Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 41 (11.10.1935)
- Date
- 1935-10-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 41 11. Oktober 1935 Seite 7 Spezialhaus för Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Tatoorsiraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 49-3-69_ Palästina-Nachrichten. Wegen Schofarblasens an der Klagemauer verhaftet. Am Ausgang des Jörn Kippur hat der Jugendliche Schraga Haikin, ein vor kurzem aus Kaunas nach Palästina gekommenes Mitglied des Brith Trumpeldor, an der Klagemauer den Schofar geblasen. Die Polizei, die hierin eine Verletzung der Bestimmungen über die Erhaltung des Status quo an der Klagemauer erblickte, nahm Haikin in Haft. Rutenstreiche für antideutschen Boykott. Zvii Safra, ein 17jähriger Jude, wurde vom Polizeigericht in Jerusalem zu 12 Rutenstreichen verurteilt, weil er vor einem jüdischen Geschäft, das deutsche Waren verkauft, Posten stand, um Kunden am Betreten desselben zu hindern. Polizeirichter Bodilly begründete das Urteil damit, daß Safra den antijüdischen Boykott in Deutschland nachäffte und so das jüdische Volk schädigte, indem er die Sympathien der Welt für die jüdischen Leidenden in Deutschland minderte. * 290.000 polnische Juden in Palästina. Unter dem Vorsitz von L. Levite hielten in diesen' Tagen Verwaltung und Rat der polnischpalästinensischen Handelskammer eine Sitzung ab, der der polnische Konsul in Tel Aviv Stanislaw Lukaszewicz und der Präsident der polnisch-palästinensischen Handelskammer in Tel Aviv Mosche Shelush als Gäste beiwohnten. Präsident Levite wies auf die Wichtigkeit polnischer Wirtschaftsarbeit in Palästina, wo heute bereits 200.000 polnische Juden leben, hin. Konsul Lukaszewicz unterstrich die Notwendigkeit der Henstellung einer eigenen .polnisch-palästinensischen Frachtlinie. * Der Zwischenfall in der Höhle Machoelab. Distriktkommissar Campbell hat in seiner Eigenschaft als Verwaltungsrichter 5 Chass i d i m, die in der vorigen Woche mit dem Oerer Rabbi entgegen den Bestimmungen der Besuchsordnung die Höhle Machpelah bei Hebron ohne besonderen Erlaubnisschein betreten wollten, zu je 2 Pfund Geldstrafe, im Nichteinbringungsfalle zu S Tagen Gefängnis verurteilt. Die übrigen fünf angeklagten Chassidim wurden freigesprochen. * Lizenz-Einschränkungen der Aerzte. Aus Anlaß eines Entwurfes zur Abänderung der Aerzte-Verordnung vom Jahre 1928, der im Amtsblatt der Palästina-Regierung veröffentlicht worden ist, wandte sich die Zentrale der jüdischen Aerzte-Organisation in Palästina an die Regierung mit einem Memorandum, in dem gegen die geplante Einschränkung in der Lizenz-Erteilung Protest erhoben wird. In dem Memorandum wird ausdrücklich betont, daß eine solche E i nschränkung die Lage - der Aerzte in P astina in keiner Weise verbessern werde. Das Memorandum nimmt ferner dagegen Stellung, daß zwischen Aerzten, die erst nach dem Dezember 1935 Bürger Palästinas werden, und solchen, die vor diesem Zeitpunkt eingebürgert wurden, ein Unterschied gemacht wird. In dem Memorandum wird ferner beantragt, das Verbot, nach dem Aerzte weder Handel noch Handwerk treiben dürfen, abzuschaffen, da viele Aerzte in der ersten Zeit nach ihrer Ankunft im Lande hierzu gezwungen seien. Die Ursache. Conrad Ferdinand Meyer läßt in seiner schönen Novelle „Das Amulett", die zur Zeit der Hugenottenveriolgungen handelt, einen kalvinisch gesinnten Pariser Schneider über den Pariser Pöbel folgendes sagen: „Das ist ein wildes und ein neidisches Volk und