Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 43 (25.10.1935)
- Date
- 1935-10-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 40 Groschen Jüdische Die Wahrheit In Deutschland verboten! mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 51. Jahrgang Wien, 25. Oktober 1935 Nummer 43 OPTIKER M. SCHACHTER II., GlOdfCDgasse 25 Genaueste Ausführung von Rezepten «Große Auswahl an modernen Fassungen» Samstag geschlossen Bei Berufunz auf dieses Blatt 5 Prozent Rabatt!__.__ Der jüdischnationale Zionismus und der Abessinien-Konflikt. Eines derschwersten Bedenken, das gegen die Nationalisierung des Zionismus von seiten der Unionisten immer erhoben wurde, war - die dadurch herbeigeführte Verwicklung der palästinensischen Siedlungen in inner- und außenpolitische Konflikte. Mit der zur Kampfesmethode gewordenen, überlegen scheinenden Ironie wurden derartige Bedenken abgetan. Wie weit schien den meisten jüdischnationalen Führern nach der Herstellung des Weltfriedens im Jahre 1919 eine zukünftige außenpolitische Verwicklung, die Palästina berühren könnte! Im Völkerbund erschien ihnen der Weltfriede für die Ewigkeit verankert, so wie sie in-den sogenannten Minoritätsrechten einen unerschütterlichen Schutz für die Gleichberechtigung der neu zu bildenden jüdischen Nation geschaffen zu sehen glaubten. Daß es in den 17 Friedensjahren trotz Völkerbund und Locarno schwere, auch kriegerische Konflikte gab, daß Japan und Deutschland der „Gesellschaft der Nationen" den Rücken kehrten, daß nicht die Minoritätsrechte, aber die primitiven Rechte der Menschlichkeit in Deutschland mit Füßen getreten wurden, ohne daß in Genf auch nur ein Finger gerührt wurde, all das hat die fanatischen Ideologen des nationalen Judenstaates nicht bekehrt. Dieser wird eine Insel der Seligen bilden, unberührt von den Leidenschaften, politischen Zielen und Bestrebungen der übrigen Welt. Der verhältnismäßig kleine Abessinien- Konflikt muß den eingefleischtesten zionistischen Judenstaatlern, die da glaubten, unbekümmert um die politischen Bestrebungen der übrigen Welt, in Ruhe eine Nation und das ihr gehörige Vaterland aufbauen zu können, drastisch vor Augen führen, daß sie wie in vielen Dingen auch hier geirrt haben. Der Abessinien-Konflikt hat genügt, um den insgeheim schwelenden Brand des arabischen Nationalismus aufflammen zu lassen. Aus Jerusalem hört man, daß man in den arabischen Lagern eifrig bemüht ist, eine Verständigung zwischen den einzelnen Parteien herbeizuführen. Eine allarabische Konferenz soll zwecks Erörterung wichtiger Angelegenheiten Palästinas einberufen werden. In diese Aktion sollen auch die arabischen Kreise Syriens und Transjordaniens einbezogen werden. Der Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Chaldi, erläßt ein Pronunciamento, in dem es heißt, daß die Lage im Lande „aktive Schritte" erfordert. „Wir glauben, daß es keinen Araber im Lande gibt, der auf volle Selbständigkeit verzichten will." Der arabische Jugendverband fordert alle arabischen Parteien auf, ihre Vertreter in eine gemeinsame Delegation zu entsenden, die von der Regierung die Einstellung der jüdischen Einwanderung und des jüdischen Bodenkaufs verlangen soll. Die arabischen Zeitungen melden, daß die arabischen nationalen Institutionen für den 2. November, den 18. Jahrestag der Bajfour- Deklaration, Kundgebungen gegen diese Deklaration vorbereiten. Der Jerusalemer Großmufti und der frühere Bürgermeister von Jerusalem nutzen die Nachricht über die Entdeckung eines geheimen Munitionstranspörtes im Jaffaer Hafen zu einer neuen anti jüdischen Aktion' aus. Sie erheben gegen die Juden die falsche Anklage, daß sie Gewehre und Munition nach Palästina'schmuggeln. An die arabische Welt soll ein Manifest gerichtet werden, in welchem gegen die Juden die Anklage erhoben wird, ein Komplott gegen das Leben der arabischen Bevölkerung in Palästina zu schmieden. Die anabische Presse erhebt ebenfalls gegen die Juden