Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 32 (9.8.1935)
- Date
- 1935-08-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preif dteter Nimmer 40 Orotebea Jüdische Die Wahrheit In D«u«sohl«iid v«rfcat*al mit den Veröffentlichungen der »Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Sedaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Pottsparkassenkonto Wien: A 1004)18 51. Jahrgang Wien, 9. August 1935 Nummer 32 Der Sabbat des Trostes. Von Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Rasiere DUh gm* ondbüllg Ein Lehrer des Talmuds berichtet, daß er einst in eine der vielen zu seiner Zeit vorhanden gewesenen Ruinen Jerusalems eingetreten war, um zu beten. Beim Hinausgehen begegnete er der mystischen Gestalt des Propheten Eliahu, der, an der Schwelle stehend, auf ihn gewartet hatte und mm ihn unter anderem fragte: „Was für eine Stimme hast Du in der Ruine gehört?" Der Gelehrte antwortete: „Ich vernahm einen Ruf wie den einer girrenden Taube, und1 dieser lautete: Wehe mir, daß ich mein Haus zerstörte, meinen Tempel In Flammen aufgehen ließ und meine Kinder unter die Nationen vertrieb." — Eliahu sagte hierauf: „Mein Sohn, bei Deinem Leben schwöre ich es, daß nicht bloß einmal, sondern dreimal des Tages diese Stimme ertönt, aber auch damit nicht genug, sondern so oft die Israeliten in die Synagogen und Lehrhäuser eintreten und sprechen: „Es sei der große Name des Heiligen gelobt", schüttelt gleichsam Gott sein Haupt und sagt: „Glücklich der König, den man im sekem Hause so preist; aber was hat der Vater, wenn er seine Kinder unter die Völker verbannt hat und wehe den Kindern, die fortgewandtert sind vom Tisch ihres Vaters. — In dieser von tiefer Trauer erfüllten Erzählung liegt die Bedeutung des Schicksals des Judentums seit dem 9. Ab. — Gleichwie ein Vulkan, der vor Jahrtausenden blühende Felder uirfien seiner Lava deckt hatte, noch immer nicht erloschen ist und von Zeit zu Zeit seine Tätigkeit aufnimmt, so daß die Erde unter ihm erbebt und sein Krater verheerende Elemente wieder ausstreut, so wirkt noch bis zur Stunde die Katastrophe jenes verhängnisvollen Tages, und wo immer der Jude weilt, glaubt er ein Beben unter seinen Füßen zu spüren und ein Gefühl der Unsicherheit erfüllt ihn und verläßt ihn nicht. Viele Soziologen, Historiker, Politiker versuchen für die entsetzlichen Verfolgungen, denen das Judentum seät je ausgesetzt ist, verschiedenartige Motive anzugeben, bald den religiösen Fanatismus, bald den Rassenwahnsinn und bald sogar die wirtschaftliche Not der Völker, in) deren Mitte das Judentum sich befindet Die Judenfeinde wiederum wollen den glühenden Haß und Widerwillen .. mit der angeblichen Minderwertigkeit der Verfolgten, mit dem nicht hoch genug stehenden Niveau derselben begründen. Der einfache jüdische.Volkssinn aber hat hiefür nur ein e Erklärung: Golus, oder wie es in jener Stelle heißt: „Wehe den Kindern, die vom Tisch ihres Vaters verbannt worden sind", oder wie ein ariderer talmudischer Ausspruch lautet: Das Judentum gleicht einem irdenen Topf, fällt der Stein auf den Topf, zerbricht der Topf, fällt der Topf auf den Steüv zerfällt, wieder der Topf in Stücke, oder um einen modernen Ausdruck zu gebrauchen: das Judentum ist eine überaus geringe Minorität, allen Angriffen schutzlos ausgesetzt. Weil aber politische Ohnmacht und äußere Schwäche es ist, aus dem Untergang des jüdischen Staaites hervorgegangen, die wie Rost das Schwert des Judentums zerbrechlich gemacht, und nicht etwa innere Fäulnis dasselbe zerrüttet hat, darum darf das Judentum auf den Tag der Trauer den Sabbat des Trostes auch in dieser schweren Zeit folgen lassen. Gewiß steh* das Gebäude des Judentums im einsögen Lande der Denker und Dichter und im jetzigen der Kasernen und Konzentrationslager in hellen FBammen und ein unsagbares Martyrium wird von einem Volke von 64 Millionen Menschen, eine? Handvoll Bekennem Adonais auferlegt, allein die sittliche Kraft des Judentums ist ungebrochen