wir Huäenotteri haben das Privilegium, sie zu ärgern. Weil wir eingezogen, züchtig und rechtschaffen leben, so werfen sie uns vor, wir wollen uns als die Bessern von ihnen sondern; aber, gerechter Himmel! wie ist es möglich, die zehn Gebote zu halten und sich nicht vor ihnen auszuzeichnen!" Den idealen jüdischen Lebensgefährten finden Sie schnell und sicher durch #Dle indische fleirafszeilmig Prag XIX., SobOFSkä 5, CSR. Weiteste Verbreitung im In- und Ausland. Reichste Auswahl an Ehegesuchen, Einheiraten etc. Prospekt nur geg. Rückporto, neueste Probenummer Kc 4.— Ausland 2 internation. Antwortscheine So ähnlich könnte heute jeder deutsche Jude sprechen, nur daß seit den Hugenottenverfolgungen drei Jahrhunderte vergangen sind und im 20. Jahrhundert Judenverfolgungen nicht die Resonanz finden, wie die der Kalvinisten zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Spectator. Notstandsaktion der Kultusgemeinde. Im Bewußtsein der schweren Verantwortung für die ungeschmälerte Erfüllung der Aufgaben der Kultusgemeinde wird sich der Vorstand der israel. Kutlusgemeinde Wien in den nächsten Tagen au die Mitglieder der Kultusgemeinde mit der Bitte um Beistand und Hilfe wenden. Allgemein bekannt sind die Schwierigkeiten, unter denen die erwerbenden Schichten der Wiener Judenschaft ausnahmslos leiden, niemand weiß aber aus so unmittelbarer Anschauung wie der Vorstand, in welch' erschreckendem Maße die bis zum Hunger und zur Obdachlosigkeit gesteigerte Verelendung der aus dem Erwerbsleben ausgeschalteten Juden gewachsen ist und wie sehr die Not jetzt auch unter den Angehörigen des Mittelstandes um sich greift. Dieses Wissen um die Not zwingt den Vorstand, ungeachtet aller Schwere der Erwerbsverhältnisse wieder an die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder zu appelieren. Trotz größtmöglicher Einschränkung aller Ausgaben decken die •ordentlichen Einnahmen bestenfalls die normalen Gemeinde-Erfordernisse, von denen schon nahezu die Hälfte Fürsorgezwecken dient: aber fast völlig fehlen der Gemeinde die Mittel für die angesichts des wachsenden jüdischen Elends unabweisliche außerordentliche W i uterhilfsaktion, für die erhöhte Hilfeleistung an die, unter neuen Verfolgungen leidenden, zu uns geflüchteten unglücklichen deutschen Juden, für den Ausbau der Arbeitsvermittlung und die Umschichtu a g der überaus zahlreichen Arbeits- und Erwerbslosen, für die Stützung der in schwerster Bedrängnis lebenden Intellektuellen und Künstler, und nicht zuletzt für eine ausreichende Hilfeleistung an die Kranken und Alten, für die auch durch die jüngst erfolgte Erweiterung des jüdischen Altersheimes noch lause nicht genügend .gesorgt ist. Der Kultusvorstand, dem angesichts dieser Verhältnisse das gesetzliche und statutarische Recht zustünde, mit einer generellen Erhöhung der Kultussteuersätze vorzugehen, will jeden Zwang vermeiden, weil er überzeugt ist, daß seiner Bitte um freiwillige Hilfe von der Wiener Judenschaft — wie immer bisher — auch diesmal volles Verständnis entgegengebracht werden wird. Um eine gleichmäßige Grundlage iür diese freiwilligen Zuwendungen zu schaffen und eine möglichst gerechte Verteilung der Lasten herbeizuführen, empfiehlt der Vorstand den Gemeindemitgliedern, ihre Spende mit 20% der Kultus steuer- 1 e i s t u n g zu bemessen. Nur dann, wenn wider Erwarten die freiwilligen Spendeneingänge nicht das aui das Mindestmaß herabgedrückte Erfordernis decken sollten, müßte sich der Kultusvorstand zur Vorschreibung eines