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Die Wahrheit · 1935-07-19 · Heft 29 (19.7.1935) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 29 (19.7.1935)
Date
1935-07-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 40 Groschen Jüdische Die Wahrheit In Deutschland werbotenl mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden* "Erscheint jeden Freitag Redaktion und Administration: Wien 11., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 51. Jahrgang Wien, 19. Juli 1935 Nummer 29 I^Herma v. Schuschnigg | Oesterreich stand in der abgelaufenen Woche im Zeichen aufrichtiger Trauer um die bei dem •schweren Autounglück der Familie unseres Bundeskanzlers ums Leben gekommene Frau Herma von Schuschnigg. Mit den Trauergästen schritt ganz Oesterreich hinter dem Sarge einer Frau, .von der auch der böseste Hasser niemals anderes als Gutes sagen konnte. Denn die Gattin unseres Kanzlers begnügte sich nicht damit, wohltätigen Aktionen ihren Najnen,. den Namen ihres "Gatten zu4eihen. Sie setzte immer wieder auch ihre eigene Arbeit, nicht die Arbeit der. Kanzlersgattin, sondern die Arbeit einer Frau schlechthin und einer Mutter ein. Nur wollte sie nicht, daß man viel Aufhebens mache von dieser Tätigkeit, zu der sie sich, erfüllt von echtem Karitasgedanken und aus einem jungen, übervollen Herzen heraus, verpflichtet fühlte und die sie — das sei besonders rühmend festgestellt — allen Kindern ohne Unterschied des Glaubens zuteil werden ließ. Eine junge Frau ist gestorben, ehe sie noch das Leben in seiner ganzen Schönheit hatte genießen können; mit der gesamten Bevölkerung Oesterreichs betrauert auch die österreichische Judenschaft den Heimgang dieser edlen Frau. Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde hat an Bundeskanzler Dr. Kurt von Schuschnigg das nachstehende Telegramm gerichtet: „Tief. erschüttert durch die Trauerbotschaft spricht Ihnen der Vorstand der Wiener jüdischen Kultusgemeinde die herzlichste und aufrichtigste Teilnahme aus." Der . Oberrabbiner von Wien, Dr. David Feuchtwang, telegraphierte an den Bundeskanzler: „Auf das tiefste erschüttert, nehme ich den innigsten Anteil an dem unersetzlichen Verlust, den Sie erlitten haben. Möge der Allmächtige Ihnen Kraft geben, das Unvermeidliche ungebrochen zu tragen. Wir danken Gott für die Errettung Ihres für unser Vaterland Oesterreich so kostbaren Lebens und des Lebens Ihres Kindes." Die „Union österreichischer Jud e n" schrieb Herrn Bundeskanzler Dr. Kurt von Schuschnigg: Hochverehrter Herr Bundeskanzler! Das furchtbare Unglück, das Sie, hochverehrter Herr Bundeskanzler, getroffen, hat in unserem ganzen Lande tiefe. Trauer und aufrichtiges Mitgefühl ausgelöst. Mit iler gesamten Bevölkerung Oesterreichs betrauert auch die durch die „Union österreichischer.,, Juden" repräsentierte vaterländisch-religiöse Judjenheit unseres Landes den auf so entsetzliche Welse erfolgten Heimgang der edlen Frau, die Ihnen',' hochverehrter Herr Bundeskanzler, in schwersten Zeiten eine hingebungsvolle, treu sorgende;!Gättin gewesen ist Die schwierige Aufgabe, die ihr an Ihrer Seite gestellt war, hat sie getreulich erfüllt. Ihr Andenken wird auch in unseren Reihen fortleben als das der Gattin des Führers Oesterreichs, als das einer fürsorglichen Mutter, sowie einer edlen Menschenfreundin, die stets bestrebt war, Not und Elend zu lindern. Ihnen, hochverehrter Herr Bundeskanzler, den ein gütiges Schicksal vor Unheil bewahrte, und Ihrem Sohne, der in so jungen Jahren die geliebte Mutter verloren hat, gestattet sich die „Union österreichischer Juden", ergebenst das innigste Beileid zum Ausdrucke zu bringen. Möge die Anteilnahme der gesamten österreichischen Bevölkerung Ihnen die Stärke geben, den furchtbaren Schicksalsschlag mit Fassung zu ertragen. Genehmigen