Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 42 (18.10.1935)
- Date
- 1935-10-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 42 — IS. Oktober 1935 Seite 7 GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE HR. 19 FILIALE) XVII!., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfurKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Simchas-Thora-Fest statt. Zahlreiche Vorträge (Hilde D u 1 i t z k a j a u. v. a.) sowie die beliebte Kapelle Merkur werden für Stimmung sorgen. mann, der ewig Schaukelnde, hat Annette Kolbs „Schauker' nach seinem Geiste wieder zurechtgeschaukelt. Vermutlich hatte ihm die Reichskulturkammer zu Bewußtsein geführt, daß er, wenn er einem Autor seines Verlages eine Verteidigung der Juden gestatte, die Parole „Nieder mit uns!" aufs schwerste verletzte. Deshalb erfolgte in der zweiten Auflage die Streichung, wie auch in einem neuen Prospekt des Verlages S. Fischer bei der Aufzählung der Werke Aage Madelungs dieses berühmten Autors Hauptroman „Die Gezeichneten" ni c h t genannt wird. Herr Beermann hat eben den Wunsch, den neuen Herren zu gefallen, obschon diese so gar nichts mit der Tradition und dem Ansehen S. Fischers zu tun haben. Gemeindedkvom i k. Johannisburg. Nichtjüdische und jüdische Persönlichkeiten und Institutionen in ganz Südafrika sandten an den Bürgermeister von Johannisburg Maurice F r e eman und seine Gattin anläßlich ihrer Silbernen Hochzeit Glückwunschadressen. Den Gratulanten schlössen sich der Generalgouverenur von Südafrika, Graf C1 ar e n d o n, und seine Gattin an. Generalkonsul Heinrich Arnhold gestorben.!n Dresden starb im Alter von 50 Jahren der Mitinhaber des Bankhauses Gebr. Arnhold, Generalkonsul Dr. Heinrich Arnhold. Der Verstorbene, der mehr als 30 Jahre lang in seiner väterlichen Firma, einem der bedeutendsten Bankhäuser in Deutschland, führend tätig war, hat sein Unternehmen in zahlreichen Aufsichtsräten und wirtschaftlichen Gremien vertreten. Besonders stark war sein Einfluß in der Porzellan- und keramischen Industrie sowie in der Brauindustrie des Reiches. Sein Vater war Geheimrat Georg Arnold, dessen Stiftung, das Bad der Stadt Dresden, jetzt, wie wir jüngst berichteten, Nic'htariern den Besuch verwehrt. Für jüdische Dinge zeigte Generalkonsul Heinrich Arnhold immer eine lebhafte Anteilnahme. In seiner Heimatgemeinde Dresden war er lange Zeit Mitglied des Gemeindevorstandes. Im geschäftsführenden Ausschuß des Hilfsvereins der Juden in Deutschland stellte er seine Mitarbeit bereitwilligst zur Verfügung. Warschau. Unter außerordentlich starker Beteiligung der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung fand am 8. Oktober in Warschau die Beisetzung des plötzlich verstorbenen Vorsitzenden des Verbandes der Jüdischen Kaufleute und Sejm-Abgeordneten Waclaw W y s z- 1 icki statt. An dem Leichenbegängnis nahmen Vertreter der Regierung, des Präsidiums des Sejm unter Führung des Präsidenten C a r, sowie zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten des politischen und wirtschaftlichen Lebens teil. Die jüdischen Verbände und die jüdischen und polnischen Wirtschaftsvereinigungen hatten Abordnungen entsandt. An dem Grabe wurden etwa 50 Kränze mit Schleifen, deren Inschriften auf die vielfachen Verdienste Wyszlickis hinwiesen, niedergelegt. Mehrere Redner würdigten die Leistungen des Verstorbenen in Ansprachen am offenen Grabe. Dr. Heinrich Speyer gestorben. Der Dozent am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau, Dr. Heinrich