obligatorischen Zuschlages entschließen, wobei selbstverständlich jedem die von ihm geleistete Spende voll in Anrechnung gebracht werden würde. Der Vorstand hofft aber mit aller durch die bisherigen Erfahrungen begründeten Zuversicht, daß jedes üemeindemitglied, dem noch das Glück beschieden ist, geben zu können, es als Herzenspilicht ansehen wird, freiwillig z u. h e I f-e n und damit einem der erhabensten Gebote des Judentums, der Betätigung der Nächstenliebe, gerecht zu werden. GemeindeitkTonife. Amsterdam. Für die iür November in Aussicht genommene jüdischhistorische Ausstellung im Amsterdamer Historischen Museum anläßlich der 300 Jahr-Feier der Amsterd am er aijchkenasis. clien Gemeinde wurde ein Ehrenkomitee gebildet, dem der Unterrichtsminister Prof. Dr. J. R. Slotemaker de Bruine, der Gouverneur von Nord-Holland Dr. Roell, der Bürgermeister von Amsterdam Dr. W. de Vlugt, der städtische Dezernent iür Kunst- und Museumswesen E. Boekman und der Präsident des aschkenasischen Gemeindeverbandes Hollands A. Asscher angehören. Warschau. Am 3. Oktober verstarb in seiner Warschauer Wohnung an Herzschlag der bekannte jüdische politische und wirtschaftliche Führer Vaclav Wyszlicki, der seit einer längeren Reihe von Jahxen dem polnischen Sejm angehörte und bei den letzten Sejm-Wahlen als einziger jüdischer A tjgeo rd neMer WÜa r:|ajiaus auf der Regierungsliste gewählt worden ist. Wyszlicki gehörte dem Sejm seit 1922 als Repräsentant der jüdischen Handels -und Industriekreise an. Er stand der Orthodoxie nahe und befand sich oft in Gegnerschaft zu den Repräsentanten der jüdisch-nationalen Politik. Er wurde als mutiger Kämpfer für jüdische Rechte von allen jüdischen Kreisen sehr geachtet. Er gründete und leitete das Anti-Hitler-Komitee, welches den Anti-Nazi-Boykott in Polen organisierte. Viel beachtet wurde sein kürzliches Auftreten im Prozeß gegen den Juden Halberstadt, der wegen brüsker Zurückweisung eines deutschen Warenangebots und angeblicher Beleidigung des deutschen Staatsoberhauptes von einem Warschauer Gericht zu acht Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Wyszlicki trat mit großer Wärme für den Angeklagten ein und erbot sich, dessen Stelle einzunehmen. Sein plötzliches Ableben hat unter den Juden Polens Trauec hervorgerufen. Wyszlicki wird keinen Nachiol- 8f3l)$t(iMSS!£!!2J Wien Seitenstettengasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem I. Tor Samatag g««cfalo»sen! ger im Sejm haben. Da Nachwahlen in einzelnen Kreisen nach den Bestimmungen des neuen polnischen Wahlgesetzes nur dann stattrinden, wenn mindestens ein Zehntel der Mandate frei geworden ist, bleibt die jüdische Bevölkerung Warschaus, die ein Drittel der Oesamtbevölkerung der Hauptstadt Polens darstellt und die größte Judengemeinde Europas bildet, ohne Vertretung im Sejm. Rom. Der Oberrabbiner von Florenz, Prof. S. A r t o m, schied aus dem Amte, um einen Lehrstuhl am italienischen Rabbinerseminar in Rom zu übernehmen. Damit ist die Zahl der verwaisten Rabbinersitze in Italien vermehrt. Die Zeitschrift „Israel" appelliert an den Verband jüdischer Gemeinden Italiens, sein Augenmerk der geistlichen Betreuung von größeren Gemeinden wie Mailand, Genua und Florenz — von kleineren Gemeinden ganz zu schweigen — zuzuwenden, da von der Lösung der Rabbinatsfrage die Zukunft der jüdischen Gemeinden Italiens weitgehend abhängig sei. Katastrophale Finanzlage der Warschauer Gemeinde. Der Präsident der Warschauer Jüdischen Gemeinde, Eli Mazu r, gab in einer