Sie, hochverehrter Herr Bundeskanzler, den_ Ausdruck . unserer besonderen Ergebenheit Union österreichischer Juden. Der Vizepräsident: Der Präsident: Dr. Josef T i c h o. Dr. Hermann Oppenheim. Pogrom in Berlin. Nun ist es auch in der Hauptstadt desi Dritten Reiches zu jenen Ausschreitungen gekommen, die seit dem Anbruch dieser gesegneten Staatsform dank der Hetztätigkeit von Streicher und Konsorten in allen'übrigen Städten und Dörfern des Reiches an der'Tagesordnung waren. Bistier blieb Berlin von Ausschreitungen dieser Art verschont, was sich insbesondere damit erklären läßt, daß die braunen Machthaber sich doch davor scheuten, im Zentrum des Reiches, dem Sitz der diplomatischen Vertretungen aller Herren Länder und dem fre- Quentiertesteri Besüchsorte internationaler Gäste, das Schauspiel zu bieten, das die weniger vonden Augen der Welt beobachteten Orte Deutschlands Jast tagtäglich bieten. Seit-.einiger Zeit ist aber auch Berlin Jn die Hände .Streichers gefallen, seit einiger Zeit besitzt w dort eine Werbezentrale, die auf. das intensivste arbeitet und deren sichtbarste . Erfolge eben Rasiere Didi gut and billig Oesterreldiisclies Qualität* fabrlkat Ueberau erhältlich dafür maßgebend, daß man nun auch in Berlin diese bis nun dort bekundete Zurückhaltung über Bord geworfen hat. Zunächst hat es sich seit einiger Zeit das Ausland bedauerlicherweise abgewöhnt, die judenfeindlichen Vorgänge im Dritten Reich mit jener Schärfe zu verurteilen, mit. .der es. diese Erscheinungen verdammte, als sie zum erstenmal im Deutschen Reich beobachtet werden konnten. Die ständige Wiederholung dieser Vorfälle hat das Weltgewissen stumpf gemacht; es ist bezeichnend, daß der Schundfilm, der Anlaß zu den Ausschreitungen am Kurfürstendamm geboten hat schwedischen Ursprungs ist, also aus einem Lande kommt, dessen gesamte Oeffentüchkeit seinerzeit als eine der ersten gegen die antisemitischen Greuel im Dritten Reich aufs schärfste protestierte. Reden wie die folgende, die der Abgeordnete Barnett J a n n e r im englischen Parlament im Verlauf der Generaldebatte über die außenpolitische Deklaration des Ministers Sir Samuel Haore gehalten hat, gehörenr heute zu den Seltenheiten auf der Welttribüne; heute ist es usueller, Deutschland die Ehre von Frontkämpferbesuchen zu erweisen, jenem Deutschland, das die Ehre der jüdischen Frontkämpfer seines Landes in den Kot zerrt. Barnett Janner führte in seiner Rede folgendes aus: „Die Lage der Juden in Deutschland wird immer grauenvoller und unerträglicher. Die Führer der Nationalsozialistischen Partei stehen an der Spitze der antijüdischen Hetze und suchen die Bevölkerung durch aufreizende Reden dazu die Pogrome darstellen, deren Schauplatz anfangs dieser Woche der Berliner Kurfürstendamm und seine Nebenstraßen gewesen sind. Wird dieser Kurfürstendamm, der seit jeher ein Anziehungspunkt der internationalen Wert gewesen ist, heute von dieser nicht mehr f-equentiert? BeHeibe nicht! Am gleichen Tage, als Ii sich dort die schweren antisemitischen Ausschüttungen, ereigneten, traf in der deutschen Reichshauptstadt die Abordnung der englischen Frontkämpfer ein, die gleich zum Empfang eine seltsame Illustration vom neuen Deutschland erhielt. Woher kommt es, daß man jetzt in der Hauptstadt des Dritten Reiches nicht mehr aus Scheu vor dem. Auslande jene Zurückhaltung übt, die man bisher dort beobachterf konnte und die es bewirkte, daß. das verängstigte Judentum der . deutschen Xlejnstädte und Dörfer seit längerer Zeit in. Berlin „Zuflucht"suchte. Zwei. Gründe sind Nadi Ameriha und Kanada *S Koschere Köche auf der Majestic 56.000 t Berengaria 52.000 t Aquitania Cuaacd White: Statt Repräsentanz: Wien I. Kärntnerring 4 Tel. U 464-48 U 42-0-43

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