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Die Wahrheit · 1935-08-23 · Heft 34 (23.8.1935) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 34 (23.8.1935)
Date
1935-08-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 34 — 23. August 1935 Seite 7 Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2- Bez., TeJborstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _ Telephon A 49-3-69 Hingesendet. Ehrlichs nie untergehen. Das deutsche Vok und die deutsche Kultur haben ihm unendlich viel zu danken. In Ehrfurcht und in treuem Gedenken wird anläßlich des zwanzigsten Todestages Paul Ehrlichs die ganze Kulturwelt — Deutschland ausgenommen — den Kranz der Dankbarkeit auf seinem Grabmal auf dem jüdischen Friedhof zu Frankfurt a. M. niederlegen. Ein Briefwechsel, i. Berlin, den 11. Juli 1935. Sehr geehrter Herr Doktor. Wir haben mit Interesse von der sehr ertolgreichen Aurführung Ihres Werkes „Close Quarte r s" in London mit Oscar Hömolka in der Hauptrolle gelesen und möchten Sie höilichst bitten, uns doch einmal ein Exemplar Ihres Stückes zur Ansicht zugehen zu lassen, — ob englisch oder deutsch ist iür uns das Gleiche. Zugleich wäre es uns allerdings wichtig, zu erfahren, ob Sie Arier oder Nichtarier sind, da wir im zweiten Falle mit dem Werke auf den deutschen Bühnen nichts anfangen könnten. Sie wissen ia wahrscheinlich, daß der Drei- Masken-Verlag der größte deutsche Vertrieb dramatischer Werke ist und auch über sehr weitgehende internationale Verbindungen verfügt. Mit vorzüglicher Hochachtung Drei-Masken-Verlag, A.-Q. gez. zwei Unterschriften. II. Zürich, den 15. Juli 1935. Sehr geehrte Herren. Für Ihr freundliches Schreiben vom 11. d, , M. Ihnen bestens dankend, teile ich Ihnen ergebenst mit, daß ich ausdrücklich in meinem Vertrag mit meinem Verlag den Passus eingesetzt habe, daß keine meiner Arbeiten im Dritten Reich vertrieben oder auch nur angeboten werden darf, da ich mit diesem Reich keine Geschäfte irgendwelcher Art zu machen geneigt bin. Auf die mich lediglich merkwürdig berührende Frage, ob ich Arier sei oder nicht, kann ich nur antworien, daß ich das nicht weiß, cra ich nicht weiß, was ein Arier ist. Ich bin ein Mensch, und es mag sein, daß das mit Arier nichts zu tun hat, ein Problem, zu dessen Aulklärung ich mich als nicht kompetent erkläre. Dem Drei-Masken-Verlag und seiner Tätigkeit bis aum Jahre 1933 gebührt meine vollendete Hochachtung gez. 0. Somin. Palästina-Nachrichten. Antizionistische arabische Manifestationen. Die nationalistischen arabischen Kreise in Palästina haben den Besuch des Thronfolgers des Königreiches Hedschas, Emir Saud, in Palästina zu antizionistischen Manifestationen ausgenutzt. Große Massen Araber wurden aufgeboten, um dem Gast zu huldigen, damit auf diese Weise der Eindruck einer mächtigen arabischen Bewegung erweckt werde. Die Führer aller arabischen Parteien, unter ihnen der Mufti von Jerusalem Haj Amin el Husseini, wandten sich an Emir Saud mit dem Ersuchen, die arabische Bewegung in Palästina und deren Aktionen gegen den Zionismus zu unterstützen. Wieder 50 illegale Einwanderer verhaftet. An der Nordgrenze Palästinas wurden soeben wiederum etwa 50 Juden, in der Mehrzahl Frauen und Kinder, bei dem Versuch, die Grenze nach Palästina illegal zu überschreiten, verhaftet und in das Gefängnis von Haifa gebracht. Der Prozeß gegen sie wird in beschleunigtem Verfahren schon demnächst stattfinden. Keine Verwandten-Zertifikate mehr. Das Einwanderungsdepartement der Jewish Agency teilt mit, daß die Zertifikate für Angehörige von im Palästina lebenden Personen erschöpft seien. Bis die Regierung die Schedule für das nächste Halbjahr (Oktober 1935 bis März 1936) bestätigen werde, werden Anträge auf Gewährung von Verwandten-Zertifikaten nicht mehr bearbeitet werden. Wir werden um Verötientlichung folgender Erklärung ersucht: In „Die Stimme" (6. August 1935) wird unter der Spitzmarke „Revisionistische Erklärungen" das „Wiener Neuigkeits-Weltblatt" zitiert, in welchem im Zusammenhang mit der Nachricht von der Abhaltung des konstituierenden Kongresses der Neuen Zionistischen Organisation davon die Rede ist, daß die Revisionisten Wien als Ort der Kongreßtagung gewählt haben, weil erstens „die neue staatliche Ordnung