Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 44 (1.11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT. Nr. 44—1. November 1935 Seite 7 GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM, KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE: XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Reichskulturkammer mitgeteilt, daß die Aufführung nicht stattfinden dürfe, da Mozart Arier war und Werke von Ariern von Juden in Deutschland nicht gespielt werden dürfen. Schon früher waren Gerüchte verbreitet, daß Juden die Aufführung der Werke von Ariern verboten worden sei, ein offizielles Verbot erging aber erst jetzt. In München wurde vor kurzem der englische Staatsangehörige Rudolf Selz, Berichterstatter des „Dailv Express", wegen „Rassenschande" verhaftet. Ueber Intervention des Berliner englischen Botschafters wurde Selz freigelassen und das Verfahren gegen ihn niedergeschlagen. Sofort nach seiner Freilassung wurde er aber wieder in Haft genommen und soll nun aus Deutschland ausgewiesen werden. Sevilla Pastor ist wieder da .. .1 Nun ist diese wunderbare Schauspielerin wieder nach Wien gekommen, die hier keine Unbekannte mehr ist. Man hat ihren Triumph vom Vorjahre noch in stärkster Erinnerung. Sie ist längst die Pastor geworden, auch über den Rahmen des jüdischen Theaters hinaus. Sevilla Pastor hat den Theaterteufel in der Seele. Nur so ist es zu begreifen, daß sie so vielseitig darzustellen und trotzdem immer zu begeistern weiß. Vom Tragischen bis zum Possenhaften reicht ihr Repertoire, und wenn es gilt, in Herrenkleider zu steigen, stellt sie auch hier im wörtlichsten Sinne" ihren „Mann"! ' Jederzeit hält sie uns im Banne ihrer großen Kunst. Deshalb freuen sich alle über ihre Rückkehl nach Wien und hoffen, daß die Wahl und der Titel ihres ersten Stückes ein gutes Omen bedeute: Masltow Sevilla Pastor! Das judenfreundliche Griechenland. Der frühere Unterstaatssekretär im griechischen Kriegsministerium Rhodopoulos, der gemeinsam mit dem jüdischen Abgeordneten und bekannten Financier Peppo M a 11 a h Griechenland auf der Interparlamentarischen Wirtschattskonterenz in London vertrat, erklärte nach seiner Rückkehr, Abg. Mallah habe gerade deswegen, weil er Jude ist, seinem Vaterland in London besonders wertvolle Dienste leisten können. Mit Hilfe seiner zahlreichen jüdischen Freunde habe er wichtige wirtschaftliche Verbindungen für Griechenland angeknüpft. Der Staatssekretär fügte hinzu, dies sei nicht nur seine persönliche Meinung, sondern auch die vieler anderer Delegierter der Wirtschaftskonferenz. Die griechische Delegation sei Peppo Mallah zu tiefem Dank verpflichtet. Die Aeußerung des ehemaligen Staatssekretärs Rhodopoulos ist im Hinblick auf die von gewissen Zeitungen an der Betrauung eines Juden mit der wichtigen Mission in London geübten Kritik von besonderer Bedeutung. * Der frühere Generalgouverneur von Mazedonien, Verriopoulos, an dessen Stelle vor einigen Tagen der neue königliche Gouverneur Mandas getreten ist, hat an den Oberrabbiner von Saloniki Dr. Zwi K o r e t z ein Schreiben gerichtet, in dem er ihm und der jüdischen Bevölkerung Dank und Anerkennung für die stets bewiesene Bereitschaft zu einer von herzlichem Vertrauen getragenen Zusammenarbeit ausspricht. Warnung vor dem Besuche der hebräischen Kurse der „Schwedischen Gesellschaft für Israel". Die „Schwedische Gesellschaft für Israel" im 9. Bezirke hat ihre auf Bekehrung von Juden ge- Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien I., Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65, bittet dringendst im Hinblick auf den Ernst der Zeit und die katastrophale Arbeitslosigkeit unter den Juden im Bedarfsfalle Angestellte und Arbeiter jeder Kategorie, sowie Lehrlinge bei nachstehendem Arbeitsnachweis anzufordern. richteten Bestrebungen in ihrem Missionshause 9. Bez., Seegasse 16, und zwar diesmal durch die Abhaltung von hebräischen Kursen wieder aulgenommen, um ihre au! den Abfall vom Judentum gerichtete Tätigkeit durch diese Tarnung ausüben zu