die Beschuldigung, daß sie Munition ins Land geschmuggelt haben, und appelliert an die Regierung, dagegen einzuschreiten. Diese Propaganda und verbrecherische Agitation entstellt die Tatsache, daß auf einem belgischen Schiff, welches 400 Tonnen Zement für Palästina mit sich führte, eine nicht sehr große Menge Munition enthalten war. Die Ladung war an einen gewissen Kattan adressiert, von dem man nicht weiß, ob er Jude oder Araber ist. Man -glaubt, daß die Munition für die Italiener in Abessinien bestimmt Var. Die arabische Presse wurde von der Regierung ernstlich gewarnt, die im Zusammenhang mit dieser Munitionssehmuggelaff äre getriebene judenfeindliche Hetze fortzusetzen. Die Regierung hat ein Communique veröffentlicht, in dem mitgeteilt wird, daß vier Personen, deren Namen nicht genannt werden, unter dem Verdacht der Mitsdiuld an dem Schmuggel verhaftet worden sind. Der Adressat der Sendung, J. Kattan, konnte noch nicht ausfindig gemacht werden. Wie arabische Zeitungen melden, soll es sich bei den vier Verhafteten urn drei Juden und einen arabischen Zollbeamten handeln. Aber nicht nur innerpolitisch, sondern auch außenpolitisch wirkt der Abessinien-Konflikt verhängnisvoll, störend auf den Aufbau und das Wirtschaftsleben Palästinas ein und die Gegensätze der verschiedenen jüdischnationalen Parteien im Lande und außerhalb desselben werden um einen neuen Gegensatz vermehrt. Palästina als Mandats- Häuserverwaltungen sensal A 48-9-22 Reparaturkre dite Vermittlungen R. TAUBPIANN ZinsvorsAQsse Geldbescfa affungen Wien, II. Bezirk, NordpoIstraBe 2/3 kulanteat Nach Amerika mit Koscherküche auf den Dampfern „Queen Mary' „Aquitania" „Britannic" „Berengaria" in Vollendung SO. Oktober 6. November 13. November Cunard White Star Ltd. Wien I., Karnterring 4, land Großbritanniens muß die auf dessen Betreiben vom Völkerbund beschlossenen Sanktionen gegen Italien natürlich mitmachen. Die zionistische Exekutive, gebildet aus den Arbeiterorganisationen und den Allgemeinen Zionisten, steht begreiflicherweise in dem abessinischen Konflikt voll und ganz auf Seite der Mandatsmacht, während die Revisionisten, die Neue zionistische Organisation, sowie dieAraberPalästinasmitltalieit zu liebäugeln scheinen. Die „Times", das offiziöse Blatt der Konservativen Englands, schreibt darüber folgendes: „Während der letzten Wochen sind in der allgemeinen arabischen Presse wiederholt Artikel erschienen, in welchen aufgefordert wird, die gegenwärtigen internationalen Komplikationen dazu auszunützen, in Gemeinschaft mit den Arabern aller anderen Länder einen Kampf für die Annullierung des englischen Palästina-Mandats (Balfour-Deklaration) zu führen." „Unter den Juden steht die Partei der Zionisten-Reväsdonisten, welche jetzt Neue Zionistische Organisation heißt, an der Seite Italiens. Ihre Zeitung „Hajarden" ist die einzige jüdische Zeitung in Palästina, welche über die Vorgänge in Genf und in Abessinien tendenziös pro-italienisch berichtet." So werden Palästina und die Juden daselbst, und unter Umständen die Juden der ganzen Welt, durch das jüdischnationale Palästina in einen Konflikt verwickelt, der sie 'sonst nicht mehr und nicht weniger berührt hätte als die übrigen Bürger des Staates, dem sie angehören. Im Zeitalter des Weltverkehrs, der dichten vielfachen Verflechtung der wirtschaftlichen und politischen Interessen aller Länder der Welt bleibt ohnedies kein diplomatischer oder gar kriegerischer Zusammenstoß zwischen zwei Mitgliedern der Völkerfamilie ohne Rückwirkung auf den Einzelnen. Wären aber Teile unserer Glaubensgenossen dem rückschrittlichen Ahnenkult einer jüdischen Nation und des zu ihr gehörigen Landes nicht verfallen, hätten sie sich mit dem Gedanken der Schaffung einer Heimstätte für heimatlos gewordene Glaubensgenossen in Palästina zufriedengegeben, so hätten nicht alle Juden ein Angriffszentrum mehr, aus dem sie unter ungünstigen Umständen schwer getroffen werden können. H. O. I «