in Oesterreich genau dieselbe ist, die die Revisionisten für den zionistischen Staat anstreben", und zweitens, um „die falsche Meinung zu zerstreuen, nach der auch in Oesterreich ein gewisser; antisemitischer Kurs besteht." „Die Stimme" fügt dem Zitat die Behauptung hinzu, daß der Inhalt des Berichtes des „Neuigkeits-Welt- Blatt" aus „revisionistischen Kreisen stammt" und daß sich die Revisionisten bei den Vorverhandlungen mit der österreichischen Regierung „als Antimarxisten aufspielten", was einer Denunziation der anderen Zionisten in Oesterreich gleichkommt. Wir haben in einer am 2. August 1935 abgehaltenen Konterenz mit den Vertretern der jüdischen Presse mit aller Deutlichkeit und Entschiedenheit festgestellt, daß weder eine revisionistische, noch irgend eine Instanz der Neuen Zionistischen Organisation oder irgend eine diesen nahestehende Privatperson mit dem Bericht des „Neuigkeits-Welt-Blatt" etwas zu tun hat. Es sei hier ferner festgestellt, daß auch die zweite Behauptung der „Stimme" eine glatte Unwahrheit ist. Der österreichischen Regierung wurde in den Vorverhandlungen erklärt, daß Wien als Kongreßort aus dem Grunde erwünscht ist, weil hier der Begründer des politischen Zionismus, Theodor HerzI, gewirkt hat und bestattet ist und weil Wien zentral gelegen ist, so MÖBEL Moderne Küchen« Vorzlmmer- Wohnzimmer- F. KOHN, Wien II., TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. daß ein Massenbesuch von Delegierten und Gästen zum Kongreß möglich wird. Die Behauptungen und Schlußfolgerungen der „Stimme" und jener jüdischen Blätter, die sie ihr entnommen haben und noch entnehmen, erweisen sich somit als plumpes Manöver zur Diskreditierung des Kongresses der Neuen Zionistischen Organisation. Das Pressedepartement des Kongreßbüros der N. Z. O. Paul Haller, Z. H. Wachsmann, Chefredakteur._ Pressechef. Aus Abbazia erreichen uns von verschiedensten Seiten Nachrichten über 'die Erstklassigkeit der dortigen renommierten koscheren Pension Stern. Das Essen, verläßlich koscher, ist vorzüglich, die Bedienung zuvorkommend, die Preise bürgerlich. So haben denn diejenigen, die das herrliche Abbazia besuchen und auf koschere Küche reflektieren, die Möglichkeit, ein Haus kennen zu lernen, in dem alles ihren Wünschen entsprechend geboten wird. Wer in Abbazia weilt, versäume nicht, die gediegene Pension Stern aufzusuchen. Beerdigungen. Realgymnasium für Mädchen, IL, Novaragasse 30. Einschreibungen und Auskünfte jeden Donnerstag, ab 1. September täglich von 10 bis 12 Uhr vormittags. Telephon R 49-3-75. ■itileilsAcs KOntgsiicht Seit vielen Jahren das anerkannt beste Unbekanntes Maimonides-Bildnis aufgefunden. Professor Umberto Cassuto. der Inhaber der Lehrkanzel für hebräische Sprache an der Universität Rom, hat ein aus dem 15. Jahrhundert stammendes, bisher unbekanntes Bildnis des Maimonides entdeckt. Das bekannteste bisherige Maimom'des-Bild wurde in dem 1774 erschienenen „Thesaurus Antiquitatum Sacrarum" reproduziert. Das jetzt aufgefundene Porträt ist künstlerisch von sehr hohem Wert. Es ist farbig und stellt Maimonides in orientalischer Tracht dar. _____XMgalidM" und Name Schutz Fabrik und Büro: Wien XIV., BraunhlrachmgassM 3 Telephon R 35-5-96 KfällÄJSüs Wien I., Seitenetettengasse 2 XI., Zentraliriedhof neben dem I. Tor _Samstag geachloMen I_ Gememde&Tonitz. Trauer um Dr. Deutschländer s. Ä. Die Trauer um den Heimgang des unvergeßlichen Führers der Orthodoxie iand in unzähligen Beileidsdepeschen und -briefen ihren Ausdruck. Im Rahmen der Aguda-Gruppen in aller Herren Ländern wurden während der ganzen Woche Trauerkundgebungen veranstaltet. In Wien versammelte sich der Vorstand der österreichischen Landesorganisation der Agudas Jisroel zu einer Trauersitzung, bei der der Vorsitzende, Herr Wolf Pappenheim, den schweren Verlust, den die Weltorthodoxie erlitten hat, in ergreifenden Worten schilderte. Am 12. d. M. abends fand im Dr. Krügerh e i m, dessen Vizepräsident Dr. Deutschländer war, eine Trauerfeier statt, zu welcher ein vornehmes Publikum, darunter führende Persönlichkeiten des jüdischen Wiens, sich eingefunden hatte. Nach einleitenden Worten der Präsidentin, Frau Hermine Krüger, sprach Frau Dozentin Eva Landsberg Worte des Gedenkens. In ergreifenden