Sitzung des Gemeindevorstandes bekannt, daß die Einkünfte der Gemeinde infolge der jüngsten Entwicklung auf ein Minimum gesunken sind und die Finanzlage der G emeindesich katastrophal verschlechtert hat. Daher war es in diesem Jahre nicht mehr wie in den früheren Jahren möglich, eine Unterstützungsaktion für die jüdischen Armen anläßlich der hohen Feiertage durchzuführen. Auch sei die Fortsetzung des Baues eines neuen Gemeindehauses, in dem eine Mikwah unci das Gemeindemuseum untergebracht werden sollten, aus Geldmangel unmöglich. 90. Geburtstag. Frau Katharina Kehn. XVII.. Geblergasse 69. leiert Dienstag, den 15. d. M., im Kreise ihrer Kinder. Enkel und Urenkel in voller Geistesirische ihren 90. Geburtstag. Die Jubilarin ist eine wahrhaft jüdische Frau und war durch mehrere Jahrzehnte eine ständige Besucherin des Tempels in der Hubergasse. Olmütz. Obwohl Kantor A. Stößler eine öffentliche Jubiläumsfeier anläßlich seines 7ü. Geburtsiestes und seiner am 15. September beendeten 45jährigen Dienstzeit in ein und derselben Gemeind-s entschieden abgelehnt hat, kann es sich der Verband der Kultusängestellten für Mähren und Schlesien nicht nehmen lassen, diesem ganz hervorragenden Kollegen und letzten Schüler Prof. Salonion Sulzers die herzlichsten Glückwünsche zu dieser so seltenen Feier auszusprechen. Kantor Stößler hat durch Unterricht bei den hervorragendsten Kantoren, sowie als Schüler des Wiener Konservatoriums unter der Leitung Josef Hellmesbergers reiche Fachkenntnisse gesammelt. Trotz seines Alters übt dieser Kollege seine Funktion in ungebrochener Kraft und Geschmeidigkeit seiner geschulten, höchst angenehmen und voluminösen Stimmittel aus. Seine Funktionen an den hohen Feiertagen werden allseits als Musterleistung bezeichnet. Kollege Stößler gilt in Fachkreisen als bedeutender Kore, hat sich weiters Jahrzehnte hindurch schriftstellerisch betätigt, hat in seiner Eigenschaft als Sekretär das Kanzleiwesen der Kultusgemeinde Olmütz von Grund aui reorganisiert und diesfalls die Anerkennung seiner Vorstände in vollstem Maße erhalten. Er ist Besitzer mehrerer hoher Auszeichnungen, darunter eines Arierkennuiigsschicibjns des Kavser Franz Josefs und des Ehrenzeichens vom Roten Kreuze. Treu und gewissenhaft in seinem Bernte hat er allezeit in vorderster Reihe gestanden, wenn es galt für die Hebung des Kantorenstandes und iür seine Interessen durch Wort und Schrift einzutreten. Die lieuer stattgehabte Generalversammlung des Verbandes der Kuitusangestellten iür Mähren und Schlesien hat daher in Würdigung der großen Verdienste, welche sich Kollege A. Stößler um den Kantorenstand erworben, denselben mit Stimmeneinhelligkeit zum Ehrenmitgliede ernannt. Gebete I up Rabbiner and Kantoren bei Leichenbegängnissen Kanforale Rezitafive Responsen und Chorgesänge bei Leichenbegängnissen von Salomon Salzer und dessen Bild mit Unterschritt um kleinen Format) Zu bezieben dnreb den Herausgeber Max Schwager, II., Zirkusgasse Nr. 50 Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang, Wien, Oberrabbiner Dr. S. Hevesi, Budapest, Oberrabbiner Doktor D. Herzog, Graz, Musikdirektor A. Friedmann, Berlin, Präsident des Kantorenvereines J. Löwit, Oberkantor M. Mathyas, Oberkantor J. Müller, Oberkantor M. Löwy, Mähr.-Ostrau, Oberkantor A. Wilkowitsch, Eger, Oberkantor H. Mayerowitsch, London u. v. a., haben sich über das obgenannte Werkchen in überaus anerkennender Weise, sowohl durch die Presse, als auch in freundlichen Zuschriften) an den Herausgeber geäußert