Speyer, ein hervorragender Hebraist und Arabist, starb in Frankfurt a. M. im Alter von nur 38 lahren. Er hinterließ grundlegende Arbeiten über die Wissenschaft der hebräischen Sprache, von denen einige demnächst veröffentlicht werden sollen. Mit ihm geht eine Hoffnung der hebräischen Wissenschaft dahin. Philadelphia. Zum Direktor des Fine Arts College in Philadelphia, der bedeutendsten Kunsthochschule Amerikas, ist der bekannte jüdische Bildhauer Boris Blei ernannt worden. Das College verdankt seine Entstehung einer Stiftung von einer Million Dollar, die von einer Schülerin Bleis, der Bildhauerin Stella Elkins Taylor, errichtet wurde. Die Jüdische Volkshochschule, bisher IL, Novaragasse 30, übersiedelt mit Beginn des Winterhalbjahres in die Jüdische Kulturstelle, I., Franz-Josefs- Kai 3. Kursbeginn 21. Oktober. Anmeldungen, Auskünfte und Prospekte durch die Jüdische Kulturstelle (Telephon R 28-2-36). Simchas-Thora-Fest. Sonntag, den 20. Oktober, imdet im Cafe B u c h s b a u m, II. Kl. Pfarrgasse 21, ein Wiener Bet Hamidrasch, Wien II., Tempelgasse 3. Vorlestaigen im Wintersemester 1935/36 (5696). Sonntag, 5—6: Prof. Dr. Krauss: Geschichte der Juden der neuesten Zeit; 6— 7: Prof. Dr. Krauss: Traktat Sopherim. Montag, 6—7: Rabb. Dr. Rosen mann: Ezechiel; 7— 8: Rabb. Z i k i e r: Midrasch Tanchuma. Dienstag, 6—7: Rabb. Dr. Taubes: Geschichte der Tanatischen Literatur; 7—8: Oberrabb. Dr. Taglicht: Traktat Deresch Erez. Mittwoch, 6—7: Rabb. Dr. Rosen mann: En Jakob (Sanhedrin); 7—8: Rabb. Lektor Dr. Rubin: Talmud Megilla. Donnerstag, 6—7: Prof. Dr. Krauss: Geschichte der Juden der neuesten Zeit; 7—8: Rabb. Lektor Dr. Rubin: Midrasch. Samstag, 11—12: Prof. Dr. Krauss: Traktat Sopherim; 4—5: Rabb. Lektor Dr. Rubin: Bibelvortrag. Die feierliche Eröffnung des Wintersemesters findet Montag, den 21. Oktober, um 6 Uhr abends im kleinen Tempel, II. Tempelgasse 3, statt und wird durch einen Eröffnungsvortrag des Herrn Rabb. Lektor Dr. Rubin: „Das Gottesurteil in der Bibel" eingeleitet. Der Vorstand: Ernst Vogel m. p. Dr. Jakob O r n s t e i n m. p. Schriftführer. Präsident. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, 1., Kohlmessergasse 4, Tel. U-27-0-65, sucht d r i ngendst Stellen für: A) Kontoristen, Buchhalter, Handelshilfsarbeiter Geschäftsdiener, Packer, Inkassanten, Verkäufer, Auslagenarrangeure, Kellner, Krankenpflegerinnen, Nachhilfelehrer- und Lehrerinnen für Mittelschulfächer. B) Arbeit für gewerbliche Hilfskräfte aller Art, darunter auch Architekten für Inneneinrichtung, Chemiker, Elektrotechniker, Installateure, Bauingenieure, Chauffeure sowie ungelernte Arbeiter. C) Handwerkliche und kaufmännische Lehrstellen für Knaben und Mädchen. Im selben Verein sind derzeit offene Stellen für: Reklamegraphiker, perfekten polnischen Korrespondenten bis 30. Jahre, Kinderfräulein mit Sprachkenntnissen für In- und Ausland, geschultes Hauspersonal jeder Art, gut eingearbeitete Konfektionsnäherinnen (auch Heimarbeit). MÖBEL Moderne Küchen- Vorzlmmer- Wohnzimmer- F. HOHN, Wien II , TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. Der Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica iudaica versendet folgenden Auf ruf: Der Beginn des Wintersemesters stellt unseren Verein vor die schwierige Aufgabe, dem Anstürme der vielen bedürftigen Studenten um die Gewährung eines Freitisches oder einer weitgehenden Ermäßigung irgendwie zu entsprechen. Die Not der Studenten ist groß, die Mittel unseres Vereines aber nahezu