V/orten dankte eine Schülerin des Oberkurses, Frl. P i n t e r, dem verblichenen Lehrer und Meister. Dann würdigten noch Herr Rabbiner W. S. Jacobson, Kopenhagen, und der Direktor der Lehrerinneuaustalt, Rabb. Dr. P o 11 a k, in großangelegten Mespedim den Heimgegangenen, sein Werk und sein Wollen. Die eindrucksvolle Trauerfeier fand durch ein ergreifendes Elmolerachamin des Herrn Oberkantors Braun einen würdigen Abschluß. Die Zentrale und die österreichische Landes- und Jugendorganisation der Agudas Jisroel, die Keren Hathora- und Beth Jakob-Zentrale veranstalteten am Montag abends eine große Trauerieier im „Bayrischen Hoi", die sehr stark besucht war. Den Hesped hielt Herr Rabb. W. S. Jacobson, Kopenhagen, einer der intimsten Freunde und langjähriger Mitarbeiter des Heimgegangenen, der früher den Keren Hathora in Deutschland geleitet hat und jetzt dazu bestimmt ist, das Erbe Dr. Deutschländers, sein Lebenswerk: den Keren Hathora und Beth Jakob, vorläufig interimistisch zu verwalten. Wenn auch noch die endgültige Entscheidung seitens der zuständigen Zentralinstanzen der Agudas- Jisroel-Weltorganisation aussteht, so darf, wie wir erfahren, damit gerechnet werden, daß Herr Rabbiner W. S. Jacobson, der auf eine arbeits- und erfolgreiche Tätigkeit im Interesse der Orthodoxie zurückblicken kann und den Ruf eines hervorragenden Redners, Organisators und Pädagogen genießt, bald zur Gänze als Nachfolger Dr. Deutscliländers in das Amt eines Direktors der Keren-Hathora- und Beth Jakob-Zentrale einziehen wird. Musikdirekfor Aron Friedmann. Oberkantor i. R. in Berlin zu seinem SO. Geburtstage. Von Isidor L ö w i t, Präsident des Oesterreichischen Kantoren-Vereines. Am 22. d. M. feierte Oberkantor Musikdirektor Aron Friedmann seinen 8U. Geburtstag in seltener geistiger Frische. Dieser Festtag des Altmeisters des Synagogengesanges ist für die ganze Kantorenschaft ein Freudentag. denn der greise Jubilar ist mit Recht eine der berühmtesten Persönlichkeiten des Kantorenstandes. Der Oesterreichische Kantoren-Verein hat das Glück, Oberkantor Friedmann zu den Ehrenmitgliedern des Vereines zu zählen. Wir wollen in Kürze den biographischen Werdegang des Jubilars behandeln. Aron Friedmann wurde am 22. August 1855 in Schaki (Litauen) als Sohn eines Vorbeters geboren, war von seinem 10. Lebensjahre an als ..Singerl'' bei berühmten Chasanim tätig und erlernte dadurch das alttraditionelle Chasonis. Nach der Mutationszeit entwickelte sich bei Friedmann eine schöne Tenorstimme und vielversprechende Koloratur. Im Jahre 1878 kam Friedmann nach Berlin, trat in das Berliner Lehrerseminar, wurde Schüler des Rektors Aron Horwitz, absolvierte das Seminar mit gutem Erfolg und iegte 1882 das Religionslehrer-Examen ab. Im gleichen Jahre wurde er als Nachfolger Emanuel Kirschners, der als I. Kantor nach München berufen wurde, als II. Kantor an der „Neuen Synagoge" Oranienburgerstraße angestellt, wo er schon nach zwei Jahren zum Hauptkantor 'Oberkantor) avancierte. Oberkantor Friedmann studierte während seiner Kantorentätigkeit fleißig fort, absolvierte das Sternsche Konservatorium und wurde infolge seines großen Talentes und Lerneifers auf allen Gebieten ein vollkommen durchgebildeter Fachmann. Der Jubilar wirkte in Berlin über vier Dezennien bis zum Uebertritr in den Ruhestand im Jahre 1923. Er ist im Laufe seiner Wirksamkeit zum Meister des Synagogengesanges herangereift und bereicherte die Liturgie mit seinem hervorragenden Synagogengesangswerk „Schir li-Schlomoh" und verschiedenen anderen wertvollen Kompositionen. Oberkantor Friedmann hat auch bedeutende wissenschaftliche Werke herausgegeben, so z. B. drei Teile des umfangreichen Werkes „Lebensbilder berühmter Kantoren", ..Zur Geschichte des Kantons der Vorbeter", „Sammlung kantoral-wissenschattlicher Aufsätze", „Das liturgische Gesangsbuch für jüdische Religionschulen Deutschlands" usw. Schon aus diesen nur auszugsweise erwähnten Arbeiten ist zu ersehen, mit welchem emsigen Fleiß und e:frigen Be- Seit Menschengedenken wird Myrrhe-Extrakt gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches wirksam verwendet. ODOL-Mundwasser enthält außer dem Odol-Antiseptikum, den Myrrhe-Extrakt.

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