können. Seitens der Israelitischen Kultusgemeinde Wien sind entsprechende Warnungen in weitestem Umfange ergangen und es wird besonders die Aurgabe der jüdischen Seelsorger sein, die Bestrebungen der Missionäre abzuwehren. Palästina-Nachrichten. Ein im Zusammenhang mit der J a r f a e r Munitionschmuggelaffäre, deretwegen in P a 1 ä s t i n a und im Ausland intensive Nachforschungen angestellt werden, am 26. Oktober veranstalteter arabischer Generalstreik ist ruhig verlaufen. Der Chefsekretär der Palästina-Regierung, John Hathorn Hall, der den High Commissioner während seines Aufenthaltes in England vertritt, hat in Amman eine Besprechung mit Emir Abdullah abgehalten und sich noch an demselben Tag nach Jerusalem zurückbegeben. Gerüchte besagen, daß Chefredakteur Hall von London die Instruktion erhalten habe, über die Stationierung militärischer Kräfte aus Malta in Transjordanien zu verhandeln. Eine offizielle Bestätigung dieser Gerüchte ist nicht zu erlangen. In einer in Jerusalem abgehaltenen Zusammenkunft jüdischer Industrieller wurde mitgeteilt, daß schätzungsweise die Handels-Unterbilanz Palästinas in den letzten zwölf Jahren 71,000.000 Pfund betragen hat. Die Palästina-Regierung hat ein Gesuch der Stadtverwaltung von Haifa, ihr einen Zuschuß von MÖBEL Moderne KQchen- Vorzlmmer- Wohnzlmmer- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. 26.000 Pfund zwecks Herstellung des Gleichgewichts im städtischen Haushalt zu gewähren, abgelehnt. Die T e x t i 1 f a b r i k „D s c h e d d a" bei Haifa, von der berichtet wurde, daß sie den Betrieb infoige japanischen und russischen Dumpings einstellen mußte, gibt bekannt, daß sie weitergeführt werden wird. Es wird jedoch darauf hingewiesen, daß der gegenwärtige 20prozentige Einfuhrzoll zum Schutz gegen die Einfuhr billiger japanischer und russischer Textilwaren nicht ausreicht. Vor einiger Zeit wurde in der Umgebung von A k k o auf Anordnung der Militärbehörden mit der Errichtung von Militärbaracken begonnen, an deren Bau mit außerordentlicher Beschleunigung gearbeitet wurde. Jetzt wurde der Befehl zur Einstellung dieser Arbeiten gegeben. Dies wird in Haifa und Akko dahin gedeutet, daß keinerlei außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen mehr für erforderlich gehalten werden und daß für Palästina keinerlei Kriegsgefahr bestehe. Die aus zwei englischen und einem arabischen Beamten bestehende Zensurkommission der Regierung von Palästina verbot die Vorführung von Filmen, die Szenen des abessinisch-italienischen Konflikts zeigen. Cuza auf den Spuren Hitlers. Der mit Rücksicht auf die jüdischen Feiertage von den Behörden verschobene Kongreß der national-christlichen Cuza-Goga-Partei hat am Sonntag, den 20. Oktober, in Czernowitz bei Anwesenheit von mindestens 20.000 Teilnehmern stattgefunden. Der rumänische „Apostel des Antisemitismus" Prof. A. C. Cuza. der vor kurzem bei Hitler in Berlin zu Gast war, und der ehemalige Innenminister Octavian Goga waren die führenden Figuren des Kongresses. An den Wänden vieler Häuser der inneren Stadt und in den Vorstädten wurden Plakate mit dem Programm der nationalchristlichen Partei affichiert, welches dann auch vom Kongreß zum Beschluß erhoben wurde. Darin werden die Juden als „kifta jidoveasca" (jüdisches Gesindel) bezeichnet. Neben einigen allgemeinen Forderungen wird auch verlangt: Konfiskation des jüdischen Vermögens auf dem Lande, Reinigung des öffentlichen Dienstes von jüdischen Angestellten. Expropriierung der jüdischen Industrie u. dgl. m. Cuza hielt auf dem Kongreß scharfe antisemitische Hetzreden und erklärte, seine Partei werde früher oder später die Regierung übernehmen und das Programm verwirklichen. Zu Ruhestörungen kam es in Czernowitz nicht, aber in jüdischen Kreisen wurde es sehr schmerzlich empiun- STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. B53-0-53 den, daß die Regierung die Affichierung eines Plakates gestattet hat, welches eine Million jüdischer Staatsbürger Rumäniens als „jüdisches Gesindel" beschimpft. Die