erschöpit, da aus vielfachen Gründen eine Verlegung der Mensa in das neue Lokal, IX- Lazarettgasse 6, sich als dringend erwiesen hat, dessen Adaptierung mit erheblichen Kosten verbunden war. Darum müssen wir abermals an das gute Herz unserer Glaubensgenossen appellieren. Hellen Sie uns. daß wir den armen hungernden Studenten wenigstens eine warme Mahlzeit täglich verabreichen können. Gebt hungernden Studenten einen Mittagstisch! Mehr als 200 arme jüdische Studenten aller Wiener Hochschulen werden täglich in der Mensa academica judaica gegen einen sehr geringen Regiebeitrag verköstigt. Viele von diesen können leider auch diesen geringen Regiebeitrag für eine Mahlzeit nicht aufbringen, so daß ihnen das Mittagessen ganz unentgeltlich verabfolgt wird. Nur dank dieser Unterstützung ist es vielen Studenten möglich, ihre Studien zu beenden. Die schwere materielle Bedrängnis, in der sich unser Verein befindet, zwingt das unterzeichnete Kuratorium, an Euer Hochwohlgeboren mit der höflichen Bitte heranzutreten, uns auch weiterhin in unseren Bestrebungen zu unterstützen und sowohl durch eine außerordentliche Spende, als auch durch Werbung von Mitgliedern und Gönnern in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreise zur Linderung der Not der jüdischen Studentenschaft beitragen zu wollen. Das Kuratorium. Adressen für Geldsendungen: Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica, IX., Lazarettgasse 6, Postsparkassenkonto Nr. 30.372. Die Kleider-Stelle der Fürsorge-Zentrale bittet dringendst um Zuweisung von brauchbaren Bek/lei dlungjslgelgejnsitän den jeder Art, Wäsche, Schuhe usw. für Männer, Frauen und Kinder. Telephonische oder schriftliche Benachrichtigung erbeten an die Fürsorge-Zentrale der isr. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 2, Tel. U-25-5-85, welche die Abholung veranlaßt. STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112. Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. B53-0-53 Xunst und. JEitewaiuw. Gastspiel Jac Rechtzeit. In dem neuen Stück „Der Galizianer Chusen" erntet Jac Rechtzeit in den Jüdischen Künstlerspielen täglich einen ehrlich verdienten Erfolg, der Schlager findet solchen Anklang, daß er bis Donnerstag, den 24. d. M. auf dem Spielplan belassen wurde. Das Milieu des Stückes — echt jüdisches Genre — sagt dem Publikum besonders zu, um so mehr, als die schönen Lieder und jüdischen Weisen und die ausgezeichnete Ensembledarstellung das ihre zum Erfolg beitragen. Einen Sondererfolg holt sich Simon F o s t e l als „Grojnem Schadehen", wenn er auf der Bühne erscheint, gehen Lachsalven durchs Haus. Eine wirklich gediegene Charakterdarstellung. Die weibliche Hauptrolle ist diesmal bei Fräulein Bell in senr guten Händen. In Episoden brillieren Frau W e i ntraub-Graf, Herr Bell und Geza S c h n a 11m a n n. Alies in allem eine glänzende Aufführung, bei der man sich köstlich unterhält. E. H. Sevilla Pastor kommt nach Wien! Zur Verwirklichung ihrer Filmpläne trifft in den nächsten Tagen die bekannte jüdische Künstlerin, Frau Sevilla Pastor, in Wien ein. Sie wird bei dieser Gelegenheit auch ein diesmal nur für kurze Zeit berechnetes Gastspiel an den Jüdischen Künstletr spielen (Theater Reklame, II., Praterstraße 34), absolvieren. „Urania", Mittlerer Saal. Neu-hebräischer-orient. Liederabend des bekannten Konzert- und Radiosängers J. Segal-Rosenbach (Tenor) am 2. Nov. d. J., 'AS Uhr abends. Aus dem Programm: Neu-hebr. Kunstlieder. — Orig.-hebr.