und hat sogar noch eine Steigerung erfahren. Gleichwie wenn jemand eine Schutzhütte baut und, so er den Sturm herannahen fühlt, die Fertigstellung derselben beschleunigt, also wird jetzt im Heiligen Lande von allen Juden, mögen sie welcher politischen Anschauung immer angehören, mit um so stärkerer Kraft an dem Heim gezimmert. Nicht minder bedeutungsvoll ist aber auch die sittliche Aufrüstung des Gesamtjudentums. — Im Talmud wird die Frage aufgeworfen, warum Gott die Juden wie Sandkörner über den ganzen Erdball ausgestreut, hat, und die Antwort lautet, daß er ihnen damit, eine Gnade erwiesen habe. Und tatsächlich, wenn, die Sonne des Glücks in dem einen Lande für das Judentum unterzugehen scheint, leuchtet sie um so mehr in einem anderen auf. Unsere Brüder in Nordamerika, die unter der sternengeschmückten Fahne ihres Vaterlandes in Freiheit leben, sie sind es, die auch den Mut und die Begeisterung ^aufbringen, gegen die finstere Nacht der Verfolgung anzukämpfen. — Man spricht jetzt viel ven den „Geburtswehen" der nahenden messianischen Zeit. Ueber diese ist eine Weissagung vorhanden, welche verkündet, daß in der dem Messias vorangehenden Epoche „die Frechheit wachsen, die Wahrheit verschwinden, die Weisheit der Gelehrten und die Reinheit der sittlichen Männer geringe geschätzt werden". Und mahnend fügt sie hinzu: „Auf niemand können wir uns stützen, nur auf unseren Vater im Himmel." — Gewiß tobt noch der zerstörende und verheerende, glühend lodernde Judenhaß und unübersehbar ist der Schaden, der einem der herrlichsten Gefilde unseres1 Volkes zugefügt wird, allein der Sabbat des Trostes ruft uns beruhigend und aufrichtend zu: „Es dorrt das Gras, es welkt die Blume, das Wort unseres Gottes aber besteht; ewiglich." Häuserverwaltaagen Vermittlungen Geldbeschaffungen ssnsal A 48-9-22 R. TAUBMU1NN Wim, II. Bezirk, NordpolitraB« 2/3 Repäraturkredite ZlnsvorscfaQsse kulantest OesferrelchlsclKs QoaMäfsTalHlkat Ueberau erhältlich dDrangsalierangen." In Nr. 29 der „Wahrheit" vom 19. Juli berichteten wir auf Grund von Mitteilungen der „Kremser Zeitung" über einen Vortrag des Herrn Minister a. D. Dr. Emmerich Czermak, in dem dieser behauptet haben soll: „Die Juden haben uns Christen drangsaliert, wo und wie sie nur konnten." Wir freuen uns nun, einem Schreiben des Herrn Dr. Czermak an unsere Redaktion entnehmen zu können, daß er in seinem seinerzeit in Horn (nicht in Krems) gehaltenen Vortrag die von uns zitierte Behauptung im generellen Sinne nicht gemacht hat. Wir stellen nochmals fest, daß die Zitierung auf Grund eines Berichtes der „Kremser Zeitung" vorgenommen wurde, so daß diese also das Verschulden trifft, durch eine falsche Berichterstattung Herrn Minister a. D. Dr. Czermak in ein schiefes Licht gesetzt zu haben. Dennoch stehen wir nicht an, den Irrtum auch unsererseits gerne zu berichtigen. Redaktion der „Wahrheit". Richtige Verkehrswerbung. Ju- Die „Union österreichischer den" erhielt folgende Zuschrift: Oesterreichische Verkehrswerbung Werbedienst des Bundesministeriums für Handel und Verkehr, Wien I., Nibelungengasse 4. An die 6. August 1935. Union österreichischer Juden Wien IX., Berggasse 4. Ihre Mitteilung über die Ankündigung in der „Oberösterreichischen Fremdenverkehrs - Reisezeitung", betreffend die Sommerfrische Hirschbach, haben wir mit Bedauern zur Kenntnis genommen und gleichzeitig die nötigen Schritte unternommen, damit sich derartige Uebergriffe nicht mehr wiederholen. Bei dieser Gelegenheit können wir Ihnen nochmals die Versicherung geben, daß Orte und Betriebe, welche eine Diskriminierung der Gäste vornehmen, von der Verteilung der Werbeschriften ausgeschlossen und auch bei der Auskunftserteilung nicht berücksichtigt werden. Diese Haltung wird nicht nur von uns, sondern von sämtlichen 14 auswärtigen Zweigstellen beobachtet Wir empfehlen uns mit vorzüglicher Hochachtung Oesterreichische Verkehrswerbung Werbedienst des Bundesministeriums für Mandel und Verkehr. Unterschrift unleserlich.