Pressestelle des „Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" meldet: Auf Grund des allgemein bekannten Erlasses des deutschen Propagandaministeriums sollen die Namen der für Deutschland gefallenen 12.000 Juden aus der deutschen Geschichte des großen Krieges ausgemerzt werden. Sollte diese Verfügung Wirklichkeit werden, so würde der „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" die Pflege des Andenkens der 12.000 für Deutschland gefallenen Juden in entsprechender Weise übernehmen und solange behalten, bis es wieder möglich sein wird, diese Helden in ihrem Vaterlande entsprechend zu ehren. Semeindednonik. Maimonides-Institut, II., Praterstraße 11. Am Schabos Bereschis hielt auch diesmal der Leiter dieses Bethamidrasch den ersten Vortrag vor einer zahlreichen, ansehnlichen und aufmerksamen Zuhörerschaft. Herr Rabbiner Dr. Kaminka sprach über „Die biblische Lehre von der Gleichheit der Menschen". Auf die Frage, welcher Vers der Bibel der inhaltsvollste sei, erklärte der große Rabbi Akiba, es sei der im III. Buch Mosis geschriebene: „Weohavto lereacho komaucho", der die Nächstenliebe anordnet. Dieses Gebot wurde zu allen Zeiten und bei allen Kulturvölkern hochgehalten; der jetzigen Zeit und Generation war es vorbehalten, ganz scharf umrissene Ausnahmen zu formulieren und zur Ausführung zu bringen. Ein anderer Weiser, Ben Asai, behauptet, daß der 1. Vers des 5. Kapitels im I. Buch Mosis der beachtenswerteste sei; er lautet: „Se sefer taul'daus Odom"'. „Das ist das Buch der Nachkommen des Menschen" — Adam als Einzelperson, der erste Mensch, von welchem jeder, der im Ebenbilde Gottes geschaffen ist, abstammt, einerlei wie er aussieht, welche Hautfarbe er hat, welcher Nation er angehört und welche körperliche Formen er besitzt — er ist der Nachkomme Adams, des ersten Menschen, nicht der eines Stammes oder einer Rasse. Hoch und unantastbar ist das Leben eines jeden Menschen. Niemand hat das Recht, ihm dieses zu nehmen. Auch der einfachste Mensch, ja selbst ein Verbrecher, hat Anspruch, in gewissenhaftester Weise geschützt zu werden. Ben Asai hat in seinen weisen Aussprüchen, von denen einige in die Sammlung der Pirke owaus Aufnahme fanden, den Nachweis erbracht, daß die Abstammung des Menschen nicht von einer großen Anzahl erfolgt ist, sondern nur von dem „Odoin", dem ersten Menschen. Der Vortragende erläuterte fünf solcher Aussprüche im Zusammenhange mit heute aktuellen Vorkommnissen in geistvoller Waise. Er wies daraui hin, daß der Glaube an einen Gott alle Verirningen des heidnischen Kultus überstrahlt— der neuerlich dort autlebt, wo anmaßende Selbstverherrlichung keine Grenzen sieht. Dr. Kaminka fügte sanen Erklärungen, die er seinem Thema anpaßte, viel Geschichtliches aus alter und neuester Zeit bei. Er sprach von den Heldenverehrungen der verschiedenen Zeitalter, von Glaubenshelden aller Konfessionen, auch von Judenvertreibungen der grausamsten Art und wies dabei auf den wesentlichen Unterschied hin, in welch verrohter Art diese Judenvertreibung heute betrieben wird. Der Vortragende schloß seine lichtvollen Ausführungen mit dem Wunsche für die allgemeine Anerkennung der Gleichheit des Menschentums im Sinne der Bibel. Rudolf Kraus. Trauung. Sonntag, den 27. v. M.. fand im bis aufs letzte Plätzchen gefüllten Pazmaniicntempel die Trauung des Fräuleins Ilonka Stift, Tochter des Herrn I. Kantors und Sekretärs dieses Tempels Armin Stift und Frau, mit Herrn Salo Unser statt. Raummangel zwingt uns, erst in der nächsten Nummer über die besonders schöne Feierlichkeit, die deutlich die großen Sympathien für Brautpaar und Brauteltern bewies, zu berichten. Danksagung Außerstande, allen persönlich zu danken, gestatten wir uns, für die uns anläßlich des am Samstag, den 26. Oktober 1. ]., stattgefundenen Festes unserer Goldenen Hochzeit von unseren Freunden und Bekannten dargebrachten Ehrungen und Gratulation auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank zum Ausdrucke zu bringen. Benedikt und Theresia Stelner Wien, 26. Oktober 1935.