-orientalische Volkslieder. — Populäre palästinensische neu-hebr. Lieder und Horrahs. — Anschließend einige spezifisch-Charakt.-populäre Ostjüdische (jiddische) Volkslieder. — Am Klavier: Lili Riegler. — Kartenpreise für Mitglieder der Urania von 80 g bis S 1.50. Für Niehtmitglieder S 1.— bis S 2.—. Kartenvorverkauf an der Urania-Tageskassa, täglich von 'A9— 1 Uhr und 2—5 Uhr (R 48-2-46): I., Uraniastraße 1. Gronners Kartenzentrale, I.. Graben 28, Gerngroß A. G., VII.. Mariahilferstraße 3S und bei der jüd. Kulturstelle. I.. Franz Josefs Kai. Im „Jüdischen Verlag". Berlin, sind erschienen: J. Schönberg. Schire, Erez .lisrael. Eine Sammlung hebräischer Lieder mit Noten. Das Ziel, durch sie jüdisches Empfinden zu wecken, wird in der Vorrede betont und wird gewiß erreicht werden. Die Sammlung umfaßt alte religiöse Gesänge sowie die neuesten Arbeitslieder. Tanzweisen und arideres, was in jüngster Zeit dem Boden Palästinas entsprossen ist. Jüdisches Jugendbuch, hrsg. von E. B. Cohn und C. R a b i n (als 5. Jahrgang des Jüd. Jugendkalenders). Pessach, Purim. Chanukka, Chamischa, Assar und andere lesthche Stationen des jüdischen Jahres sowie Ereignisse und Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte sind hier Gegenstände warmherziger, dem Kindergemiit angepaßter Erzählungen, Gedichte und Lieder Inhalt und geschmackvolle Ausstattung empfehlen das Buch zum restgeschenk für unsere Kleinen. i u «IL A,manacn des Schocken-Verlages auf das Jahr Sb96 gelangte wiederum prompt zu Neujahr auf den Buchermarkt und repräsentiert sich noch reichhaltiger als der vorjährige. Er enthält neben einigen Originalarbeiten zumeist ausgewählte Kapitel aus bereits erschienenen oder vorbereitenden Publikationen des Verlages und wird vielen eine anregende, angenehme Festtagslekture sein. ... . LLeo Hirsch: Praktische Judentumskunde. Eine Einführung in die jüdische Wirklichkeit für jedermann 193o. Vortrupp Verlag, Berlin. Die tiefen seelischen Erschütterungen, durch die der deutsche Jude in den letzten Jahren durchgegangen ist, haben oft eine innere Wandlung seines Ichs hervorgerufen, die sich vor allem in einer positiveren Einstellung zum Judentum zu seiner Kultur und Religion äußert. Der ausgeschaltete Jude findet zurück zu seinen eigenen Werten. Emi liebe- und lebensvolles Dokument dieser Selbsterneuerung ist obiges Buch: eine seelisch-gemütlich durchgeistigte Darstellung der „Jüdischkeit", wie sie im T a g des Juden, im Haus des Juden und im Jahr des Juden zum Ausdruck kommt. Man könnte es ein modernes deutsches Minhagbuch nennen, wäre es nicht jeder lokalen oder landsmannschaftlichen Abgrenzung abhold, erhaben über politische, auch religiöse Sonderrichtungen. Wie es der Verlag nennt: Ein mit feiner, flüssiger Feder geschriebenes „Lesebuch für das jüdische, auch für das — entjudete Haus". Wer die ethischen intelligiblen und ästhetischen Schönheiten jüdischer Sitten und Gebräuche kennen und anerkennen lernen will, der lese diese knappen 150 Seiten: Niemand wird sie ohne echtes Vergnügen, ohne jüdische Belehrung zur Seite ■egen. Dr. A. Fürst. Hebräisch-Ungarisches Wörterbuch. Die nicht unbeträchtliche Gemeinde der in Wien und Oesterreich lebenden aus Ungarn stammenden Juden wird es mit Interesse zur Kenntnis nehmen, daß das erste H ebräisch-Ungarische Wörterbuch in D eb r e c z e n (Verlag A c z e 1) erschienen ist. Zwei junge Professoren des dortigen jüdischen Realgymnasiums, M. Mannheim und E. G r o s z, haben sich an die Aufgabe gewagt, nicht nur den Wortschatz der Bibel