für alles Unrecht und alle Not verantwortlich machen, an denen wir selber die Schuld tragen? Es macht mich blind vor Wut, wenn ich von diesen schändlichen und gemeinen Verfolgungen der jüdischen Rasse höre. Ich wünschte, wir könnten das Schwert ziehen und für Gottes Volk kämpfen. Die Behandlung dieses Volkes in Deutschland vergewaltigt die grundlegenden Schlüsse, zu denen die zivilisierte Menschheit gelangt ist. Dr. Henson erinnerte zum Schluß an Sir Moses Moritefiores menschenfreundliche Taten, die allen Völkern, nicht nur den Juden, galten. T't e f e s Schweigen, dann starker Beifall folgten der Rede. Dr. G. K. Bell, Bischof von etliche s t e r nahm zum Schluß nochmals das Wort und erklärte, die Resolution sei nach sorgfältigster Erwägung abgefaßt worden. Er erinnerte daran, daß

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